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SEYCOONS (1) - von Aabatyron, 21.12.2009
Seycoons


Kapitel 1: Das Mädchen vom Stadtpark


Es war Winterzeit, die Stadt ist erfüllt von geschäftigem Treiben der vielen Menschen welche sich auf Weihnachtseinkauf begeben haben. Tom wollte nur eine Kleinigkeit für den jüngeren Bruder und seine Eltern kaufen. Er hatte nicht allzu viel Geld mitgenommen – man hörte immer um diese Zeit, dass gerade in einer großen Stadt Diebe unterwegs waren die den Tumult nutzten um den Leuten im Gedränge die Taschen leerzumachen. Da sollte man seine Ausweispapiere oder Girokarte sicher verstaut oder gar nicht mitführen – und vor allem nicht all seine Ersparnisse zum Einkauf mitnehmen.

Das Auto stellte er für die Dauer seines Einkaufes in einem großen Parkhaus ab. Das war vielleicht ein Stress gewesen, dort einen freien Platz zu finden. Genervt musste er drei mal durch die Parketagen fahren bis er endlich einen freien Platz entdecken konnte.

Das Parkhaus stand gleich in der Nähe einer kleinen Parkanlage. Toms Mutter hatte ihm jedoch geraten, nicht durch den Park zu laufen – fast jeden Tag stand in der Zeitung, dass dort irgend jemand überfallen worden war.

Tom fand recht schnell die gewünschten Geschenke. Für seinen Bruder eine DVD mit dem neuesten Abenteuerfilm, die Mutter fand meist Gefallen an einem bestimmten Parfume, dem Vater hatte er eine große Flasche Rasierwasser gekauft. Das Parfume zu finden war nicht einfach gewesen – erst im dritten Geschäft war er fündig geworden.

Zur Weihnachtszeit gab es sehr viele verlockende Angebote. Tom kam nicht sehr oft in die große Stadt um einzukaufen. Deshalb schlenderte er jetzt doch noch ein wenig durch die Verkaufsgassen – vielleicht gab es dort noch etwas Interessantes mitzunehmen. Einmal wurde er von ein paar Jugendlichen im Gedränge angerempelt, einer der Jungs entschuldigte sich allerdings sehr höflich. Tom dachte trotzdem an die Warnung seiner Mutter und griff automatisch in seine Tasche – die Geldbörse war noch da.

In einem großen Bekleidungsgeschäft waren sehr viele Sonderangebote ausgeschrieben. Als er sich die vielen modernen Kleider ansah, entdeckte er eine Jacke, die ihm sehr gut gefiel. Der Preis war wirklich mehr als günstig – also machte er gleich eine Anprobe. Diese Jacke passte wie angegossen. Tom kramte die Geldbörse aus seiner Tasche und schaute nach, ob er noch so viel Geld dabei hatte, um diese Jacke bezahlen zu können. Es reichte gerade aus. Die Parkgebühren, die hatte er fast bei seiner Kalkulation vergessen – er schaute kurz auf die Uhr und rechnete die zu entrichtende Gebühr aus. Es würde vier Euro kosten wenn er in der nächsten halben Stunde aus dem Parkhaus fuhr – das wurde knapp.

Natürlich hatte sich eine lange Schlange vor den Kassen gebildet. Immer wieder blickte Tom auf seine Uhr. „Na endlich“, entfuhr es ihm ungewollt, als die Verkäuferin die Jacke zusammenlegte und den Preis in der Kasse eintippte.

„Jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen“, dachte Tom, als er das Kleidergeschäft hastig verlies. Er hatte noch zehn Minuten Zeit bis die nächste Parkgebührstunde anbrechen würde – das kostete dann gleich zwei Euro mehr – die er allerdings momentan nicht mehr besaß.

„Ich muss die Abkürzung durch den Park nehmen“, murmelte er laut vor sich hin. Plötzlich konnte er ein Grinsen nicht vermeiden. Er dachte gerade daran, dass sich bei ihm momentan ein Überfall wegen Geld bestimmt nicht lohnen würde. Nur noch 4 Euro und ein paar Cents befanden sich in seiner Geldbörse – gerade noch ausreichend für die Parkgebühren. Die Eurokarte hatte er vorsichtshalber zu hause gelassen – zuvor hatte er nicht damit gerechnet, dass er heute auch noch eine Jacke kaufen würde.

Die Parkanlage war mit vielen Sträuchern und Bäumen bepflanzt worden. In der Mitte standen ein paar Sitzbänke um sich bei schönem Wetter setzen und die Ruhe genießen zu können. Allerdings wurden diese Bänke nicht wie geplant von älteren Menschen benutzt, sondern waren meist umlagert von jugendlichen Randalierern die ihrem Unmut, keine Arbeit und kein Geld zu haben, dort lautstark Luft machten. Überall in dem Holz der Leisten waren Namen eingeritzt, teilweise sogar die Leisten abgerissen worden. Die vielen leeren Flaschen rings um diese Bänke verrieten, dass es die Jugendlichen mit dem Alkoholverbot auch nicht sonderlich genau nahmen.

Als Tom zügig quer durch den Park lief, konnte er allerdings heute Gottseidank keine Randalierer entdecken. „Nur schnell hier durchlaufen“, trieb sich Tom selbst zur Eile. Da sah er auch schon den Seiteneingang des Parkhauses. Zwischen einer dichten Buschgruppe war ein kleiner Trampelpfad zu sehen. Anscheinend nahmen viele Leute diese Abkürzung quer durch die Grünanlage, damit sie schneller zu dem Parkhauseingang gelangen konnten.

Das wäre eine ideale Stelle für einen Überfall – dachte sich Tom, als er auf dem schmalen Pfad zwischen den Büschen halb geduckt durchschlüpfte. Es fing langsam an zu dunkeln. Außerdem war es inzwischen eisig kalt geworden und er spürte die Kälte bereits an Händen und Füßen. Der Gedanke an die Gefahr bescherte eine zusätzliche innere Kälte die ihn erschauern lies. Gleich war er am Eingang zum Parkhaus.

„Oh mein Gott!“, entfuhr es Tom laut, als er plötzlich sah, was da seitlich unter den Büschen hervorragte. Sein Herz pochte wie wild. Eine richtige Hitzewelle durchströmte seinen Körper als der Schock über das was er gerade sah folgte. Da lag ein Körper in dem Gebüsch. Er konnte die nackten Beine eines jungen Mädchens sehen. Tom wollte instinktiv um Hilfe rufen, aber in seiner Kehle saß ein Kloß, der ihn keinen Ton hervorbringen ließ.

„Ich muss ihr helfen“, war sein nächster Gedanke. Als er sich tiefer in das Gebüsch wagte, sah er, dass das Mädchen keinerlei Kleider trug. Er konnte zwar keine sichtbaren Verletzungen entdecken, aber sie lag da wie tot. „Puls fühlen“, kam ihm in den Sinn. Tom erschrak, als er ihren Arm berührte – er war eiskalt. Er wußte im ersten Moment nicht, ob das fühlbare Pochen von seinem eigenen aufgewühlten Kreislauf kam, oder doch das schwache Lebenszeichen war, das signalisierte, dass dieses Mädchen noch lebte. „Hallo – kannst du mich hören“ - versuchte er die am Boden Liegende anzusprechen. Keine Reaktion. „Hilfe – ich muss Hilfe holen“ - schoss es Tom durch die Gedanken. Na klar, das Handy in der Tasche.

Vor Aufregung musste er erst überlegen wie die Notrufnummer lautete. Es meldete sich eine energische Stimme: „Wer ist verletzt, welche Art Verletzung, wo ist der Ort.......versuchen warm zu halten bis der Rettungswagen eintrifft....“

Tom gab automatisch Antwort und während er telefonierte, legte er die wärmende Jacke über das von ihm gefundende Opfer. Erst nachdem sein Gesprächspartner alle Informationen bekommen hatte und ihm auch Instruktionen über sein Verhalten gab, beruhigte sich der Kreislauf von Tom ein wenig. Er sollte auf jeden Fall warten bis der Rettungsdienst eintraf damit er sie zu der Stelle mit dem Mädchen führen konnte.

Wenn man so wartet, sind ein paar Minuten eine halbe Ewigkeit. „Was ist mit diesem Mädchen passiert?“, fragte sich Tom in Gedanken. Sie war offensichtlich nicht verletzt worden – vielleicht hatte sie zu viel Alkohol getrunken und war deshalb in den Büschen gelandet. Aber er roch keinen Alkolhol. Da ihre Kleider fehlten konnte es durchaus sein, dass sie vergewaltigt worden war und man sie hernach bewußtlos in den Büschen der Kälte der Nacht ausgeliefert hatte.

Zwei Minuten waren inzwischen vergangen. Tom sah sich das Mädchen genauer an. Lange blonde Haare, schlank – eine richtige Schönheit. Das konnte auch so ein verrücktes Fotomodell sein, welches sich eine zu hohe Dosis Koks in die Nase gezogen hatte und ohne Fremdverschulden in den Büschen gelandet war.

Toms Gedanken wurden jäh unterbrochen als er das schnell näher kommende Signalhorn des Rettungswagens hörte und kurz danach auch schon die blinkenden Lichter erspähte.

Er trat schnell aus den Büschen hervor um den Fahrer des Rettungswagens zu stoppen. „Junge, bist du denn verrückt? - Fast hätte ich dich überfahren!“, schalt der Fahrer, nachdem das Auto mit einer Vollbremsung zum stehen gekommen war. „So ein verrückter Kerl – springt der mir doch direkt vors Auto anstatt am Rand Signal zum Halten zu geben“.

Die beiden Notärzte waren schon aus dem Wagen gesprungen als sich Tom für sein leichtsinniges Verhalten versuchte zu entschuldigen. „Wo genau liegt das Mädchen?“, wollte der erste sofort wissen. Tom führte sie zu der Stelle, an der er das Mädchen entdeckt hatte.

Kaum waren die beiden Ärzte bei ihrer Patientin, traf auch die Polizei mit einem Streifenwagen ein.

„Wann haben sie die junge Frau aufgefunden?“, wollte einer der Polizisten wissen, nachdem er die Personalien von Tom aufgenommen hatte. Jetzt löste sich bei Tom die Anspannung ein wenig und er erzählte dem Polizisten bis ins letzte Detail, was für einen Schreck er bekommen hatte, als er dieses Mädchen in den Büschen liegen sah.

Die beiden Ärzte kümmerten sich inzwischen um das Mädchen. Tom hörte dem Gespräch zu, welches der Polizist mit den Ärzten führte.

„Sie ist nicht verletzt – offensichtlich auch nicht vergewaltigt worden. Sie hat eine Unterkühlung, aber warum sie ohnmächtig wurde ist nicht feststellbar.“ Eine kleine Pause folgte. „Nein, Drogen und Alkohol ist als Ursache auszuschließen“, wurde jetzt vom Arzt bestätigt. „Da müssen wir wohl die Untersuchung im Krankenhaus abwarten“, meinte einer der Polizisten.

Die beiden Polizisten versuchten, Spuren von den Kleidern des Mädchens zu finden. Tom konnte sehen, dass sie mit Taschenlampen das umliegende Gestrüpp sorgfältig ableuchteten – aber anscheinend nichts finden konnten.

Inzwischen war noch ein Rettungswagen eingetroffen und die Sanitäter zogen eine Krankentrage aus dem Auto. Tom sah zu, wie sie das Mädchen auf die Trage betteten und mit einer wärmenden Decke versuchten die Kälte von ihrem Körper abzuhalten.

„Keine Identität feststellbar“, bemerkte einer der Polizisten an dem Funkgerät. Er hatte eine Beschreibung des Mädchens an die Zentrale durchgegeben und nur erfahren, dass mit dieser Personenbeschreibung keine Vermisstenanzeige vorlag.

Inzwischen hatten sich viele Schaulustige vor dem Eingang des Parkhauses eingefunden. Die immer noch blinkenden Lampen des Rettungswagens und der Polizei erregten ihre Neugierde.

Tom hatte seine Adresse angeben müssen – falls es später noch Fragen geben sollte. Er sah dabei zu, wie das Mädchen gerade in den Krankenwagen geschoben wurde. „Sie wird wieder gesund werden“, tröstete einer der Notärzte, als er das besorgte Gesicht von Tom sah.

Da, plötzlich schien sie kurz zu sich zu kommen – jedenfalls schlug sie die Augen auf und sah Tom genau ins Gesicht.

Tom durchfuhr es wie ein Blitz. Zwei hellblaue Augen sahen ihn durchdringend an und Tom hatte das Gefühl wie hypnotisiert in eine andere Dimension geschleudert zu werden. Nur ein paar Sekunden – aber für Tom war es wie eine Ewigkeit – dann schloss sie wieder die Augen.

Dieser kurze Blickkontakt war noch aufregender gewesen wie zuvor die Endeckung des Mädchens in dem Gebüsch. Tom war völlig verwirrt – so etwas hatte er noch nie erlebt. Diese kurze „Bilderflut“ war so real gewesen – wie wenn er alles tatsächlich mit eigenen Augen gesehen hätte. Er musste sich zwingen, wieder in die Realität zurückzukommen.

Die Türen des Krankentransportes schlossen sich. Tom stand noch immer nachdenklich vor dem Eingang des Parkhauses, als die Signalhörner des Krankenwagens bereits in weiter Ferne langsam verstummten.

Als er an dem Kassenautomat ankam, wurde ihm bewußt, dass er jetzt zu wenig Geld in seiner Geldbörse dabeihatte um bezahlen zu können. Fast zwei Stunden länger als geplant – da fehlten 4 Euro um aus dem Parkhaus fahren zu können.

Im Auto, im Handschuhfach – da gab es noch einen 5-Euro-Schein. Schnell nachgeschaut – tatsächlich lag da der Schein im Serviceheft des Autos zwischen den Seiten versteckt. Der war schon seit der letzten Inspektion in dem Heft verborgen. Da konnte er echt von Glück reden, dass ihm dies zufällig eingefallen war.

Irgend etwas hatte sich verändert – fühlte Tom, als er aus dem Parkhaus fuhr. „Das kommt bestimmt von der Aufregung“, redet er sich selbst ein.

Zuhause angekommen meinte seine Mutter: „Du hast es aber lange in der Stadt ausgehalten – jetzt musst du dich beeilen, sonst wird das Abendessen kalt“.
„Du wirst es nicht glauben was mir heute in der Stadt passiert ist“, wollte er sich bei seiner Mutter für sein Zuspätkommen entschuldigen, „ausgerechnet wenn du mich mit meinem Lieblingsessen überraschen willst“.
„Woher weist du, dass ich dir heute Abend dein Lieblingsessen gekocht habe?“, kam sofort die überraschte Frage der Mutter.
Tom war für einen kurzen Moment selbst verblüfft. Seine Mutter hatte ihm wirklich nicht zuvor verraten, was es zum Abendessen geben würde – trotzdem war er sich sicher gewesen, es zu wissen.

Während des Essens erzählte er detailiert, was er vor dem Parkhaus im Park erlebt hatte. „Ich hatte dich doch davor gewarnt, durch diesen Park zu laufen“, rügte seine Mutter. Allerdings lenkte sie gleich danach nachdenklich ein: „Allerdings hast du dadurch wahrscheinlich diesem Mädchen das Leben gerettet. Sie wäre in der Nacht bestimmt erfroren wenn sie nicht in den Büschen entdeckt worden wäre“

Das „Parkerlebnis“ war Gesprächsstoff des gesamten Abends. Toms jüngerer Bruder wollte natürlich auch alles noch einmal ganz genau wissen.

„Schnell, seht euch die Nachrichten im Fernsehen an“, unterbrach plötzlich Toms Vater die Unterhaltung, „da bringen sie gerade einen Bericht über dieses Mädchen!“.

Tom eilte zusammen mit seinem Bruder ins Wohnzimmer.

„...wurde von einem Fußgänger in den Büschen des Stadtparks entdeckt. Es konnte noch keine Identität ermittelt werden. Sie ist gesundheitlich stabil und hat sich in erstaunlich kurzer Zeit von einer starken Unterkühlung erholt. Anscheinend kann sie sich an nichts erinnern – nicht einmal an ihren Namen. Hinweise auf ihre Identität bitte an Polizeidienstelle 17 Revier 2“ Dann wurde das Gesicht des Mädchens gezeigt.

„Wohw – die sieht ja echt stark aus“, entfuhr es Toms Bruder. „Heh, Brüderlein – die müssen wir unbedingt im Krankenhaus besuchen – Schließlich bist du doch ihr Lebensretter“, setzte er noch nach.

Daran hatte Tom auch schon gedacht. Allerdings fühlte er instinktiv, dass mit diesem Mädchen irgend etwas nicht stimmte – als ob von ihr eine unbekannte Gefahr ausgehen würde. „So ein Quatsch“, verneinte er seine eigenen Gedanken, „Ich muss mich unbedingt ein Weilchen von dem heutigen Stress erholen“.

„Warum ist ein Krankenbesuch Quatsch?“, wollte sein Bruder mit ungläubigem Gesichtsausdruck wissen.

„Nein, natürlich nicht der Krankenbesuch – nur das, an das ich gerade gedacht habe“, entgegnete Tom und erntete von seinem Bruder nur Unverständnis.

Toms Mutter sah, dass ihr Junge tatsächlich etwas Erholung benötigte: „So etwas erlebt man nicht jeden Tag – da ist es verständlich wenn man mehr als aufgewühlt ist. Morgen früh sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und die Idee mit dem Krankenbesuch ist vielleicht gar nicht so schlecht, das kannst du dir aber auch noch morgen überlegen“.

Tom zog sich in sein Zimmer zurück – er musste jetzt wirklich etwas „ausruhen“.

Er schloss die Augen um sich zu entspannen. Da waren sie plötzlich wieder: Die seltsamen Bilder die er glaubte gesehen zu haben, als er kurz in die Augen dieses Mädchens geblickt hatte.

Ganz deutlich sah er eine unwirkliche Welt, riesige Bäume zwischen denen sich gewaltige Kreaturen, wie in einem Horrorfilm, bewegten und direkt auf ihn zukamen. Eine dieser Kreaturen sah in seine Richtung. Zwei böse blitzende Augen waren direkt auf ihn gerichtet. Seine Füße schmerzten. Als er in seinem „Traum“ auf den Boden sah, bemerkte er erst jetzt, dass er auf einem glühenden Lavaboden stand. Der Schmerz wurde immer größer – und dieses Monstervieh hatte ihn auch gleich erreicht....

Entsetzt riss Tom die Augen auf – und starrte verwirrt auf das Gesicht seiner Mutter und seines Bruders. „Was ist denn nur los mit dir“, wollte seine Mutter besorgt wissen, „du hast geschrien wie am Spieß“.

Tom wusste es selbst nicht. So etwas hatte er zuvor auch noch nie erlebt.

„Ja, kommen sie möglichst schnell – er muss einen Schock haben von dem Erlebnis in der Stadt....“, hörte er seinen Vater mit dem Hausarzt telefonieren.

„Ihr Name ist Syna, sie ist eine Seycoon“, murmelte plötzlich Tom.
„Was hast du gerade gesagt“, wollte sein Bruder wissen. Er hatte das Flüstern seines Bruders nicht richtig verstanden.

„Das Mädchen, ihr Name ist Syna und sie wurde nicht auf der Erde geboren“, antworte Tom wie in Trance.

„Hoffentlich kommt der Arzt bald“, bangte die Mutter besorgt, „Tom fantasiert und braucht bestimmt dringend ein Beruhigungsmittel.


Zur gleichen Zeit im Städtischen Krankenhaus:

Die unbekannte junge Frau lag noch immer auf der Beobachtungsstation. Nach mehreren Untersuchungen stand fest, dass sie in sehr guter körperlicher Verfassung war. „Das habe ich bisher noch nie erlebt“, meinte einer der Ärzte als er das Ergebnis ihrer Blutwerte sichtete.

Die wirkliche Überraschung kam allerdings beim Ergebnis der Genuntersuchung. „Das ist doch völlig unmöglich“, beurteilte der leitende Professor die am Bildschirm des Computers angezeigten Werte. „Da muss ein Fehler vorliegen – nach dieser Auswertung besäße sie die dreifache Anzahl an Chromosomen als jeder andere Mensch“.

Auch eine weitere Untersuchung brachte das gleiche Ergebnis. Das war eine wissenschaftliche Sensation.

„Woher kommst du?“, fragte der Professor die ruhig daliegende Patientin ohne eine Antwort zu erwarten – vermutete aber, dass sie aus irgend einem Versuchslabor für Genversuche ausgebrochen sein musste.

Anstatt einer Antwort spielten plötzlich die Messwerte der Gehirnwellen und das EKG völlig verrückt.

„Hey, was ist das?“, schrie einer der Assistenten der am nächsten bei der Patientin stand. Er griff sich an den Kopf wie wenn er große Kopfschmerzen hätte. Er wischte mit dem Handrücken über seine Nase – und starrte im nächsten Moment ungläubig und mit entsetztem Gesichtsausdruck auf das Blut an seiner Hand.

Bevor jemand reagieren konnte, hatte es schon den nächsten erwischt. Es schien mit Kopfschmerzen anzufangen und ging in heftiges Nasenbluten über.

„Schnell, verlasst alle den Raum“, warnte der Professor. Für die beiden Assistenten kam die Warnung allerdings zu spät. Sie waren bereits ohnmächtig geworden und das Blut lief ihnen nicht nur aus der Nase sondern auch aus den Augen und Ohren. Ein dritter Assistent taumelte im letzten Moment aus der Türe und fiel zu Boden wo er sich vor Schmerz krümmte.

„Mein Kopf platzt gleich – diese Schmerzen“, stöhnte der am Boden Liegende laut.

Die Türen zu der Beobachtungsstation wurden hermetisch verriegelt. Es war eine Sicherheitsmaßnahme um die Verbreitung von gefährlichen und ansteckenden Viren zu verhindern. Die gesamte Station mit allen Mitarbeitern wurde automatisch unter Quarantäne gestellt.

„Mein Gott, was haben wir uns da nur eingefangen“, wollte der Professor mit zittriger Stimme und dem Entsetzen über das gerade Gesehene auf dem Gesicht wissen. Wie sollte er auch ahnen, dass das gerade Erlebte erst der Anfang einer Folge unheilvoller Ereignisse war und das Grauen bereits begonnen hatte, sich unter den Menschen auszubreiten.



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