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Prosa => Krimi


SOKO Kanalmörder IV - von scrittore, 16.07.2009
„Dann geh ich mal wieder. Schick mir die Ergebnisse Doc.“

Ich wandte mich um und verließ die Gerichtsmedizin.
Dann fuhr ich schnurstracks zurück nach Schwarzenbruck um mich mit Maria zu treffen. Ich war knapp dran.

Maria stand in der Küche und half ihrem Vater beim Zubereiten der Speisen. Ich schnappte mir eine Garnele von einem der Teller und grinste sie an, als sie mir auf die Finger klopfen wollte.

Enrico, Marias Vater, lachte über uns und schob mir einen Teller mit Vorspeisen hin.
Ich gab Maria einen langen Kuss, und dann fütterten wir uns gegenseitig.

„Wie war es bei Haffner?“, wollte Maria wissen. „Hat er schon was herausgefunden?“
„Lass uns später darüber reden, nicht beim Essen.“ Ich schob ihr ein Stück Artischockenherz in den Mund.
„So schlimm?“, wollte sie wissen. Ich nickte nur.
Enrico hatte derweil eine Flasche Rioja geöffnet und schenkte uns ein.
Ich stieß mit Maria an.
Der Wein stammte aus Enricos privater Reserve. Die bekam nicht jeder zu kosten. Wir stießen miteinander an und genossen den guten Tropfen.
Maria kraute mir den Nacken und legte ihren Kopf an meine Schulter.
„Warum geht ihr Turteltäubchen nicht ins Bett?“ wollte Carmen, Marias Mutter, wissen, die unbemerkt hereingekommen war.
Maria sah mich mit einem schrägen Grinsen an, dann standen wir auf und eilten die Treppe zu unserem Schlafzimmer hinauf.
Wir liebten uns sanft und verloren kein Wort mehr über den Fall.

Nach dem Frühstück fuhren wir gemeinsam nach Feucht in die Dienststelle.

Auf meinem Tisch lag ein Fax mit dem vorläufigen Obduktionsbericht von Haffner.
Maria kam herein und nahm mir das Blatt aus der Hand. Sie überflog die Zeilen.
Dann schaute sie mich an „Warum zum Teufel hat er ihn so verstümmelt? Warum hat er die Arschbacken abgetrennt? Ein Perverser?“
„Ich weiß nicht“ entgegnete ich „Ich glaub es aber nicht, das war bestimmt nur, um uns in die falsche Richtung zu führen.“
„Da fehlt ja ziemlich viel, mal abgesehen von den Organen, hat er Beine, Arme und den Kopf abgetrennt. Warum?“ Sie zog die Stirn in Falten und überlegte.
„Um eine Identifizierung zu verhindern hätten Kopf und Hände gereicht. Was macht er damit, an seine Hunde verfüttern? Oder schwarz beliefern? Ich bin nur froh, dass Papa seine festen Lieferanten hat.“ Marias Gesicht hatte sämtliche Farbe verloren.
Ich nahm sie in den Arm und drückte sie fest an mich.
„Mal den Teufel nicht an die Wand“ murmelte ich, „Das fehlte noch. Die in Nürnberg machen eh schon genug Druck. Stell dir die Schlagzeile im Boten vor.“

Broichmann, der stellvertretende Staatsanwalt, rief an. „Gibt es schon Neuigkeiten Herr Brecht? Heute Nachmittag ist Pressekonferenz, da muss ich das Presserudel füttern und bei Laune halten.“
Ich schilderte ihm schnell die wesentlichen Fakten, auch Haffners Obduktionsbericht, und bereitete mich auf das Unvermeidliche vor.
„ Es wäre schön, wenn sie heute Nachmittag dabei sein könnten, Herr Brecht. Sie sind näher am Fall und können die Pressefuzzies besänftigen. Ach ja und schönen Gruß an ihre reizende Kollegin.“ Dann legte er auf.

Die Pressekonferenz war gut besucht, sogar Reporter aus Ansbach und Forchheim waren anwesend. Sie löcherten uns mit ihren Fragen.
Broichmann und ich managten die Fragestunde aber souverän ohne viel herauszulassen.
Gerade, als Broichmann das Zeichen zum Schluss geben wollte, klingelte mein Handy.
Maria war dran „Beeil dich, es gibt eine neue Leiche. Auch in der Nähe des Kanals, oben am Weg vom Bruckkanal oberhalb der Schwarzachschlucht durch den Wald. Du weißt, wo die Brücke über die Schwarzach zum El Greco geht, ja? Unmittelbar dort, wo die Treppe zur Brücke runterführt. Die Spusi ist schon auf dem Weg. Ich bin vor Ort.“ Ich legte auf, flüsterte Broichmann kurz ein paar erklärende Sätze ins Ohr und verließ die Pressekonferenz.

Mit dem Wagen war ich schnell auf dem alten Parkplatz im Schwarzachtal. Enrico und Carmen standen vor der Tür und unterhielten sich aufgeregt mit zwei Polizisten, die die brücke abgesperrt hatten. Ich grüßte sie kurz. Dann lief ich über die Brücke und kletterte die steile Treppe hinauf. Oben wartete Maria auf mich.
Kommissarin Köhler und KOK Ebert waren auch schon da.
Wir warteten bis die Spusi fertig war und die Leiche freigab. Besser auf den Torso. Kopf, Arme und Beine waren wieder sorgfältig herausgelöst und entfernt. Bauch- und Brustraum waren eröffnet, sämtliche Organe fehlten. Von der Beckenform schien es eindeutig ein Mann zu sein, auch hier fehlten, die sorgfältig herausgetrennten Gesäßbacken.
Haffner beugte sich über die Reste und murmelte beiläufig. „Der Metzger hat wieder zugeschlagen.“
„Wir müssen mit deinen Eltern reden. Ob sie etwas mitbekommen haben.“ Ich nahm Maria am Arm.
„Wie lange liegt er dort Doc?“ Ich beugte mich über Haffner und beäugte den Torso.
„Oh, wohl seit gestern Abend. Aber genaues kann ich dir erst sagen..“ „Nach der Obduktion.“ Ergänzte ich ihn.
Ich warf Maria einen Blick zu. „Hast du etwas gehört heute Nacht?“
Sie schüttelte den Kopf, dann ergänzte sie „Aber irgendwann die Nacht hat der Hund gebellt. Es war gegen drei, ich kam gerade von der Toilette zurück. Du hast geschnarcht, du hast bestimmt nichts mitgekriegt.“ Sie musste grinsen.

„Frau Köhler, Herr Ebert, wartet bis die Spusi und der Doc fertig sind. Dann fahrt zurück nach Feucht. Ich gehe mit Maria rüber ins El Greco.

„Ja der Hund hat heute Nacht gebellt. Irgendwann gegen drei Uhr. Ich habe schlecht geschlafen, die Migräne war wieder ziemlich schlimm.“ Meinte Carmen auf meine Frage.
Enrico war blass „Was ist das bloß für ein Mensch?“


Markus Blattner vom Wirtschaftsdezernat hatte sich auf meinen Stuhl gefläzt und wedelte mit dem Fax von Europol.
Ich scheuchte ihn von meinem Stuhl und wir begrüßten uns. Wir kannten uns noch aus Schwabacher Zeiten.

„Was soll ich damit?“ Ich hob die Augenbrauen und schaute ihn fragend an.
„Du weißt, dass in Moldawien eine der Hauptzentralen der Organmafia sitzt?“ Ich nickte und Markus fuhr fort „Die Herrschaften scheinen eine neue Erwerbsquelle entdeckt zu haben. Bisher haben sie im großen Stil Organe nach Westeuropa exportiert. Nun rollt auch jede Woche ein Kühltransporter mit Fleisch nach Nürnberg. Bereits die vierte Lieferung, haben wir recherchiert. Die Papiere schienen so weit in Ordnung, niemand nahm Anstoß daran. Bis sich einer Kollegin, die sich auch privat für Lebensmitteltransporte nach Chişinău engagiert, die Frage stellte, wie ein bettelarmes Land, in dem die Bevölkerung wenig zum beißen hat, plötzlich Fleisch exportiert.
Sie wandte sich an die Lebensmittelüberwachung in Nürnberg. Daraufhin wurde der nächste Transport der Spedition am Hafen sichergestellt und es wurden Proben genommen. Das Fleisch war als Schweinefleisch deklariert und es gab augenscheinlich keine Zweifel daran.
Bis die Chemiker der Lebensmitteluntersuchung feststellten, dass es sich nicht um Schweinefleisch, sondern… gut du sitzt bereits, um Menschenfleisch handelte. Die Mafia hat offensichtlich bemerkt, dass sich damit noch Geld machen lässt und verkauft die Lieferungen über einen Großhändler unter anderem an eine Burgerkette.
Wir wurden informiert und haben sofort alle zuständigen Dienststellen und die EU alarmiert. Das Fax ist das erste Ergebnis.“
Ich schaute ihn mit großen Augen an.
Markus grinste schief „Wir haben natürlich interessiert deine Kanalmörderfälle beobachtet. Da fehlen doch auch sämtliche Organe und die großen Fleischpartien der Körper. Da könnte es einen Zusammenhang geben.“
Ich war nicht überzeugt und sagte es ihm auch.
„Die Kollegen beobachten auch eine Privatklinik in eurem Landkreis. Es könnte Zusammenhänge geben.“ Er nannte mir den Namen der Klinik.
„Wir sollten uns zusammensetzen.“ Schlug ich vor.
Ich rief Broichmann an und setzte ihn ins Bild. Daraufhin vereinbarten wir für den Nachmittag einen Termin in Nürnberg beim Präsidenten.
Maria und ich nahmen von unserer Seite teil, Markus und ein Kollege vom Wirtschaftsdezernat, sowie zwei Kollegen, die die Klinik unter Beobachtung hatten, vervollständigten die Runde. Der Präsident schaute nur kurz herein, dann überließ er uns unserem Erfahrungsaustausch. Später stieß noch Broichmann dazu.



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