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Sinkende Schiffe - von Pedro, 11.06.2010
Sinkende Schiffe

(Nach einer Idee von A.H.)

Er saß auf dem Klo und schaute auf den Boden. Seine Füße konnte er genau betrachten. Er bewegte sie abwechselnd wie die Tastatur des Klaviers, wenn er gelangweilt dasaß und nicht üben wollte.
Dann nahm er ein Stück Klopapier und faltete es zu einem kleinen Schiffchen – er tat das nicht nur einmal und so fand er sich mit lauter gefalteten Klopapierschiffchen um sich herum wieder.
Als das Papier aufgebraucht war, hielt er nur noch die langweilige Papierrolle in der Hand. Er seufzte. Erst jetzt fiel ihm auf, wie groß seine Hände waren.
Er wollte eine neue Klopapierrolle nehmen, die hinter ihm auf der Fensterbank stand. Als er sich zu ihr umdrehte – musste er jedoch zunächst die Augen zukneifen – die Sonnenstrahlen blendeten ihn.
Damals war das nicht so gewesen. Er wollte erneut ein Papierschiffchen falten, doch er tat es nicht.
Er drehte sich noch einmal zum Fenster um, als ob er von den Sonnenstrahlen ermahnt werden wollte.
Danach beendete er sein Geschäft, indem er dieses Klopapier für seinen eigentlichen Zwecke verwendete.
Er hob jedes Schiffchen auf und warf jedes einzeln in das dunkle Loch. Dann drückte er die Spülung und so verschwanden die Schiffchen.

Er wusch sich die Hände, ohne Seife zu benutzen. Er empfand es als unglaublich „erwachsen“, sich die Hände mit Seife zu waschen.
Er ging auf die Tür zu.
Noch einmal umdrehen wollte er sich, um zu sehen, ob auch alle Schiffchen sorgfältig beseitigt waren – doch er tat es nicht.
Vielleicht deshalb, weil er dann bemerkt hätte, dass er eins bewusst in der Ecke übersehen hatte.
„Du musst bleiben – sonst vergesse ich die anderen“, sagte er mit einem traurigen, dennoch sicheren Unterton.
Er zog die Tür hinter sich fest zu.



©2010 by Pedro. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Pedro
Am 09.08.2010 um 22:42 Uhr

Hallo Scharkali,

entschuldige, dass ich erst jetzt auf deinen Kommentar reagiere.

Deine Textanalyse entspricht meiner Schreibabsicht.

Dass dir mein Textchen gefallen hat, freut mich sehr, dass ich dir immer sympathischer werde, noch mehr.
Schönen Abend.

Pedro








zuletzt geändert am 09.08.2010 um 22:44 Uhr.


Von ScharkaliScharri
Am 26.07.2010 um 20:26 Uhr

hi Pedro,

meines erachtens nach ist klar, was du mit dieser geschichte zum ausdruck bringen möchtest. da hockt einer auf dem klo, nicht mehr ganz junge, aber auch noch nicht ganz erwachsener. er will das eine, ohne das andere vergessen zu müssen. und solange er sich dieses eine schiffchen bewahrt, sehe ich nicht, worüber er sich sorgen machen müsste. ;-) vielleicht über sein klavierspiel. wenn er erst erwachsen ist - d.h. selbstbestimmt handelt - wird er es vielleicht lassen und sich dingen zuwenden, die ihm spasz machen.

gute geschichte, wenn auch ein ungewöhnliches ambiente. schon die zweite klo-geschichte von dir. du wirst mir immer sympathischer. ;-)

lg,

ss



Von Pedro
Am 21.06.2010 um 10:35 Uhr

Das Ganze sollte eine Metapher sein. Was fehlt da nach deiner Meinung?


Von Murmeltearding
Am 20.06.2010 um 18:42 Uhr

Irgendwie hinterlässt die Geschichte das Gefühl von Unvollständigkeit in mir... da fehlt doch was!

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Es gibt 4 Kommentare


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