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Eine etwas andere Liebesgeschichte Kapitel 7 - von star65, 10.03.2008
Einer meiner Arbeitskollegen sagt,
ich sei ein inteligenter Halbidiot.
Immer wenn eines Menschen Seele sich der meinen naehern will
geht bei mir die Zugbruecke hoch. Man koennte auch sagen, ich baue eine Mauer um mich herum. Diese junge Dame hier moechte mir ehrlich und aufrichtig helfen.
Warum kann ich ihre Hilfe nicht zulassen und annehmen?
Sie ist gleichbleibend freundlich und hat ueberhaupt keine Angst.
Als ich sie ziemlich grob vom Stuhl hochziehe,
bleibt sie immernoch ruhig.
Alle anderen Menschen sind in solchen Situationen
immer sehr erschrocken und ergreifen sogar die Flucht.
Star bleibt vor mir stehen. Ira positioniert sich zwischen den Fronten.
Wehn will sie beschuetzen? Mich sicher nicht.
In meinem inneren Ohr sagt sie vorwurfsvoll:
"Diese Menschenfrau mag dich wirklich.
Du fuehrst dich auf, wie ein bissiger verhaltensgestoerter Kampfhund.
Sag ihr einfach, was mit dir los ist. Weil sie dich sehr mag,
bin ich sicher, dass sie es verstehen wird."
Mein Hund hat recht. Die Mauer stuerzt ein
und die Zugbruecke geht herunter. Der ganze Raum dreht sich.
Mir ist so schwindelig. Mit der letzten Kraft sage ich:
"Das war es, was ich gemeint habe. Es tut mir leid. Bitte halte mich ganz fest so wie vorhin."
Was passiert mit mir?
Noch nie habe ich einen Menschen gebeten, mich festzuhalten.
Erst zoegert sie. Schliesslich legt sie ihre Arme um mich
und ich erwiedere die Geste. Star fragt ruhig: "Was war das?
Es hat mit dem Unfall zu tun nicht wahr?"
Noch nie habe ich mit einem menschen darueber gesprochen.
Nicht einmal mein Psychologe weiss, was vor 5 Jahren geschehen ist.
Ich antworte ihr: "Gib mir bitte etwas Zeit.
Jetzt kann ich nicht darueber reden.
Vielleicht kann ich es dir irgendwann erzaehlen.
Bei dieser Geschichte komme ich nicht sehr gut davon.
Wenn ich dir davon berichte,
wirst du mich sicher nicht mehr moegen.
Diese Vorstellung ertrage ich nicht."
"Das ist doch Schwachsinn.
Wenn ich dich nicht leiden koennte,
wuerde ich dich nicht bei mir wohnen lassen.
Auch das, was wir beide gestern erlebten
haette nie stattgefunden.
Die Zeit, die du brauchst sollst du haben.
Auch wenn du dich vor 5 Jahren
nicht gerade mit Ruhm bekleckert hast
bin ich nicht dein Richter. Was ist falsch? Was ist richtig?
Wir sehen es oft erst spaeter ein."
My one and only Star ist einfach grossartig.
Ganz vorsichtig mache ich mich von ihr los.
"So, nun schreibe ich noch ein Bisschen
und dann gehe ich noch mit dem Hund.
Damit ich dich nicht stoere,
werde ich nachher im Studio schlafen."
Sie legt ihren Mund an mein Ohr. §Bleib doch bei mir. Du bist immer so schoen warm.
Wenn ich an gestern denke, weiss ich, dass du mir nie etwas boeses tun wuerdest."
"Was ist denn das fuer eine Logik?"
"Ein Mann, der so einfuehlsam ist, kann nichts boeses zufuegen."
Ist sie so naiv oder vertraut sie mir wirklich?

Ich setzte mich vor den Bruellwuerfel und lauschte der Tagesschau.
Dann telefonierte ich eine ganze Zeit und ging ins Bett.
Bevor ich einschlief dachte ich: "Jeder Mensch hat seine Spezialitaet.
Manche kommen gut mit Kindern klar.
Mein Fachgebiet sind die gestoerten.
Irgendwann hoerte ich, wie die Tuer aufging.
Ira lief bis in mein Schlafzimmer
und stand schliesslich neben meinem Bett.
"Willst du mir Gutenacth sagen?
Du bist wirklich ein wohlerzogener Hund:"
Ich streichelte sie
und sie gab mir sogar das rechte Forderpfoetchen.
GM sagte freundlich: "Sie mag dich sehr. Aber nicht nur sie,
sondern ich mag dich auch."
Diesmal fing ich ihn in meinen Armen auf.
"Du arme Frau! Hast du fuer die Nacht nichts anzuziehen?
Es ist doch kein Wunder wenn du frierst!"
"Ich brauche kein Nachthemd. Dafuer habe ich dich.
Du bist eine vielseitig einsetzbare Waermflasche,
die auch sprechen und noch vieles andere kann."
Er lachte frei heraus. Es war ein frohes Lachen ohne Bitterkeit.
GM fragte sanft: "In welchem Bereich willst du mich denn einsetzen?"
"Ich bin eine hilflose, kleine schwache Frau. Du bist ein grosser starker Mann
und daher verpflichtet, mich zu beschuetzen."
Klein und schwach bist du nicht. Wollen wir herausfinden ob du eine Frau bist?"
"Ja, ich hatte schon daran gezweifelt. Seit gestern weiss ich wieder, dass ich ein Weib bin."
"Moechtest du das wirklich, obwohl ich mich dir gegenueber wie ein Vollidiot benommen habe?"
Der Diskussion bereitete ich ein Ende, indem ich meinen Mund auf seinen drueckte.
Wieder verstanden wir uns ohne Worte.

Ich schalte den Labtop aus
und greife mir Stars Haustuerschluessel.
Dann wecke ich meinen faulen verschlafenen Hund.
Draussen ist heute abend vielBetrieb.
Einige Leute sprechen mich an. Leider kann ich kein deutsch.
Sehr gern wuerde ich mich mit den Menschen unterhalten.
Es bleibt mir nichts anderes uebrig,
als gelegentlich zu nicken und freundlich zu laecheln.
Alle wollen Ira streicheln. anscheinend gibt es im Urwald keine Hunde.
Also Geschirr ab und dann Geschirr wieder an.
Als ich die Haustuer aufschliesse,
hoere ich unten im Wohnzimmer den Fernseher.
Ich sage kurz gutenacht und gehe dann nach oben.
Hier ist alles still. Meine Gastgeberin schlaeft sicher schon.
Ganz leise oeffne ich die Tuer.
Ira laeuft ins Schlafzimmer.
Star erzaehlt dem Hund irgendeinen Unsinn.
Weil sie deutsch spricht, verstehe ich nichts.
Als ich mich zu ihr lege umarmt sie mich stuermisch.
Star sagt mit dem Kopf an meiner Schulter: "Mir ist so kalt."
"Du hast ja auch garnichts an."
Ich glaube, sie haelt mich nicht nur fuer den Officer der Kuestenwache,
sondern auch fuer eine sprechende Waermflasche.
Diesmal laeuft sie im entscheidenden Moment
nicht mit meiner Weste davon.
Bei ihr schaffe ich es, mich fallen zu lassen.
Irgendwas signalisiert mir,
dass es ihr bei mir genauso geht.
Sehr nahe bei einander schlafen wir schliesslich ein.

In der Nacht erwachte ich
und ging in die Kueche, um ein Glas Wasser zu trinken.
Als ich wieder ins Schlafzimmer kam, fragte GM:
"Willst du wirklich wissen, was vor fuenf Jahren geschehen ist?
Es ist wirklich keine schoene Geschichte.
Du wirst mich sicher hinauswerfen.
Der Gedanke daran macht mich so traurig und verzweifelt."
"Nein, ich werde einfach nur zuhoeren.
Wenn ich weiss, was dir zugestossen ist,
kann ich dich bestimmt besser verstehen."

Ich erwache, weil Star aufsteht. und das Zimmer verlaesst.
Es ist albern und kindisch,
aber immer wenn sie nachts aufsteht, habe ich Angst,
dass sie nicht wieder zu mir zurueck kommt.
In meinen Gedanken rufe ich nach ihr.
"Bitte komm doch wieder! Wenn du bei mir bist,
kommt mich kein Geist aus der Vergangenheit besuchen.
Bitte halte sie von mir fern! Bisher konnte das niemand.
Bei dir ist alles anders."
Endlich ist sie wieder bei mir.
Ich werde ihr jetzt alles erzaehlen.
"Willst du wissen, was sich vor fuenf Jahren ereignet hat?"
"Ja, wenn du darueber sprechen moechtest,
werde ich dir zuhoeren."
"Eigentlich will ich nie wieder darueber reden.
Du wirst mich sicher nicht mehr moegen,
wenn du die ganze Geschichte gehoert hast.
Dass ich mein Augenlicht und auch meinen Job verloren habe,
ist ganz alein meine Schuld."
Aufeinmal kann ich nicht mehr sprechen.
Alles dreht sich sehr schnell im Kreis
und mir wird wieder einmal schwindelig.
Die Bilder in meinem Kopf vermischen sich
zu einem durchgeknallten Film. Scheisse!
Jetzt setzt bei mir die grosse Flut ein.
Es fuehlt sich an,
als bekaeme ich wieder einmal einen Nervenzusammenbruch. Nein, bitte bitte nicht hier!
Star haelt mich einfach nur fest
und sagt nichts. Wahrscheinlich fuehlt sie,
dass ich ihr momentan sowieso nicht antworten kann.

Ich konnte nicht genau verstehen was er sagte.
Es hoerte sich an wie ich bin schuld.
Ploetzlich fing der grosse starke Mann an zu weinen.
Nicht laut, sondern still.
GM zitterte am ganzen Leib. Ich drehte ihn zu mir
und hielt ihn ganz fest. Als er wieder sprechen konnte,
sagte er mit schwacher Stimme: "Bitte geh nicht fort.
Bleib bei mir. Ich habe einfach Angst,
wahnsinnig zu werden."
"Ich bin doch hier und werde auch nicht fortgehen.
Schliesslich wohne ich ja hier.
Soll ich dir vielleicht ein Glas wasser holen?"
"Nein, dann muesstest du ja aus dem Zimmer gehen.
In meiner Tasche ist immer eine Flasche Wasser.
Sie steht auf deiner Seite am Kopfende."
Ich wuehlte die Pulle hervor
und wir tranken beide etwas von dem Wasser.



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