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Prosa => Krimi


SOKO Kanalmörder V und Ende - von scrittore, 16.07.2009
„Das gibt dem Fall eine neue Dimension, wir müssen für strengste Abschirmung sorgen. Keine Meldung nach draußen, die nicht von mir autorisiert ist.“ Forderte Broichmann mit harter Stimme. „Wenn die Medien das mitkriegen, steht morgen in der Bild „Der Kannibale vom Ludwigskanal“

„Habt ihr jemanden in die Klinik eingeschleust?“, wollte ich wissen.
„Ja, einen jungen Kollegen, KK Brinkmann, Stefan Brinkmann, der war als Sani bei der Bundeswehr. Wir haben die Papiere etwas aufgehübscht. Er arbeitet als Pfleger auf der Intensivstation, lässt sich auch für Nachtdienste einteilen und das Beste, er hat ein Zimmer in der Klinik. Er steht in ständiger Verbindung mit Ratjens und Haslinger“
Er deutete auf die zwei Kollegen.
„Hat er genügend Erfahrung mit der Observation? Nicht dass er auch als ausgeweidete Leiche in der Gerichtsmedizin landet“ wollte Maria wissen. „Er meldet sich jeden Tag nach seiner Schicht von außerhalb der Klinik. Bisher war noch nichts Besonderes dabei.“, entgegnete Blattner. „Heute erwarten wir seinen Anruf um 19:00 Uhr.“

Der Anruf blieb aus. Um 21:00 Uhr rief Blattner mich an. „Brecht, Brinkmann ist überfällig. Wir machen uns Sorgen. Broichmann meint, wir sollen noch warten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Aber ich mache mir Sorgen um Brinkmann. Er ist gerade frisch verheiratet. Seine Frau erwartet ein Kind.“
„Haben Ratjens und Haslinger irgendwelche verdächtigen Aktivitäten um die Klinik bemerkt?“ Wollte Maria wissen, die mit mir noch Schreibkram erledigte.
„Warte mal, ich habe gerade einen Anruf auf der anderen Leitung.“, rief Blattner plötzlich.
„Das war Haslinger. Er sagt, ein Eismann Lkw ist gerade auf den Hof gebogen. Komisch, was will der am späten Abend in einer Klinik. Ein Besucher um diese Zeit, daran glaube ich nicht.“, meinte Blattner.
„Wir treffen uns hier in der Inspektion Markus. Dann fahren wir zur Klinik und gehen gemeinsam mit Haslinger und Ratjens rein. Besorg du dir von Broichmann den Durchsuchungsbefehl.“ „Ok, bis dann. Ich bin gleich unterwegs.“ Blattner legte auf.

„Ich gehe mit!“ Maria griff zur Waffe und verstaute sie im Schulterhalfter.

Als wir auf dem Klinikhof eintrafen, war der LKW noch da. Die Türen waren verschlossen.

Der Pförtner protestierte vehement gegen unser Auftreten und wollte telefonieren.
Maria hielt ihm den Durchsuchungsbeschluss unter die Nase. Er wurde blass und verstummte. Ratjens blieb zurück, um auf den Pförtner aufzupassen.

Wir teilten uns auf, die Büros im Erdgeschoß waren verwaist. Nur im letzten Büro überraschten Maria und ich zwei Männer. Der eine stellte sich als Professor Vermeulen vor. Er war der Klinikleiter. Den Anderen stellte er als seinen Mitarbeiter Fred Matthiessen vor, Verwaltungschef der Klinik.
„Was zum Teufel geht hier vor?“, polterte Vermeulen dann. „Ich werde mich beim Innenminister beschweren, wenn sie nicht augenblicklich wieder abziehen.“
Maria hielt ihm den Durchsuchungsbeschluss unter die Nase. Er putzte seine Brille, dann räusperte er sich, bevor er den Beschluss durchlas. Er ließ das Papier sinken. „Fred ruf sofort unsere Anwälte an. Marquardt soll sich auf der Stelle hierher bemühen.“
Matthiessen warf mir einen Blick zu, ich nickte. Dann nahm er den Hörer auf und wählte.

Blattner und Haslinger durchsuchten derweil die Kellerräume. Auch hier war die Suche zunächst vergeblich. Sie hatten sich durch die Labors und Materiallager durchgearbeitet. Kein Hinweis auf Brinkmann.
Nur noch der Heizungsraum blieb über. Die schwere Tür ließ sich nur mühsam aufschieben. Die Beiden zwängten sich an den Heizungsrohren vorbei und leuchteten in jeden Winkel, vergeblich.
„Sag mal Haslinger. Wenn ein Kühl LKW auf dem Hof steht, dann sollte man doch annehmen, dass es auch einen Kühlraum hier gibt. Wir haben irgendetwas übersehen. Lass uns noch einmal gründlich alle Räume durchkämmen. Irgendwo muss es einen Zugang geben.“
Blattner und Haslinger nahmen sich jeden Raum noch einmal gründlich vor.
Plötzlich stutzte Haslinger. Schau dir mal die Türen im Flur an. Alles gleiche Abstände, alle Räume sind gleich groß. Nur hier ist der Abstand viel größer, obwohl die Räume nicht größer sind. Vielleicht ist der Zugang von draußen.“
Die Beiden eilten die Treppe hinauf. Ratjens leistete dem Pförtner weiterhin Gesellschaft. Dann gingen sie ums Haus herum und richtig, dort war eine schwere Stahltür. Vorsichtig prüfte Blattner den Griff und die Tür öffnete sich kreischend.
Plötzlich fiel ein Schuss. Haslinger schrie auf und hielt sich die Schulter. Ein dunkelhaariger untersetzter Mann hatte sofort losgefeuert. Ein zweiter Schuss ging haarscharf an Blattner vorbei. Dann setzte er dem Fremden mit einem Schuss ins Knie außer Gefecht. Der Untersetzte heulte auf und fiel auf die Seite. Dann legte Blattner ihm Handschellen an. Er verarztete Haslinger notdürftig, dann holte er sein Handy aus der Tasche und rief einen Krankenwagen an. Zu den hiesigen Ärzten hatte er kein Vertrauen.
Auf dem Boden standen mehrere große Kühlbehälter. Blattner öffnete einen davon. Entsetzt zuckte er zurück. Der Behälter enthielt menschliche Arme, jeder sorgfältig verpackt. Blattner öffnete einen zweiten Behälter, hier waren größere Fleischstücke verpackt. Er konnte nicht auf Anhieb sagen, um welche Körperteile es sich handelte.
Haslinger und Blattner starrten sich fassungslos an.
Dann rief er die Spusi an, sie sollten bitte mit voller Mannschaftsstärke anrücken.

Mittlerweile waren zwei Anwälte angerückt, die uns sofort belehren wollten, unverzüglich das Klinikgelände zu verlassen. Sie drohten mit Beschwerde beim Innenminister und beim Polizeipräsidenten.
Mit bleichen Mienen kamen Haslinger und Blattner herein.
„Das musst du dir ansehen Brecht. Du hast doch einen stabilen Magen.“
Er informierte uns ausführlich. Dann wandte ich mich telefonisch an Broichmann, der bereits auf dem Wege war und bat ihn um Ausstellung der Haftbefehle gegen Vermeulen und Matthiessen.

Haslinger und der Untersetzte wurden in Krankenwagen nach Rummelsberg in die Klinik gefahren, während Maria und Ratjens die beiden vorläufig Festgenommenen nach Nürnberg begleiteten. Sie wollten aber mit einem ersten Verhör noch warten, bis Blattner und ich nachkämen.

Die Spusi war bereits im vollen Einsatz, als wir wieder den Kühlraum betraten. Hinter dem Raum gab es noch eine Tiefkühlkammer. Hier hingen drei ausgeweidete Leichen, die offenbar noch zum zerlegen bestimmt waren. Gott sei Dank war Brinkmann nicht dabei.
Wir fanden ihn später halb erfroren im Kühllaster. Er kam sofort in eine Klinik und erholte sich rasch wieder.

Ich fuhr noch mit Haffner ins Institut, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.

Die Kühlbehälter enthielten die verwertbaren Reste von fünf Menschen, alles gesunde junge Burschen zwischen achtzehn und fünfundzwanzig. Man hatte ihnen sämtliche Organe entnommen und ihre Körper dann portionsgerecht grob zerlegt. Das Fleisch kam in die Kühlbehälter zur weiteren Verarbeitung. Empfänger der Kühlbehälter waren eine kleinere Burgerkette und zwei Gourmetrestaurants in Nürnberg und Fürth. Auch ein bekannter Sternekoch geriet unter Verdacht.
Die drei Anderen im Tiefkühlraum sollten noch zerlegt werden, aber wir waren dem zuvorgekommen.
Professor Vermeulen gab an durch mehrere illegale Organtransplantationen an Angehörige von Mafiagrößen, in deren Fänge der geraten zu sein. Die erpressten ihn nun.
Später in der Vernehmung stellte sich heraus, das Vermeulen Miteigentümer eines der Gourmettempel war. Er bestritt aber vehement, von der Verwendung des Fleisches gewusst zu haben.
Die Hintermänner hatten sich rechtzeitig, womöglich durch die Entlarvung Brinkmanns, abgesetzt. Trotzdem hatten wir die Balkanroute nicht ernstlich gestört. Offensichtlich handelte es sich bei unseren Mafiosi nur um Trittbrettfahrer. Nach wie vor fuhren Kühllaster der Mafia mit ihrer makaberen Fracht nach Westeuropa, um Gourmetrestaurants und Burgerketten zu beliefern, und jedes Jahr verschwanden weiterhin hunderte von Menschen spurlos. Die Mafia hatte einen weiteren lukrativen Geschäftsbereich aufgebaut.
Ich sollte noch mit der Organisation zu tun bekommen.
Ein ehemaliger Pfleger, der frustriert über seine Kündigung war, hatte die Leichenteile am Kanal abgelegt. Er gab an, sich aus Angst nicht gemeldet zu haben.
Vermeulen und Matthiessen starben beide noch vor der Verhandlung bei mysteriösen Autounfällen. Ihre Anwälte hatten sie gegen eine horrende Kaution auf freien Fuß bekommen.
Der Pförtner verschwand spurlos, der Untersetzte flüchtete aus der U Haft, ebenfalls ohne Spuren zu hinterlassen.

Die SOKO Kanalmörder wurde nach erfolgreicher Arbeit wieder aufgelöst.












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