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Drachenkönigin Epos 01-03 - von Aabatyron, 21.09.2021
„Sam“

Das klingende Geräusch des Hammers auf einem Amboss lockte Sam immer aus dem Haus um zu sehen, was der Schmied gerade aus dem glühendem Eisen formte.

„Sam!“, rief seine Mutter im nach, „bleib nicht zu lange weg, du musst später deinem Vater helfen, die Rinder von der Weide in den Stall zu treiben.

„Ja, ja, ist ja schon gut – ich bin rechtzeitig zurück“, kam sofort seine Antwort, „versprochen!“

Der ungläubige Gesichtsausdruck seiner Mutter sprach Bände. Wenn Sam den Schmied bei seiner Arbeit beobachtete vergaß er immer die Zeit.

Sam lief so schnell er konnte zum nahegelegenen Dorf um dort den Schmied zu besuchen. „Wumm – tock, tock – wumm – tock, tock,.....“ dieses Geräusch zog Sam wie magisch an. Einen kurzen Moment dachte er an sein Zuhause, und dass seine drei Schwestern jetzt für ihn wieder einmal die Arbeiten übernehmen mussten.

Armandy war mit 20 Jahren die älteste und auch die kräftigste der drei Schwestern. Sie langte bei der Arbeit kräftig zu und war für ihre Eltern eine sehr große Hilfe.

Selly, 18 Jahre alt, half im elterlichen Gehöft auch immer der Mutter bei allen Arbeiten. Sie liebte besonders die Pferde auf ihrer Weide und wenn man sie suchte, fand man sie immer dort in der Nähe.

Lilly, die Jüngste mit ihren 15 Jahren war von zierlicher Statur und zuweilen etwas verträumt. Schwere Arbeiten waren nichts für sie – sie war sehr intelligent, holte sich von der Bibliothek immer irgend welche Bücher und war immer am lesen.

„Lilly, komm endlich zum Mittagessen bevor alles kalt wird“, war der Ruf der Mutter fast an jedem Tag.

„Die hat keine Zeit zum essen und bringt deshalb kein Fleisch auf ihre Knochen“, schimpfte Armandy wenn sie wieder einmal mit dem Essen auf ihre Schwester warten musste.

Die drei Mädchen wussten, dass Sam eigentlich nicht ihr leiblicher Bruder war. Er war ein Findelkind welches ihre Eltern bei der Heuernte in einem der zum trocknen aufgetürmten Heuhaufen entdeckt hatten.


„Das Findelkind“

„Was ist denn das um alles in der Welt“, hatte Tors damals ausgerufen und stand mit ungläubigem Gesichtsausdruck vor dem Heuhaufen. Seine Frau hatte zuerst vermutet, dass er ein Rehnest gefunden hatte. Natürlich wollte sie sehen, was ihr Mann dort im Heu entdeckt hatte was ihn so erstaunen lies.

„Das, das ist ein kleines Kind“, entfuhr es ihr mit ungläubigem Gesichtsausdruck.

Sorgsam in ein Körbchen gebettet, mit verzierten Decken behutsam eingewickelt, strampelte in dem Körbchen ein kleines Kind und sah die beiden mit stahlblauen Augen an als ob es endlich seine Retter gefunden hätte.

„Was machen wir denn mit diesem Bündel“, fragte Tors ratlos seine Frau Mory. „Auf jeden Fall nicht verhungern lassen“, war ihre bestimmte Antwort. Mory zog das Körbchen aus dem Heuhaufen und ihr Mann half ihr beim aufsitzen auf ihr Pferd, das Körbchen mit dem Findelkind sicher vor sich zu platzieren, um nach hause reiten zu können.

„Das ist ein seltsames Kind“, murmelte Mory laut vor sich hin - „jedes andere Kind hätte vor Hunger geschrien wie am Spieß.“

Zuhause angekommen wusste sie allerdings recht bald, wie groß der Hunger ihres Findelkindes war – nach der dritten leeren Flasche Milch, welche der kleine Bursche gierig ausgesuggelt hatte.

„Wie heißt du denn?“, war eine rein rhetorische Frage – der kleine Mensch konnte sie bestimmt noch nicht verstehen.

Als spät am Abend ihr Mann mit dem Heufuhrwerk nach hause kam war seine erste Frage: „Gibt es irgend welche Dinge die auf die Herkunft des Kindes hinweisen?“

„In dem Körbchen war nichts zu finden, nur eine uralte Papierrolle mit seltsamen Zeichen, Bildern und Schriften – sonst nichts“, antwortete Mory nachdenklich. Sie hielt dieses alte Papier gegen das Licht um vielleicht so noch ein Geheimnis lüften zu können. „Da ist nichts“, war sie sich jetzt sicher. „Aber die Unterschrift ist schon seltsam – Ein V und ein gedrehtes C übereinander geschrieben – was könnte dies bedeuten?“, überlegte Tors laut. Er schüttelte nach kurzer Zeit den Kopf weil er keine Antwort fand. „Dieses Zeichen kenne ich auch nicht“, bestätigte seine Frau.

„Oh ihr Götter im Himmel schenkt mir einen Sohn“, stöhnte Tors, als er sich plötzlich bewusst wurde, dass seine Frau das Findelkind bereits ins Herz geschlossen hatte und er jetzt noch mehr Frauen auf seinem Hofgut zu versorgen hatte.

„Das ist kein Mädchen“, erklärte ihm seine Frau, „das ist ein strammer kräftiger Junge.“

Die düstere Gesichtsmimik von Tors hellte sich schlagartig auf. „Ein Sohn – der kann einem Vater bei der Arbeit helfen“, dachte er und gab damit innerlich seine Zustimmung, den seltsamen Fund zu behalten.

„Sam, wäre ein passender Name für das Kind“, fiel seiner Frau plötzlich ein. Tors konnte sich ein Grinsen bei diesem Gedanken nicht verkneifen – er erinnerte sich, als ob es gestern gewesen wäre, an einen „Fund“ vor vielen Jahren, als sich ein junger Bulle auf seine Weiden verirrt, und er ihn in die Rinderherde aufgenommen hatte. Er gab ihm damals den Namen „Sam“. In der Folge, als der Bulle erwachsen war, konnte er einen immensen Zuwachs junger Rinder in der Herde verbuchen. Dieses „Findelkind“ hatte ihm Glück gebracht. Muskulös, kräftig, gesund – sah Mory das Findelkind nun ebenfalls mit diesem Namen verbunden.

Sam war inzwischen 17 Jahre alt – und muskulös, kräftig, gesund. Mit dem helfen des Vaters bei Arbeiten hatte er sich nicht ganz so wunschgemäß entwickelt. Sam war sehr oft im Dorf bei dem Schmied und von dessen Arbeiten so begeistert, dass er sich sicher war, dass er bei diesem Schmied das Handwerk eines Schmiedes lernen wollte.

Besonders gut verstand sich Sam mit seiner Schwester Lilly – sie war völlig anders als ihre beiden Schwestern und wusste immer eine Antwort, wenn Sam etwas wissen wollte.

„Ich muss heute Abend noch dem Vater helfen und deshalb früh nach hause laufen“, nahm sich Sam vor, als er vom weit entfernten Klang des Hammers und des Ambosses des Schmiedes wie magisch angezogen wurde.

Natürlich hatte der Schmied schon längst das besondere Interesse von Sam, dem Bauernsohn der Familie Lander, an seiner Arbeit bemerkt. „Hast du zuhause keine Arbeiten zu verrichten“, fragte er in barschem Ton, als Sam schon wieder in seine Schmiedewerkstatt kam um seiner Kunst, Metalle mit Feuer und Muskelkraft formen zu können, staunend zuschauen zu wollen. „Ich werde meinem Vater heute Abend bei der Arbeit helfen“, stotterte Sam erschrocken. Thomas Lenko, der Dorfschmied, war ein richtig grobschlächtiger muskulöser Mann, bestimmt einiges über zwei Meter groß und besaß Hände, mit denen er vermutlich Steine zerquetschen konnte. Jeder im Dorf hatte mächtig Respekt vor diesem Hünen der mit Schmiedehämmern arbeitete als seien sie so leicht wie die Federn eines Vogels – obwohl sie ein normaler Mensch kaum anheben konnte.

Thomas formte momentan eines der Hufeisen, die ein Gutsbesitzer bei ihm bestellt hatte – morgen würde der seine Pferde zum beschlagen zum Schmied bringen – da musste er sich beeilen um rechtzeitig mit allen Hufeisen fertig zu werden.

Nach einiger Zeit sah er sich um – da stand doch dieser Faulenzer Sam Lander immer noch als Zuschauer hinter ihm. „Mit so einem Sohn ist jeder Vater bestraft“, schimpfte er laut, in der Erwartung, damit Sam vertreiben zu können damit er sich wieder auf seine Arbeit konzentrieren konnte.

Als er sich ein zweites mal umblickte, ob dieser Faulenzer nun endlich verschwunden war, passierte, was passieren muss: jeder im Dorf konnte es hören – Der Hammerschlag ging daneben – die Arbeit war ruiniert.

Sam ging auf Abstand als er sah, wie der Schmied die Backen aufblies, seine Zornesadern am Hals deutliche Schwellungen zeigten und sein Gesicht eine immer roter werdende Farbe annahm.

Der Schmied ließ den Hammer fallen, streckte seinen rechten Arm ungewohnt flink in Richtung von Sam aus, griff blitzschnell zu, und im nächsten Moment hatte Sam das Gefühl, dass sein Hals in einem Schraubstock eingespannt worden sei. „Ich wollte doch nur lernen, wie man Metalle schmieden kann“, röchelte er verzweifelt nach Luft ringend.

Sam war wirklich kein Leichtgewicht – aber dieser Hüne von Schmied besaß eine solche Gewalt, dass Sam für Sekunden hilflos in der Luft hing als er am Hals gepackt wurde. „So muss sich der Tod durch Hängen anfühlen“ ,schoss ein Gedanke durch den Kopf von Sam.

„Ach so, du willst also Schmied lernen“, schimpfte Thomas, der Schmied weiter, „so ein Handwerk lernt man nicht mit dumm und faul herumstehen in der Landschaft“. Er blickte auf das deformierte Hufeisen welches inzwischen seine Rotglut verloren hatte und ohne erneutes Aufwärmen nicht mehr formbar war.

Sam schnappte mühsam nach Luft, als die Umklammerung seines Halses nach einer gefühlten Ewigkeit sich endlich lockerte und er unter seinen Füßen den Boden wieder spüren konnte.

„Du wirst bei mir den Schaden abarbeiten“, bestimmte der Schmied als Strafe für Sam, der ihm diesen Ausschuss beschert hatte.

Sam musste erst einmal die Esse mit Kohlen auffüllen – und hernach den Blasebalg betätigen damit das Feuer das neue Stück Metall so erhitzte, dass es in heller Rotglut strahlte. Nun durfte er dabei zusehen, wie der Schmied das Stück Metall kunstvoll ausschmiedete und langsam zu einem Hufeisen formte. Zum Schluss schlug er mit einem Dorn die Löcher für die Hufnägel in das Eisen und tauchte dann das fertige Hufeisen in einen großen Bottich mit Wasser ein.

Nachdem der „Auftrag“ abgearbeitet war, besänftigte sich die Stimmung des Schmiedes wieder.

Das Feuer in der Esse besaß noch mächtig viel Glut und nun hatte der Schmied eine Idee, wie er diesen aufdringlichen Burschen ein für allemal loswerden würde.

„Du willst das Handwerk der Schmiedekunst lernen“, wandte er sich Sam zu, „dann darfst du heute damit anfangen“. Hätte Sam es nicht besser gewusst, hätte er schwören können, dass der Schmied bei diesen Worten für einen kurzen Moment einen grinsenden Gesichtsausdruck gezeigt hatte. So richtig erkennen war schwierig – bei so einem rußverschmierten Gesicht.

„Der Bursche wird sich wundern“, dachte der Schmied als er das Ausschusshufeisen aus dem Abfalleimer zog und es Sam in die Hand drückte. „Da, nimm dieses Stück Eisen für deine erste Übung“, wies er Sam an. In einer Ecke des Raumes waren in einer Kiste alte abgenutzte Werkzeuge der Vorgänger verstaut – Thomas kramte in der Kiste um einen Hammer mit besonders desolatem Zustand finden zu können. „Wenn der Bursche ein paar mal kräftig danebenhaut und sich dabei seine zarten Finger breitklopft, dann habe ich endlich Ruhe vor diesem Plagegeist“, murmelte Thomas vor sich hin.

„So, nun will ich mal sehen, ob du dich für den Beruf eines Schmiedes eignest“, erklärte er Sam und ging auf Sicherheitsabstand. Das Ausschusshufeisen war inzwischen bis zur Hellrotglut erwärmt und Sam nahm es mit einer Zange aus dem Feuer.

Sam hatte dem Schmied offensichtlich besser und aufmerksamer bei seiner Arbeit zugeschaut als dieser gedacht hatte.

„Das ist wirklich erstaunlich“, murmelte Thomas nach einiger Zeit als er sah, dass dieser Bursche mit dem uralten Hammer mit geschickt platzierten Schlägen auf das glühende Eisen die Verformung seines zuvorigen Fehlschlages Stück um Stück ausglich.

Als dann aber Sam zu dem Dorn griff, mit denen man die Löcher für die Hufnägel in den glühenden Stahl treiben konnte, rief der Schmied fast panisch: “Halt, stopp, mit diesem alten Hammer kannst du die Löcher nicht formen“.

Es war zu spät, der alte Hammer sauste auf den Formdorn – und Thomas wusste, dass die stark durch Verschleiß abgerundete Schlagfläche des Hammers sofort abgleiten und den Dorn beschädigen würde, wenn man nicht ganz genau mit der Schwerpunktmitte des Hammers den Dorn traf.

„Warum kommt der Schmied so ins Schwitzen“, fragte sich Sam etwas ratlos – er selbst stand viel näher am Schmiedefeuer und er schwitzte nicht.

„So ein Dornwerkzeug kostet ein Vermögen“, wusste Thomas. „Das war beim ersten Schlag reines Glück des Anfängers“, war sein nächster Gedanke.

Der Zweite, der dritte, der vierte Schlag – das erste Loch für die Hufnägel war ins Eisen gehauen – der Dorn hatte es überlebt.

„Da scheint sich ein Naturtalent in meine Schmiede verirrt zu haben“, flüsterte Thomas leise, als Sam mit seiner Übungsarbeit fertig war und das Eisen im Wasser des großen Bottichs abkühlte. Es zischte und brodelte, als Sam das immer noch leicht dunkelrot glühende Eisen langsam ins Wasser eintauchte. „Warum so zaghaft, wirf es ins Wasser, dir kann dabei nichts passieren“, rief der Schmied nun sichtbar besser als zuvor gelaunt. Dieses Erstlingswerk war entgegen allen Erwartungen recht gut gelungen und lies sich verkaufen. „Man muss Eisen langsam abkühlen damit es sich nicht verspannt“, entgegnete Sam – ein wenig selbst von sich überrascht, weil ihm dieser Gedanke genau im Augenblick des Eintauchens des glühenden Eisens in das eiskalte Wasser gekommen war.

Thomas war nun wirklich erstaunt. „Woher hast du dieses Wissen – bei wem hast du so etwas schon einmal gesehen?“, wollte Thomas sofort wissen. „Mir kam plötzlich so ein Gedanke“, entgegnete Sam, „ich habe dies noch nie irgendwo gesehen.“

„Oh mein Gott, ich muss schnell nach hause“, entfuhr es Sam laut, als er den Schlag der Glocke der Dorfkirche hörte und wusste, dass er schon hätte längst zuhause sein sollen um dem Vater zu helfen.

„Wenn du wirklich das Handwerk eines Schmieds lernen willst, dann kannst du morgen wieder kommen“, rief Thomas dem davoneilenden Sam nach.

Am Abend, in Kreis seiner Familie, wirkte Thomas sehr nachdenklich. „Ist etwas mit dem Auftrag des Gutsbesitzers schiefgelaufen?“, wollte seine Frau wissen. „Nein, nein, alles gut – alle Hufeisen sind fertig, ich muss morgen nur noch die Pferde damit beschlagen“. „Aber irgend etwas macht dir Kummer“, bohrte seine Frau weiter, um den Grund für seine ungewohnte Nachdenklichkeit erfahren zu können.

„Du kennst doch Sam Lander, den Sohn von Tors und Mory?“, eröffnete Thomas seinen Versuch einer Erklärung.

„Ja, den kenne ich recht gut, der kam doch vor 17 Jahren als Findelkind zu dieser Familie“, antwortete die Frau des Schmiedes.

Es entstand eine lange Pause bis der Schmied nun seine Gedanken offenbarte: „Er hat heute etwas gemacht, was mich völlig verblüfft hat.“ - wieder eine lange Pause - „Es gibt eine uralte Schrift wie man Waffen herstellen kann mit denen man unbesiegbar ist – und Sam hat heute eine der dort genannten Methoden in meiner Schmiede angewendet, ohne zu wissen, woher er diese Begabung hat.“

„Keiner kennt bis jetzt die Herkunft dieses Jungen“, sinnierte seine Frau, „vielleicht ist er doch nicht nur ein gewöhnliches Findelkind wenn er eine solche Begabung besitzt“, vermutete sie weiter.




„Der Herrscher von Paramä“

Kriege zu verlieren waren schlimm – den Sohn oder den Bruder zu verlieren bereitet einen tausend mal größeren Schmerz. Obgleich Rookan die gleiche Trauer um seinen ältesten Sohn empfand, musste er seine Frau Lysera immer wieder trösten damit sie nicht durch ihren Schmerz den Verstand verlor. Ihr jüngerer Sohn Thoran hatte momentan die Staatsgeschäfte übernommen bis die Trauer bei seinen Eltern etwas abgeklungen sein würde.

„Diese Gottverdammten mordlüsternen Biester müssen vernichtet werden“, hatte er mit voller Lautstärke sich von der Seele geschrien, als er vom Tod seines Bruders erfuhr.

„Er hat sehr mutig und tapfer bis zum Schluss gekämpft“, erzählten jene, die den Kampf in irgend einem Versteck überlebt hatten. Das war kein Trost um die Trauer lindern zu können.

Die Feuersglut des Atems der Drachen hatte ihre metallenen Waffen geschmolzen wie Butter in der Sonne. Nur das uralte Familienschwert welches irgend ein Vorfahre auf den Namen „Drachentöter“ getauft hatte, hatte die Feuersbrunst überstanden. Nakan hatte zwar einen der angreifenden Drachen am Hals verletzen können, aber sein Schild hielt dem Feuer des Drachens nicht lange stand als der Drache seinen Höllenfeueratem direkt in Richtung des Angreifers blies.

Die Begleiter von Nakan mussten hilflos mit ansehen, wie ihr Anführer bei lebendigem Leib verbrannt worden ist.

„Es war schrecklich“, berichtete einer der Zeugen weiter, „unter den fünf angreifenden Drachen gab es drei kleinere mit einer unbändigen Mordlust. Die beiden größeren ließen ab, als sie sich satt gefressen hatten – die kleineren jagten noch stundenlang die Menschen durch die Straßen und töteten alles was sie fassen konnten.“ Das Grauen war ihm noch ins Gesicht geschrieben als er dies Panos, dem Schreiber der Königsfamilie, mit zittriger Stimme erzählte.

Ein alter Gelehrter forderte das Wort: „Wir brauchen bessere Waffen mit denen wir diese gefräßigen Monster bekämpfen können“, war er sich sicher. Freilich wurde er von seinen Kollegen immer ein wenig verlacht, wenn er von den alten Schriften rezitierte wo er das Geheimnis der Herstellung solcher Waffen vermutete. Da wurde in verschiedenen Büchern von einer seltsamen Meteoreisenlegierung geschrieben, mit dessen Material man Klingen herstellen kann, die jedem Drachenfeuer Stand halten – so wie das Familienschwert, der „Drachentöter“.

„Es bedarf eines besonderen Schmiedes zur Herstellung dieser Waffen“, murmelte der Gelehrte – bewusst leise, damit keine Fragen diesbezüglich an ihn gestellt wurden. Er wusste es nicht, wo man diesen Schmied finden sollte – aber dieser Schmied wurde ebenfalls in den uralten Schriften immer wieder mehrfach erwähnt.

Das Begräbnis von Nakan war makaber – der Drachenangriff hatte nur noch halb verbrannte Knochen von ihm übrig gelassen – nur dies und das Drachentöterschwert hatte man in den Palast zurückgebracht, nachdem die wilden Drachen endlich abgezogen waren.


Es waren Wochen vergangen – die Angst der Bevölkerung vor einem weiteren Angriff dieser Monster wuchs von Tag zu Tag.

Thoran konnte diese hilflose Situation nicht mehr ertragen, er musste handeln. „Schickt die schnellsten Krieger hinaus ins Land um nach diesem sagenhaften Meteoreisen zu suchen“, befahl er dem Hauptmann der Soldatentruppe. „Jeder wird reich belohnt, der ein solches Material finden und hierher bringen kann!“

„Sterbende Sterne welche auf die Erde fallen“, nannte man unter den einfachen Menschen die Meteore, die mit feuriger Bahn vom Himmel auf die Erde fielen. Es gab einige Menschen, die die Orte kannten, wo diese abgestürzten Sterne tief in der Erde begraben lagen. „Der König hat jedem viel Gold als Belohnung versprochen, der einen dieser Sterne ausgraben und zum Schloss bringen kann“, war ein derzeit viel gesprochener Satz bei den Menschen.

Gleichzeitig ging im ganzen Land die Kunde um, dass ein Schmied gesucht wurde, der sich es zutraute, Meteoreisen schmieden zu können.

„Na, das wäre doch etwas für dich um deine Begabung zu beweisen“, witzelte Thomas gegenüber Sam, der mit mächtigen Schlägen gerade einen Radreifen aus bestem Stahl formte.

„Aber du hast doch gesagt, Meteoreisen könne man nicht schmelzen und schmieden, weil kein Feuer in einer Esse so eine hohe Temperatur erzeugen kann“, lehnte Sam diesen seltsamen Vorschlag ab.

„Ja, das habe ich gesagt weil ich es genau weis – aber die Soldaten des Königs wissen dies natürlich nicht und rennen einem Hirngespinst so eines alten Gelehrtentrottels hinterher“, entgegnete Thomas lauthals lachend. „Da muss ich sogar aufpassen dass sie dich mir nicht bei Nacht und Nebel einfach entführen werden“, witzelte er weiter.

Dies fand nun Sam gleichermaßen lustig – zumal seine Muskeln inzwischen durch die Arbeit in der Schmiede so gestärkt waren, dass er sich zutraute, zehn Mann auf einmal ohne große Anstrengung umhauen zu können - „Die sollen so etwas auch nur wagen – dann gibt es kräftig etwas auf die Nase“, entgegnete er nun ebenfalls lachend.


„Adlerpost“

Die kleinste Adlerart war sehr klug, flink, und schneller als all ihre großen Artgenossen. Ein findiger Landesfürst hatte bei einem seiner Feldzüge die Idee gehabt, seine Jagdadler anstatt der gängigen Raben und Tauben als Postkuriere einzusetzen. Viele Nachrichten der Raben und Tauben kamen nicht beim Empfänger an, weil diese Tiere von ihren natürlichen Feinden unterwegs abgefangen worden waren. Nicht so die Adler.

„Das gibt es doch nicht“, stammelte Lispers, erster der Berater des Königs, als er die Nachricht las, die heute für ihn durch so einen Adler überbracht worden war. Der Landesfürst der ersten Provinz, Soran, hatte ihm eine wichtige Nachricht geschickt. Die Farbe der Köcher für den Nachrichtentransport wiesen seine Wichtigkeit oder Dringlichkeit aus. Rot bedeutete absolute Priorität.

„Eine Drachenkönigin Namens Thannahery ist mit einer kleinen Begleitgruppe auf dem Weg ins Zentrum des Reiches der Paramäen und wird dort in der Hauptstadt in circa 5 Tagen eintreffen“ ,las er laut vor. „Sie hat in der Provinzsiedlung der ersten Provinz bei einem Angriff der wilden Drachen vielen Menschen das Leben gerettet und konnte alleine sogar zwei von den drei Angreifern auf dem offenen Marktplatz töten.“

„Das ist völlig unmöglich“, entfuhr es ihm laut, „so etwas kann es nicht geben“.

Er las trotz seiner Ungläubigkeit weiter, nachdem er zur Sicherheit, nicht einer makaberen Falschmeldung aufzusitzen, das Siegel der Nachricht noch einmal auf Echtheit geprüft hatte.

Das Siegel war echt!

„Sie kann euch vielleicht verraten, wie ihr diese wilden Drachen in Zukunft besiegen könnt“, las er weiter.

„Aber ihr müsst mit dieser jungen Frau Nachsicht haben, sie kennt leider wenig Regeln im Umgang mit dem Respekt gegenüber Landesherren und Königen“, stand dort zu seiner Verblüffung als letzter Satz geschrieben.

Der erste Berater wollte sich gerade aufmachen den König zu informieren, da zweifelte er plötzlich an dem was er gelesen hatte. Hatte er den Text auch wirklich richtig gelesen und verstanden. „Wenn ich in der Trauerzeit meinen König mit einer Falschmeldung verärgere, dann lande ich im Gefängnis“, murmelte er vor sich hin und verharrte auf der Stelle. War diese Meldung eine raffinierte Fälschung, durfte er sie seinem König nicht unterbreiten. War diese Meldung aber echt, wurde er bestimmt gevierteilt, wenn er sie seinem König vorenthielt. „Verflixt noch einmal, was mache ich jetzt um nicht in Schwierigkeiten zu kommen“ , seufzte er so laut, dass ihn der im Nebenraum anwesende Thoran, zweiter Sohn des Königs, hören konnte.

Sein innerer Kampf wurde entschieden als plötzlich Thoran im Raum stand. „Was hast du denn Schlimmes angestellt“, fragte dieser in nicht ernst gemeintem Ton. Er wusste, dass Lispers ein sehr gewissenhafter Mensch war – aber auch ab und zu am Königsurteil vorbei Gnade vor Recht ergehen lies wenn ein Bürger seine Steuern nicht rechtzeitig bezahlen konnte, oder bei der Ausgabe von Nahrungsmitteln ab und zu eine große Familie mit vielen Kindern die Waagschale mit dem Gemüse etwas schwerer als die aufgelegten Gewichte ausgependelt wurde.

Er nahm Lispers die weitere Entscheidung ab indem er blitzschnell nach der Nachricht griff und anfing zu lesen:“.... Drachenkönigin … wird in fünf Tagen hier eintreffen …. hat ganz alleine zwei wilde Drachen getötet ….. ihr müsst Nachsicht haben … kennt keinen Respekt.....????“

Lispers atmete auf als auch Thoran den Siegel des ersten Landesfürsten nun ebenfalls eingehend auf Echtheit prüfte. „Das solltest du wirklich nicht meinem Vater als gute Nachricht vorlegen – ich weis zwar nicht, was Soran alles in seiner Provinz den lieben langen Tag so treibt, aber als er diese Nachricht geschrieben hat könnte er zuvor durchaus ausgiebig seinen neuen Wein ausprobiert haben.“

„Falls in fünf Tagen wirklich eine Drachenkönigin bei uns in Form von Fleisch und Blut eintrifft, werde ich mir diese junge respektlose Heldin einmal genauer ansehen“, versprach er Lispers das „Nachrichtenproblem“ zu lösen.

„Was um alles in der Welt treibt Soran in der ersten Provinz – hat der sich mit zu vielen Arnaukbaumblätter zugedröhnt?“, sinnierte er laut als er den Raum verließ. Irgend wie fand er diese Nachricht immer weniger lustig, je mehr er über deren Inhalt nachdachte – „Eine Person konnte keine zwei wilden Drachen alleine töten – und mit was hätte sie das tun sollen – die beiden Monster mit ihren Händen erwürgen?“

Hatte da eine Schwindlerin Soran so die Sinne vernebelt, dass er sich breitschlagen lies, so eine Nachricht an das trauernde Königshaus zu schreiben?

Sie kam selten hoch – die Wut wenn man in einer ernsten Situation auch noch verspottet wird – nein, seinem Vater würde er diesen Ärger ersparen – aber er war sich jetzt sicher: „Diese Schwindlerin werde ich mir greifen und bestrafen!“

„Die soll nur in fünf Tagen tatsächlich eintreffen und meinen, sie kann ihr Spielchen in der großen Stadt weiter betreiben – die wird sich mächtig wundern was mit Schwindlern passiert, die solche unwahrscheinlichen Geschichten in die Welt setzen“, schimpfte er laut, während er diese ominöse Nachricht im Geheimfach seines Schreibsekretärs in die hinterste Ecke verbannte.

Die Zeit verging, fünf Tage waren trotz aller Mühen der Reise schnell verstrichen. Thannahery sah in der Ferne die riesige Stadt auftauchen und freute sich, endlich wieder eine Zivilisation mit dem von ihr gewohnten Luxus erreichen zu können. Auch alle ihre Weggefährten hatten jetzt eine Erholungspause verdient. Je näher sie der Stadt kamen, umso freundlicher war ihr Eindruck – da wurden Gäste sogar von den Soldaten des Königs empfangen und begrüßt – vermutete Thannahery, als sie die rechts und links am Stadttor aufgestellten Soldaten immer deutlicher erkennen konnte.

An einem anderen Ort hatten sich schon wieder die ersten vier wilden Drachen zu einem Flug zu ihrer „Futterinsel“ formiert, um dort auf Jagd zu gehen. Einer dieser Drachen hatte allerdings schon eine negative Erfahrung mit dieser „Jagdbeute“ gemacht und nahm sich vor, dieses mal sehr vorsichtig zu sein.



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