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Poesie => Wut & Hass


Gemütsbewegungen - von Inazuma, 28.11.2020
Mein Name ging zwischen den Stimmen der Menschen verloren, er versank im Stillen, ungeachtet seiner Schönheit, ungeachtet seiner Existenz. Nach Jahren der verzweifelten Suche, Tagen an denen ich ihn beinahe wieder gefunden hatte, Minuten in denen ich nach dem Tod gerufen habe, Sekunden ohne Atem, sitze ich auf dem Fußboden den ich hasse, in dem Zimmer, das ich verabscheue, welches ein Teil des schrecklichen Hauses ist, das ich mir mit Menschen Teile, die allesamt gutmütig sind. Trotz meiner Fehlschläge kam ich immer zurück, in dieses wärmende Haus voll kalter Wände. Sein Geruch trübt meine Sinne, sein Aussehen schmerzt mir in den Augen, jeder Raum, den ich betrete, riecht nach Kummer und Verwesung. Wer gestorben ist, das bin ich. Die Wände wirken bedrückend, die Türen sind laut, meine Ohren schmerzen, wenn der Wind sie zustößt. Ich finde nichts mehr in diesen aufgeräumten Zimmern, die Bücher verkommen an ihren Plätzen und zwischen vergoldeten Bilderrahmen, spiegeln sich leere Blicke. Jeder Schritt, den es bedarf, um der Haustüre näher zu kommen, kostet Überwindung, jeder Wimpernschlag, der mir die Sicht nimmt, gibt mir Kraft. Wir haben nicht darüber gesprochen, obwohl wir redeten, dein Anblick widert mich an, ich hielt mich zurück, ging zu weit und hielt mich doch zurück, warum? Warum kommst du überhaupt noch hier her, warum willst du jemandem helfen, der nichts als deine Abwesenheit wünscht? Wenn ich dich reden höre, verstehe ich deine Sprache nicht, es ist als ob du deinen Mund öffnest und schließt um Laute zu erzeugen, die mich führen sollen, doch sie erreichen mich nicht. Du schaffst es schon so lange nicht mehr mich zu berühren, dass ich nicht weiß, ob dein Körper noch so warm ist, wie der eines atmenden Menschen. Ich schreibe, um dich zu erreichen. Jeder Schriftzug folgt seiner Strecke, bis er vielleicht ankommt. Doch vergebens bemühe ich mich zu dir zu finden, denn die Worte verfehlten stets ihr Ziel. Ich weiß, dass wir uns nie auf der gleichen Ebene gegenüberstehen werden und ich weiß, dass es zwecklos ist dennoch danach zu streben. Obwohl wir uns abstoßen, fühle ich mich zu dir hingezogen, eine unsichtbare Wand trennt unsere Körper. Wir haben uns in den endlosen Sälen und Zimmern dieses Hauses verlaufen. Meine Taten gingen unter wie mein Name, sie verschwanden zwischen Gedanken und Werbetafeln, Videos und Spielen, Plakaten und SMS Nachrichten. Verloren liege ich hier und verschlafe das sinnfreie Treiben der Wesen, welche sich als Menschen hervorheben, um nicht mit einem bellenden Hund, einem krächzenden Raben, in Verbindung gebracht zu werden. Mein Herz schlägt ruhig in dieser schnellen Welt, wenn er aussetzen würde, der vom Sinusknoten angegebene Takt meines Herzschlages, dann wird sich nichts verbessert haben, an diesem Ort. Ein Boden aus Lügen, das dünne Eis, welches uns vor den Folgen unseres Konsums bewahren sollte, ist längst gebrochen. Ich treibe im zornigen Fluss meiner Gedanken, in dem Wissen, dass ich mit dem Läuten meines Weckers dieses Bett wieder verlassen muss, um Geld zu verdienen, um ein Leben zu leben, um meinen Freunden ein Lachen zu schenken, damit sie meine verzweifelte Wut nicht teilen müssen.



©2020 by Inazuma. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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