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Wahre Alttagstheatralik - von frui, 13.04.2006
Frank sah Maria, die sich mit strampelnden Beinen unter ihrem Couchkissen versteckte, streng an.
„Könntest du mir bitte sagen, was mit dir los ist?“ Seine Stimme klang ein wenig genervt. Offensichtlich machte er sich über Marias Verhalten keine Sorgen. Es war anscheinend normal, dass sie sich unter einem grünen Polsterstück versteckte und dumpfe, verzweifelte Laute von sich gab. „War es denn so schlimm?“
„Schlimmer.“, ließ das Kissen mit einem erstickten Laut verlauten. Frank verlor die Geduld und riss es von Marias Gesicht. Als darauf ein missmutiger Schmollmund auftauchte, meinte er ohne weitere Regung seinerseits: „Ich hatte nur Angst, dich wiederbeleben zu müssen. Ich weiß doch, dass dir die Vorstellung von mir beatmet zu werden, zuwider ist.“
Maria boxte ihm in die Seite und richtet sich auf, sodass sie jetzt neben ihm saß und nicht mehr lag.
„Du verstehst das nicht.“, murrte sie leise.
„Oh doch.“, sagte Frank mit Nachdruck. „Ich glaube, das ist das ganze Problem. Ich verstehe einfach zu viel.“
„Aber du hast kein Verständnis dafür.“, meckerte Maria nun etwas lauter.
„Das kann ich allerdings nicht vollkommen verneinen.“ Franks Stimme nahm wieder einen etwas schärferen Tonfall an. „Du erzählst mir jetzt trotzdem, wie es gestern Abend war.“
Er stand auf und warf ihr das Kissen zu, um sich dann ihr gegenüber an der Durchreiche zu ihrer Küche zu lehnen und sie mit seinen Augen zu fixieren. „Keine Angst, ich höre aufmerksam zu.“
„Es war wundervoll.“ Nur einen Wimpernschlag später schmiss sich Maria mit dem Kissen voraus wieder auf die Couch, dieses Mal völlig ungehindert ihrer gesamten Länge nach. Ihr Gesicht platzierte sie dabei wieder auf dem armen überstrapazierten, grünen Kissen. Frank verdrehte angesichts so viel Theatralik die Augen.
„Ich wusste, dass du es nicht verstehen würdest.“, meinte Maria wieder dumpf, durch das Kissen, das auf ihre schöne Nase drückte. Sie hatte ihn eigentlich nicht sehen können, doch sie deutete sein Schweigen richtig.
„Ich verstehe nur nicht, warum du mir gegenüber eine solche Show abziehst, wo ich doch haargenau weiß, was du wann wie machst. Es wird nur langsam langweilig Süße.“
Maria schnaufte. Frank nannte sie immer Süße, wenn er sich wegen ihrem kindischen Benehmen überlegen fühlen konnte. „Also, was willst du mir wirklich sagen?“ Franks Stimme klang plötzlich verständnisvoller und ruhiger. Er kannte dieses Ritual offensichtlich wirklich sehr genau.
„Du lachst nur.“, meinte Maria und drehte ihren Kopf von Frank weg, der sich inzwischen wieder neben sie auf das Sofa gesetzt hatte.
„Lachen? Nein, niemals Süße. Ich rege mich nur leidenschaftlich auf.“
Maria konnte ein kleines Lächeln nicht unterdrücken. Frank lächelte ebenfalls. Ruckartig richtete sich Maria auf und blieb nur wenige Zentimeter vor Franks Gesicht stehen. Er hatte sich nicht einen Millimeter bewegt.
„Ich glaube, ich habe mich verliebt.“ Frank zog zweifelnd die Augenbrauen nach oben. „Ja, ich weiß.“, fing Maria sofort an, jetzt plötzlich besänftigt und in offensichtlicher Erzähllaune. „Er ist mir überhaupt nicht ähnlich und es wird garantiert nicht funktionieren und…“ Frank unterbrach sie plötzlich:
„Hast du nicht letztens noch gesagt, dass er dich absolut langweilt?“
„Ja, aber was kann er denn dafür, dass er in einer Bank arbeitet und ich Zahlen und Statistiken zum Gähnen spannend finde?“
Frank fing an zu grinsen und den Kopf zu schütteln. Er war einerseits davon fasziniert, wie Maria es schaffte, wenn sie sich aus irgendeinem dämlichen Grund in jemanden verliebte, alles an diesem Menschen ins Positive zu verdrehen und andererseits amüsierte es ihn, wie sie es stets schaffte zwei Wörter aneinander zu fügen, die absolut nicht zusammen gehörten.
„Hat er wenigstens Ahnung von Kunst?“, fragte Frank trotz allem interessiert. Maria winkte ab, was in einem allgemeinen einem nein entsprach.
„Welcher hat das denn je gehabt?“, fragte sie Schulter zuckend.
„Sollte dir das nicht zu denken geben? Ich bau dich auf jeden Fall nicht wieder auf, wenn er deine Arbeit als „interessante Freizeitgestaltung zum Abschalten des Geistes“ bezeichnet.“
Bei den letzten Worten hatte er seine Stimme zu einem höheren, näselnden Ton verzogen, was ihm wieder einen Schlag in die Seite einbrachte.
„Du magst mich nicht ein Stück oder?“, beschwerte sich Maria.
„Süße ich liebe dich.“, erwiderte Frank trocken. Wieder ein Schlag in die Seite.
„Du sollst aufhören darüber Scherze zu machen.“, sagte sie ernst. Frank seufzte.
„Glaubst du nicht, dass ich eines solchen Witzes beim hundertsten Mal überdrüssig bin?“
„Du hast es noch nicht hundert Mal gesagt.“, meinte Maria kindisch. Frank holte tief Luft.
„Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich…“ Sie drückte ihm ihre Finger auf den Mund. Sofort formte er seine Lippen zu einem zarten Kuss.
„Du sollst damit aufhören Frank.“ Sie stand auf und begann in ihrem Loft herumzuwandern, wie immer wenn sie darauf wartete, dass Frank ihr einen Rat geben würde.
„Okay, pass auf.“ Wie ein gespannter Bogen drehte sich Maria auf ihren Zehen zu ihm um. „Wir testen ihn. Wir gehen zu dritt mit ihm in diese neue Ausstellung, wo sie auch ein paar deiner alten Stücke dabei haben. Wenn er sich intelligent anstellt, werde ich ihn nicht verkraulen.“
Plötzlich hüpfte sie auf ihn zu und schloss ihn fröhlich in ihre Arme.
„Du bist der Beste.“
Frank legte nur zögernd seinen Arm um sie. Er hatte Schwierigkeiten dem Drang zu widerstehen sie fest an sich zu drücken.



©2006 by frui. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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