Homepage | Kalender | Mein Profil | Meine Post | Autorenliste | Buchshop
Poesie
Prosa
Verschiedenes
Werkstatt
Forum
Sonstiges

Prosa => Krimi


Westernroman: Cutter 2 Eine Falle für den Marshall Teil 1 - von Andrea, 30.12.2017
Zwei Sterne für Cutter

Teil 2 Eine Falle für den Marshall


Sheriff Jett Armstrong hatte sich schnell eingelebt. Nie hätte er gedacht einmal wieder Sesshaft zu werden. Seine Frau Mary machte es ihm leicht das alte Leben zu vergessen und glücklich zu sein. Das Banditenmädchen Hanna war fast eine junge Dame und bildhübsch. Sie kümmerte sich liebevoll um den kleinen Jim, den Mary vor zehn Monaten zur Welt brachte und der nun Jetts ganzer Stolz war. Auch Nick Ryder bekam vor acht Monaten eine Tochter von seiner Frau Carol-Ann geschenkt. Sie gaben ihr den Namen Lea, in Erinnerung an seine erste Frau, die bei einem Überfall getötet wurde.
Es war ein warmer sonniger Tag mitten im August. Marshall Nick Ryder und Sheriff Jett Armstrong saßen im Office und ginge dem langweiligsten Teil ihrer Arbeit nach, dem Papierkrieg.
Jett ging dies mit äußerster Ruhe an, während Nick den überblick längst verloren hatte.
„ Was ist hiermit? Das ist doch längst veraltert.“ Ryder hielt eine Rechnung vom Mai in der Hand.
„ Lass mal sehen.“ Jett nahm ihm den Zettel ab. Seufzend las er den Inhalt.
„ Das ist eine Rechnung über fünf Dollar für Papier und Tinte.“ Er legte das Stück Papier auf den rechten Stapel und fuhr mit seiner Arbeit fort.
Grinsend ließ Nick sich in den alten Sessel fallen, der in der Ecke stand.
„ Hey Jett. Jetzt bist du schon fast zwei Jahre hier. Ich finde du machst das Phantastisch mit der Buchführung. Schön das auch du mal was übersiehst.“
„ Was soll das nun schon wieder heißen. Schließlich ist das deine Unterschrift auf der Rechnung. Was kann ich dafür, wenn du die Quittungen nicht dort hinlegst, wo sie hingehören.“
„ Oh, da fällt mir gerade noch was ein.“ Nick sprang auf, ging zum Schreibtisch und wühlte in einer der Schubladen herum.
„ Hier irgendwo muss er doch liegen.“ Er durchwühlte die Briefe auf dem Tisch. Dabei fiel der rechte Stapel um und vermischte sich mit dem anderen Zetteln und Rechnungen.
Verzweifelnd hob Jett die Hände in Höhe.
„ Verdammt Nick. Mach einen Rundgang oder geh in den Saloon. Aber lass mich hier alleine Ordnung schaffen sonst bin ich Morgen noch nicht fertig.“
Der Marshall nahm seinen Hut vom Haken und öffnete die Tür. Ohne sich noch einmal um zu schauen sagte er beim hinausgehen.
„ Wahrscheinlich hast du Recht. Der ganze Schreibkram liegt mir so wie so nicht.“
Erleichtert atmete Jett auf. Endlich konnte er in Ruhe seiner Arbeit nachgehen.
Marshall Ryder ging die Mainstreet entlang. Er kam am Barbier vorbei, wo drei Männer lautstark das Thema Politik ausdiskutierten, während ein Vierter im Barbierstuhl saß und sich den Bart stutzen ließ.
Das nächste Gebäude gehörte Mr. Smith. Er verwaltete die Union Pacific Bahn und Ländereien. Ryders Frau Carrol- Ann arbeitete zeitweise hier im Büro, wenn Mr. Smith Hilfe brauchte. Im Gunshop von John Barry war zurzeit niemand. Mr. Barry stand hinterm Tresen und wischte die Glasplatte sauber, damit die darunter befindlichen neuen Smith and Wesson Revolver gut zu sehen waren. Vor Ed Wageners Gemischtwaren Laden, stand im feinen Anzug gekleidet ein Mann namens Mel Finney. Seine Statur war klein und beleibt.
Er trug nur selten einen Hut, was hier im Westen sehr unnatürlich war. Aber das war nicht mal der Grund warum er auffallend erschien, sondern sein dichtes, Blondgelocktes Haar, das ihm bis auf die Schulter fiel. Dadurch wirkte er wie ein zusammengeschrumpfter Gnom, der irgendeiner Baumwurzel entsprungen sein musste. Dieser Mann stand nun auf dem Steppwalk vor dem Lebensmittelshop und kommandierte seine Frau. Er selber hielt einen Korb in der Armbeuge. Seiner Frau Rachel gab er Anweisungen wie sie den zehn Kilo Sack Mehl auf ihre Schultern heben sollte.
Nick sah sich das Schauspiel eine Zeitlang an, bis er aus Mitleid über Misses Finney sich dann doch einmischte.
„ Mister Finney. Sie wollen doch nicht allen Ernstes ihrer Frau den Sack Mehl zumuten.“
Mel wischte sich mit einem Taschentuch den angeblichen Schweiß von der Stirn, und fing gleich an zu jammern.
„ Marshall Ryder! Welch ein Glück ich doch habe, dass sie genau jetzt hier vorbeikommen.
Sie haben ja völlig Recht, was den Sack Mehl betrifft, aber ich habe doch so schreckliche Rückenschmerzen. Was bleibt mir da anderes übrig.“
Kopfschüttelnd und mit verschränkten Armen stand Nick vor diesem Gnom. Er überragte ihn um zwei Haupteslängen.
„ Warum lassen sie sich nicht den Sack nach Hause liefern? Ich weiß, und sie wissen, dass Mister Wagener diesen Service anbietet.“
„Aber Marshall.“ Mel trat dicht an Nick heran, stellte sich auf seine Zehenspitzen und flüsterte.
„ Das macht Wagener doch nicht umsonst. Sie verstehen schon.“
„ Nein. Verstehen kann ich das nicht. Sie könnten sich diesen Luxus doch locker leisten, und sollte es ihnen doch zuviel sein, laufen hier genug Burschen rum die für ein Trinkgeld gerne ihre Ware nach Hause tragen.“
„ Da sehen sie es Marshall. Hier dreht sich alles nur ums Geld. Ich sehe nicht ein, für eine Sache zu Bezahlen, die ich Selber erledigen kann.“
„ Na offensichtlich können sie es ja nicht, sonst müsste sich nicht ihre Frau damit abmühen.“
Nick sagte das in einem ernsten Tonfall, der den kleinen Mann erschrocken zurück stampfen ließ. Aber schon nach etwa drei Sekunden hatte sich Mel Finney wieder gefangen und konterte.
„ Halten sie sich einfach aus meinen Angelegenheiten raus, Marshall. Was bilden sie sich überhaupt ein. Sie wollen doch nicht mir vorschreiben, wie ich mit meiner Frau umzugehen habe.“
Es kostete Nick eine menge Nerven dem Gnom jetzt nicht einfach die Nase einzuschlagen für seine schleimiges, geiziges und unverschämtes Verhalten.
Rachel hatte es unterdessen geschafft den Sack auf ihre Schulter zu heben. Verlegen schaute sie zu Boden, denn es war ihr nicht gestattet sich in den Gesprächen ihres Mannes einzumischen. Mel Finney war ein reicher und damals auch angesehener Mann in Tucson, und niemand wusste mit was für Geschäfte er seine Dollars verdiente.
Rachel lebte in einer Familie zusammen acht mit Geschwister. Ihre Mutter wusch für ein Hotel die Wäsche und verdiente einen Hungerslohn, ihr Vater half überall dort aus, wo er gebraucht wurde. Eines Tages kam Mel und verliebte sich in Rachel. Er bot eine beachtliche Summe Mitgift und bekam sie dafür zur Braut. Rachel hatte damals der Hochzeit zugestimmt, denn Mel war wohlhabend, ein guter Gatte, und ihre Familie brauchte dieses Geld.
Schon nach wenigen Jahren wurde er immer unausstehlicher. Sein Ansehen in Tucson wandelte sich bei den Bürgern in Verachtung zu ihm.
Vor vier Monaten kamen Mel und Rachel nach Cutter. Ihm wurden seine Geschäfte in Tucson zu heiß. Hier nahe der Mexikanischen Grenze versuchte er seine Beziehungen, wie er sie nannte, zu erweitern. Die Bürger dieser Stadt hatten schnell raus was für ein Charakter er war, und wandten sich ab. Das machte Mister Finney nur noch mehr zum groben, gewaltsamen Menschen.
Nick stand nun da und beobachtete die arme Frau, die mühselig einen Schritt vor dem anderen setzte. Mel schlenderte leichfüßig nebenher und hatte noch die Muße vor einem Schaufenster stehen zu bleiben, während Rachel unter ihrer Last zu leiden hatte.
„ Verdammt“ fluchte Nick durch seine Zähne. Er konnte sich das nicht länger mit ansehen. Zügig ging er auf Rachel zu und nahm ihr das Mehl ab. Dankbar sah sie ihn an. Ein kleines lächeln huschte über ihr Gesicht.
„ Das mache ich nur für Sie Misses Finney.“ Sagte Nick so laut, dass es Mel gar nicht überhören konnte.
Ryder mochte diesen Geizkragen nicht länger ertragen, so ging er schnellen Schrittes voran und setzte den Sack vor dessen Haustür ab.
Mel sah ihm mit bösem Blick nach.
„ Dieser Hochspuriger, eingebildeter Marshall. Ihn krieg ich auch noch klein. Warte nur ab.“



*


Es war kurz nach zwölf als Nick Ryder sich an einen der sauber gedeckten Tische in Peggy Sues Restaurant setzte. Die Inhaberin selber kam auf ihn zu um eine Tasse Kaffe zu servieren.
„ Steak mit Kartoffeln Marshall?“ fragte sie. Ihr schwarzes Haar war wie immer hochgesteckt
bei der Arbeit. Sie trug ein einfaches blaues Kleid das von einer Schürze halb bedeckt war.
Freundlich lächelte sie den Marshall an, wodurch ihre Grübchen sichtbar wurden.
Nach dem Tot ihres Onkels, führte Peggy-Sue das Restaurant und Hotel. Durch ihren enormen Arbeitseinsatz machte sie aus dem alten Schuppen eine wahre Goldgrube.
Gutes Essen und saubere Zimmer zu vernünftigen Preisen, waren ihr Erfolgsmotto und lockten die Durchreisenden bei ihr zu übernachten. Und es lohnte sich, denn seit Nick Ryder in Cutter Marshall war, hatte sie ihn verehrt. Ob schon sie wusste, dass er glücklich verheiratet ist, schlägt ihr Herz immer etwas schneller, wenn Nick ihr Haus betrat.
Ryder legte den Hut auf den leeren Stuhl neben ihm und strich sich durch sein dichtes blauschwarzes Haar.
„ Klingt gut. Ich habe einen Bärenhunger.“
„ Es dauert nicht lange. Die ersten Steaks sind schon fertig.“ Rief sie noch im hinausgehen.
Nachdenklich saß Nick am Tisch, hatte die Ellenbogen aufgestützt und hielt in der Rechten die Kaffeetasse fest, aus der dampfend wohl duftender Kaffeegeruch stieg. Es war ein lautes grölen, dass ihn aus seinen Gedanken riss. Ein angetrunkener Mann ging an seinem Tische vorbei. Ein Bärtiger mit Hakennase und verschmiertem, kragenlosem Hemd, riss vom vorderen Tisch die rot-weiß karierte Decke herunter. Besteck, Teller und Gläser fielen zu Boden. Scherben verteilten sich über den Dielen.
Laut rülpsend nahm Mike Digger in der hinteren Ecke platz. Er war ein großer kräftiger Kerl mit dicken Muskeln, aber nur wenig Gehirn. Wenn es darum ging Schläge aus zuteilen, war er stets mit Elan dabei. Ganz sicher würde Mike längst in einem Straflager sitzen oder an einem Galgen baumeln, wäre da nicht die Bindung zu Cass Miner, der nun ebenfalls das Restaurant betrat und sich neben seinem Gefährten setzte. Er zog ein Taschentuch hervor, um seine mit Schweißperlen besetzte Stirn abzutupfen. Nur durch seine stets wohl durchdachten Pläne, war bisher jede Aktion ein Erfolg. Cass trug einen grauen Anzug, mit passendem Hut dazu, der nicht nur neu aussah, sondern tatsächlich erst vor einer Stunde gekauft wurde. Mike hingegen war sein Erscheinen egal. Er gab seine Dollars viel lieber in den Saloons aus.
Nick kannte die Beiden. Sie waren vor einiger Zeit schon einmal hier in der Stadt, und machten ärger. Die schiefe Nase in Mikes Gesicht war das Resultat einer Schlägerei mit Marshall Ryder. Es passierte letztes Jahr. Mike vergnügte sich mit einer Prostituierten aus Big Olgas Freudenhaus und weil sie ihm nicht gut genug war, schlug er sämtliche Spiegel im Salon kaputt. Als er dann auch noch die Zeche prellen wollte, rief Olga nach dem Marshall. Normalerweise regelte sie solche Ausfälle immer selber, aber dieser Kunde ließ sich nicht zum zahlen bezwingen.
Es kam zu einer heftigen Schlägerei zwischen Marshall Ryder und Mike Digger, wobei Ryder ihm mit einem Ellenbogenschlag das Nasenbein brach. Nick sperrte Mike ins Jail, musste ihn aber schon nach einem Tag wieder frei lassen, da Cass Miner die Schulden bei Olga beglich und es zu keiner Anzeige kam.
Mit scharfem Blick nun beobachtete Nick die Zwei.
Der fein gekleidete Cass packte Mike am Genick und redete auf ihn ein. Die glasigen Augen des Betrunkenen schienen ins leere zu blicken.
Als Peggy-Sue herein trat, stand Cass von seinem Stuhl auf und verbeugte sich.
„ Es tut mir aufrichtig Leid Madam, aber mein Freund hier hat einen schweren Schlag erlitten. Seine Mutter ist kürzlich verstorben und er ist noch immer nicht darüber hinweg.
Natürlich werde ich für den Schaden aufkommen.“ Heuchelte er ihr vor.
Peggy-Sue wusste im Moment nicht was sie sagen sollte. Sie war sehr überrascht, hatte sie doch mit einer ganz anderen Reaktion der Gäste gerechnet.
Verlegen sah sie den Marshall an.
Nick lehnte sich lässig im Stuhl zurück.
„ Machen sie eine Liste von den zerbrochenen Sachen. Ich bin sicher unser alter Freund Cass Miner wird den Schaden des gehirnlosen Säufers zahlen. Das kann er gut, dafür schleppt Mike ihn ja auch mit sich rum.“
Mike Diggers Gesicht wurde von einer Minute auf die andere dunkel rot. Hart schlug seine behaarte Faust auf den Tisch, der Stuhl kippte beim aufspringen nach hinten weg.
Derb stieß Mike seinen Freund zur Seite, der ihn aufhalten wollte, ging um den Tisch herum und blieb etwa einen Yard vor Nick stehen.
Marshall Ryder blieb sitzen. In aller Ruhe nahm er noch einen schluck aus seiner Tasse.
„ Du solltest besser auf deinen spendablen Freund hören, dich wieder hinsetzen und abreagieren. Die rote Farbe in deinem Gesicht betont nur noch mehr deine schiefe Nase.“
Wütend schnellte Mikes rechte Hand zum Revolverkolben, doch er kam erst gar nicht dazu sie aus dem Holster zu ziehen. Erschrocken blickte er in die Mündung eines Colts `Single-Action Army` Kaliber 45. mit schwarzem Griff. Nick hielt ihn, mit gespanntem Hahn, in der Hand und zielte damit auf Mikes Brust.
Cass brauchte fünf Sekunden um die Situation zu überblicken. Er postierte sich hinter Mike und griff nach dessen Hand, die immer noch auf dem Revolverkolben ruhte.
Er holte tief Luft, schielte zum Marshall und zur Bedienung bevor er Leise in das Ohr seines Gefährten flüsterte.
„ Lass es. Du hast keine Chance. Denk an die Dollars die uns flöten gehen, wenn wir hier Ärger machen.“
Mike starrte Nick wütend an. Und stieß hervor.
„ Dieses Schwein hat mich beleidigt. Cass, ich werde nicht eher ruhen bis ich ihn unter die Erde gebracht habe.“ Cass musste seinen Griff verstärken, um Mike davor abzuhalten doch noch den Revolver zu ziehen.
„ Du Idiot. Setz dich hin und trink einen starken Kaffee, damit du endlich wieder nüchtern wirst.“ Sehr leise flüsterte er hinzu,
„Um den Marshall kümmern wir uns später.“
Zähneknirschend hob Mike den Zeigefinger drohend in die Luft.
„ Ich mach dich fertig Marshall Ryder. Das verspreche ich dir.“
„ Verspreche nichts was du nicht halten kannst.“ Gab Nick ruhig zurück.
Cass packte Mike am Halstuch um ihn hinter sich her zu ziehen.
„ los komm schon. Wir trinken unseren Kaffee im Saloon.“ Knurrte er.
Peggy-Sue stand hilflos in der Tür zur Küche. Ihre zittrigen Hände vergrub sie in die Schürze und bangte um den Marshall. Sie wollte gerade aufatmen, als Nick einen Pfiff los ließ.
„ Hey. Bevor ihr geht, zahlt ihr noch für das zerbrochene Geschirr. Ich schätze fünf Dollar dürften genügen. Was sagen sie Misses Sue, reicht das?“
Vor Aufregung brachte sie kein Wort über die Lippen. Kopfschüttelnd stimmte sie dem Marshall zu.
„ Also Jungs. Legt fünf Dollar auf den Tisch und ihr könnt gehen!“
„ Der alte Kram ist niemals so viel wert gewesen.“
„ Fünf Dollar oder ihr könnt im Jail eine Woche lang auf den Richter warten, dessen Urteil ganz bestimmt nicht zu eueren Gunsten ausfällt.“
Widerwillig warf Cass die Münzen auf den Tisch. Nun stand auch er kurz davor die Nerven zu verlieren.
„ Das wirst du bereuen!“ sagte er mit drohendem unterton.
„ So was Ähnliches hat mir dein Freund auch schon angedroht. Ihr solltet euch vorher einig werden, wer zuerst mit mir abrechnen will.“
.Endlich hatten die Beiden das Haus wieder verlassen. Nick konnte noch durch das große Schaufenster sehen, wie sie sich laut Diskutierend Richtung Saloon bewegten.
Peggy-Sue kam langsam auf den Marshall zu und fragte Vorsichtig.
„ Alles in Ordnung ?“ In ihrem Blick lag tiefe Besorgnis.
Nick blickte in ihre wunderschönen dunklen Augen. Sein lächeln machte ihr wieder Mut.
„ Nein.“ Sagte er entschlossen. Erschrocken trat Peggy-Sue einen Schritt zurück.
Ryder zog den rechten Mundwinkel hoch und kniff das rechte Auge zu.
„ Ich habe immer noch einen riesigen Hunger!“
„ Oh! Ja Natürlich. Ihr Steak. Es kommt sofort.“ Mit federndem Schritt ging Peggy-Sue bis zur Tür, drehte sich dort noch einmal um und sagte mit sanfter Stimme.
„ Danke. Ich bin froh dass sie hier waren.“ Danach huschte sie in die Küche. Schon nach kurzer Zeit kam sie mit einem Teller in den Speisesaal auf dem ein riesiges Steak lag.
Nick hatte alle Mühe dieses große stück Fleisch vollständig zu verspeisen.
Peggy-Sue wollte keinen Cent dafür haben. Sie bestand darauf.

Im Office kam langsam eine übersichtliche Ordnung auf dem Schreibtisch zustande. Sheriff Jett Armstrong lehnte sich im Stuhl zurück, rieb sich den Nacken und Gähnte ermüdend.
In diesem Moment trat Deputy Alex Cooper herein. Der junge Bursche, gerade mal neunzehn war seit fünf Jahren schon Nicks Gehilfe. Ryder nahm den Jungen damals zu sich nachdem seine Eltern an einer Grippe starben und niemand sich in der Pflicht sah diesem Verwaisten Kind zu helfen.
„ Tag Jett. Hast du Nick gesehen?“
„ Heute Vormittag habe ich ihn aus dem Office geschickt, sonst wäre ich hier nie fertig geworden.“ Die Officetür stand weit offen und hinter Alex Cooper sah Jett zwei Gestalten in den Saloon verschwinden. Er musste sich die Augen reiben um sicher zu gehen keine Geister gesehen zu haben. Ohne ein Wort zu sagen schob er Alex zur Seite und trat auf den Stepwalk hinaus.
„ Hells and Devils. Da wird sich Nick freuen.“
Alex folgte den Blick Jetts, konnte aber nichts entdecken.
„ Was meinst du?“
„ Cass Miner und Mike Digger sind mal wieder in der Stadt.“
„ Wo? Bist du sicher?“
„ Die sind gerade in den Saloon gegangen. Das waren die ‚Beiden, da bin ich mir völlig sicher. Solche Vögel erkenne ich noch bei dunkelster Nacht.“
„ Na dann kannst du Nick ja gleich die `gute Nachricht` bringen. Da hinten kommt er gerade.“
Sagte Alex und wies Richtung Süden.
Von weitem schon konnte Nick die betrübten Gesichter seiner Freunde sehen. Er ging auf sie zu und sah Jett fragend an.
„ Was ist los? Habt ihr beide ein Gespenst gesehen?“
Es war Jett der nun versuchte ein lächeln zu zeigen wobei er antwortete.
„ ein Geist wäre mir wesentlich lieber. Stattdessen haben wir wieder besuch von zwei Unruhestiftern.“
„ Wenn du damit Cass und Mike meinst, mit denen habe ich mich schon Unterhalten. Wir sollten sie im Auge behalten. Ich will endlich wissen was die Beiden wieder hier her treibt.“
Die Sonne strahlte gnadenlos vom Himmel. Um die Mittagsstunden war es kaum aushaltbar auf der Mainstreet. Alex nahm seinen Hut ab um sich damit etwas Luft zu fächeln, aber es half nicht viel.
„ Ich halte sie im Auge Nick. Ich wollte sowieso in den Saloon. Dort ist es nicht so stickig wie hier im Office.“
„ Eine gute Idee. Ich komme mit Lex.“ Jetts Gesicht erhellte sich plötzlich bei Gedanken an ein kühles Bier. Er klopfte auf Nicks Schulter und sagte.
„ Ich mach dann mal Mittagspause. Ach Nick, bitte bring mir den letzten Stapel Papier auf dem Schreibtisch nicht durch einander.“
„ Ganz bestimmt nicht. Bin ja froh das hier einer die Übersicht behält.“ Seufzend betrat er sein Büro. Berichte schreiben hatte er noch nie gerne getan, aber es musste ja getan werden.
Auch wenn nichts geschehen war, so musste der Zwischenfall im Restaurant doch Notiert werden. Schließlich entstand ein Schaden, wenn er auch beglichen wurde.
Kratzend fuhr die Feder über das Papier, als seine Frau Carol-Ann Ryder und sein acht jähriger Sohn Jetti ins Office kamen.
Sie trat vor den Schreibtisch, beugte sich vor und spitze die Lippen. Nick tat so, als würde er es gar nicht sehen. Er hielt den Kopf gesenkt. Carol-Ann konnte deutlich sehen wie er versuchte ein lächeln zu unterdrücken. Entschlossen beugte sie sich weiter vor, griff Nicks Halstuch und zog ihn zu sich heran.
Nick ließ die Feder fallen um Carol-Ann beim Küssen zu umarmen. Jetti schaute es sich eine Weile an, dann sagte er.
„ Werdet ihr auch mal fertig? Immer dieses rumküssen bei den Erwachsenen. Carol-Ann stellte ihren mitgebrachten Korb auf den Tisch. Als sie das Abdecktuch anhob verbreitet sich sofort der Duft eines frisch gebackenen Kuchens im Office. Nick schloss für einen Moment seine Augen und atmete tief ein.
„ Mhm. Apfelkuchen.“
„ ja. Er ist noch warm. Hast du noch Kaffee?“
Während Carol-Ann ihr Gebäck auspackte, füllte Nick zwei Becher.
„ Wir haben glück. Hier steht fertig gebrühter Kaffee auf dem Ofen. Hoffe nur das Lex ihn gemacht hat. Jetts Gebräu ist jedes Mal ungenießbar.“
Nick hatte gerade das erste Stückchen Kuchen im Mund, als Deputy Cooper hereinstürmte.
Völlig außer Atem stand er inmitten des Büros. Mit einem kurzen Nicken begrüßte er Misses Ryder um sich dann wieder an seinen Boss zu wenden.
„ Du musst sofort rüber in den Saloon kommen. Da ist die Hölle los.“
„ Ich dachte du und Jett wären dort. Soll er sich darum kümmern.“
„ Das geht leider nicht. Er steckt mitten drin.“ Seufzend gab Nick den Teller seiner Frau in die Hand.
„ Bin gleich wieder zurück, dann esse das Stück weiter.“ Als er sich umdrehte stand Lex hinter ihm, mit einer Winchester im Arm. Erstaunt zog Nick die Augenbrauen hoch.
„ Was willst du damit?“ Lex spannte seine Fäuste fester um Lauf und Schaft des Gewehres. Mit fester Stimme sagte er.
„ Ich fühle mich Sicherer damit.“
Die beiden Gesetzeshüter überquerten die Mainstreet. Der Saloon lag gleich gegenüber dem Office, was sich schon des Öfteren von großem Vorteil erwies.
Durch ein Seitenfenster sah Nick wie Mike Digger auf einen jungen, hageren Burschen einschlug. Es war Billy Garner, der jüngste Sohn des großen Ranchers der Eastwind Ranch. Er war im Besitz von mehr als zweitausend Rindern. Seine vier Söhne waren gut erzogene junge Männer. Immer hilfsbereit und freundlich.
Sheriff Jett Armstrong lag bewusstlos vor der Theke. George der Keeper stand hinter Theke und hatte die Hände in die Höhe, weil ihm Cass Miner einen Revolver vor die Brust hielt.
Lex sah ebenfalls durch das Fenster. Schnell entdeckte er Jett, der reglos am Boden lag, und schon wollte er in den Saloon stürmen, doch Nick packte seinen Arm.
„ Du bleibst hier. Ist das klar?“ der Befehl war so scharf ausgesprochen, dass Lex nur leise und zögernd anmerkte,
„ aber was ist mit Jett?“
„ Das werden wir gleich sehen.“ Nick war stolz, dass sein junger Deputy so viel Mut zeigte, doch wollte ihn nicht unnötig in Gefahr bringen. Er kannte die Gefährlichkeit der Beiden genau. Sie gehörten zu der Sorte Menschen, die einem ohne zögern in den Rücken fallen würden.
„ Du bist meine Rückendeckung. Also warte hier.“ Erleichtert atmete Nick auf, denn Alex schien damit einverstanden und postierte sich wieder ans Fenster.
Schwungvoll flogen die beiden Flügel der Saloontür auseinander. Groß und Beeindruckend stand Marshall Ryder am Eingang. Mike hielt den Ranchersohn am Halstuch fest und holte schon zum nächsten schlag aus, als er plötzlich inne hielt und zur Tür starrte.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis er die Gestalt erkannte, die mit gleißendes Sonnenlicht im
Rücken hatte dastand.
„ Hallo Marshall. Es ist nicht so, wie es aussieht.“
„ So? dann erklär mir mal wieso Sheriff Armstrong da liegt, du gerade einen Cowboy verprügelst, und Cass den Salooner mit der Waffe bedroht?“
„ Das sind aber eine Menge Fragen auf einmal Marshall.“
„ Lass den Jungen los und stell dich mit erhobenen Händen an die Wand. Du auch Cass.“
Cass Miner kam dieser Aufforderung sofort nach, nicht aber Mike Digger. Er riss Billy, dem ein Blutfaden aus dem Mundwinkel rann, und kaum noch stehen konnte, an sich. In seiner rechten Faust hielt er ein Messer dessen scharfe Klinge den Kehlkopf des jungen Ranchers berührte.
„ Mach keinen Blödsinn Mike. Wenn du ihn umbringst hast du es nicht nur mit mir tun, sondern auch mit seinem Vater. Er ist ein reicher Großrancher hier im County. Wenn du dafür nicht an den Galgen kommst, dann wird er dich so lange jagen bis er dich aufgeknüpft hat.“
Mike sah in das harte Augenpaar des Marshalls. Wie hypnotisiert ließ er das Messer fallen und stieß seine Geisel von sich.
„ Nur keine Panik Marshall. Ich habe ja schließlich nichts getan. Sie können mir nichts beweisen.“
„ Los rüber an die Wand und nimm deine Hände hoch.“ Während Mike Digger sich neben seinen Gefährten Cass Miner an die mit Holzverkleidete Wand stellte, kniete Nick sich neben Armstrong um ihn auf den Rücken zu drehen. Er ließ dabei die beiden Draufgänger nicht aus den Augen, und stellte mit Erleichterung fest, dass Jett noch atmete.
„ Cooper! Komm rein, nimm den Beiden die Waffen ab und steck sie erst mal ins Jail.“
Mike fing an mit den Händen in der Luft zu fuchteln. Wütend schrie er,
„ wir haben nichts getan wofür sie uns einsperren könnten. Ich habe mich lediglich verteidigt. Der Salooner ist Zeuge. Er hat gesehen wie dieser Bursche mich angriff.“
„Was ist mit Sheriff Armstrong? Und Lass deine Pfoten oben!“ ermahnte Nick den Gefangenen. Im nächsten Moment kam Sheriff Jett Armstrong zu sich. Stöhnend betastete er die Beule an seinem Hinterkopf und blickte erstaunt auf.
Noch bevor Mike etwas sagen konnte fing Cass an zu reden.
„ Nun ja Marshall. Er kam von hinten. Was sollte ich da tun? Zum Glück hat mein Freund Mike eingegriffen. Der Sheriff wollte mich hinterrücks niederschlagen.“

Jett war noch so benommen, dass er nur das letzte Wort verstand. Er zog sich mit aller Kraft hoch und stand mit wackeligen Knien an der Theke gelehnt.
„ Niedergeschlagen sagst du? Wer war es? Den wird ich es zeigen!“ Er verzog schmerzhaft das Gesicht, als er eine zu heftige Kopfdrehung machte. Nick hatte das aus den Augenwinkeln gesehen und ging gleich auf seinen Freund zu. Vorsichtig berührte er die Beule unter dem dichten braunen Haar, die so groß wie ein Hühnerei war.
„ Du solltest besser zu Doktor Brown gehen und dich untersuchen lassen. Cooper und ich erledigen das hier schon.“
„ Nein. Er verordnet mir bestimmt Bettruhe. Darauf hab ich keine nun wirklich keine Lust. Es gibt noch viel zu tun im Office.“ Er schwankte noch ein wenig beim verlassen des Saloons. Nick sah ihm besorgt nach.
„ Dieser Dickschädel.“ Dachte er; Packte Mike Digger am Kragen und schob ihn raus auf die Mainstreet. Cass Miner war schon von Deputy Cooper abgeführt worden. Er saß auf der Pritsche in der hintersten Gefängniszelle und knurrte vor sich hin. Als Nick mit seinem Gefangenen den Zellentrakt betrat, schaute Cass nur kurz auf, sagte aber nichts. In völliger Ruhe beobachtete er jeden Handgriff des Marshalls.
Mike war hingegen völlig außer sich. Er versuchte immer wieder sich dem festen Kragengriff zu lösen. Aber je mehr er sich dagegen wehrte, umso enger wurde der Griff in seinem Nacken, bis er kaum noch Luft bekam. Nick schob ihn in die Zelle, doch Mike stolperte absichtlich, ließ sich auf den Boden fallen und fing an zu jammern.
„ Sie Schwein. Das ist Körperverletzung. Jawohl! Ich werde sie dafür Anzeigen. Holen sie den Major her, ich kenne meine Rechte.“
Gelassen schloss Nick die Zellentür ab und steckte den Schlüssel in seine Westentasche.
Das machte Mike noch wütender. Er kam an die Gitterstäbe, umpackte sie so fest bis seine Handknochen weiß hervorstachen, und brüllte.
„ Haben sie keine Ohren in ihrem verdammten Schädel. Ich will den Major sprechen. SOFORT!“
„ So wird das nichts Junge. Deine Mutter hat wohl vergessen dir Benehmen bei zu bringen. Außerdem, was willst du ihm denn sagen! So wie du da herumschreist und an den Gitterstäben rüttelst, kannst du wohl kaum ein Gebrechen erlitten haben.“
Nick verließ Kopfschüttelnd den Raum ging ins Office vor. Am Ofen stand Lex Cooper mit einer Tasse Kaffee in der Hand und grinste.
„ Was machen wir nun mit den Beiden?“ wollte er wissen. Nick nahm ihm die Tasse aus der Hand um sich damit lässig in seinen Schreibtischstuhl fallen zu lassen.
„ Ich kann sie wegen Öffentlicher Unruhe für zwölf Stunden festsetzen. Danach bleibt mir keine andere Wahl, als sie wieder frei zu lassen. Ach ja, danke für den Kaffee.“
„ Das war zwar meiner, aber bitte schön. Mich verwundert nur dass du Zucker dazu magst.“
Nick, der gerade einen Schluck genommen hatte, verzog das Gesicht. Nur mit viel Überwindung schluckte er das süße Gebräu runter. Am liebsten hätte er es sofort wieder ausgespuckt, denn Zucker im Kaffee mochte er überhaupt nicht.
„ Bäh. Konntest du mich nicht vorher warnen?“
„ Konntest du nicht fragen ob ich dir einen Kaffee gebe?“
„ Bevor ich meinen Bericht schreibe will ich erst mit Jett und George sprechen, was genau im Saloon los war.“
„ Wenn du unseren Keeper George befragen willst, musst du zu Sarah Send gehen. Er erholt sich bei ihr von dem Schrecken, und Jett ist zu Hause.“
Nick stand auf, streckte seine Glieder und rieb Gähnend seinen Nacken.
„ Die letzte Nacht war wohl anstrengend, wie?“ fragte Lex mit Augenzwinkern. Er wusste dass Nick und seine Frau Carol-Ann gestern ihren ersten Hochzeitstag feierten.
Ohne ein Wort verließ Nick das Office, nur ein verlegendes Lächeln warf er seinem Deputy beim hinausgehen zu. Sein erster Gang führte ihn zum Hause der Miss Sarah Send wo er den Saloonkeeper George vermutete. Ihr altes kleines Haus lag am Ende der Seitenstrasse die sich Puddle-path nannte, was so viel wie Pfützenpfad bedeutete. Zu diesem Namen kamen einst die Bürger von Cutter, weil sich nach jedem Regenguss eine Menge Pfützen auf diesem Weg bildeten. Da dieser sehr schmal war, konnte man den Pfützen zwangsweise nicht ausweichen.
Viele Versuche, die Löcher zu stopfen, schlugen Bisher fehl.
Weil es lange Zeit nicht mehr geregnet hatte, kam Nick trockenen Stiefels ans Ziel.
Das Haus der Miss Send bedurfte eines dringenden Anstrichs. Es war kaum noch zu erkennen welchen Farbton es einmal hatte. An einigen Stellen hafteten noch Reste eines hellblauen Anstrichs. Die drei kleinen Fenster konnten nicht mehr geöffnet werden, da sie zugenagelt wurden nachdem die Scharniere aus dem morschen Holz gebrochen waren.
Vorsichtig klopfte Nick an die Tür. Er hoffte dass sie nicht ausgerechnet jetzt aus den Angeln fiel. Es dauerte eine Minute bis eine feine Frauenstimme rief,
„ Ja bitte, wer ist da?“
„ Marshall Ryder. Ich möchte mit George reden.“
Knarrend öffnete sich das alte Brett was einmal eine richtige Tür war und es erschien eine Frau mittleren Alters mit einem Kopftuch und Schürze.
„ Guten Tag Marshall. Treten sie doch ein. George ist in der Stube. Bitte sehr.“ Sie öffnete eine Tür zur Linken und ließ den Marshall eintreten. George der Keeper und Besitzer des Saloons „ Zum dürren Grunde“ empfing ihn mit einem herzlichen Händedruck.
„ Ich wusste dass sie kommen Marshall. Aber ich kann ihnen leider nicht viel sagen. Digger spielte Poker mit dem Ranchersohn. Ich ging in den Hof um ein neues Fass zu holen, als ich zurückkam lag Sheriff Armstrong am Boden und dieser schmierige Digger stritt sich mit dem jungen Rancher. Der andere hielt mir dann plötzlich einen Revolver unter die Nase und meinte, ich solle mich ruhig verhalten.“
„ Wo war Cass als sie hinausgingen?“
„ Der saß am Fenster mit einem Glas Bier:“
„ Sie haben nichts mitbekommen?“ fragte Nick enttäuscht.
„ Nein tut mir Leid. Aber Digger beschimpfte den Jungen des Falschspielens.“
„ Waren denn nicht noch andere anwesend?“
„ Ja. Drei Gäste waren da als ich den Schankraum verließ. Dazu die zwei Ganoven, der Ranchersohn, der Sheriff ach ja und ihr Deputy Cooper war auch da.“
„Mh. Danke George.






Im Jail saßen die beiden Gefangenen auf ihren Pritschen. Mike hatte die Beine angezogen und umklammerte sie mit den Armen. Er stieß mit dem Kopf immer wieder nach hinten an die Gitterstäbe, was ein stetiges dumpfes Geräusch verursachte. Cass hingegen stand an der Zellentür gelehnt. Es verging eine ganze Weile bis er seinen Gefährten zurief, der zwei Zellen weiter vorn eingesperrt war.
„ Hey hör mal auf damit. Ich werde noch bekloppt dabei. Musstest du auch ausgerechnet heute Nachmittag dich besaufen und im Saloon wieder ärger machen.“
„ Ach halt doch deinen Mund. Der Kerl wollte mich bescheißen, dass lass ich mir nun mal nicht Gefallen. Außerdem hat der Marshall doch nichts gegen uns in der Hand. Ich hab dem Burschen ja nichts getan.“
„ Du weißt aber dass wir für heute Abend einen Auftrag bekommen haben. Wenn wir nicht pünktlich sind, geht uns dieses Geschäft durch die Lappen. Bei seiner Bezahlung wäre das ein echter Verlust.“
„ Das will ich wohl meinen!“ klang eine Stimme aus dem Office. Kurz darauf trat eine gebeugte, nicht sehr große Männergestalt ein. Als dieser den Kopf hob, konnte Cass sein Gesicht genau erkennen, obschon der Mann im Schatten stehen blieb. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf den überraschenden Besuch.
„Was machen sie hier Mister Finney?“ Der Mann fiel Cass Miner sofort ins Wort.
„ Bitte keine Namen. Man kann nie wissen wer mithorcht. Immerhin bin ich hier in der Höhle des Löwen, und das nur um euch beiden Volltrotteln zu sagen dass ihr Tot seit, wenn ihr auch nur ein Wort sagt. Musstet ihr euch denn auch mit dem Marshall anlegen? Dafür habe ich euch nicht herkommen lassen. Ich brauche euch heute Nacht noch einmal, danach könnt ihr tun was ihr wollt. Solltet ihr nicht pünktlich sein, muss ich mir wohl andere Helfer suchen.“
Cass sprang sofort an die Zellentür, rüttelte wild daran und schrie.
„ Das würden sie nicht wagen. Holen sie uns hier raus und ich beweise ihnen das wir unersetzbar sind.“
„ Sie hier rausholen? Das kann ich nicht. Ich darf nicht mit euch in gesehen werden. Niemand soll erfahren dass ich euch kenne. Sonst könnte ich meinen gut gebrannten Whisky auch höchst persönlich verteilen. Aber so viel ich weis, hat der Marshall nichts gegen euch in der Hand. Er muss euch deshalb spätestens um ein Uhr diese Nacht freilassen.“
„ Wenn nicht, bringe ich sie um, und den Marshall ebenso.“ Sagte Cass mit grimmiger Mine.
Mel ließ sich davon nicht beeindrucken. Bevor er das Gefängnis wieder verließ, sagte er mit sicherer und ruhiger Stimme.
„ Deine Rache an den Sternschlepper bekommst du, aber bilde dir nicht ein du könntest mir etwas antun. Eher wirst du zum Boothill getragen. Wir sehen um zwei Uhr heute Nacht bei meiner Brennerei in der alten Silbermine. Ich habe zehn Kisten die verkauf werden müssen. So Long.“
Die Tür schlug hinter seinem Rücken zu. Cass legte sich auf die Pritsche überkreuzte die Beine und schloss seine Augen. Mike ging in seiner Zelle auf und ab. Nervös kaute er dabei an seinen Fingernägeln herum.
„ Wie kannst du jetzt schlafen. Verdammt ich will hier raus. Ich mach den Marshall fertig das schwöre ich dir sobald ich hier raus bin knall ich den Kerl ab!“
„ Beruhige dich. Du hast doch gehört was er gesagt hat, warte ab. Knurrend setzte Mike sich auf seine Pritsche. Aber ruhig bleiben konnte er nicht. Mit den Fingern klopfte er einen Rhythmus auf dem Brett auf dem er saß.

Nick sprach noch mit Jett, aber auch er konnte nicht viel sagen. Es ging alles viel zu schnell, und dann wurde es plötzlich schwarz um ihn. Nur Deputy Lex Cooper sagte aus, dass der Mike Digger mitten im Pokerspiel aufsprang und den Ranchersohn als Betrüger beschimpfte. Die Beiden fingen eine Schlägerei an. Drei weitere im Saloon mischten sich ein. Als Jett auch mittendrin steckte, kam er zu Office um Hilfe zu holen.
Nick ersparte sich den Weg zur Ranch um mit dem Jungen zu reden. Wollte er Anzeige erstatten, wäre er längst im Office erschienen. Wahrscheinlich hatte er tatsächlich falsch gespielt. Es blieb dem Marshall gar nichts anderes übrig, als die beiden Raufbrüder frei zu lassen. Er tat um zwölf Uhr Mitternacht mit ungutem Gefühl, aber Gesetz war Gesetz. Es lag nichts weiter gegen sie vor.
Grinsend verließen Cass und Mark den unfreiwilligen Aufenthaltsort. Nick rief ihnen noch nach.
„ Das sich keiner von euch im Saloon blicken lässt. Ihr habt dort Hausverbot.“
Mike wollte patzig darauf antworten, aber Cass packte ihn am Arm und zog ihn mit sich.
Zwei Tage später betrat der Salooner George das Office. Verärgert schlug er die Tür hinter sich zu.
„ Was ist da draußen los?“ Nick schaute von seiner Schreibarbeit auf. Er zog erstaunt die Augenbrauen hoch.
„ Was soll los sein?!“ fragte er neugierig.
„ Wir haben nach elf Uhr und erst vier Gäste haben bei mir was getrunken. Das ist jetzt schon der zweite Tag an dem sich, außer den wenigen Trinkern dieser Stadt, niemand bei mir blicken lässt. Was ist mit den Cowboys der Black Cattle Ranch. Oder die Männer der Cronin Mine, von denen sonst jeden Abend mindesten fünf Mann meinen Saloon besuchen. Das sind nur zwei Beispiele von etlichen die ich bringen kann. Marshall sie müssen was unternehmen.“
Lachend legte Nick seine Schreibfeder auf den Tisch und lehnte sich zurück.
„ Vielleicht ist ihr Whisky schlechter geworden. Haben sie den Lieferanten gewechselt?“
George fand das gar nicht komisch. Er lief rot an und ballte seine Fäuste. Dann schrie er.
„ Ich habe den besten Whisky im ganzen verdammten Westen. Das wissen sie. Wenn das so weiter geht muss ich meinen Saloon schließen. Dann können sie ihr Bier drüben in Big Olgas Bar trinken.“
„ Lieber nicht. Ich werde sehen was ich tun kann. Gleich Morgen reite ich rüber zur Mine und horche mich mal um.“
„ Erst Morgen?“
„ Wir haben bereits elf Uhr Nachts. Wenn ich mich jetzt auf den Weg mache bin ich frühestens ein Uhr da. Dann werden die wohl schon in ihren Betten liegen. Genau so wird es auf der Black-Cattle sein.“ George ließ wütend seine Faust auf den Schreibtisch fallen, so dass das Tintenfässchen tanzte.
„ Sie waren schon mal nach Mitternacht draußen. Ist ihnen mein Anliegen nicht ernst genug?“
„ Da ging es sich um Mord. Das ist was anderes. Wegen Cowboys die nicht mehr ihren Whisky trinken wollen, reite ich ganz bestimmt nicht dreißig Meilen mitten durch in Nacht.“
„ Das eine sage ich ihnen Marshall. Diese Flaute halte ich nicht mehr lange aus. Ich habe auch meine Unkosten.“
„ Ich hab sie verstanden George. Gute Nacht.“ Mit Gemurmel verließ der Keeper des Saloons zum dürren Grunde das Office. Die Luft in dem kleinen Büro schien verbraucht und ohne Sauerstoff. Nick nahm seinen Hut vom Haken um bei einem Rundgang die frische Abendbrise zu genießen. In der Bank brannte noch Licht. Es war nicht ungewöhnlich. Sam Great der Bankier blieb immer lange auf. Er war ein sehr sorgfältiger Mann mit bestgeführten Büchern.
Nick blieb einen Augenblick stehen und sah durch die vergitterte Fensterscheibe in den Bankraum. Die Tür zum Büro öffnete sich. Mit einem Lächeln sah der junge Sam Great den Marshall am Fenster stehen. Er grüßte mit einer Handbewegung, während er auf die Tür zuging und sie öffnete. Rasselnd drehte sich der große, mit acht an einem Ring hängenden Schlüsseln im Schloss.
„ Guten Abend Marshall. Es ist doch sehr beruhigend zu sehen, dass das Gesetz stets zugegen ist.“
„ Ist alles in Ordnung?“ fragte Nick, denn so nervös hatte er den Bankier noch nie gesehen.
Sein feiner Schnauzbart zuckte leicht hin und her unter der langen schmalen Nase. Auf den Wangenknochen flimmerten rötliche Flecken. Das braun gelockte Haar lag wild durch einander, weil er es beim Rechnen immer wieder mit den Fingern durch streifte.
Um den Marshall in die Augen sehen zu können, musste Mister Great aufschauen, da er fast einen ganzen Kopf kleiner war.
„ Ja, in bester Ordnung sogar.“ Er trat einen Schritt näher heran und flüsterte,
„ Vor zwei Stunden sind die Dollars für die Bahnarbeiter eingetroffen. Es sind genau zehntausend vierhundert zwanzig Dollar.“
„ Wann werden die bei ihnen abgeholt?“
„ Morgen Früh kommt Mister Corden, ein Mann vom Vorstand, mit einem fünf Uhr Sonderzug und holt das Geld.“
„ Sie sollten einen Nachtwächter einstellen, wenn so viel im Tresor ist. Ich kann ein Auge auf ihre Bank halten, aber nicht durchweg für die nächsten Stunden.“
Great reckte sich um ein stück größer zu wirken. Mit stolzer Stimme sprach er.
„ Ich selber halte höchst Persönlich die ganze Nacht Wache. Außerdem, Liegt das Geld sicher im verschlossenen Tresor und nur ich und meine Frau kennen die Kombination.“
„ Na dann eine gute Nacht. Ich bin Morgen bei der Übergabe zur Sicherheit dabei.“
Nick tippte an seinen Hutrand und verabschiedete sich beim Bankier.
Die Stadt lag in dunklen Schatten eingehüllt. Außer dem flackernden Windlicht vorm Office und dem schwachen Kerzenschein in der Bank, warf nur der Mond etwas Licht auf die Dächer der Häuser. Aber Marshall Nick Ryder war nicht der einzige, der in dieser kühlen Nachtluft durch die Straßen von Cutter ging.
Mel Finney, der kleine Mann, der seine Frau den Mehlsack schleppen ließ, und der Marshall Ryder am liebsten Tot sähe, stand in der schmalen Gasse zwischen dem Bankgebäude und Ed Wageners Gemischtwaren Handel. Lässig zündete er ein Streichholz an und hielt die Flamme an einer langen, dünnen Zigarre. Während er genüsslich daran sog, rieb er sich mit der Rechten sein glatt rasiertes Kinn und grinste dabei.
„ Sieh mal einer an! Das ist die beste Gelegenheit die beiden Schwachköpfe los zu werden und ich habe ein paar hübsche Dollars in meiner Tasche.“ Sprach er zu sich selber. Im Schatten der Hauswand schlich sich Finney davon. Er schaffte es unbemerkt bis zum Ende der Puddle-path. Die letzten vier Häuser, die mehr nach zerfallenen Bretterbuden aussahen, waren stets nur von Durchreisenden oder betrunkenen Cowboys bewohnt. In einem dieser Hütten verkrochen sich an diesem Abend Cass Miner und Mike Digger. Sie stritten so laut, dass Mel Finney sie schon von weitem hören konnte.
Er musste fast die Tür eintreten, weil sein klopfen überhört wurde.
„ Verdammt seit ihr verrückt? Euch hört man ja bis zum Marshall Office. Wollt ihr noch mal eingelocht werden?“
Es war eine Traumhafte Geschwindigkeit, mit der sich Mike umdrehte und das Messer, mit dem er gerade einen Apfel schälte, haarscharf an Finney vorbei warf. Sirrend blieb die Klinge im Türrahmen stecken. Mel Finney wurde augenblicklich bleich im Gesicht. Starr wie ein Holzindianer stand er da. Erst die Drohung Diggers ließ ihn wieder zu sich kommen.
Mit erhobenem Zeigefinger stand er vor dem Gnom.
„ Sage nie wieder, ich sei verrückt!“ Spucke und winzige Apfelstückchen spritzten dabei aus seinem Mund, und trafen Mels Gesicht. Er griff nach einem ausgefransten Stück Stoff auf dem Tisch, dass wohl mal eine Tischdecke darstellte, und wischte sich damit angeekelt den Sabber aus seinem Gesicht.
„ Hat dir deine Mutter kein benehmen beigebracht? Mit vollem Munde spricht man nicht.“
„ Scheiß auf Benehmen. Ich hoffe du hast die verdiente Kohle dabei.“ Fuhr Mike ihn an.
„ Du machst einen Aufstand wegen der paar lumpigen Dollars. Ich habe ein Geschäft für euch, bei dem viel mehr raus zu holen ist.“
In Cass Miners Augen blitzte es auf. Das klang wie Musik in seinen Ohren. Hoch aufgerichtet ging er auf seinen Auftraggeber zu.
„ Wie viel mehr?“ war seine einzige kurze frage. Mel spürte, dass er nun in die richtige Kerbe gestochen hatte. Fast singend sprach er aus.
„ Ich rede von zehntausend vierhundert zwanzig Dollar.“ Den beiden Hüttenbewohnern blieb der Atem aus. Es war eine volle Minute Stille. Mike schluckte hörbar und riss dabei die Augen so weit auf, dass man Angst haben musste, sie fallen gleich aus ihren Höhlen.
„Sagtest du gerade zehntausend Dollar?“
„ Und Vierhundert zwanzig.“ Fügte Mel hinzu. Es war typisch für Mike, dass er bei einer solchen Nachricht wie ein angeschossenes Rind durch den Raum lief. Mit beiden Händen hielt er seinen Kopf als würde dieser zerplatzen wollen.
„ Was sollen wir dafür tun? Eine Kutsche überfallen, oder gar die Bank ausrauben? Das Ding ist eine Nummer zu groß für uns.“
„ Du hast es erraten. Die ganzen schönen Bucks liegen bis zum Morgengrauen in der Bank. Nur ein Einziger bewacht die Scheine. Er sollte keine Gefahr darstellen. Ich habe auch schon einen Plan wie ihr das anstellen könnt.“
Cass ließ sich auf einen Stuhl sinken und legte seine Beine auf den Tisch. Während Mike sich schon in Dollarscheine schwimmen sah, fragte Cass skeptisch,
„ Wieso wir? Wo ist denn dein Part in dieser Sache?“
„ Ich halte euch den Rücken frei. Immerhin dürfen wir den Marshall nicht vergessen.“
„ Wenn wir schon das größere Risiko tragen, dann wollen wir auch den Hauptbatzen an dem Gewinn. Achtzig zu zwanzig. Sonst wird daraus nichts.“
Mel stellte sich Nachdenklich. Sein ganzer Plan beruhte schließlich nur darauf, die Beiden los zu werden in dem er sie beim Überfall hochgehen lässt.
Nach einiger Zeit der Überlegung ging er auf das Angebot ein.
„ Nun gut. Ich habe schließlich an meinem letzten Geschäft mit euch gut verdient. Der Handel steht. Also hört euch meinen Plan an.“ Wieder einmal bewies er sein ganzes Organisationstalent. Er stellte seinen Plan in kurzen aber direkten Sätzen vor. Cass hörte gelassen zu und Mike lief dabei wieder auf und ab.
Der erste Teil, nämlich die Frau des Bankiers aufzusuchen und mit ihr in die Bank zu gehen um das Öffnen des Tresors zu erzwingen, gefiel ihm dabei am besten. Er malte sich schon aus, wie er sie ins Heu zerrt, ihr das Kleid vom Leibe reißt und sich das holt, was ihm schon seit Wochen fehlte. Die letzte Frau, die ihn beglückte war eine vollschlanke Russin, die ebenfalls nach einer wilden Liebesnacht lechzte, aber das war schon zwei Monate her.
Heiß wie Glut schoss das Blut durch Mikes Adern bei diesem Gedanken. Seine Lippen bebten leicht vor Aufregung als er sagte.
„Aber die Bankiersfrau gehört mir solange ihr Alter im Land der Träume schlummert.“
„ Wenn du es riskieren willst erwischt zu werden, nur zu. Aber zuerst bekomme ich meinen Anteil.“ Mel Finney war sehr geschickt in seiner Rolle als Bankraubplaner. Er war sich sicher, die Beiden überzeugt zu haben, auch wenn Cass Miner noch skeptisch schaute.
So wurde in kürzester Zeit ein teuflicher Plan entwickelt in einer alten Hütte am Rande der Stadt.

Es vergingen kaum drei Stunden, da schallten zwei Schüsse durch die Nacht. Nick lag auf seinem Lager im Office und wollte sich ein paar Stunden ausruhen. Er hatte nie einen festen Schlaf, egal wo er sich zur Ruhe legte, seine Ohren waren stets hellhörig. Sofort sprang Nick auf, griff nach seinem Hut und legte den Revolvergurt noch im hinausgehen an. Kaum stand er auf dem Stepwalk, sah er auch schon das flackernd Licht, dass aus dem Fenster des Bankgebäudes auf die Straße fiel. Der helle Schein tanzte im Sand und warf gespenstische Schatten an den gegenüberliegenden Hauswänden. Nick rannte bis vors Fenster, duckte sich und blickte hinein. Er konnte ein Stiefelpaar erkennen, dass am Boden lag und er sah Mike Digger mit einem Revolver in der Hand an der Wand gelehnt sitzen. Der nach vorn gebeugte Kopf lag schwer auf seiner Brust. Nick konnte nicht erkennen ob er tatsächlich in einer Ohnmacht war oder das nur Vorspielte. Vorsichtig ging er geduckt bis zur Tür, stellte sich seitlich daneben und drückte die Klinke runter. Die Tür war nicht verschlossen wie sonst um diese Zeit. Leise knarrend schwang sie auf. Jetzt kam es darauf an. Nick warf seinen Hut hinein, den Revolver im Anschlag. Drinnen tat sich nichts. Der Stetson gleitet wie eine Wurfscheibe durch den Raum, stieß an der gegenüberliegenden Wand an und sank sanft zu Boden. Nick riskierte nun einen Blick ins Innere. Das Stiefelpaar gehörte zum Bankier und war jetzt deutlich zu erkennen. Mit vorgestreckter Waffe ging Marshall Ryder auf Mike zu. Er nahm die Laterne vom Tisch in der Ecke und beleuchtete den sitzenden Mann an der Wand. Ein Streifschuss hatte seine Schläfe erwischt. Über dem rechten Ohr zog sich eine Fingerdicke Platzwunde. Blut lief über das Ohr und tropfte vom Ohrläppchen auf die Schulter. In seiner Rechten hielt er einen fünf und vierziger Armee Colt dessen Lauf noch warm war. Nick taste nach dem Hals, so wie er es öfters schon bei Doktor Brown beobachtet hatte. Er fühlte den leichten Puls an seinen Fingerspitzen. Den Colt stieß er mit dem Fuß in die Ecke. Hinter ihm lag der junge Bankier. Auch er hielt in der Rechten einen Colt achtunddreißiger dessen Lauf ebenfalls auf eine kürzliche Benutzung hinwies.
Hier war jeder Pulstest überflüssig. Mit schwerem Herzen blickte Nick auf das bleiche Gesicht, dessen Augen glanzlos und starr waren. Unter dem verstorbenen breitete sich eine dunkelrote Blutlache aus. Die Tür zum Tresorraum stand offen. Als Nick in die Kleine Nebenkammer trat sah er Misses Great. Sie kauerte vor dem offenen Safe, ihre Arme um die Knie geschlungen, und schaukelte vor und zurück.
„ Misses Great, Amanda!“ sagte Nick mit beruhigender Stimme, aber sie reagierte nicht darauf. Ihre Augen schienen ins Nichts zu sehen. Nicht einmal die wedelnde Hand, mit der Nick vor ihren Augen winkte schien sie wahr zu nehmen.
„Es ist alles Gut Amanda. Niemand wird dir Weh tun. Du bist in Sicherheit. Er nahm sie in den Arm und hob sie vom Boden auf. Draußen wurden allmählich Stimmen lauter. Männer die zum Teil noch ihre Schlafmützen trugen drängten sich ins Bankgebäude. Entsetzt blieben sie vor Sam Great stehen. Augenblicklich verstummten die Bürger von Cutter. Einen Banküberfall hatte es hier seit der Vereidigung Nick Ryders zum Sheriff nicht mehr gegeben.
Nun war auch noch ein Toter zu beklagen.
„ Lasst mich durch! Mensch, macht doch mal platz.“ Es war Major Flint, der sich, mit seinem dicklichen Bauch, versuchte sich bis nach vorne durch zu drängen. Es schien als hätte er die Situation als erster durchschaut, denn er zeigte sofort auf den immer noch bewusstlosen Mike Digger.
„ Da sitzt der Mörder!“ schrie er sofort. Sein ganzes Gesicht wurde dabei unansehnlich dick und feuerrot.
„ Nun tut doch etwas. Er hat eueren Bankier erschossen, steht nicht so da rum! Wo ist eigentlich unser Marshall?“ gerade stürmten drei wütend gewordene Männer auf den Mörder zu um ihn hoch zu zerren, da trat Marshall Ryder aus dem Tresorraum heraus. Er hielt die Frau des Bankiers in seinen Armen. Mit ernster Mine stand er da, groß, beeindruckend.
Mit fester tiefer Stimme sagte er,
„ Ich bin hier. Ole nehmen sie Misses Great und tragen sie sie rüber zum Doc. Wenn er sie behandelt hat, brauche ich ihn mit seiner Arzttasche im Office.“
Der riesige, breitschultrige Schmied Ole Jansson, dessen Vorfahren aus Schweden stammten, schob sich durch die Menge als seien alle anderen Stoffpuppen. Niemand leistete Gegenwehr. Er nahm die verstörte Frau dem Marshall ab und verließ Wortlos die Bank.
„ Was wolltet ihr mit diesem Mann anstellen?“ fragte Nick misstrauisch die drei Männer, die immer noch Mike Digger festhielten. Noch bevor einer von ihnen eine Antwort geben konnte, fiel Major Flint ein.
„ Ich habe den Befehl gegeben ihn rüber ins Jail zu bringen.“
„ Das klang aber eben etwas anders. Außerdem frage ich mich wieso sie ihn des Mordes beschuldigen, er hat nicht mal einen Waffe!“ Nick sah das nervöse Zucken der Kieferknochen des Majors. Er mochte diesen aufgeblasenen arroganten Bürgermeister von Anfang an nicht. Dennoch musste er sich zugestehen, dass dieser Major es verstand zu Reden. Was hatte er nicht schon alles für Cutter durchgesetzt. Seit er sein Amt bekleidete, haben Frauen das Wahlrecht, was für eine Stadt wie Cutter, die so tief im Westen lag, viel bedeutete. Er hatte es mit seinen Reden sogar geschafft einen Agrarverbund zu gründen, der bei schlechter Ernte die Farmer Finanziell unterstützte. Dieser Verbund war mittlerweile so gewachsen, dass sich über hundert Farmer daran beteiligten. Trotz allem musste man ihn mit Vorsicht genießen, denn er konnte auch anders, und Wehe dem der sein Gegner war. Nick wusste ihn gut einzuschätzen. Er selber hatte durch seinen Marshallstern ein hohes Ansehen in Cutter und viele bedeutende Freunde, wie Gouverneur Hospin.
„ Erstens trägt er ein leeres Holster, dass heißt, er hatte seinen Revolver gezogen, wo auch immer dieser nun ist. Zweitens hat Mister Great einen Revolver noch in der Hand mit der er wohl auf diesen Mann geschossen hat. Das sind doch wohl eindeutige Beweise, Marshall!“ Energisch betonte er das Wort, Marshall, nur um noch einen Trumpf in der Hand zu haben. Sollte Nick Ryder ihn ohne Titel anreden, wäre das ein deutliches Zeichen der Unhöflichkeit. Aber Nick kannte Flint zu gut, um auf einen so billigen Trick reinzufallen.
Er packte Mike Digger unter die Arme, der genau in diesem Augenblick zu sich kam.
„ Das sind vielmehr Indizien. Ich nehme ihn erst mal Fest, bis der Richter hier ist. Meiner Meinung nach kann er nicht der Schütze gewesen sein. Aber sie sind ja nicht der Marshall, das entschuldigt ihre voreiligen Beurteilung, Major!“ Mit gleicher harter Betonung sprach Nick das Wort Major aus. Major Flint war tatsächlich für ganze dreißig Sekunden Sprachlos.
Doch dann sprudelte es aus ihm nur so heraus.
„ Was bilden sie sich denn ein? Diese Stadt wäre unter gegangen ohne mein Engagement. Sie halten sich wohl für einen Filou, aber ich kann eben so gut kontern!“ Es war typisch für ihn in solchen Momenten Fremdwörter zu benutzen, denn damit hatte er bisher immer Eindruck schaffen können. Auch diesmal standen die einfachen Bürger aus Cutter da, und verstanden im Grunde nicht was gesagt wurde, aber sie hielten Flint für einen gelehrten Mann. Dabei war es nur sein Hobby sich mit Fremdwörtern zu befassen.
Nick schüttelte nur den Kopf. Es war ihm zuwider sich auf ein solches Streitgespräch einzulassen. Er zog den halbbetäubten Mike am Kragen packend hinaus. Draußen kam ihm Sheriff Armstrong entgegen gelaufen. Er war völlig außer Puste.
„ Was…was ist geschehen?“ fragte er Luft holend.
„ Bankier Great wurde erschossen. Seine Frau hat einen Schock und Flint ist wieder ganz in seinem Element. Wo warst du eigentlich so lange?“
„ Das fragst du noch? Wer hat mich denn zu Lady Baerman geschickt um den angeblichen gestohlenen Kuchen zu finden. Du hast genau gewusst, dass sie wieder mal nur Gesellschaft und einen Handwerker brauchte.“ Jett versuchte eine wütende Mine auf zu ziehen, aber es gelang ihm nicht wirklich. Tief in seinem Inneren hatte er ja auch Mitleid mit der armen, erst kürzlich verwitweten alten Dame, die von ihren vier Söhnen verlassen wurde.
„ Du warst nur die halbe Nacht bei ihr?“ fragte Nick. Es erstaunte ihn sehr, denn Misses Baerman ließ niemanden so schnell wieder gehen, der einmal ihr Haus betreten hatte.
„ Du kennst sie doch. Erst bekam ich ein Abendessen vorgesetzt, dann den angeblich gestohlenen Kuchen, und schließlich musste ich noch ihren Herd und den Schrank reparieren.“ Mike stöhnte auf als Nick ihn zum weitergehen zwang. Jett wollte den Beiden folgen, bekam aber einen Auftrag von Nick.
„ Geh rüber zur Bank und schick die Leute nach Hause, Mister Great liegt noch da. Ich sage dem Undertaker bescheid.“
„ Ist gut. Hat Digger ihn getötet?“
„ Nein das glaub ich nicht. Er ist verdammt schnell mit seinem Colt. Great hat seine Waffe selten benutzt, er hätte gegen Digger keine Zeit gehabt selber einen Schuss abzugeben.“
„ Wo ist eigentlich sein Schatten, dieser Cass Miner?“
„ Keine Ahnung, aber das finde ich noch heraus. Der gesamte Tresor ist geleert worden, irgendwer muss ja auch das Geld entwendet haben.“
„ Na dann bis gleich.“ Verabschiedete sich Jett.

Mike Digger wurde zum zweiten Mal in dieser Woche eingesperrt. Nachdem Doktor Brown die Wunde an der Schläfe versorgt hatte, kam er vor ins Office, wo Nick wieder missmutig seinen Bericht schrieb. Er war ein Mann von neun und sechzig Jahren. Sein Haar hatte längst die ursprüngliche schwarze Farbe verloren uns schimmerte grau-weiß. Auf der schlanken Nase saß eine Goldgeränderte Brille, die immer auf der Nasenspitze ruhte. Seit gut einem Jahr trug er einen Bart zusätzlich zum Schnauzer, den er schon immer hatte. Ed Brown war der beste Mediziner den sich Cutter nur wünschen konnte. Nun stand er im Office, seine Arzttasche in der Hand und sagte.
„ Er wird bald wieder vernehmungsfähig sein. Im Moment braucht er etwas Ruhe.“
„ Sicher. Danke Doc. Wie geht es Misses Great?“
„ Oh sie steht unter Schock.“ Doktor Ed Brown machte eine kurze Pause. Er wartete bis Nick ihn ansah, dann fuhr er mit leiser Stimme fort,
„ Sie wurde vergewaltigt.“ Sagte er und schluckte. Nick fiel die Feder aus der Hand. Er war so bestürzt, dass er kaum aufstehen konnte. Nur langsam erhob er sich von seinem Stuhl und trat auf den Arzt zu.
„ Bist du dir da sicher Ed?“
„ Ich bin seit fünfundvierzig Jahren als Arzt tätig, du kannst mir glauben, dass ich mich bei einer solchen Diagnose nicht irre.“
Nachdenklich rieb sich Nick das Kinn.
„ Digger würde ich so etwas zutrauen. Aber das nachzuweisen wird nicht einfach sein.“
„ Willst du meine Meinung hören? Ich denke, dass Sam ihn auf ihn geschossen hat, weil er seine Frau….. naja du weißt schon, aber Mike war schneller und hat ihn Tödlich erwischt.“
„ Nein, So kann es nicht gewesen sein. Ihr abgerissener Kleiderärmel lag im Tresorraum, wo auch sie selber saß als ich rein kam. Es muss also in diesem Raum geschehen sein. Sam lag aber im Kundenraum. Auf dem Rücken und mit dem Kopf zu Mike. Der Schütze stand in der Eingangstür, da gibt es keinen Zweifel.“
„ Wie du meinst. Ich bin froh ein Arzt zu sein und kein Marshall.“ Bemerkte Doc Brown. Nick schmunzelte als er sagte,
„ täglich irgendwelche Wehwehchen heilen wäre mir auch zu langweilig. Wie macht sich denn dein Assistent Jim Leonard?“
„ Oh ich bin so froh, dass er hier ist. In vier Monaten hat er seine Abschlussprüfung. Die wird er locker schaffen, er ist sehr gut. Vielleicht wird er meine Praxis übernehmen, schließlich werde ich auch nicht mehr jünger und meine Augen lassen nach.“
Ryder klopfte dem Arzt auf die Schulter und ermutigte ihn.
„ Tröster dich Ed. Wir alle werden älter. Ich merk es auch schon!“
„ Du? Ha, dass ich nicht lache. Du bist in den besten Jahren mein Junge. In deinem Alter….“ Nick fiel ihm ins Wort,
„ konntest du noch ohne Brille operieren.“
„ Was hast du vor?“ fragte Ed Brown als er sah, dass Nick sich den Revolvergürtel umschnallte und seinen Hut aufsetzte.
„ Ich muss nach Cass Miner suchen. Er war garantiert mit dabei.“ Dann verließ er das Office.
Nick suchte überall wo er den Partner von Mike vermutete, aber ohne Erfolg. Nach zwei Stunden lief ihm Jett über den Weg.
„ Alles geregelt. Mister Great ist bereits im Totenhaus. Miller kümmert sich um alles.“
„ Okay. Auf dem Schreibtisch habe ich dir eine Liste hingelegt. Reite zu den Ranchern und erkundige dich formlos. Unser Keeper hat sich beschwert. Niemand von den Cowboys kam in der letzten Zeit in seinen Saloon.“
„ Wieso müssen wir uns darum kümmern? Wir haben so schon genug zu tun. Was geht uns sein Geschäft an!“
„ Auf der einen Seite hast du Recht, aber es ist schon Merkwürdig wenn die Stammkundschaft auf einmal weg bleibt. Wäre es nur eine Ranch würde ich vermuten ihr Vorarbeiter hat den Alkohol verboten, aber gleich mehrere.“
„ Also dann. Es wird wohl etwas dauern bis ich wieder zurück bin. Ich nehme Lex mit, es macht einen besseren Eindruck, wenn wir zu zweit sind.“
„ Ich nehme mir jetzt Mike zwischen. Er weiß ganz sicher wo sein Partner ist.“
„ Viel Glück!“ rief Jett, der schon auf dem Weg zum Stall war um sein Pferd zu holen.
„ Dir auch!“ gab Nick zurück.
Im Office war es verdächtig still. Nur ein leises Stöhnen kam aus dem Zellentrakt.
Aus reiner Vorsicht zog Nick seinen Revolver. Ein warnendes Gefühl stach in seiner Brust. Er konnte sich immer auf diese Vorahnung verlassen. Schon oft hatte es ihn vor Unheil bewart.
Geduckt stieß er die Tür zum Zellentrakt auf. Drinnen blieb alles ruhig.
Nick riskierte einen Blick hinein. Im Gang zwischen den Zellen war niemand zu sehen. Hinter der Tür konnte sich auch niemand versteckt haben, denn diese schlug beim öffnen, laut gegen die Wand. Dann sah Nick den am Boden liegenden Gefangenen. Zusammengerollt kauerte er auf den Dielen und stöhnte wieder als er Schritte hörte.
„ Mike?“ Kaum hatte Nick seinen Namen gerufen drehte dieser sich blitzschnell um. Eine Messerklinge surrte um Haaresbreite an Ryders Kopf vorbei. Nur seinem inneren Warngefühl und seiner schnellen Reaktion, verdankte Nick sein Leben.
Das Messer bohrte sich in die Holzverkleidung der gegenüberliegenden Wand.
„ Hast du noch mehr zu bieten?“ fragte Nick, während er die Zelle öffnete. Mike blieb gekrümmt am Boden liegen. Die Sonne schickte ihre ersten Strahlen durch das vergitterte Fenster und erhellte die abgetretenen Dielen. Nach Luft ringend brachte Mike noch ein paar Worte raus.
„ Wir sehen uns in der Hölle wieder Marshall. Dafür wird Cass schon sorgen.“
„ Wo ist Cass? Hat er das Messer nach dir geworfen? Antworte!“ Immer blasser wurde Mikes Gesicht. Seine Lippen färbten sich Lila. Es war nur noch ein leises flüstern das über seine Lippen kam.
„ Sie werden sterben Marshall. Schon bald.“
„ Mag sein, aber wenn du dein Maul nicht auf machst, bist du vor mir mit sterben dran. Du willst doch deinen Mörder nicht noch schützen! was hast du davon wenn Cass mich auch tötet und weiter frei rum läuft?“ Nick war klar, dass sein Gefangener an dieser Verletzung nicht sterben würde. Er nutzte die Angst Diggers aus um etwas über den Verbleib Cass Miners zu erfahren.
Mikes Blutverschmierte Finger krallten sich in das Halstuch des Marshalls.
„ Dein Tot ist mein Frieden.“ Hauchte Mike, dann löste sich der verkrampfte Griff und der Arm fiel Leblos zu Boden. Mike Digger war Ohnmächtig. Nick konnte sehen wie sich der Brustkorb hob und senkte. Er ließ den Doktor kommen, der ihn zum zweiten Mal eine Wunde reinigte und verband. Nur diesmal war es nicht der Kopf, sondern die Schulter.
Als Doktor Brown sich verabschiedet hatte gingen Ryder viele Gedanken durch den Kopf.
Wer der Messerwerfer war, hatte Mike nicht verraten. So sehr hasste er Marshall Nick Ryder, dass er sogar den Mann deckte, der ihn Töten wollte. Für Nick kamen nun Zweifel auf, ob es sich dabei tatsächlich um Cass Miner handelte. Er wäre ihm nie gelungen unauffällig bis zum Seitenfenster des Jails zu kommen. Nein, er konnte unmöglich noch hier in Cutter sein. Aber wer war es dann? Nick ging in seinem Office auf und ab. Er grübelte nach, wer sonst noch einen Vorteil an dem Tot des Gefangenen haben könnte. Es muss noch eine dritte Person im Spiel sein.
Draußen auf dem Stepwalk wurden laute Schritte hörbar. Das Klingen der Sporen kam immer näher und schließlich öffnete sich die Officetür. Sheriff Jett Armstrong kam herein, weiß gepudert vom Staub.
„ Hey Nick du hattest Recht. Es hat tatsächlich einen Grund, dass im Saloon nicht mehr so viel los ist. Nach der zweiten Ranch sind wir die anderen erst gar nicht angeritten.“
„ Nun sag schon was du raus gefunden hast!“ drängelte Ryder ungeduldig.
„ Wir haben es wohl mit einem illegalen Whiskybrenner zu tun. Zwei Kerle haben an die Rancher Kistenweise das Zeug zum Spotpreis verkauft. Es ist nicht mal ein schlechter Tropfe



©2017 by Andrea. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare





Keine Kommentare vorhanden.

Bewertungen

Bewertung: 3.5/6
(2 Stimmen)

Es gibt 0 Kommentare


Aktionen


QR-Code als Direktlink


Werbung


Suchwolke