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Das brauchen wir nicht mehr ... - von ScharkaliScharri, 13.07.2010
Das brauchen wir nicht mehr ...

Es war einer jener Sommertage, die die Luft flimmern und die Menschen Zuflucht im Schatten eines Baums suchen ließen. Bereits früh am Morgen kündigte sich dieser heiße Schleier an, der sich spätestens ab Mittag über das Land legen würde, mit einem warmen Windhauch an.

Mira blickte aus dem Fenster, während sie einen Picknickkorb richtete. Der frische, am vorhergehenden Abend zubereitete Nudelsalat zwinkerte sie verheißungsvoll an und ließ sie bei dem Gedanken, ihn bald mit ihm zu verzehren, ins Träumen geraten. Sie hatten ihn beide mit Champignons, Zwiebeln, einer Zehe Knoblauch, viel Gemüse, darunter winzigen und um so fruchtiger schmeckenden Partytomaten, fetten Bohnen, grünem Paprika, süßem Mais, feurigen Peperoni, einigen leicht angebratenen Filetspitzen, und nicht zu vergessen, einem Hauch all jener Gewürze, deren Geheimnis Preis zu geben der Schreiber der Geschichte nicht berechtigt ist, verfeinert.

Gedankenversunken öffnete Mira die obere Schublade des Küchenschrankes, tastete nach einem Teelöffel, lüftete den Deckel der Tupperschüssel, inhalierte diesen verführerischen Duft dieses in der letzten Nacht gänzlich durchgezogenen Salates, roch die Petersilie, den Schnittlauch, den er heute Morgen in aller Frühe noch über das bunte Arrangement gestreut hatte, selbstverständlich mit dem Wiegemesser liebevoll zerkleinert, so daß sich deren Aromen zu voller Blüte entfalten konnten. Unwillkürlich befeuchtete sie sich die Lippen, hob den Löffel und ließ ihn in diesen, bereits ihren Augen köstlich mundenden Salat gleiten ...

„Ha, hab’ ich dich erwischt.“

Zusammenzuckend wirbelte sie herum und starrte in sein schelmisch grinsendes Gesicht. Seine Hände lagen auf ihrer Taille. Ihr Herz raste im Leibe.

„Der sollte doch für nachher sein, Naschkatze.“

Er hauchte ihr einen Kuß auf die Stirn, entwand ihr gekonnt den Löffel, warf ihr einen amüsiert tadelnden Blick zu, um Momente später genußvoll zu kauen, zu schlucken und noch einmal zu kosten.

„Ja, unsere Arbeit kann sich sehen lassen.“

Mit diesen Worten reichte er ihr den Löffel und verließ die Küche in Richtung Bad. Mira, die sich von diesem Schreck noch nicht gänzlich erholt hatte, sah ihm nach, griff sich ans Herz, ehe sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen spielte. Sie kannte ihn, wußte um seine heimliche Art, stets dort aufzutauchen, wo sie ihn am allerwenigsten vermutete. War sie doch vor wenigen Minuten selbst erst dem Bett entstiegen und der Meinung gewesen, er schlafe noch tief und fest, belehrte er sie jetzt eines anderen. Hatte er sein leises Schnarchen nur vorgetäuscht?

Und nun duschte er, pfiff ein Lied und duschte, so, als sei nichts geschehen und doch wußte sie um sein Lächeln, dieses süße schelmische, beinahe wollte sie sagen Lausbuben-Lächeln, das seine Grübchen offenbarte.

Kopfschüttelnd wandte sie sich um und genehmigte sich ebenfalls einen reichlich gehäuften Löffel dieses Salates, der, so fand sie, nach diesem Sommer schmeckte ...

Sie schloß die Augen, nahm noch einen Löffel und wieder trieben sie ihre Gedanken hinaus in diesen Sommer, der kraftvoll, heiß, ja verheißungsvoll von dieser Stadt, von ihr und ihm Besitz ergriffen hatte. Bereits seit einem Monat hatte es nicht mehr geregnet, doch den Pflanzen sah man das seltsamerweise nicht an, weder denen in ihrem Garten, noch denen, die sich auf den Mittelstreifen der Straßen befanden. Alles wirkte so paradiesisch frisch und duftete nach reifenden Früchten.

Und auch wenn die anderen Leute langsam unter der Hitze klagten, vielleicht sogar litten und nach einem Gewitter riefen, ja bereits im Gottesdienst dafür beteten, konnte sie nur milde lächelnd den Kopf darüber schütteln. So wie es war, vom frühen Morgen an bis in den späten, dann noch immer von der prickelnden Wärme des Tage zeugenden Abend, der langsam in eine laue, sternenklare Nacht überging, erschien es ihr perfekt zu sein.

Perfekt wie dieser Tag, perfekt - wie ihr ein Blick in ihren kleinen Kalender verriet, in den sie nicht die den Alltag betreffenden Termine einzutragen pflegte ... Nein, in diesem, in rotes Leder gebundene Büchlein vermerkte sie anderes, ... anderes, das ihr am heutigen Tag vielleicht ein neues Fenster in ihrem Leben öffnen würde.

Heute würde sie diesen Sommer auf ihre ganz eigene Art im Schatten eines großen Baumes auf einer Wiese in der Nähe eines Gewässers verbringen - mit ihm. Mit ihm, der soeben das Wasser abgestellt hatte, um sich ... wusch er sich den Kopf? Oder ...? Sie lächelte wissend, zuckte dann mit den Schultern. Vielleicht vermutete sie auch zuviel? Im Grunde aber war es seine Sache, so, wie es die ihre war, wenn sie duschte, oder in ihrem Bett lag und die Schenkel spreizte, um ihrer Hand den Weg zu weisen.

Heute würde sie mit ihm unter diesem Baum sitzen, diesem Baum, den sie seit ihrer Kindheit immer wieder, manchmal auch mit ihm zusammen aufgesucht hatte. Auf ihm war sie gackernd herumgeklettert, auf ihm hatte sie sich eine kleine Laube erbaut, um in der Einsamkeit der Natur und nur von ihm umgeben, ihr Buch zu lesen, sich Geschichten auszudenken, zu träumen. Einmal aber war sie von ihm heruntergefallen, ihre Sandalen hatten eine zu glatte Sohle besessen. Vielleicht hätte sie sie vorher ausziehen sollen? Ja, aber wer denkt schon daran, wenn einen die Freude packt, die Freude, einen alten Bekannten wiederzusehen?

Es war ein Schreck gewesen in der ersten Sekunde, doch sie hatte sich nichts getan, nur naß war geworden. Pudelnaß, aber sie hatte glucksen müssen, auch wenn sie den morastigen Untergrund des leise dahinfließenden Gewässers nicht gemocht hatte und sich mit einem lachenden Schreien von ihm hatte helfen lasse, während sie der aufsteigenden Luftblasen gewahr wurde und sich an ihn gedrängt hatte. Das leichte Ekelgefühl aufgrund des Wissens, daß der Boden lebte, ziepte ihr auch jetzt im Magen.

Sie spürte seine Hand noch immer in der seinen und sie war froh drum, keinen der Krebse am Hintern gefühlt zu haben, die sich nach seinen diabolisch grinsenden Erzählungen zu urteilen, jedoch zu Hauf in diesem stillen Tümpel aufhielten. Schnecken hatte es, die kopfüber herab an der Wasseroberfläche entlang glitten und Muscheln, die dem stillen Betrachter einen winzigen Teil ihres Inneren offenbarten.

„Sie sind auf Nahrungssuche“, wisperte er und küßte sie dacht auf die Schläfe.

Sie nickte, ließ ihren Blick jedoch weiter über dieses klare Wasser gleiten, nahm zahlreiche kleine grüne Pünktchen wahr, die sich bei näherem Betrachten als zweiblättrige Pflanzen mit einer dürren, winzigen Wurzel herausstellten - Wasserlinsen?

Nun nickte er und ließ seine Hände über ihre Oberarme gleiten. Seine Finger spielten mit den Trägern ihres Kleides. Ohne sich umzuwenden, ließ sie es geschehen, daß er sie löst, nur um wie nebenbei ihre Brüste zu streifen. Er saß hinter ihr, hielt sie in seinen Armen, lehnte an diesem Baum, den sie seit ihrer Kindheit kannte.

Spürte auch er jetzt in diesem Augenblick die rauhe Rinde? Vernahm er die leise wispernden und doch so eindringlichen Worten dieses uralten Baumes, als er sie sacht auf die Schulter küßte und es seiner vorwitzigen Hand gestattete, ihren Körper zu erkunden?

Mira hätte ihn daran hindern, sich ihm entziehen können - doch warum eigentlich? Wollte sie diesen Tag nicht mit ihm zusammen unter diesem Baum in der Einsamkeit der Natur verbringen, so wie damals? Und so holte sie nur tief Luft, atmete diesem leichten, ihrer Magengegend wohlbekannten Prickeln entgegen, ergab sich ihm, breitete im Geiste die Arme aus, schwebte über einem Abgrund. Sie lehnte sich an seine Brust, lauschte seinem trabenden Herzschlag und strich verträumt über seine Hand, die ihr Ziel kannte, - ja sie kannte es sehr gut und Mira genoß das Gefühl, von ihm berührt, gestreichelt, zärtlich und doch so fordernd umfaßt zu werden.

„Mira“, hauchte er.

Und wieder: „ Mira“

...so wie der Sommerwind, der leise neckend mit dem Wipfel dieses Baumes spielte, die Blätter zum Rauschen brachte und es gleichzeitig im hohen Grase geheimnisvoll rascheln ließ. Ihre Augen wollten noch einmal über das Wasser gleiten, doch zu vernebelt war ihr Denken. Sie schmiegte sich an ihn, wandte den Kopf, nahm seinen honigbraunen Blick in sich auf, sog sich an seiner Süße fest, spürte seine Lippen auf den ihren, schmeckte seinen Atem, kostete noch einmal von diesem wundervollen, die Sinne betörenden Nudelsalat, als sich beider Zungen zu einem feurigen Spiel trafen.

Ehe sie es sich versah, glitt ihre Hand zu seiner Hose, öffnete sie und begab sich in ein warmes, sie bereits erwartet habendes Terrain. Sie umfaßt ihn, zuerst leicht und dann im Rhythmus ihres anschwellenden Gefühls etwas kräftiger, drängender, bis er ihr antwortete - die Augen schloß und ihr ein leises Stöhnen ins Ohr flüsterte, ehe er ihre Lippen suchte und auch fand.

Sie lächelte, löste sich von ihm, glitt hinab, küßte ihn, glitt mit der Zunge über seine Feuchtigkeit, schmeckte sie am Gaumen und begann ihn in sich aufzunehmen. Er war so weich, verletzlich weich, ebenso wie sie. Gleichzeitig aber war er so hart, prall und er wartete ... wartete ... wie ein im hohen Grase lauerndes Raubtier.

Blickte sie hingegen auf, bemerkte sie, wie sehr er es mochte, von ihr genommen zu werden, wie sehr er jede Berührung ihrer Hände und Finger an seinen Hoden genoß, wie sehr er sich dem leichten Knabbern an seiner Spitze hingab. Seinen Unterleib ihr entgegenreckend, flehte er um mehr, nur um im nächsten Augenblick noch immer mit geschlossenen Augen ein kleines Päckchen aus seiner Hosentasche zu fingern.

Und auch sie war bereit, bereit, ihn vollkommen in sich aufzunehmen, so wie sie es sich erträumt hatte heute Morgen, ... so wie es ihr der Blick in diesen kleinen, in rotes Leder gebundene Kalender angezeigt hatte ... als sie von diesem Salat nehmen wollte und er hinter sie getreten war, ihr den Löffel entwindend und sich selbst dem Genuß dieser Speise hingab, einer Speise, die sie gemeinsam mit viel Liebe geschaffen hatten. Er hatte ein wenig dazugegeben, sie auch und es war etwas entstanden, worin sie sich beide wiedererkannten, ja gleichsam spiegelten.

Und so sollte es auch jetzt sein. Schmunzelnd entwand sie ihm das silbernglänzende Papier, hörte das sachte Knistern, als sie es, noch immer verschlossen, auf die Wiese warf, nur um sich von seinem fragenden, in der Sonne leuchtenden Blick gefangen nehmen zu lassen.

Sie lächelte, schüttelte den Kopf, küßte ihn und flüsterte: „Das brauchen wir nicht mehr.“




©2010 by ScharkaliScharri. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von lothar
Am 03.05.2013 um 19:11 Uhr

Sehr schöne Geschichte, die voll meinen erotischen Geschmack trifft! Liebe geht durch den Magen und das hast Du schön rausgearbeitet. Respekt und Anerkennung!

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Bewertung: 3.1/6
(17 Stimmen)

Es gibt 1 Kommentar


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