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Prosa => Krimi


Westernroman: Zwei Sterne für Cutter Teil 2 - von Andrea, 21.08.2018
Während er Lady von dem Wagen befreite und seinen Sattel befestigte kam Jett auf ihm zu.
„ Was für eine Spur? Hast du was entdecken können?“
„ Ja. Es waren die gleichen Banditen die dich überfallen haben. Sie haben ein Gewehr dort liegen gelassen. Ich nehme an das einer von ihnen deshalb noch mal da war. Ich muss ihn wohl gestört haben als er das Gewehr holen wollte.“
Er zog sich in den Sattel und zwinkerte Carol-Ann zu.
„ Keine Sorge Carol. Wenn ich zurück bin machen wir ein Picknick. Aber gebratene Hühnchen müssen dabei sein!“ Er sah zu Jett und kniff ein Auge ein, dann zog Nick die Zügel rum und galoppierte Richtung Westen davon.
Eine ganze menge Menschen hatte sich auf der Straße versammelt und alles mit angehört. Sie sprachen alle durcheinander, dabei wurden sie immer lauter. Ein großer dicklicher Mann schob sich durch die Masse. Sein Bauch wackelte dabei hin und her. Es war Bürgermeister Finch. Mit dem aufgerauchtem Stummel einer Zigarre im Mund platzierte er sich auf dem Gehweg. Er hob beide Hände in Luft. Seine raue Stimme war aber laut genug um die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu lenken.
„ Bürger von Cutter! Nur keine Panik. Ich habe alles unter Kontrolle.“

*

Mitten in den Bergen weit außerhalb der Stadt lagerten sie. Banditen, Mörder und Outlaws in einem „ Kessel“ umgeben von hohen Felsen. Nur ein schmaler Weg führte zu ihnen. Eine Schlucht in der keine zwei Pferde nebeneinander Platz hatten. Der Anführer, einer Bande von fast zwanzig Mann, kam aus einem Höhleneingang heraus. Der helle Sonnenschein blendete seine Augen, so dass er diese mit seiner Hand abschirmen musste um etwas zu sehen. Ein Mann auf einem Pferd kam auf ihm zu geritten. Kurz vor dem Anführer sprang er aus dem Sattel. Ein ernster Blick traf den Reiter so dass er zusammenzuckte. Der Boss war ein kräftiger Mann. Seine behaarten Fäuste stemmte er nun in die Hüfte. Die wenigen Haare waren nach hinten gekämmt. Er zog die buschigen Augenbrauen so sehr zusammen, dass eine tiefe Stirnfalte entstand. Als er nun anfing zu reden, konnte man seine gelben schief stehenden Zähne sehen.
„ Was ist los. Wo bist du gewesen Ted?“ Nervös scharrte Ted mit dem Fuß im Dreck. Er wagte es nicht seinem Boss in die Augen zu schauen.
„ Ich---ich musste noch mal zurück zur Ranch.“
„ Den Überfall auf die Ranch haben mir schon Barko und Brady erzählt. Davon war nie die Rede, aber das klären wir später noch. Warum bist du nicht mit den anderen beiden mitgekommen?“
Ted lief ein Schauer über dem Rücken. Er wusste genau was der Boss damit meinte wenn er etwas später klären will. Er atmete tief ein. Jetzt musste er ihm die Wahrheit sagen, denn eine Lüge würde der Anführer rausbekommen, dann ging es ihm erst richtig dreckig.
„ Ich habe eins der neuen Gewehre getestet. Ich wollte es mir nur mal ansehen, da kam der Rancher plötzlich auf uns zu. Ich habe sofort geschossen. Als wir uns dann am Brunnen abkühlten, habe ich die Büchse dort abgestellt und sie vergessen.“
Mit einer Schnelligkeit die man dem kräftigen Mann nicht zugetraut hätte, schnellte seine Faust nach vorne und traf Ted genau auf die Nasenspitze. Der schlaksige Junge torkelte nach hinten und fiel auf sein Gesäß. Blut lief aus seiner Nase. Er hielt die Hände vor dem Mund und hatte auf einmal einen Zahn in der Hand. Einer seiner vorderen Schneidezähne war abgebrochen.
Der Boss ging auf ihm zu, packte ihn am Kragen und riss ihn hoch auf die Beine. Ted stand, aber die Knie waren Butterweich. Der Anführer spuckte vor Ted in den Sand und knurrte.
„ Jetzt kann man dich wenigstens von deinem Zwilling unterscheiden. Also, wo ist das Gewehr? Her damit!“
Ted wackelte ein paar Schritte rückwärts.
„ Da ist noch etwas.“
„ Was denn noch? Los spuck es schon aus sonst schlag ich dir den Rest deiner Zähne auch noch raus.“



„ Als ich zurück zur Ranch war kam ein Reiter. Ich konnte mich im Schlafzimmer verstecken, aber er fand mich dort. Ich bin durch das Fenster abgehauen. Das Gewehr konnte ich nicht mehr holen.“
„ Bist du verrückt? Erst überfallt ihr ohne meine Erlaubnis eine Ranch, dann vergisst du Trottel
auch noch das Diebesgut. Hast du den Fremden wenigstens erledigt?“
„ Nein. Ich glaube nicht. Es ging alles sehr schnell. Außerdem war es kein Fremder. Ich hab sein Pferd erkannt. Es war der Marshall aus Cutter. Weiß der Teufel woher der so schnell von der Schießerei erfahren hat.“
Jetzt musste sich auch der Boss hinsetzten. Er ließ sich auf einem der großen Felsblöcke nieder.
Minuten der Stille verrannen. Wie aus Stein gehauen saß er da und blickte vor sich hin. Dann sprang er auf. In seiner Rechten hielt er den 45ziger Revolver und noch bevor Ted reagieren konnte fiel der Schuss. Mitten ins Herz des gerade einmal zweiundzwanzig jährigen Junge Burschen. Er war schon Tot als sein Körper vorn über kippte und auf dem sandigen Boden reglos liegen blieb.
Barko hörte den Schuss und kam sofort angerannt. Er warf sich auf den Boden neben seinen Bruder und schrie.
„ Steh auf Ted, bitte. Sieh mich an!“ Er rüttelte seine Schultern. Schließlich nahm er ihn in den Arm und drückte ihn fest an sich.
Dem Boss interessierte das alles nicht. Er rief ein paar Männer zu sich, die auch sofort kamen.
„ Hört zu. Ted dieser Idiot hat den Marshall auf unsere Spur gesetzt. Seht zu das ihr ihn abfangt.“
„ Sollen wir ihn abknallen Boss?“ fragte einer der Banditen.
„ Nein. Ich will dass ihr ihn zu mir bringt. Lebend. Habt ihr das verstanden?“
„ Sie wollen den Wolf direkt in unser Versteck holen?“
„ Das ist meine Sache. Bringt ihn mir her. Oder habt ihr etwa schiss vor ihm. Er trägt nur einen Blechstern, na und?“
Die Männer trotteten davon. Sie kannten ihren Boss genau und wussten dass man sich nicht mit ihm auf eine Diskussion einlassen sollte.
Bill Clain, der Anführer der Bande drehte sich um. Hinter ihm stand ein Mann mit blonden Locken.
Es war Mister Benton. Er sah Clain ernst an und sagte in einem scharfen Ton.
„ Wenn hier irgendetwas schief läuft, fährst du mit in die Hölle. Du hast dein Wort gegeben das du die besten Männer hast. Ich will diesen Marshall und ich will ganz Cutter den Erdboden gleich machen. Marshall Nick Ryder ist schuld am Tot meines Bruders. Durch seine Aussage hat man ihn gehängt. Und die ganze Stadt hat zugesehen. Alle Geschworenen waren gegen ihn. Cutter muss vernichtet werden. Ich habe dir die Gewehre besorgt, du erledigst den Rest mit deinen Leuten, dafür behältst du achtzehn neue Winchester. Wenn alles erledigt ist, werdet ihr mich nie mehr wieder sehen. Ich muss von hier verschwinden bevor die Armee auf meine Spur kommt.“
„ Keine Sorgen Benton. Es wird nichts schief gehen. Mit dem Marshall werde ich schon fertig. Ich habe ihn schon einmal schwer getroffen.“ In seinen Augen blitzte es als er sagte.“ Wenn er wüsste was ich noch für Ass im Ärmel habe.“
Danach ging er über den Platz bis zu den Pferden. Zwei Kinder standen bei einem Rotfuchs und Striegelten ihn. Der fünf jährige Junge kämmte gerade die Mähne des Pferdes. Er hatte schwarzes Haar das in der Sonne bläulich schimmerte.
Er war nun schon vier Jahre bei der Clain-Bande. Seine Eltern waren bei einem Indianerüberfall getötet worden. So erzählte es jedenfalls Bill Clain immer. Die siebenjährige Hanna war Bill`s Tochter. Aber glücklich konnte er darüber nicht sein. Sein größter Wunsch war immer ein Sohn gewesen. Hanna hasste ihren Vater. Er war schuld am Tot ihrer Mutter. Wie eine Sklavin hatte er sie behandelt. Mit seiner eigenen Tochter ging er genau so grob um.
„ Hanna komm her!“ Erschrocken ließ das Mädchen die Bürste fallen und rannte sofort zum Vater.
„ Ja Pa.?“
„ Ich habe Hunger. Geh und brate mir den Hasen den ich gestern geschossen habe.“
„ Aber ich wollte doch…“ Klatsch. Seine große kantige Hand traf Hanna auf die linke Wange.
„ Halts Maul und tu was ich dir sage.“
Hanna stand da und hielt die Hände auf die schmerzende Stelle im Gesicht. Mit aller Kraft wehrte sie sich gegen die Tränen, konnte es aber nicht verhindern dass doch ein paar die Wange runterkullerten.
Damit Bill es nicht sah schlug sie den Staub aus ihrem Kleid und ging zur Feuerstelle.



Wütend und schluchzend murmelte sie.
„ Warte nur. Ich werde nicht ewig hier bleiben. Irgendwann laufe ich weg. Egal wohin.“


*


Die ganze Stadt Cutter war in Aufregung. Alles versammelte sich um den Bürgermeister, der vorm Marshall Office stand und sich wichtig tat.
Jett lehnte an der Wand neben der Officetür, hatte die Arme vor sich verschränkt und hörte sich das ganze Gerede an. Carol-Ann und Mary standen neben Jett, der immer wieder zu Mary rüberblinzelte.
Verlegen lächelte sie immer zurück.
Die dicken Wangen des Majors schienen Kugelrund als er lauthals verkündete.
“ Die Gerechtigkeit wird siegen. Dafür haben wir einen guten Marshall. Vergesst nicht, ich habe ihn euch vorgeschlagen. Marshall Ryder ist der beste Gesetzeshüter den man haben kann.“
„ Ist hier demnächst Bürgermeisterwahl?“ fragte Jett und sah dabei fragend zu Mary und Carol rüber.
„ Karl Flint redet immer so. Er sagt stets das was die Leute hören wollen. Ob er davon immer selbst überzeugt ist bezweifle ich allerdings.“
„ Aber.“ Fuhr Major Flint fort. “ Unsere Stadt braucht auch einen Sheriff. Der Marshall kann nicht alles allein erledigen. Wer meldet sich freiwillig für dieses ehrenvolle Amt.“ Ein Raunen ging durch die Menschenmenge, bis der Bürgermeister wieder das Wort übernahm.
„ Liebe Mitbürger. Ich habe schon alles geregelt. Wer hier als Sheriff arbeitet erhält einen guten Lohn. Verpflegung und Arztkosten werden von der Stadtkasse übernommen.“
„ Und wer kümmert sich um unsere Familien, wenn wir bei diesem gefährlichen Job draufgehen? „
rief eine tiefe Männerstimme aus der Menge, und erhielt sofort zustimmende rufe.
„ Seit Marshall Ryder hier für Recht und Ordnung sorgt, ist es doch schon viel ruhiger geworden.“
Flint stand stolz und kerzengerade da. Er wusste genau wie man mit den Leuten reden musste um sie von etwas zu überzeugen. Dieser Redegabe hatte er es zu verdanken, dass man ihm zum Major der Stadt Cutter wählte. Die Menschen auf der Straße wurden zunehmend lauter. Vereinzelnd konnte man einen Mann aus dem durcheinander verstehen.
„ Cutter ist eine große Stadt mit viel Durchgangsverkehr. Täglich kommen und gehen Fremde mit Kutsche und Bahn. Wie können sie da von einer ruhigen Stadt reden?“
Flint ließ sich nicht aus der Fassung bringen.
„ Genau deshalb brauchen wir noch einen Sheriff hier. Wenn Marshall Ryder außerhalb der Stadt was zu erledigen hat, wie jetzt, dann haben wir hier nur noch Deputy Cooper. Er ist ein guter Junge, aber er ist noch sehr jung und dieser Aufgabe allein nicht gewachsen. Also----sehe ich einen Freiwilligen?“
Langsam löste sich die Menschentraube auf. Dann trat Mary Smith neben Mr. Flint und ergriff das Wort.
„ Da sich niemand Freiwillig meldet, möchte ich jemanden vorschlagen.“ Sie drehte sich um und wies mit dem Finger auf Jett Armstrong.
„ Ich schlage Mister Jett Armstrong vor!“
Jett schluckte. Damit hätte er nie gerechnet. Er drückte sich von der Wand ab, während er sich verlegen durch sein Haar strich. Den Hut in der Hand beobachtete er die Reaktionen der Männer.
Laut rufend stimmten alle dem Vorschlag zu. Mary lächelte Jett zu.
„ Sheriff von Cutter.“ Dachte Armstrong. „ Damit wäre meine Reise hier zu Ende. Und Mary ist wirklich hübsch. Nick braucht Hilfe. Ganz besonders im Office bei dem Papier Chaos auf dem Schreibtisch.“ Die laute Stimme Flints holte Jett aus seinen Gedanken.
„ Mister Armstrong. Nehmen sie unser Angebot an?“
Entschlossen ging er auf den Bürgermeister zu und reichte ihm die Hand mit den Worten.
„ Nick und ich waren die besten Freunde. Wir haben immer zusammen gehalten. Ich werde ihn auch jetzt nicht im Stich lassen. Major, ich nehme den Stern.“ Überglücklich fiel Mary ihm um den Hals.
Als die Leute anfingen laut zu applaudieren, wurde sie rot im Gesicht. Erst jetzt bemerkte Mary was sie getan hatte. Jett sah ihre Röte. Er nahm sie in den Arm und flüsterte in ihr Ohr.
„ Sollen es nur alle sehen. Ich liebe dich.
Mich wirst du nun nicht mehr los. Mit dem Stern werde ich wohl für immer in Cutter bleiben müssen. Mit dir an meiner Seite fällt mir das auch gar nicht schwer.“
Jett Armstrong wurde ganz offiziell vom Major und dem anwesenden Stadtrat zum Sheriff von Cutter vereidigt.


*

Es war fast Mittag, als Nick neben seiner Stute kniete um die entdeckte Spur näher zu betrachten.
„ Hier sind sie lang geritten. Ihre Abdrücke sind deutlich zu erkennen.“ Dachte Nick.
Er wollte gerade aufsitzen als von rechts ein Schuss fiel.
Die Kugel streifte seine Stirn. Ryder zog noch im herumwerfen den Colt und feuerte in die Richtung aus der der Schuss kam. Leicht benommen blieb er am Boden liegen. Schwarze Schleier wehten vor seinen Augen und wollten ihm die Besinnung rauben. Mit aller Anstrengung kämpfte Nick gegen eine anspringende Ohnmacht an. Doch bevor er sich wieder so weit erholt hatte, hörte er gleich über sich eine Männerstimme.
„ Los steh auf, du Hund. Du hast mir in den Arm geschossen, dafür wirst du bezahlen.“
Zwei Männer packten ihn am Kragen und zogen ihn hoch. Mit einer Blitzreaktion traf Ryders Faust den einen unters Kinn. Er torkelte zurück, fing sich aber an seinem Pferd. Im wilden Zorn kam er nun auf den Marshall zu und wollte ihm seinen Kopf in den Magen rammen, aber Nick machte eine halbe Drehung und ließ seinen Gegner ins leere laufen. Zu spät drehte er sich um. In diesem Moment schlug von hinten der zweite Bandit zu. Er traf mit seinem Gewehrkolben Nick am Hinterkopf.
Marshall Ryder sank in die Knie. Tiefe Dunkelheit überkam ihm. Der Tritt den ihm der Mann noch versetzte spürte er schon gar nicht mehr. Sie nahmen ihm die Waffen ab, legten ihn auf sein Pferd und banden Arme und Beine unter dem Pferdeleib zusammen.
Der Bandenboss Bill Clain lief nervös auf und ab. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf.
Zehn Jahre hatte er gesessen wegen einem Mord an einem Richter. Der damals noch sehr junge Nick Ryder war Zeuge der Tat. Er zeigte ihn beim Sheriff an und daraufhin wurde Bill zu zehn Jahre Straflager verurteilt. Das hatte er ihm nie verziehen. Als Ryder später Sheriff von Cutter war, überfiel Clain mit seiner Bande die Stadt. Er zündete Häuser an. Seine Leute vergriffen sich an den Frauen, es war grausam. Er persönlich war es der Nick schwer verletzte und vor seinen Augen seine Frau Lea umbrachte. Mann konnte damals den Sheriff aus seinem brennenden Haus retten, aber den einjährigen Sohn Jetti fand man nicht. Man ging davon aus, dass der Kleine im Haus verbrannte.
Vier Jahre später kam Bill Clain noch einmal in die Nähe Cutters. Er ließ sich in den Bergen nieder und erfuhr dort dass Ryder den Überfall damals überlebte. Jetzt mit der Hilfe eines Mister Benton der ihm achtzehn gute und neue Gewehre beschaffte, wollte Bill endlich mit Marshall Nick Ryder und der Stadt Cutter abrechnen. Ein schriller Pfiff kam von einem der Wachposten. Bill schaute zu ihm auf. Mit der winkenden Hand gab dieser ein Zeichen dass Clains Männer zurückkamen.
Die beiden Banditen ritten mit ihrem Gefangenen auf Bill zu.
Der Rothaarige McRieden hielt seinen verletzten Arm fest. Er rutschte ohne aus dem Sattel und spuckte in den Sand.
„ Da ist er. Dieses Schwein hat mir den Arm zerschossen. Ich wollte ihn schon umbringen, aber ich weiß ja wie viel es ihnen bedeutet ihn lebend zu haben.“
Bill stieß ihn grob beiseite. „ Selber Schuld. Ich habe nicht gesagt ihr sollt euch anschießen lassen.“
Er packte Nick an den Haaren und zog seinen Kopf hoch.
„ Es ist schön dich wieder zu sehen!“ sagte er in einem ironischen Ton. Langsam kam wieder Leben in Ryders Körper. Er kniff ein paar Mal die Augen zu um wieder klar sehen zu können.
Der Kopf dröhnte noch wie in einer Kesselschmiede. Sie schnitten seine Fessel mit einem Bowiemesser durch. Dabei verletzten sie Ryders Handgelenk, so das Blut auf das Sattelleder tropfte. Mit einem Ruck zogen zwei Männer ihn vom Pferd. Als Nick nun Bill Clain gegenüberstand und sein dreckiges Lachen hörte, kamen ihm sofort die Erinnerungen zurück. Er sah wie Bill das Messer an Leas Kehle hielt. Er hörte wieder die angsterfüllte Stimme seiner Frau. Er roch das Feuer das um ihn herum fackelte. Wut stieg in ihm hoch. Er ballte die Fäuste und seine Zähne knirschten, so fest biss er sie aufeinander.
Dann kam Bill einen Schritt auf Nick zu.
„ Hätte nicht gedacht das du noch lebst.“ Jetzt konnte sich Ryder nicht mehr halten. Noch bevor die umstehenden Banditen eingreifen konnten, schlug Nick seinem Gegenüber mit der Faust genau auf die Nase. Clains Kopf flog zur Seite. Der Schlag war so heftig das Bill in den Staub stürzte.
Blut lief aus seiner Nase. Zwei der Männer packten Nick und umklammerten ihn, während ein Dritter ihm einen Gewehrkolben in den Magen stieß. Er holte zum zweiten Schlag aus, wurde aber zurück gerissen. Bill Clain stand hinter ihm. Die linke Hand an der Nase, die blutverschmierte Rechte packte den Arm des Schlägers.
„ Hör auf!“ schrie Bill. „ Er gehört mir. Sperrt ihn erst mal weg.“
Sie brachten Ryder in einen Höhleneingang. Mit vier Männern wurde ein riesiger Felsblock vor dem Eingang geschoben. Ein Loch das gerade groß genug für eine Hand war, ließ ein paar Sonnenstrahlen ins Innere. Nick tastete die Wände ab, es war ein massiver Fels. Keine Lücke oder Spalten konnte er finden.
Draußen an einem gespannten Seil standen die Pferde in Reihe angebunden. Die beiden Kinder Hanna und der Junge standen bei Lady, der Stute des Marshalls, und bewunderten dieses schöne Tier. Hanna löste das Halfter vom Seil und wollte sich in den Sattel schwingen. Der erste Fuß steckte schon im Steigbügel, da hielt ihr Freund sie am Bein fest.
„ Bist du verrückt geworden, was soll denn das?“
„ Lass mich los. Ich möchte doch nur mal ein paar runden auf ihm reiten. Ich habe noch nie ein so schönes Pferd gesehen.“
„ Aber wir werden Ärger bekommen.“ Hanna, zog ihren Fuß aus dem Bügel. Sie schaute sich nach allen Seiten um und sagte.
„ Du wirst mich doch nicht verpetzen, oder? Es ist ja niemand hier der das sieht. Die sind alle beim Vater in der Baracke.“
Gerade wollte Hanna wieder aufsteigen als ein Schuss krachte. Die Stute schlug erschrocken mit ihren Vorderhufen hoch.
„ Wer da? Stehen bleiben und die Pfoten hoch!“ Laut hallte die Stimme von den Felsen wieder.
Steif standen die beiden Kinder da. Der junge konnte vor schreck kein Wort sagen. Hanna flüsterte ihm zu. „ Sag nicht das ich reiten wollte. Wir sind nur hier um die Pferde zu versorgen. Als der Mann keine Antwort auf seine frage erhielt, gab er noch einen Warnschuss ab. Lady wieherte auf, riss sich los und galoppierte davon.
„ nicht schießen, wir sind es nur!“ rief Hanna dem herankommenden Wachmann zu.
Mit einem Grashalm im Mundwinkel und dem Gewehr in der Armbeuge kam ein großer schlanker Mann auf die Beiden zu.
„Was macht ihr hier?“ seine Frage war ernst und drohend. Der Junge antwortete stotternd.
„ Wir, wir wollten die Pferde versorgen.“
„ Macht dass ihr zurück ins Lager kommt. Hanna, dein Vater will das du die Wäsche wäschst.“
„ Na komm. Ich helfe dir Hanna.“ Die Beiden packten sich an die Hände, und liefen am Wachmann vorbei zum Lager.
Der Wachmann wollte sich gerade abwenden und auf seinen Posten gehen, als er die Lücke zwischen der Pferdereihe sah. „ Mist verdammter. Das Vieh ist abgehauen. Wenn der Boss dass erfährt knallt er mich ab.“ Fluchend ging er ein stück den Fels entlang bis er die beiden anderen Posten sah. Er pfiff sie ran und sofort kamen Beide angerannt.
„ Das Pferd von dem Marshall ist abgehauen. Nehmt euch eure Gäule und holt es zurück.“
„ Aber Bart. Wir sollen doch hier Wache schieben.“ Zeterte der eine.
Bart spuckte in den Sand. „ Das übernehme ich so lange. Los beeilt euch, sonst holt ihr das Tier nie mehr ein. Ihr wisst ja was passiert wenn der Boss davon Wind bekommt. Ihr seid mit dran schuld. Ihr habt hier Wache zu schieben. Es hätte euch auffallen müssen wenn ein Pferd sich vom Acker macht...“
Ganz bewusst redete Bart den beiden Männern Schuldgefühle ein. Die Angst vor einer Bestrafung ließ sie ohne weitere Widerworte zu ihren Pferden laufen.
„ Und macht schnell. Bevor noch einer was merkt.“ Rief Bart noch hinter ihnen her.
Dann preschten die beiden Banditen los.


*

Jett war gerade dabei die restlichen Briefe auf dem Schreibtisch zu ordnen, als Carol-Ann herein kam.
Langsam kam sie auf Jett zu. Ihr Gesicht war blass, und ihre Hände zitterten leicht als sie ein Taschentuch hervorholte um sich damit die Stirn ab zu tupfen. Jett kam um den Tisch herum. Er nahm einen Stuhl und forderte Sie auf sich doch zu setzen.
„ Um Himmels willen. Was ist geschehen? Setzten sie sich bitte.“
Schluchzend sah Carol-Ann nun in die klaren blauen Augen des Sheriffs.
„ Ich mache mir Sorgen um Nick. Es ist schon bald Abend und er ist immer noch nicht zurück.“
„ Nun ja. Er verfolgt eine Spur. Das kann sicher auch mal länger dauern.“ Jett versuchte die verzweifelte Frau zu trösten.
„ Nein Sheriff. Sie verstehen das nicht. Wenn Nick für längere Zeit weg musste, dann gab er Deputy Cooper Anweisungen. Er würde auch Proviant mitnehmen.“
„ Sie haben Recht Carol-Ann. Ich werde sehen was ich tun kann.“ Er nahm seinen Hut vom Haken, zog den Revolvergurt ein Loch enger und verließ das Office. Mit schnellem Schritt ging er zu Murphys Mietstall. In der hinteren Box stand sein Pferd. Jett nahm den Sattel. Mit gekonntem Schwung warf er ihn auf den Rücken des Pferdes.
„ Guten Abend Sheriff. Haben sie so spät noch etwas vor?“ Erschrocken drehte Jett sich um. Hinter ihm stand der alte Murphy. Er hielt eine Stalllaterne in der Hand. Das schwach flackernde Licht warf unheimlich Schatten der beiden Personen an die Holzwand. Erleichtert atmete Armstrong auf.
„ Ach Sie sind es. Sie verstehen es wirklich gut sich von hinten anzuschleichen und Leute zu erschrecken.“
„ Endschuldigen sie Sheriff. Das war nicht meine Absicht.“
„ Schon gut. Ich muss zur Lessing Ranch reiten. Nick ist heute Mittag dort hin geritten, und immer noch nicht zurück.“
„ Wissen sie eigentlich wie sie da hinkommen?“ fragte Murphy und zog die Augenbrauen hoch.
„ Nein. Aber sie werden es mir bestimmt gleich sagen.“ Jett hielt in seiner Arbeit inne. Fragend sah er in das Gesicht des Alten. Etwas lustiges, freundliches war darin zu lesen.
„ Nein. Das ist schwer zu erklären an jemanden der sich hier gar nicht auskennt. Aber nehmen sie doch Cooper mit. Er kennt die Gegend hier sehr genau. Außerdem hat Lex Cooper viel von Nick gelernt, was Spurensuche anbelangt. Der Junge ist wirklich gut darin geworden.“
Murphy hatte seinen Satz gerade beendet, als Cooper im Tor erschien.
„ Ich bin dabei.“ Sagte er nur. Er kam auf Jett zu und reichte ihm die Hand.
„ Auf gute Zusammenarbeit Sheriff. Ich komme gerade vom Office. Carol-Ann hat mir alles erzählt. Murphy, wo ist mein Sattel?“ Lex war ein hoch gewachsener schlanker Bursche und gerade vor einer Woche neunzehn geworden. Als seine Eltern an Typhus starben, war er gerade vierzehn Jahre. Der Stadtrat beschloss damals den kleinen Lex Cooper in ein Kinderheim nach San Franzisko zu schicken. Nick aber war dagegen. Er wusste ja wie es ist, wenn man als Kind plötzlich allein dasteht. Er nahm sich dem Jungen an. Lex durfte im Office helfen. Er hielt alles sauber und half Nick bei kleineren Aufgaben. Gewehre Ölen, Essen für Gefangene holen oder mal einen Kaffee kochen.
Als er seinen siebzehnten Geburtstag feierte, machte Ryder ihn zum Hilfssheriff. Lex war mächtig stolz auf diesen Stern. Für ihn war Nick wie ein Vater, und er würde alles für ihn tun.
„ O.k. reiten wir.“ Sagte Jett und zog sich in den Sattel. Noch bevor er aus dem Tor ritt drehte er sich zu Lex um. Mit einem lächeln sagte er.
„ Lassen wir die Förmlichkeiten weg. Ich bin Jett.“ Dann winkte er Murphy zu. „ Das gilt auch für dich.“ Murphy grinste. „ Ich halte in der Zeit wo ihr weg seid die Stellung im Office. Junior.“
Noch einmal drehte Jett sich um und rief.
“Ach und der Schreibtisch hat jetzt eine gewisse Ordnung. Es sollte auch so bleiben. Senior!“
Sie erreichten gerade den Stadtrand, als ein reiterloses Pferd auf sie zutrabte. Lex sprang sofort aus dem Sattel und ging dem Tier entgegen. Er nahm die am Boden schleifenden Zügel und tätschelte ihren Hals. Dann sah er auf und sagte.
„ Das ist Lady. Sie ist völlig verschwitzt. Muss wohl bis hier hin galoppiert sein. Ganz ruhig Lady.“
Sanft strich er ihr über die Nüstern. Jett war ebenfalls abgestiegen. Er kam auf Lex zu und untersuchte das Pferd. Plötzlich schaute er wie gebannt auf den Sattel. Er rieb mit dem Finger über das Leder und meinte dann.
„ Das ist Blut hier am Leder.“ Lex schluckte. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.
„ Dann muss ihm was passiert sein! Wir sollten so schnell wie möglich zur Lessing Ranch reiten. Dort wollte Nick auch hin. Da muss doch eine Spur zu finden sein.“

Er gab Lady einen Klapps auf die Hinterhand und die Stute trabte weiter genau auf Murphys Stall zu. Hinter der letzten Biegung des Weges standen zwei Reiter. Sie beobachteten wie Jett und Lex die Stute untersuchten. Einer der Beiden wischte sich die Nase mit seinem Handrücken. Dann fluchte er.
„ So ein Mist. Was machen wir jetzt? Der Gaul hat es bis zur Stadt geschafft.“
„ Wir können aber nicht ohne das Tier zurück reiten.“
„ Und was schlägst du nun vor?“
„ Ich weiß nicht. Ich muss erst noch überlegen.“
„ Verdammt würdest du mal etwas schneller denken?“
„ Wie soll ich denn, wenn du ständig nur dumm rum Quatschst.“
„ Wenn unser Boss davon was erfährt, wird er uns die Schuld geben das das Tier abgehauen ist. Dann geht es uns aber dreckig.“
Während die Beiden sich stritten, entdeckte Jett sie. Erstaunt beobachtete er die Szene. Ihre Diskussion wurde schließlich so laut, dass Jett fast jedes Wort verstand.
Er winkte Lex zu sich heran, und ohne weg zuschauen fragte er erstaunt.
„ Sag mal. Sehe ich da richtig oder stehen da vorne zwei Idioten.“
Dann sprangen beide fast gleichzeitig auf ihre Pferde und gaben ihnen die Sporen. Sie waren schon fast bei der Wegbiegung, als die zwei streitenden Männer sie bemerkten.
„ Nichts wie weg hier!“ schrie der eine, zog die Zügel herum und galoppierte davon. Sein Partner folgte ihm.
Armstrong und Cooper kamen immer dichter an die Beiden heran. Da drehte sich der eine plötzlich um und schoss ziellos nach hinten. Jett durfte nun nicht mehr in gerader Linie reiten, sonst kam er in Gefahr doch noch eine der Kugeln abzubekommen. Nach sechs Schüssen war der Revolver leer geschossen. Cooper schaffte es den Schützen einzuholen, warf sich aus dem Sattel, direkt in die Arme des Gegners. Beide stürzten zu Boden. Durch den Schwung rollten sie noch ein ganzes Stück bis ein Felsblock sie bremste. Noch leicht benommen packte Lex den Fremden am verschmierten Hemdkragen und hielt ihm seinen Revolver an die Stirn.
Jett der den zweiten Flüchtigen verfolgte, merkte, dass dieser ein verdammt gutes Pferd ritt. Er schaffte es nicht den Abstand zu verringern. Sein Pferd Tänzer hatte schon Schaum vorm Mund und das Fell war weiß von Schweiß. Er hielt an, zog sein Wincherstergewehr aus dem Sattelhalter und setzte an. Er musste jetzt genau zielen. Es gab nur einen Versuch. Tief zog er die Luft ein. Hielt den Atem an, richtete Kimme und Korn aufs Ziel und drückte ab. Wie von einem Keulenschlag getroffen
Fiel der Fremde vorn über vom Pferd. Das Tier lief noch weiter, bis es bemerkte, dass kein Reiter es mehr vorwärts trieb. Dann blieb es stehen schnaubte und schüttelte sich. Jett packte sich den Verletzten. Er war an der Schulter getroffen. Es war keine lebensbedrohliche Wunde, aber doch sehr schmerzhaft. In dem Moment kam Cooper mit seinem gefesselten Gefangenen um die Ecke.
Armstrong fragte.“ Alles klar bei dir?“
„ Mein Hemd ist dabei drauf gegangen, sonst ist alles in Ordnung.“ Er schaute an seinem zerrissenen Hemdsärmel runter und grummelte.
„ Na toll! Das war mein liebstes Stück.“
Wütend packte er den Gefesselten am Arm und riss ihn vom Pferd. Weil seine Hände auf dem Rücken gebunden waren, konnte er sich nicht abstützen, und fiel mit dem Gesicht in den Dreck. Cooper und Armstrong stießen beide Gefangenen gegen eine Felswand.
„ Also, dann fangt mal an zu singen!“ Quetschte Jett wütend durch seine Zähne. In seiner Stimme klang ein gefährlich drohender Unterton mit.
„ Ich frage nur einmal. Wo ist Marshall Ryder?“
Der größeren der Beiden spuckte genau vor Armstrongs Stiefel.
„ Du kannst mich mal.“ Sagte er. Auf seiner Stirn bildeten sich Schweißperlen.
„ So—ich kann dich mal!“ Jett griff den Verletzten an der Schulter, so dass dieser vor Schmerzen in die Knie sank. „ Arghh--- hör auf! Der Boss bringt mich um wenn ich was sage.“
„ Und was glaubst du was ich mit dir mache wenn du nicht bald dein Maul aufmachst.“ Lex sah ihn mit bitter ernster Mine in die Augen.
„ Ihr--- Aua--- ihr seid Gesetzeshüter. Ihr dürft mich nicht umlegen!“
Jett sah Lex an, und meinte während er ein Auge dabei zukniff.
„ Hast du das gesehen? Er zog plötzlich einen kleinen Colt aus seinem Ärmel. Ich musste ihn in Notwehr erschießen.“ Lex verstand sofort und spielte das Theater mit.


„ Ja. Das ging alles so schnell. Es war Notwehr.“ Beiden wich die Farbe aus den Gesichtern. Sie starrten Jett und Lex an bis einer schließlich stammelte.
„ Das könnt ihr doch nicht machen! Damit kommt ihr nicht durch.“
Jett fuchtelte absichtlich mit seiner Waffe, als ob er es gar nicht erwarten könne endlich die Beiden zu erschießen.
„ Wer sollte uns daran hindern, euch hier und jetzt abzuknallen.“
„ Schon gut. Nur nicht nervös werden. Verdammt.“


*

Die Banditen standen alle um ein Feuer herum. Langsam drehte ein hagerer glatzköpfiger und unrasierter Mann drei Hasen an einem Ast über den Flammen. Dabei säuberte er seine Zähne mit einem kleinen Stöckchen. Bill Clain der Anführer stand in seiner Baracke. Er wusch sich die noch immer schmerzende Nase. Das Wasser in der Schüssel färbte sich hellrot.
Er schob die Decke, die das Fensterloch abhing, beiseite und beobachtete seine Leute.
Außer seiner Baracke gab es noch zwei weitere primitiv gebaute Holzhäuser. Hier hatten vor Jahren einige Pelztierjäger gehaust. Im geschützten Kessel umringt von Felsen, bauten drei Trapper sich hier ihre Quartiere. Die Trapper gab es längst nicht mehr, aber ihre Hütten standen immer noch da.
Bill betrachtete nun wieder sein Gesicht in einer Spiegelscherbe. Wut stieg in ihm hoch als er seine rot-blau gefärbte Nase sah. Er riss den Vorhang am Fenster zur Seite und brüllte hinaus.
„ Peko. Komm sofort her.“ Es dauerte nicht lange da wurde an die Tür geklopft. Ein großer Kerl trat ein. Er musste seinen Kopf einziehen um sich nicht am Türrahmen zu stoßen. Als er drinnen stand knirschte er durch seine Zähne „ Boss hier bin ich!“ Bill stand mit dem Rücken zu ihm. Laut stieß er die eingeatmete Luft aus und drehte sich dann zu ihm um. Er hielt dem groß gewachsenen Mann seine Hände hin.
„ Sieh dir das an. Völlig zerschunden. Im Steinbruch. Mein Rücken schmerzt jeden Tag. Dieser Ryder hat mir die besten Jahre meines Lebens genommen. Hol ihn mir her. Einmal kam er mit seinem Leben davon. Diesmal wird er sterben. Ich will ihn tot sehen, dass habe ich mir geschworen. Jeden verdammten Tag in diesem Straflager. Jetzt ist es endlich so weit.“

Nick stand vor dem kleinen Loch in der Wand. Er versuchte mit einem Stein die Öffnung größer zu klopfen. Aber die felsige Wand war doch sehr Massiv. Nur wenige kleine Stücke brachen mit jedem Schlag ab. Plötzlich hielt er inne. Ein Schatten huschte außen vorbei. Nick presste sich an die Wand und sah wie eine Hand durch das Loch kam. Blitzschnell packte er zu, ließ aber sofort wieder los, als er spürte wie klein und dünn das Handgelenk war. Es dauerte etwa eine Minute, da konnte Nick ein Jungengesicht erkennen. Der Kleine hatte sich eine Kiste geholt und sie hochkant auf den Boden gestellt. Jetzt war er groß genug um durch die Luke ins Innere der Höhle zu blicken.
Kleine Sommersprossen schienen auf der Nase zu tanzen, als er lachte. In seiner kleinen Hand hielt er einen Becher und reichte ihn Nick.
„ Hier sie müssen doch durstig sein!“
Ryder sah ihn dankbar an. Seine Kehle war schon ganz trocken. Mit einem Zug leerte er den Becher Wasser. Wie gut das tat. Das kühle Nass gab ihm wieder neue Kräfte.
„ Sag mal Junge. Wie heißt du denn?“ wollte Nick vom ihm wissen.
Der kleine senkte den Kopf. Halblaut sagte er. „ Ich habe keinen Namen. Bill nennt mich einfach nur Boy.“
„ Bill ist nicht dein Vater?“
„ Nein. Meine Eltern kamen bei einem Indianerüberfall ums Leben. So sagte er es mir. Er hat mich aus unserem brennenden Haus gerettet.“
„ Weißt du denn wer deine Eltern waren?“
„ Nein. Ich war erst ein Jahr alt. Aber Bill hatte das hier in seiner Kiste. Hanna hat es einfach raus genommen. Sie sagte das es mir gehöre.“
Er reichte eine silberne Taschenuhr durch die Öffnung. Doch bevor Nick sie sich ansehen konnte, zog Boy die Hand schnell zurück. Eine tiefe Männerstimme klang hinter ihm.
„ Hey Junge. Was machst du da?“


Erschrocken drehte sich das Kind um. Sagte dann aber mit sicheren Worten.
„ Nichts. Ich wollte mir nur mal den Gefangenen ansehen.“ Eilig sprang er von seiner Kiste runter und rannte fort. Er hörte noch wie der Mann ihm nach rief.“ Mach das du weg kommst. Ich will dich hier nicht mehr sehen. Rotzlöffel.“
Hinter der Blockhütte wartete Hanna schon ganz gespannt auf ihren Freund. Voller Ungeduld fragte sie Boy.“ Und wie ist er?“
„ Wie soll er schon sein.“ Boy zuckte mit den Achseln.
„ Er ist doch ein Marshall. Ich habe noch nie einen echten Marshall gesehen.“
„ Er ist ganz nett. Aber geh doch hin und sieh ihn dir selber an.“
Boy wandte sich ab und ging um die Baracke herum. Hanna stand noch da. Sie schloss die Augen und sagte leise. „ Vielleicht wird er mein Retter sein.“ Der laute Ruf ihres Vaters riss sie aus ihren Gedanken. Schnell lief sie um die Ecke. Bill stand breitbeinig da. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel. Ernst blickte er das Mädchen an.
„ Wo warst du? Du solltest doch meine Hemden waschen. Bring sofort ein sauberes her.“
Als Hanna sich umdrehte gab Clain ihr einen Tritt der so heftig war das sie nach vorn stolperte und hinfiel. Tapfer erhob sie sich. Der Gedanke an den Gefangenen Marshall gab ihr wieder Mut. Sie hoffte innig auf dessen Hilfe.

*

Armstrong und Cooper brachten die beiden Gefangenen zurück zur Stadt. Im Office saß Murphy bei einer Tasse Kaffee. Sichtlich erstaunt stand er auf als er die Beiden mit den Ganoven reinkommen sah. „ Wen schleppt ihr denn da rann?“
„ Wir wissen wo Nick ist. Die Beiden haben es uns gesagt.“ Jett schubste die Banditen ins Jail. Er schloss die Gittertüren zu und kam vor ins Office.
„ Wir brauchen Verstärkung. Es ist eine Bande von zwanzig Mann. Sie halten Nick dort gefangen.“
Murphy rieb sein stoppeliges Kinn. Er kräuselte die Stirn als er sagte.“ Das könnt ihr vergessen. Außer vielleicht Ole der Schmied wird euch wohl niemand beistehen. Der Rest sind alles erbärmliche Feiglinge. Nick hat schon oft völlig allein auf der Straße gekämpft. Die Bürger sahen hinter ihren Gardinen zu bis der Spuck vorbei war. Dann kamen sie aus ihren Löchern um den Marshall zu loben.“
Jett hatte schon den Türgriff in der Hand.
„ Ich gehe trotzdem mal rüber in den Saloon. Wenn ich den Leuten erzähle das die Bande plant, nicht nur den Marshall, sondern auch ganz Cutter zu vernichten, werden sie vielleicht helfen. Schließlich geht es ihnen ja nun selber an den Kragen. Wir müssen uns beeilen bevor dieser Bill Clain….“
„ Bill Clain?“ Murphy sprang von der Tischkante runter auf der er saß, als hätte ihn eine Biene gestochen. „ Spar dir den Weg zum Saloon. Clain hat damals hier wie der Teufel gewütet. Häuser brannten nieder, Frauen wurden vergewaltigt sogar zwei Kinder kamen bei der Schießerei ums leben. Nein, hier wist du keine Hilfe finden. Die Leute haben Angst vor Clain und ich kann es ihnen nicht einmal verdenken. Wenn Nick tatsächlich auf Bill gestoßen ist dann können wir nur noch hoffen das unser Marshall noch lebt.“
Jett winkte ab. Er ging hinüber in den Saloon. Etwa zehn Männer waren dort gerade mit Pokern und Whiskey trinken beschäftigt als Armstrong die Bastgeflochtenen Schwingarme aufstieß.
Ein älterer Cowboy sah ihn als erster. Er stand an der Theke und hob sein glas Bier dem Sheriff entgegen. „ Seht mal Leute wer da rein kommt. Unser neuer Sheriff. Meinen herzlichen Glückwunsch zum Stern. Kommen sie, ich lade sie zu einem Drink ein.“
Jett ging auf den Cowboy zu, zwang sich zu einem künstlichen Lächeln und sagte.
„ Danke. Einen Whiskey kann ich jetzt gebrauchen.“ George der Keeper stellte das Glas aufs Blech und goss die goldbraune Flüssigkeit ein.
Mit einem Schluck kippte Jett den Inhalt runter, stellte das Glas wieder ab und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Theke. Laut rief er gegen die Menge an.
„ Hört mal zu Leute. Ich brauche ein paar Männer die mir helfen den Marshall zu retten.“
Einer der Pokerspieler sah auf und fragte. „ Wo ist er denn?“
„ In einem Felskessel der hier Trapperplace genannt wird. Dort sitzt die Bande von Bill Clain. Er hat vor ganz Cutter auszuräuchern. Also wenn euch euere Stadt lieb ist dann helft mir.“


Mit dem Namen des Bandenbosses entfachte Jett ein lautes Durcheinander. Die Männer schimpften, fluchten, aber niemand war bereit sich dem Sheriff anzuschließen. Jett versuchte verzweifelt die Gefährliche Situation zu erklären in der sich die ganze Bevölkerung Cutters befand, aber er stieß nur auf Gegner. Mit gesenktem Kopf verließ Jett den Saloon in dem das laute Gerede immer noch kein Ende fand und ging zurück ins Office.
Murphy stand am Fenster. Er sah wie niedergeschlagen der Sheriff die Straße überquerte. Als er in der Tür erschien blickte ihn der Alte düster an.
„ Du bist ja schnell wieder hier. Kein Glück gehabt?“
Wütend schlug Jett die Tür hinter sich zu, so heftig das einige Blätter vom Schreibtisch hoch wirbelten und zu Boden segelten. „ Diese Idioten.“
Lex nahm ein Gewehr aus dem Regal. Er packte sich noch zwei Dosen Patronen und steckte sie in seine Westentasche. „ Ich bin bereit Sheriff. Lass uns los reiten. Nick braucht unsere Hilfe. Ich hoffe er lebt noch.“
Murphy schaute auf seine Stiefelspitzen. Seufzend sagte er. „ Glaubt mir. Wenn ich jünger wäre…“
Weiter kam er mit seinem Satz nicht. Jett klopfte auf seine Schulter und unterbrach ihn.“ Wir brauchen dich hier. Wer soll sonst auf die Gefangenen acht geben. Pass auf dich auf. Nicht das noch jemand versucht die Beiden aus dem Jail zu befreien.“
Lex saß schon im Sattel als Jett raus kam. Er steckte seinen Fuß in den Steigbügel. Gerade saß er im Sattel als Carol- Ann angerannt kam. „ Sheriff, ist es war. Ist Nick bei der Clain Bande?“
„ Ja. Aber machen sie sich keine Sorgen. Ich hole Nick da raus. Das verspreche ich ihnen.“
Er zog die Zügel rum und verließ zusammen mit Lex die Stadt.
Bürgermeister Flint stand vor dem Saloon. Er schaute den beiden Reitern nach.


*

Kurz vor dem felsigen Weg der zum Trapperplace führt hielten die Beiden ihre Pferde an. Jett nahm seine Winchester. Er kontrollierte die Trommel seines Revolvers und füllte seine Taschen mit Ersatzpatronen. Lex hielt Ausschau. Er war schon den Fels rauf geklettert. Als beide oben waren gingen sie geduckt den Hang entlang. „ Es ist nicht mehr weit.“ Flüsterte Lex ihm zu. Plötzlich blieb er stehen. Er hob den Zeigefinger der rechten Hand zum Mund. „ Schsch. Da vorne hält einer Wache.“ Im weiten Bogen schlich sich Jett um den Wächter herum. Gelangweilt saß der Bandit auf einem Stein und rauchte. Als Armstrong nahe genug ran war gab er dem Deputy einen Wink. Lex zerbrach geräuschvoll einen Ast. Das Knacken ließ den Mann aufschrecken. Er sprang hoch, wollte gerade loslaufen, als Jett ihm von hinten den Gewehrkolben über den Schädel schlug. Sofort sank er Bewusstlos in die Knie. Nicht einmal einen Warnruf hatte er abgeben können.
Armstrong zog ihm die Stiefel aus. Verwundert sah Cooper ihm dabei zu. „ Was wird denn das? Willst du etwa seine Stiefel klauen?“
„ Was will ich denn mit diesen abgelaufenen Dingern.“ Er schleuderte die Stiefel den Hang hinunter. Dann zog er ihm noch die Socken aus. Lex staunte nicht schlecht als er sah wie Jett dem Banditen mit einer Socke die Hände auf den Rücken band. „ Womit soll ich ihn denn sonst fesseln? Das Halstuch brauche ich zum Knebeln. Sie ließen den Verpackten liegen und schlichen weiter zum Rand hinauf.
Von hier oben hatten sie eine perfekte Aussicht auf das Lager der Banditen. „ Der Idiot den wir gefangen haben hat tatsächlich die Wahrheit gesagt. Es sind mindestens zwanzig Mann die ich da unten sehe. In diesem Moment wurde gerade Nick zur mittleren Baracke geführt. Drei Männer hielten ihre Colts auf Ryder gerichtet.
Jett entdeckte ihn mit leuchtenden Augen. Er war froh seinen Freund lebend zu sehen.
„ Da. Das ist Nick. Jetzt wissen wir wenigstens das er noch lebt.“ Lex schaute in die andere Richtung. Er stieß Armstrong mit dem Ellenbogen an und zeigte nach rechts unten.
„ Sie mal was da vor der Hütte steht. Kennen wir nicht die drei Mehlsäcke? Aus dem offenen Sack kann man sogar einen Gewehrlauf sehen.“

Nick wurde an den Händen gefesselt in die Baracke gebracht. Auf Anweisung hin wurde die Tür von außen verschlossen. Bill rieb sich die Hände. Er starrte sein Gegenüber an. Gefährlich blitzte es in seinen Augen.“ So, jetzt sind wir ganz allein. Nur du und ich. Zwei Männer vom gleichen Schlag.“
Dann schnellte Bill vor. Seine Hände umspannten Ryders Hals. Er presste ihn gegen die Wand. Sein harter Griff nahm Nick fast die Luft.

„ Ich mach dich fertig! Langsam – so wie du es mit mir gemacht hast. Und dann werde ich deine schöne Stadt in Schutt und Asche legen. Danach werden die Leute wohl etwas mehr Respekt vor mir zeigen. Vor mir, dem großen Bill Clain, der Marshall Ryder umbrachte. Dann löste er seinen Griff. In der Ecke stand eines der neuen Gewehre. Stolz nahm Bill es in die Hand.
„ Hier, erkennst du das? Mit Achtzehn von diesen wunderbaren Waffen und den Fässern Dynamit aus Wellington werde ich in Cutter einreiten.“
„ Siebzehn. Das eine Gewehr habe ich.“ Nick lehnte immer noch an der Wand. Langsam bekam er wieder Luft.
„ Du hast damals die gerechte Strafe bekommen. Wenn du noch einmal in Cutter auftauchst wirst du es bereuen. Der Richter war noch viel zu gnädig mit dir.“ Es war ein scharfer drohender Ton den Marshall Ryder sprach. Bill stand mit dem Rücken zu Nick. Er nahm den Ledergürtel vom Haken und drehte das eine Ende einmal um seine Hand. Bill drehte sich um und wollte mit dem Riemen Ryders Gesicht treffen. Aber Nick wirbelte blitzschnell zur Seite. Das Lederende traf nur noch seine Stirn und zog eine breite Schramme in die Haut. Blut lief übers Auge, die Wange runter.
Bill lachte dreckig. „ Ich habe noch eine Überraschung für dich.“ Durch das Fenster rief er einen seiner Männer zu. Kurz darauf wurde die Tür geöffnet und man schob den Jungen rein. „ Du kannst wieder verschwinden.“ Gab Clain dem Banditen den Befehl. Dann zog er das Kind am Arm zu sich, hielt die Hand unter dessen Kinn. „ Sieh her Ryder. Sieh ihn dir genau an. Erkennst du die Ähnlichkeit?“ Nick sah den Jungen an. Er sah in die dunklen Augen, auf das schwarze Haar. Das Blut in seinen Adern schien plötzlich wie gefrorenes Eis. Bills Lachen wurde immer lauter.
„ Ich habe den Bengel groß gezogen. Die Brut meines größten Feindes. Was sagst du dazu?“
Wie erstarrt stand Nick da. Konnte es denn wirklich sein?

Oben auf dem Felshang überlegten Jett und Lex Fieberhaft was sie tun sollten. Dann fiel Armstrong das Fass auf das neben dem Höhleneingang stand. Er kniff die Augen zusammen und die Schrift darauf wurde deutlicher. „ Dynamit“ sagte er leise. Lex nickte. „ Das könnten wir jetzt gut gebrauchen. Warum haben wir da nicht dran gedacht?“
„ Warum sollten wir uns mit dem Zeug abschleppen, wenn es da unten rum steht.“
„ Was, Wo?“ Cooper sah wo hin Jett schaute. „ Tatsächlich. Wir sollten uns von zwei Seiten ran schleichen. Sobald das Dynamit in die Luft geht zünde ich die Sträucher hinter den Baracken an. Bei der Trockenheit brennt hier bald alles Lichterloh. Wenn wir dann ständig unsere Positionen wechseln und Feuern, glauben die da unten sie wären Umzingelt.“
„ Guter Plan Lex. Das könnte klappen. Versuch so viele wie möglich zu treffen.“ Sie reichten sich die Hände.“ Also dann viel Glück.“
Wie geplant schlichen die Beiden an ihre jeweiligen Posten. Jett fand einen hervorragenden Platz. Die Sicht war frei, und hinter den Sträuchern konnte man ihn nicht sehen. Er war nun auch nah genug ran um einen sicheren Schuss ab zugeben. Armstrong legte das Gewehr an.
„ Alles hängt nun von dir ab Jett. Ich hol dich hier raus Nick.“ Leise und mit geschlossenen Augen sprach Jett sich selber Mut zu. Er atmete tief ein, hielt die Luft an und zielte auf das Fass.
Mit einem gewaltigen Knall explodierte das Dynamit. Die Druckwelle riss Steine aus der Felswand und schleuderte sie durch die Luft. Gleich vier der Banditen wurden schwer getroffen.
Im selben Moment gingen die ersten Büsche in Flammen auf. Das Feuer wanderte wie erwartet rasendschnell von einem Geäst zum anderen. Jett verließ seinen Standort. Er rannte von Baum zu Baum und schoss bei jeder Position. Lex machte das gleiche, und sie waren richtig gut. Wild schreiend rannten die Männer umher. Versuchten das Feuer zu löschen, aber es war sinnlos. Während sie rechts löschten zündete Lex auf der linken Seite die nächsten Hölzer an.
„ Es hat keinen Sinn. Wir sind umzingelt!“ schrie einer aus der Masse. Er rannte zu den Pferden die wild an den Zügeln rissen.
Jett rannte hinter einer der Baracken. Durch das Glaslose Fenster sah er auf dem Tisch zwei Whiskeyflaschen stehen. Er nahm einen brennenden Ast und schleuderte ihn ins Innere. Die getroffenen Flaschen kippten um, der Alkohol verteilte sich auf der Tischplatte und fing sofort Feuer. Schnell brannten nun auch die Decken der Boden und vor allem die mit Strohbedeckten Schlafpritschen. Grinsend sah Jett zu wie alles in Flammen aufging. Da erhielt er plötzlich einen heftigen Schlag auf den Kopf.



Nur mit äußerster Mühe konnte er die anspringende Ohnmacht
bezwingen. Zwei grobe Gestalten packten ihn unterm Arm und schleppten ihn zur mittleren Hütte, wo schon weitere Männer standen die Cooper ein Messer am Rücken hielten.
Jett fluchte. „ Haben sie dich auch erwischt?“ Lex nickte mit dem Kopf. Er kniff ein Auge kurz ein und meinte.“ Ja aber nur dich und mich. Die anderen werden sie nicht so leicht kriegen.“
Da lachte einer auf und kam auf die Beiden zu. Sein Atem stank fürchterlich als er sehr nah vor Jetts Gesicht sagte.“ Ihr zwei seid allein. Wir haben alles abgesucht. Außerdem schießt ja auch niemand mehr seid dem wir euch haben.“ Dann trat er die Tür auf und rief ins Innere.“ Boss, wir haben sie. Es sind nur zwei Sternschlepper.“
Bill trat vor die Tür. Mit Abscheu musterte er die Gesetzeshüter aus Cutter.
„ Knallt sie ab!“ Während Bill seinen Leuten noch Anweisungen gab, kletterten Boy und das Mädchen Hanna durch das Fenster. Die hintere Wand der Hütte stand schon in Flammen. Nick suchte noch nach etwas scharfem um seine Fesseln zu zerschneiden, als er die zwei Kinder sah. Boy hielt ein Messer in der Hand. Schnell hatte er damit den Marshall befreit. Hanna blickte sorgenvoll durchs Fenster. Sie sah Bill auf die Baracke zustampfen. „ Schnell Marshall. Sie müssen fliehen. Bill wird sie umbringen!“ Sie zerrte an Ryders Ärmel und wollte ihn zum Fenster ziehen. In dem Moment fielen draußen Schüsse. Erschrocken blieb Hanna stehen. Sie sah Nick in die Augen, ihre Stimme bebte.“ Bitte kommen sie mit. Die beiden anderen hat er schon erschießen lassen.“
Nick überlegte wer denn die zwei mit einem Stern wohl waren. Es trägt doch nur Cooper einen, und er natürlich. Vielleicht kam ja Hilfe aus Wellington. Aber wie konnten sie hier von erfahren haben?
Ganz gleich wer sie waren. Die Beiden waren nun tot und er musste sehen dass er hier Lebend raus kam.
Als Clain eintrat schnellte Nick ihm entgegen. Er hatte so viel Schwung, dass Beide zu Boden fielen. Hanna und Boy rannten raus. Das Feuer hatte sich durch den ganzen Raum gefressen. Wände und Decke brannten lichterloh.
Auf dem Boden kämpften Nick und Bill auf Leben und Tot.

Vorne am Eingang des Trapperplace standen einige der Banditen um Lex und Jett. Sie stritten noch wer das Vergnügen haben durfte, zwei Sternträger zu erschießen.
Mit gefesselten Händen überlegte Jett Fieberhaft wie er hier wieder raus kommen konnte.
Da fielen Schüsse. Ringsum die Beiden kippten die Männer wie gliederlose Puppen um.
Erstaunt blickten die Beiden um sich. „ Verstehst du das?“ fragte Lex. Da kam hinter einem Felsvorsprung Ole der Schmied hervor. Erleichtert atmete Jett auf. „ Was machen sie denn hier?“ fragte er, glücklich ihn zu sehen.
„ Die halbe Stadt ist hier. Wir wollen das Banditennest ausräuchern.“
„ Als ich im Saloon um Hilfe bat hat sich niemand freiwillig gemeldet.“
„ Sie können eben nicht so gut reden wie unser Mayor Flint. Er war so froh endlich einen Sheriff in Cutter zu haben. Da kann er sie doch nicht gleich am ersten Arbeitstag wieder verlieren.“
Cooper warf sich auf den Boden und rief „ In Deckung!“ Ole und Jett duckten sich ebenfalls, und schon flogen die ersten Kugeln über ihre Köpfe hinweg.

In der Baracke ging der Kampf weiter. Nick landete einen harten Uppercut unter Bills Kinn. Clain stolperte rückwärts über einen am Boden liegenden brennenden Balken. Er stand wieder auf und trat das heiße Holz Nick entgegen. Ryder konnte ihm gerade noch ausweichen. Da entdeckte Bill das Messer. Boy hatte es fallen gelassen als Hanna ihn weg zerrte. Er packte sich die Waffe und stürmte auf seinen Gegner zu. Nick konnte den ersten Schwinger ausweichen, bekam aber den zweiten ab. Die scharfe Klinge zerschnitt sein Hemd, und hinterließ eine Schnittwunde auf der Brust.
Bill holte zum nächsten Schwinger aus. Da aber war Nick schon nach vorne geschnellt. Er blockte den Arm schlug ihm das Messer aus der Hand und verpasste ihm seinen Ellenbogen ins Gesicht.
Wieder stolperte Bill zurück. Wütend wollte er wieder auf Nick zu rennen, da fiel der zweite Balken von der Decke. Clain stand genau unter ihm. Nick konnte ihn nicht mehr sehen. Der Rauch wurde immer dichter. Das Atmen fiel schwer und die Hitze wurde unerträglich. Das Haus brach immer mehr in sich zusammen. Ryder konnte sich noch zur Tür raus werfen bevor die erste Wand nachgab und alles wie ein Kartenhaus zusammen brach.
George der Barkeeper kam auf Jett zu gerannt. Sein Bauch schaukelte dabei hin und her. Er hielt eine Winchester in der einen Hand und einen schweren 45ziger Colt in der anderen.
„ Wo ist der Marshall?“


„ Eine gute Frage. Ich hab ihn auch noch nicht gesehen.“ Sagte Jett, und in diesem Moment flog sein Hut vom kopf. Sie mussten hinter einem Fels in Deckung springen. Der Schütze stand hinter einem Pferd und feuerte wie wild in Armstrong und Georges Richtung. „ Den hol ich mir.“ Murmelte der Keeper. Er erhob sich aus seiner Deckung, schoss mit der Winchester unter dem Pferd durch und traf dessen Fuß. Schreiend fiel der angeschossene zu Boden, und wurde sofort vom 45ziger Colt nieder gestreckt.

Im letzten Augenblick sah Nick das Schmuckstück des Jungen am Boden liegen. Er musste es hier eben verloren haben. Mit seinem Halstuch griff er nach dem heiß gewordenem Medaillon und stürmte im Fallwurf nach vorn um nicht von den Flammen gepackt zu werden, die sich immer mehr ausbreiteten. Jett sah wie Nick in Deckung hechtete.
„ Da ist er!“ Rief er George zu. Geduckt rannte Armstrong zu seinem Freund, der sich hinter einem mit Säcken beladenem Wagen in Sicherheit brachte.
Erleichtert das Marshall Ryder noch lebt reichte er ihm die Hand.
„ Bist du in Ordnung Nick?“
„ Ja. Jett was machst DU hier? Und was---?“ Er stutzte als er den Sheriffstern an der Weste Armstrongs sah. „ Was ist das. Hat man dich zum Sheriff gemacht damit du mich hier ganz legal rausholen kannst?“
„ Ich dachte mir du könntest einen Partner brauchen. Oder sehe ich das falsch? Außerdem kann ich viel besser mit der Buchführung umgehen.“
„ Das heißt, du willst für immer in Cutter bleiben?“ Nick`s Augen leuchteten. Hoffnungsvoll blickte er seinem besten Freund ins Gesicht.
„ Nun ja. Wenn es dir recht ist, mich als deinen Partner zu haben und-----„
Nick sagte gar nichts dazu. Er umarmte ihn einfach. Als sie sich wieder gegenüber standen sagte Ryder.“ Wenn wir wieder in Cutter sind, stoßen wir bei George auf unsere Zusammenarbeit an, Partner.“
Die Männer aus Cutter hatten nun alles im Griff. Die Clain Bande war besiegt.
„ Habt ihr nichts Besseres zu tun? Das Feuer muss gelöscht werden. Die Toten legen wir auf den Wagen, die verletzten und der Rest kommen auf den anderen Ladewagen.“ George stand mitten auf dem Platz, seine Hände in die Hüfte gestemmt, und gab Anweisungen.
Erstaunt blickte Nick sich um. „ Hey das ist ja unser Salooner.“ Bemerkte er.
Jett stand hinter ihm.“ Jawohl. Die halbe Stadt ist hier. Nach dem der Bürgermeister auf sie eingeredet hatte, wurde ihnen wohl doch klar wie gefährlich die Clain Bande war. Wenn die es geschafft hätten mit dem Dynamit und den Gewehren in Cutter einzureiten, wäre alles verloren gewesen.“

Hanna und der Junge saßen im Höhleneingang.
Sie hatten alles beobachtet. Boy stand nun auf. Langsam ging er vorwärts. Plötzlich griff seine Hand in seine Hosentasche. Er durchsuchte auch die andere und sah sich verzweifelnd um.
„ Hanna meine Uhr ist weg. Ich muss sie verloren haben. Hilf mir. Wir müssen sie suchen.“
Bevor er losrennen konnte hielt ihn das Mädchen fest.
„ Wo willst du denn suchen?“
Mit einem kräftigen ruck riss sich Boy von ihrem Griff los. Wo er suchen sollte wusste er auch noch nicht. Er lief bis zur abgebrannten Baracke. „ Ich muss sie hier verloren haben.“ Sagte er zu sich. Jett und Cooper halfen mit die Gefangenen zu entwaffnen. Man entschloss sich die Toten hier zu begraben. Mit Spaten schaufelten sie Gräber aus.
Nick sah den kleinen Jungen, der den Boden absuchend auf allen vieren kroch. Er ging auf ihn zu und hockte sich vor ihm nieder.
„ Hey. Suchst du das hier?“ Er reichte dem Jungen das Schmuckstück das er im Feuer gefunden hatte. Mit freudestrahlenden Augen nahm Boy es in die Hand und polierte die silberne Oberfläche an seinem Hemd. Nick beobachtete ihn dabei genau. Sein Herz schlug ihm fast bis zum Hals. Er konnte seine Tränen kaum noch zurück halten. Mit gebrochener Stimme sagte er schließlich.
„ Sie bedeutet dir wohl sehr viel?“ „ Ja. Sie gehörte mal meiner Mutter.“ Er öffnete den Deckel und eine Spieluhr ließ eine Melodie erklingen bei der Nick das Blut in den Adern gefror.
Er schloss die Augen und lauschte der Musik.



Hanna hatte alles mit angehört. Sie wollte gerade aus ihrem Versteck kommen als sie hinter Nick ihren Vater Bill Clain sah. Leicht gekrümmt stand er da. Sein Gesicht war schwarz gerußt.
Die Kleidung hing nur noch in Fetzen an ihm, und in den Löchern sah man die verbrannte schwarze Haut. Er hatte keine Haare mehr. Weder auf dem Kopf noch über den Augen. Auch die Behaarung an den Händen war weg. Mit rot unterlaufenden Augen stand er Nick im Rücken, einen Revolver in der zitternden Hand.
„ Marshall Nick Ryder. Dreh dich um und sieh mir in die Augen, wenn ich dich abknalle.“
Nick hielt den Atem an. Er hatte keine Waffe im Holster.
Jett und Lex waren bei den Toten, als ein Schuss die Stille durchbrach.
Nick zuckte zusammen. Armstrong warf seinen Spaten weg und rannte zu seinem Freund.
Er riss seinen Colt noch im laufen hoch.
Er sah Nick am Boden knien. Hinter ihm Bill Clain, dem langsam der Revolver aus der Hand glitt. Fast in Zeitlupe sackte er zusammen. Seine leeren Augen starrten Nick noch einmal an, dann kippte er vorn über und blieb reglos liegen.
Hanna stand wie gelähmt da. Sie hielt Ryders Remington Colt in der Hand. Aus dem Lauf stiegen noch kleine Rauchwölkchen auf. Dann ließ sie die Waffe fallen, schlug die Hände vors Gesicht und weinte. Jett nahm sie in den Arm und tröstete sie.“ Es wird alles wieder gut. Es ist vorbei.“
„ Ich habe meinen Vater getötet.“ Schluchzte Hanna. Jett stellte sich vor ihr, so dass sie den Toten Bill nicht sehen konnte. „ Komm. Das hier ist kein Ort für ein so hübsches junges Mädchen wie du eins bist.“
Nick wandte sich wieder dem Jungen zu. Er legte seine Hand auf die kleine Schulter. „ Auf der Rückseite deiner Uhr steht etwas eingraviert. – I Love you -. Sie war mein Hochzeitsgeschenk an meine Frau,-- deine Mutter--.“
Boy wusste erst nicht was er sagen sollte. Tränen kullerten die Wangen runter als er stotterte.
„ Dann bist du--- ja---- mein Vater!“
„ Ja.“ Nick schluckte mit jedem Wort. „ Du bist mein Sohn und dein Name ist Jett. Wir haben dich immer Jetty gerufen.“ Er drückte den Jungen fest an sich. Jetzt konnte auch Nick nicht mehr seine Freudentränen zurück halten. „ Ich dachte immer du wärst damals im Feuer mit umgekommen.“
Jett Armstrong und Lex Cooper standen beide wortlos da. Lex war der erste der etwas sagte.
„ Ich finde, er sieht Nick sogar sehr ähnlich. Ein richtiger Ryder.“
Zusammen gingen sie zu den Pferden, wo Hanna mit gesenktem Kopf auf einem Stein saß.
Jetty rannte auf sie zu. Er drückte sie an sich und sagte. „ Hanna. Ich habe einen Vater. Einen richtigen Pa. Ich habe auch einen Namen, Jetty Ryder. Nicht einfach nur Boy.“
Nick lachte.“ Du bist sogar auf diesen Namen getauft, mein Junge.“
George stellte sich auf die Ladefläche des Wagens und rief laut.
„ Lasst uns endlich nach Hause fahren. Ich glaube wir haben was zu feiern.“
Stolz saß Jetty vor Nick im Sattel. Er konnte das alles noch nicht richtig fassen, und seinem Dad ging es genau so. Nach vier Jahren fand er seinen tot geglaubten Sohn wieder.
Jahre voller Schmerz und Trauer.
Hanna saß vor Jett im Sattel. Sie freute sich über das Glück ihres Freundes, aber sie hatte auch angst. Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Vor der Stadt Cutter machte Nick halt. Er ging mit seinem Sohn Hand in Hand auf den Boot Hill zum Grab von Lea Ryder.
„ Hier liegt deine Mutter begraben. Sie hatte dich über alles geliebt. Ich bin sicher sie sieht uns nun von oben zu und ist genau so glücklich wie ich.“
Jetty sah nach einer Weile zum Himmel auf.
„ Ja. Das glaube ich auch, Pa.“
Eine halbe Stunde standen sie vor dem Grab. Jeder in seinen Gedanken versunken.
Dann hallte Musik bis zu ihnen.
„ Na komm. Gehen wir nach Hause.“ Er hob Jetty auf sein Pferd und zog sich hinter ihm in den Sattel. In leichtem Trab ritten sie die Mainstreet entlang.
Alle Leute die sie sahen, tuschelten miteinander oder applaudierten. Sie alle wussten schon über das Glück des Marshalls bescheid, und hießen den Jungen willkommen.





Im Saloon wurde kräftig gefeiert. Es wurde Bier und Whiskey getrunken. Auf der Straße spielte die Musik. Banjo, Geige und Mundharmonika sorgten für Stimmung. Es wurde gelacht und getanzt mitten auf der Mainstreet. Peggy-Sue stellte vor ihrem Hotel-Restaurant Tische auf und bewirtete die hungrigen mit Steaks, Kartoffeln und Bohnen. Einige Frauen brachten Kekse und Kuchen.
Auch Storeinhaber Thompson spendete einen ganzen Korb voll Äpfel und ein großes Glas Zuckerstangen für die Kinder.
Jett lehnte außen am Fenster des Saloons. Er hielt einen Arm um Marys Schultern, und trank ein Glas Bier. Dann stellte er es leer getrunken ab. Er sah Hanna auf der unteren Stufe einer Treppe sitzen und sagte zu Mary. „ Die Kleine tut mir leid. Sie ist jetzt völlig allein.“ „ Vielleicht hat sie ja glück, und jemand adoptiert sie.“ Jett atmete die frische Abendluft tief in seine Lunge. „ Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“ Dachte er und nahm all seinen Mut zusammen. Er schaute in ihr hübsches Gesicht, lächelte und sagte.“ Mary. Wir könnten ihr eine Familie geben. Sie würde hier zusammen mit ihrem Freund Jetty aufwachsen und ----- „ Er schluckte, “ Willst du mich Heiraten?“ sprachlos sah Mary ihn an. Dann rief sie überglücklich, „ Ja ich will!“ dabei fiel sie ihm in die Arme und küsste ihn leidenschaftlich.
„ Dann lass es uns gleich Hanna erzählen. Damit es auch für sie ein fröhliches Fest wird.“
Nick und Jetty standen im Office als Carol-Ann hereinkam.
„ Oh Nick. Ich bin so froh dass du wieder da bist. Ich habe mir solche Sorgen gemacht.“
„ Mir geht es gut. Darf ich dir meinen Sohn Jetty vorstellen!“
Sie reichte dem Jungen die Hand. „ Ich bin Carol-Ann. Es freut dich zu sehen.“ Dann wendete sie sich wieder Nick zu. „ Ich finde du brauchst jemanden, der sich um deinen Sohn und dein Haus kümmert.“
„ Du meinst ich sollte eine Haushälterin einstellen?“ fragte er und grinste dabei. Carol senkte den Kopf und drehte sich um. Das war nicht die Antwort die sie von ihm erhofft hatte.
Nick bemerkte, dass sein Scherz nicht ganz passend war. Er ging auf sie zu, umfasste ihre Schulter und drehte sie zu sich rum. „ Oder ich heirate die schönste Frau von Arizona. Er nahm sie in den Arm, und küsste ihre roten Lippen. In dem Augenblick wurde die Officetür geöffnet. Jett und Mary kamen Arm in Arm herein. Alle vier sahen einander an und wie aus einem Munde riefen sie gleichzeitig.“ Wir werden Heiraten!“ Mayor Flint stand vor der Tür und hörte das. Er rannte sofort zur Kapelle, unterbrach die Musik und lenkte alle Aufmerksamkeit auf sich.
„ Liebe Bürger von Cutter. Ich habe euch eine weitere frohe Botschaft zu überbringen.
Marshall Ryder und Miss Carol-Ann Connor, so wie Sheriff Armstrong und Miss Mary Smith werden Heiraten.”
Er verließ den



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