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Prosa => Krimi


Verwelkte Rosen (1. Kapitel) - von Simonic, 19.10.2016
**Es ist mein erster Versuch etwas zu schreiben, erhoffe mir sogar konstruktives Feedback!**

Verwelkte Rosen

Theatralisch, fast schon zeremoniell aufgebettet liegt sie vor ihm. Die Beine ausgestreckt, die Hände auf der Brust gekreuzt. Auch noch nach 10 Dienstjahren konnte er den Geruch einer bereits verwesenden Leiche nicht ertragen. Auch, wenn es schon besser wird, rümpft es ihm noch immer die Nase. » Wer ist das Opfer? «, hört er einen Officer aus der Ferne fragen.
Wer das Opfer ist? Zu oft hatte er diese Frage heute schon gehört. Das Opfer? Sie alle sollten sie doch eigentlich kennen.


15 - Mi, 5.5.2015 8:23
» Alles Gute zum Geburtstag Paul! «, so wurde er aus seinem Trau gerissen, schlagartig losgerissen von der schönen Traumwelt. Seine Freundin Nadine warf sich mit diesen Worten neben ihm auf das große Doppelbett, küsste ihn und versuchte ihn zum Aufstehen zu motivieren. Er konnte den Speck aus der Küche riechen, sie machte ihm wie jedes Jahr zu seinem Geburtstag Frühstück, es war schon fast eine Tradition bei ihnen. Also ringt er sich ein müdes, erschöpftes Lächeln ab, bevor er im angrenzenden Badezimmer verschwand. Er schaute auf die Uhr, welche in einem der weißen Wandregale stand, es war genau 8:35. Und er hatte auch keinen Stress, er hatte sich heute wegen seinem Geburtstag frei genommen.
In seinem Hinterkopf spielten sich mehrere Gedanken ab, denn die Arbeit war heute seine kleinste Sorge. Er dachte viel mehr an seine Mutter und seinen Bruder Oliver, zu welchen er seit dem Tod seines Vaters vor 3 Jahren nur sehr sporadisch Kontakt hatte. Es verletzte ihn, auch jetzt mit 36 Jahren noch. Jedes Mal hoffte er auf einen Anruf, zumindest von einem der beiden, aber warum machte er sich etwas vor? Er rief sie genauso wenig zu ihren Geburtstagen an, also wieso sollten sie es tun. Er schlug sich die Gedanken aus dem Kopf.
» Geh erstmal duschen, bekomm keinen Kopf frei Liebling «, Nadine stand hinter ihm in der Badezimmertür und wusste genau warum er so nachdenklich war. Paul antwortete nur mit einem halbherzigen Lächeln und Nicken darauf, bevor er sich auszog und unter die warme Dusche stellte. Er drehte das Wasser möglichst stark auf, genoss die einzelnen Tropfen die auf seine Haut auftrafen, stellte sich bei jedem einzelnen vor er würde seine Sorgen ein wenig von seiner Seele waschen. Und so komisch es auch klang, es funktionierte, nach der Dusche fühlte er sich selber schon um einiges leichter, auf irgendeine Art und Weise unbeschwerter. Er sah aus dem Fenster, sah auf die Reihenhäuser gegenüber von ihm in der Vorstadt Wiens. Er war letzte Nacht noch lange mit seinen Freunden draußen, eigentlich wollte er nicht aber irgendwie haben sie ihn doch mitgezogen in seinen Geburtstag hinein zu feiern. Sie tanzten und tranken viel, was ihm weder seine Gelenke noch sein Kopf dankten. Manchmal merkte er schon, dass vieles anders war als es in seiner Jugend gewesen war, da konnte er am nächsten Tag frohen Mutes aufstehen, jetzt war das schon um einiges schwieriger.
» Nagut! – Jetzt nicht hängen lassen «, sagte er zu sich selber und sogar für ihn selbst klang es heuchlerisch. Er kam nicht darum herum sich beim Austreten aus der Dusche selber im großen Wandspiegel zu betrachten. Seine Arbeit bei der Polizei zahlte sich aus, für sein Alter war er Top in Form, das braune kurze Haare locker zur Seite gekämmt. Er war nicht gerade der Typ „besonderer Mann“, er sah sich selbst als keiner und versuchte auch keiner zu sein. Ein sauber rasierter 3 Tage Bart säumte sein monoton normales Gesicht. Einzig seine Augen waren etwas, dem niemand jemals wiederstehen konnte. Eigentlich Blau aber in ein fast schon strahlendes Dunkelgrün übergehen, strahlten sie mehr aus als nur die Farben die sie trugen. So freundlich diese Augen jemandem auch entgegenstrahlen konnten, so durchdringend konnten sie auch sein.
Nur mit Boxershorts und einem lockeren T-Shirt machte sich Paul auf den Weg in die Küche, in der ihn Nadine schon freudig erwartete.
» Happy Birthday to you… Happy Birthday to you… «, er lächelte sie und setzte sich nieder während sie freudig weitersang. Er wusste nicht genau wie sie das schaffte, aber ihre positive Stimmung schlug sofort auf ihn über, vergessen waren die Gedanken an seine Mutter oder seinen Bruder, er starrte auf die Kerzen seiner Torte und lächelte. Sie setzte sich neben ihn an den gedeckten Tisch, neben seiner Geburtstagstorte die ihm Nadine gebacken hatte und dem Teller mit dem Speck und den Spiegeleiern standen 4 Pakete, schön fein säuberlich verpackt.
» Ich esse zuerst Schatz, dann schaue ich mir meine Geschenke an, das riecht so lecker! «, es freute seine Freundin immer wieder, wenn er ihr Essen lobte, so simpel es doch oft war. Er aß den Teller vollkommen auf, schaffte sogar noch ein Stück der Torte, bevor er das Gefühl hatte zu zerplatzen. Er wollte gerade sein erstes Geschenk aufmachen als sein Handy im Schlafzimmer klingelte. Es war der Klingelton seines Vorgesetzten. Auch, wenn er den Anruf nicht annehmen wollte, weil er eigentlich Urlaub hatte wusste er, dass es wichtig war, wenn sein Chef ihn jetzt anruft. Er ging ins Schlafzimmer, spürte den leicht vorwurfsvollen Blick seiner Freundin hinter ihm.
» Clarson? «
Er hörte seinem Chef nur zu. Nadine war ihm inzwischen ins Schlafzimmer gefolgt und beobachtete ihn. Sah wie sich seine Augen zusammenzogen, seine Stirn leichte Falten warf. Sie hatte das dumpfe Gefühl, dass sie den Tag mit ihrem Freund heute vergessen konnte und nur kurz darauf hatte sie die Gewissheit.
» Tut mir leid Schatz, sie haben Nummer 8 gefunden. «, Sie wusste was er meinte und sie wusste auch was das für ihn bedeutete aber sie hasste es Paul jetzt gehen lassen zu müssen. Aber er hatte sich schon angezogen, steckte seine Dienstwaffe ein, gab ihr einen schnellen Kuss und war dann schon aus der Tür draußen. Sie setzte sich alleine an den Küchentisch, hörte nur den startenden und sich langsam entfernenden Motor seines Wagens.

9:25
Es lag ein unangenehm industrieller Geruch in der Luft, gepaart mit dem Tief über der Donau hängenden Nebel, der nur durch einen nicht aufhörend wollenden Regen durchbrochen wurde. Überall auf dem Gelände waren mehrere Gruppen von Polizisten und Sonderermittler verstreut, welche vergeblich nach einer Spur, nur nach dem kleinsten Hinweis, suchten.
» Da sind Sie ja endlich! «, die Begrüßung welche ihm sein Chef entgegenwarf, weckte in ihm den Drang einfach wieder umzudrehen und zu verschwinden. Er sollte jetzt zu Hause sein, seinen Geburtstag mit Nadine feiern und nicht an die Arbeit denken. Und wo war er? Auf einem Standgleis in der Nähe der Donau, am Rande Wiens. Aber er musste hier sein, es war seine Aufgabe als leitender Ermittler hier zu sein, genau jetzt, genau hier. Er schüttelte seinem Vorgesetzten Elliot Parker die Hand. Elliot war mit seinen 45 Jahren doch noch einmal knappe 10 Jahre älter als Paul, war bereits 18 Jahre verheiratet, die ersten 13 davon glücklich. Aber eigentlich interessierte es Paul nicht mit wem sich sein Chef nach Feierabend in den Motels traf, er schnappte nur hier und da ein paar sehr eindeutige Gerüchte auf.
Er besprach sich kurz mit Parker, erfuhr was er eigentlich schon wusste: Es gab wieder einmal keine verwertbaren Spuren. Aber jetzt wollte er die Tote erst einmal mit eigenen Augen sehen. Mehrere seiner Kollegen grüßten ihn, als er am Weg zur Leiche seine Partnerin Emma suchte. Er fand seine junge Kollegin in der Nähe des Zeltes unter dem die Leiche lag, das Zelte diente zum Schutz der Beweise gegen den Regen. Als Geburtstagsgeschenk hatte er sich auch etwas anderes vorgestellt.
Er stellte sich neben seine Partnerin, sah sie kurz an, presste eine gequältes » Hallo « heraus und wendete sich der Leiche zu. Sie lag aufgebahrt, wie jede der anderen 7 Frauen der letzten 2 Jahre mit einer verwelkten Rose auf der Brust unter ihren gekreuzten Händen. Es fehlte nur der Sarg und die Trauergesellschaft, schon könnte man meinen hier auf einer gewöhnlichen Beerdigung zu sein.
» Susan Cooper, 26 Jahre. «, Emma sah ihn abwartend an.
» Mhm. «, mehr konnte er gerade nicht herausbringen.
» Viel kann der Gerichtsmediziner noch nicht sagen, sie wurde hier um kurz nach 7 Uhr gefunden. «
Jede einzelne der Verstorbenen war entstellt, das Gesicht mit tiefen Schnitten gezeichnet, die Kleidungsstücke in Fetzen von ihr hängend. Alle der jetzt 8 Leichen trugen die gleichen Merkmale, die komplett entstellten Gesichter, die zerfetzen Kleider und natürlich die schon verwelkte Rose unter ihren Armen. Und obwohl alle der vorigen 7 Leichen die gleichen Spuren aufwiesen, konnte nie etwas gefunden werden, das zum Täter führte. Die Opfer waren vollkommen unterschiedlich, das einzige was auffiel war, dass sie alle zusammen eher der etwas gehoberen Schicht angehörten, oftmals teure Kleidung trugen. Auch waren alle der Opfer bisher blond, aber bis auf diese Anhaltspunkte hatten sie noch nichts, dass sie weiterbringen würde. Die Polizei war sich sicher, dass die Rosen eine Botschaft sein sollten, jedoch war sie sich nicht sicher an wen die Botschaft ging. An die Polizei? An die Öffentlichkeit? Oder doch an die Freunde und Bekannten der Opfer? Es gab einige Theorien, einige Polizisten glaubten die eine, andere wieder eine andere. Niemand war sich wirklich sicher was stimmte und was nicht. Aber zumindest die Medien wussten eine Antwort, für sie war er der „Rosen Mörder“, recht naheliegend und ziemlich einfallslos wie Paul fand.
» Paul, was ist heute los mit dir?! «, Emma riss ihn aus seinen Gedanken, sah ihn fragend mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Er versuchte ihr zu entgegnen, es sei nur die Uhrzeit und er habe schlecht geschlafen, aber er wusste genauso wie sie, dass das eine glatte Lüge war. Klar, es gefiel ihm weder an seinem Geburtstag, welcher mit Nadine geplant war, in die Arbeit gerufen zu werden, noch hier vor dem 8. Opfer dieses verrückten Mörders zu stehen. Doch was sollte er sagen? – Dass er es verabscheut heute hier zu sein? – Dass er sich 100 andere Orte vorstellen könnte, an denen er gerade um einiges lieber wäre als hier, neben dieser vollkommen makaber zugerichteten Leiche?
» Ach nichts, nur schlecht und viel zu kurz geschlafen «, er merkte, dass sie ihm nicht glaubte aber war froh, als sie nicht weiter nachfragte.
Er musste jetzt auch erstmal an den Fall denken, das hatte jetzt in den Moment oberste Priorität. Er entschloss sich erst einmal aufs Revier zu fahren, in sein Büro und die Berichte der Gerichtsmedizin und der Spurensicherung abzuwarten, denn er konnte kaum einen Fortschritt erwarten, wenn er weiter sinnlos über der Leiche wachen würde.
Er ging durch die Menge an Polizisten, die wahrscheinlich die letzten Spuren auch noch zertrampelt hätten, zu seinem Dienstwagen. Doch noch bevor er die Türen seines neuen BMW schließen konnte, klopfte jemand von außen an die Scheibe der Beifahrerseite.
Er sah aus dem Fenster und sah einen Mann, in etwa 1,85 groß also in seiner Größe, leicht gebräunt, wobei es mehr nach einer Solarium Bräune aussah, und leicht strubbeligen schwarzen Haaren.
» Ja, bitte? «, Paul hatte das Beifahrerfenster geöffnet und sah den Fremden erwartungsvoll in die Augen.
» Ich bin Dr. Wilkerson vom Justizministerium, ich sollte mich bei ihnen melden. Chefinspektor Clarson richtig? «
» Ja, Paul Clarson, was kann ich für sie tun? «
» Ich bin Profiler für das Justizministerium und wurde ihrem Fall zugeteilt, ich soll ihnen helfen den Täter zu finden. «
Es war nicht der erste Versuch des Justizministeriums jemanden zu schicken, der auf wundersame Weise plötzlich den Fall löschen können sollte, aber Paul was über jede Hilfe froh die er bekommen konnte.
» Kommen Sie morgen Früh in mein Büro, ich erkläre Ihnen dort alles was sie brauchen. «
Paul verabschiedete sich und lies das Beifahrer Fenster wieder nach oben fahren. Er startete den Motor und beschloss jetzt sofort nach Hause zu fahren und nicht aufs Revier. Die Berichte würden sowieso nicht vor dem Abend da sein, wenn überhaupt, also konnte er sich darum auch Morgen kümmern.
Er parkte sein Auto in der Einfahrt seines Hauses, ging die Treppen zur Eingangstür hinauf und betrat sein Vorzimmer.

» Schatz? Ich bin zu Hause! «



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