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Prosa => Horror


Die endlose Nacht - von SSchroer, 22.08.2010
Adrians Kopf schmerzte dumpf pochend. Mit geschlossenen Augen rieb er sich kurz durch das Gesicht, ehe er die Augen aufschlug. Um ihn herum war es dunkel. Der Geruch von feuchten Gräsern, Moos und Holz kroch ihm langsam in die Nase. Wo war er? Ein verkatertes Seufzen klang von seinen Lippen, ehe Adrian kurz die Augen schloss, den Kopf schüttelte und sich zu erinnern versuchte, wo er war und wie er hierher gekommen war. Seine Jeans fühlte sich ein wenig klamm an und sein Rücken drückte sich in einer sitzenden Position unsanft gegen die hölzerne Lehne einer Bank. Als er wieder aufschaute hatte sich seine Sicht ein wenig geklärt. Mit leicht zusammengekniffenen Augen und einem Gähnen auf den Lippen schaute er sich um und sah wo er sich befand. Um ihn herum fanden sich Bäume und Bodennebel bedeckte den Boden soweit er in der Dunkelheit sehen konnte. Als würde seine Erinnerung sich einen Weg durch seinen verkaterten Kopf freischneiden müssen, begann er sich wage zu erinnern. Er war in einem Waldstück, unweit seiner Heimatstadt. Aber wie war er hierher gekommen? Mühselig drückte er sich von der Bank auf und ergab sich dem Drang, sich abermals zu recken. Er fröstelte und rieb sich die Oberarme während er zu jener Bank schaute, auf der er eben noch schlafend gesessen hatte. Sein Blick streifte über das im Nachtschatten der Bäume liegende marode Holz dieser alten Bank, die vermutlich für Spaziergänger und Wanderer vor Jahren hier aufgestellt worden war. Was zur Hölle mache ich hier? Fragte sich Adrian, während er die Bank überlegend, fast abwesend, taxierte, ehe sein Blick auf eine geöffnete Bierflasche fiel, die umgekippt bis zur Rückenlehne gerollt, dort lag. Tim und Sascha! Er erinnerte sich. Es war Vatertag gewesen. Er war mit seinen beiden, langjährigen Freunden auf eine jener Touren gegangen, die sie schon als jugendliche jedes Jahr unternommen hatten. Mit einem Bollerwagen ausgerüstet, hatten sich die drei auf den Weg gemacht und waren einer Wanderroute durch den Wald gefolgt während sie sich, meist zu maßlos, betranken. Seit einigen Jahren mussten sie diese Tradition schleifen lassen, doch dieses Jahr war es ihnen wieder gelungen miteinander die sogenannte Herrenpartie zu zelebrieren. Seitdem Sascha selbst Vater war, hatten sie auch das erste Mal einen wirklichen Grund sich dem Vatertagsgelage hinzugeben. Aber wie war er zu genau dieser Bank gelangt, und wo waren seine beiden Freunde? Adrian wusste es nicht. Er blinzelte wiederholt, rieb sich ein weiteres Mal die Augen und versuchte so seine pochenden Kopfschmerzen zu vertreiben.

„Sascha? Tim? Seid ihr hier irgendwo?“ Rief Adrian durch seine Umgebung, doch sein Rufen blieb ungehört. Leise und mehr zu sich selbst gewand fluchte er „Scheiße…und jetzt?“. Ein wenig ratlos blickte er sich um. Die Nacht lag dunkel, wie ein Leichentuch um ihn. Er hatte Glück, dass man hier von einem richtigen Wald nicht sprechen konnte. Auch wenn man den Begriff umgangssprachlich nutzte, befand er sich doch in einem Forst. Viele kannten den Unterschied nicht aber gerade Tim, selbst Forstwirt von Beruf, und Klugscheißer auf Teilzeitbasis, verbesserte ihn und alle um ihn herum ständig. Mit einem weiteren Kopfschütteln vertrieb Adrian die Gedanken an seinen Freund und fragte sich ein weiteres Mal, wo die beiden abgeblieben waren. Wiederholend rief er ihre Namen und erneut erhielt er keine Antwort. Viel konnte Adrian nicht um sich herum erkennen. Einen Weg sah er ebenso nicht. Die Bank, auf der er erwacht war schien schon lange und relativ verwaist hier zu stehen. Vielleicht hatte sich hier einst ein kleinerer Rundweg befunden, der in den letzten Jahren weniger genutzt worden war. Es half alles nichts, er musste einen Weg suchen und herausfinden wo er war. Einen Fuss nach dem anderen setzend lief Adrian langsam los, vorsichtig darauf achtend wohin er trat, denn den Boden konnte er dank des Nebels nur erahnen. Äste knackten unter seinen Schritten, während er sich vorsichtig von der Bank entfernte. Obwohl er nahezu keine Ahnung von Astronomie hatte, erinnerte er sich doch daran, dass es möglich war die ungefähre Zeit anhand der Sterne zu ermitteln, doch als er in den Himmel schaute konnte Adrian nur enttäuscht schnaufen. Es gab nichts zu sehen. Der Nachthimmel war mit einer dicken Wolkenschicht bedeckt, die wie schwarze Wolle erschien durch die der Mond Schemenhaft sein Licht erkennen ließ und so die Konturen der Wolken erhellte. Gerade als Adrian den Nachthimmel betrachte und sich ungelenk und noch immer leicht schlaftrunken vorwärts bewegte hörte er ein Geräusch weit rechts von sich. Sofort blieb er stehen und lauschte. „Hey ihr beiden. Seid ihr endlich wach geworden?“ Er lauschte still in die Dunkelheit. Mehrere Herzschläge vergingen, ehe er es ein zweites Mal hörte. Ein leises knacken von Holz. „Was soll das? Das ist nicht witzig.“ Rief er verärgert. Es dauerte einige Herzschläge, ehe er ein neuerliches knacken, ein brechen von Holz vernahm, von dem er annahm, dass es Schritte sein mussten. Sein Kopf ruckte herum. Die Augen, verengt zu schlitzen, versuchte Adrian etwas in seiner Umgebung auszumachen, doch bis auf die Schemen der Bäume konnte er nichts erkennen. „Wenn ihr mich verarschen wollt, ich schwöre euch, ich hau euch beiden was auf die Schnauze!“ Doch auch diesmal erhielt er keine Antwort. Ein leichter, kalter Schauer durchlief seinen Rücken. Nur Tiere. Hier sind auch Tiere, ganz ruhig. Ich bin schließlich in einem Wald, scheiße, Forst. Verdammt wo stecken die beiden? Adrian atmete zweimal tief durch. Er musste weiter und durfte sich nicht verrückt machen. Was sollte hier schon passieren? Einen Herzschlag später begann er seinen Weg fortzusetzen.

Auch wenn seine Augen sich etwas besser an die Dunkelheit gewöhnt hatten, so sah er doch nicht viel mehr. Die um ihn stehenden Bäume wirkten wie dunkle Wände, die tiefer liegenden Äste wie knorrige Hände, die nach ihm zu greifen drohten. Adrian versuchte diese Gedanken zu vertreiben, nicht in Panik zu verfallen und dadurch auch nicht unvorsichtig zu werden. Ein Weg war auch nach weiteren dutzend Schritten nicht auszumachen. Ein Gedanke traf ihn wie ein Schlag. Er war ein Idiot, und als solcher schlug er sich die flache linke Hand auf die Stirn. „Trottel.“ Sprach er zu sich selbst, als er mit der rechten in seine Hosentasche griff und sein Handy herauszog. Schnell löste er die Tastatursperre und rief sein Telefonbuch auf. Das spontane Licht seiner Displaybeleuchtung schmerzte in seinen Augen. Es dauerte einige Sekunden, ehe er sich an das spontane grell gewöhnt hatte. Nur wenige Tastenklicks später hatte er dann aber Tim ausgemacht und bestätigte seinen Wunsch, ihn anzurufen. Adrian legte sein Handy an sein rechtes Ohr und hob seinen Blick in die Finsternis zwischen den Bäumen. Er konzentrierte sich zunächst gar nicht auf das, was er sah, sondern war geistig völlig beim Wählgeräusch seines Handys, jener Tastentöne die ankündigten, dass er einen Anruf aufbauen wollte. So brauchte es einige Augenblicke ehe er den dunklen Schemen einige Meter vor sich bemerkte. Als sein Blick den dunklen Umriss erfasste und den Eindruck an sein Gehirn weiterleitete, reagierte Adrian instinktiv. Erschrocken stieß Adrian einen kurzen Schrei aus und machte einen Schritt rückwärts. Die Hacke seines rechten Beines schlug dabei auf einen Widerstand, seine Bewegung war jedoch viel zu spontan, zu instinktiv, zu hektisch gewesen um das darauf folgende Taumeln abzufangen. Leicht mit den Armen rudernd fiel Adrian nach hinten und prallte unsanft mit dem Rücken auf den Boden. Sein Handy verlor er dabei aus der Hand. „Fuck“, war alles, was er spontan über die Lippen brachte. Er spürte förmlich, wie das spontan freigesetzte Adrenalin seinen Herzschlag erhöhte. Mit den Armen stützte er sich schnell ab, schob sich mit Armen und Beinen ein Stück weiter Rückwärts über den bewachsenen Boden, weg von dem was er gerade nur Schemenhaft erkennen konnte. Seine Blicke suchten hektisch nach den Umrissen, dem was gerade noch einige Meter vor ihm zwischen den Bäumen gestanden hatte doch sie fanden nichts. Tief und flach atmete Adrian einige Male durch, ehe er sich schnell erhob. „Fuck, fuck fuck…“. Nervös rieb er sich mit den Händen über das Gesicht. Die instinktive Panik legte sich nur sehr langsam. Immer noch tief atmend schaute sich Adrian hektisch in alle Richtungen um, konnte jedoch nichts ausmachen. Der natürliche Fluchtinstinkt trieb ihn dazu weiter zu gehen, diesen Ort schnell zu verlassen. Er machte einen Schritt vorwärts, irgendwo musste der Weg sein. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er mit seinen Freunden und dem Bollerwagen sehr weit von den gängigen Wanderwegen abgewichen war. Als er mit dem rechten Fuß auftrat hörte er ein künstliches knacken, anders als das der Äste. Er spürte, dass er auf etwas Hartes getreten war. Das Handy. Schnell nahm er seine Fuss zur Seite und bückte sich und griff in den Bodennebel. Es war tatsächlich sein Handy. Adrian hob es mit der rechten Hand vom Boden nur um erneut leise aufzufluchen. Das Display leuchtete noch, war jedoch gebrochen. Was es anzeigte war nicht mehr zu erkennen und als er es zu seinem Ohr führte hörte er nichts als ein gequältes und unregelmäßiges piepen. Wieder fluchte er, als er sein kaputtes Handy in die Hosentasche zurücksteckte.

Adrian war freudig überrascht. Er war geradeaus weiter gegangen und trat nach wenigen Schritten auf einen Weg. Er hätte lachen können. Der Weg war von seiner Position auch nicht zu erkennen gewesen, doch jetzt wo er sich auf ihm befand bemerkte er, dass locker vier Personen nebeneinander her laufen konnten, so breit war er. Er blickte nach links und rechts und erkannte, dass der Weg zu seiner linken einen Haken schlug, weshalb er nicht genau erkennen konnte, wohin er führen würde. Eigentlich erwartete Adrian zu seiner rechten nichts anderes zu sehen, doch wurde er abermals überrascht. Er erkannte, dass der Weg lange geradeaus und zu einem kleinen Hügel führte, auf dem sich ein Feuerwachturm befand. Über dem Weg und auf dem kleinen Hügel ließen die Baumkronen genug Platz um den bewölkten Himmel erkennen zu können. Einen Moment nahm er sich Zeit um darüber nachzudenken, wohin er gehen sollte. Der Wachturm schien ihm die beste Lösung zu sein. Selbst wenn dort nichts in der Nähe wäre, so könnte er sich doch von der Spitze aus einen Überblick verschaffen. Ein wenig entspannter machte er sich also auf den Weg. Der Bodennebel verdeckte auch hier den ungehinderten Blick auf den Boden, ja selbst bis auf den kleinen Hügel zog er sich herauf.

Adrian war bereits seit einigen Minuten unterwegs und würde auch noch weitere brauchen um den Hügel, und damit den Feuerwachturm zu erreichen, als er unweit vor sich Geräusche hörte, die ihn an Schritte erinnerten. Wieder spürte er jenes instinktive kribbeln, dass er noch abseits des Weges gespürt hatte, und das er ob der Aussicht auf den Wachturm und einen Ausweg aus dem Wald fast verdrängt hatte. Stocksteif blieb er stehen und lauschte. Ganz eindeutig und mehrere dutzend Meter vor ihm raschelte es leise im Unterholz. Dem Geräusch von brechendem Holz folgend erschien ein Schemen zwischen den Bäumen. Adrian hielt den Atem an und biss die Zähne zusammen. Für einen Moment hatte er das Gefühl, sein eigenes Blut im Ohr rauschen zu hören. Der Schemen trat auf den Weg und wurde so für Adrian besser sichtbar. Er hatte die Umrisse einer Person. Einer vertrauten Person. Tim. Adrian musste lächeln. Die Anspannung fiel vollständig von ihm. „Hey, Tim. Hey! Wo ward ihr denn?“ Rief er den Weg herauf. Tim drehte sich um, schaut in seine Richtung, doch statt einer Antwort drehte er sich um und lief, ja rannte, den Weg in die entgegen gesetzte Richtung davon. „Spinnst du? Was wird das?“ Rief Adrian hinterher. „Ich hab euch vorhin schon gesagt, was passiert, wenn ihr meint mich verarschen zu müssen. Beinahe hätte ich da einen Herzinfarkt bekommen. Wollt ihr mich umbringen? Hey!“ Doch Tim lief nur noch schneller. Idiot. Nach kurzem zögern und einem verärgerten Kopfschütteln lief auch Adrian los. Er folgte seinem Freund den Weg hinaus und näherte sich dem Wachturm.

Rennend, leicht ausser Atem erreichte Adrian den Hügel und stand unweit des Feuerwachturms. Er hatte Tims Lauf verfolgt und schaute nun am hölzernen Wachturm vor sich nach oben. Die hektischen Schritte seines Freundes waren deutlich zu hören. Tim erklomm Treppenstufe für Treppenstufe. Der ist bescheuert, das sind bestimmt sieben Etagen. „Ich sags noch mal. Wenn ich oben ankomme, und ihr verarscht mich, dann gibt’s Ohrlaschen.“ Rief Adrian seinem Freund hinterher. Natürlich meinte er es nicht so, dennoch sollten seine Freunde wissen, was er von ihren Spielchen hielt. Auch wenn er Sascha nirgendwo sah, so glaubte Adrian doch, dass er schon oben wartete während Tim ihn hoch locken sollte. Und das mitten in der Nacht, irgendwo im nirgendwo. Er hetzte nicht als auch er begann die Treppe zum Wachturm hochzusteigen. Tims Schritte klangen durch das Holz, wirkten noch immer gehetzt, schnell. Er hörte, dass sein Freund außer Atem war. Es dauerte gefühlte Minuten, ehe Adrian um die letzte Ecke der im zick-zack verlaufenden Treppe blickte und die obere Plattform des alten Feuerwachturms erspähte. Auch er atmete schneller, angestrengter, doch bei weitem nicht so laut und außer sich wie Tim, dessen Luftschnappen er immer noch deutlich vernahm. Möglichst locker, und mit einem grinsen auf den Lippen betrat Adrian die oberste Plattform auf der sich ein kleiner Unterstand für den Fall von schlechtem Wetter befand. „Hab ich euch!“ Sprach er eher spaßend. Adrian erwartete die beiden irgendwo in der Ecke zu sehen. Vielleicht würde Sascha ihn mit einem kalten Bier überraschen und übergießen, nachdem er aus irgendeiner Ecke gesprungen kam, doch zunächst sah er niemanden. Adrian musste einen kurzen Moment suchen und erkannte Tim dann gebückt, sich fast einigelnd im Schatten der hölzernen Brüstung an der anderen Seite der Plattform. Gehetzt und für Adrian unerklärlich ängstlich blickte Tim zu Adrian. Tims Atem stockte, als er Adrian sah. Er schüttelte den Kopf beinahe apathisch. Adrian erwiderte den Blick verwirrt, versuchte dann aber lächelnd seinen Freund zu beruhigen. „Hey Tim, was ist denn los?“ Er ging langsam auf seinen Freund zu, doch dieser schüttelte nur weiter den Kopf, die Augen weit aufgerissen, Adrian fixierend. Rutschend schob Tim sich weiter an die Brüstung, drückte sich gehockt beinahe dagegen. Als Adrian auf halbem Wege bei ihm war, schrie Tim ihm angsterfüllt entgegen „Lass mich in Ruhe! Warum lässt du mich nicht einfach in Ruhe!“ Adrian stockte, wurde nervöser. Irgendetwas stimmte nicht. „Was ist denn los? Ich bins doch nur. Wo ist Sascha geblieben? Ist euch was passiert? Mein Handy ist kaputt, ich kann nich tmal die Polizei rufen, aber beruhig dich doch erstmal.“ Tim schien seine Worte zu ignorieren und verfiel in ein katatonisches Wimmern. „Ich..es..es tut mir leid…ich wollte das doch nicht…es tut mir leid.“ Adrian hörte ihm zu, wollte weiter beruhigend einwirken. Der Weg auf den Wachtturm hatte ihn mehr beansprucht als er gedacht hätte. Schweiß lief ihm in Sturzbächen über Nacken und Stirn. Brannte leicht salzig in seinen Augen. Mit den Händen wischte er über seine Stirn ehe er einen weiteren Schritt auf Tim zutat. „Was tut dir leid? Ist irgendetwas mit Sascha? Geht’s ihm gut? Wo ist er?“ Doch Tim schüttelte nur weiter den Kopf und drückte sich noch weiter an die Brüstung, die ein leises knarren von sich gab. „Nicht Sascha…nicht Sascha…es tut mir leid…ich wollte das nicht…ich bin doch nur ausgerutscht…bitte…lass mich endlich in Ruhe!“ Schrie Tim wieder und das Holz hinter ihm knirschte. Erneut wischte sich Adrian Schweiß von der Stirn, stockte aber. Irgendetwas Warmes klebte an seiner Hand. Irgendetwas hatte er mit weggewischt. Er blickte auf seine Hand und stockte. Seine Finger waren von dickflüssigem Rot bedeckt. Panisch schaute er auch auf seine andere Hand, mit der er sich vorher über den Nacken gefahren war. Auch sie schien mit Blut beschmiert, frischem Blut. „Scheiße, ich blute ja.“ sagte er beiläufig. Schmerzen fühlte er keine. Er musste sich irgendwo angestoßen haben. Während er nachdachte hörte er seinen Freund Tim nur als entferntes Rauschen, obwohl dieser ihm völlig apathisch entgegen schrie „Ich wollte das nicht! Ihr wolltet unbedingt sehen, wie ich arbeite! Ich wollte das doch nicht! Es tut mir so leid!“ Adrian starrte auf seine Hände und erinnerte sich wieder, während Tim sich so fest er nur konnte an die Brüstung drückte um möglichst viel Abstand zwischen sich und Adrian zu bringen. Während Bilder in Adrians Kopf aufflammten gab die Brüstung nach. Schreiend ruderte Tim mit den Armen, bekam jedoch nichts zu packen und rutschte von der Brüstung. Adrian bekam davon jedoch nichts mit. Er verlor sich vollständig in den aufkeimenden Bildern seiner Erinnerung.

Adrian sah, wie er mit Sascha und Tim nahe einer Bank Rast machte. Es war spät. Der Wagen war fast leer und alle drei sehr gut betrunken. Sascha und Adrian wussten, dass Tim hier arbeitete und hatten ihn überredet ihnen einmal zu zeigen, wie Tim einen Baum fällte. Keinen großen, sondern einen normalen kleinen. Tim sollte schließlich keinen Ärger bekommen. So hatte Tim eine kleine elektrische Kettensäge mitgenommen um eine kleine Fichte zu fällen. Adrian erinnerte sich, dass Tim kaum in der Lage gewesen war die Säge zu halten. Er hatte neben ihm gestanden, ihn mit Sascha betrunken angefeuert obwohl Tim mehrfach protestierte er sei zu betrunken. Unter dem Drängen von Sascha und Adrian hatte Tim dennoch angesetzt, doch als er zu sägen beginnen wollte war die Kettensäge abgerutscht. Das letzte, an das Adrian sich erinnerte war das Gefühl, als hätte er einen Schlag gegen den Kopf bekommen, dann wurde es weiß um ihn. Ein weiß, dass nun erneut seinen Geist einhüllte, während Tim dumpf und allein vor dem leeren Feuerwachturm aufschlug und starb, wie es sein Freund vor so vielen Wochen vor ihm getan hatte.

Adrians Kopf schmerzte dumpf pochend. Mit geschlossenen Augen rieb er sich kurz durch das Gesicht, ehe er die Augen aufschlug. Um ihn herum war es dunkel. Der Geruch von feuchten Gräsern, Moos und Holz kroch ihm langsam in die Nase. Wo war er? Ein verkatertes Seufzen klang von seinen Lippen, ehe Adrian kurz die Augen schloss, den Kopf schüttelte und sich zu erinnern versuchte, wo er war und wie er hierher gekommen war….und dass dies nicht das erste Mal war, seitdem er in diesem Wald sein Leben verloren hatte.



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