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Max Wendelsteiner - Privatdetektiv - von scrittore, 26.07.2009


Ich räkelte mich faul auf meinem Bürostuhl, die Füße auf dem Schreibtisch und schaute meiner Sekretärin bei Ihrer Arbeit zu.
Sie stand auf der Regalleiter und reckte ihre gut 1,65 dem obersten Fach entgegen. Es war ein beeindruckender Anblick, allein wie ihre Jeans über ihrem strammen Po spannte. Sie spürte wohl, dass ich sie anstarrte, drehte ihren hübschen Kopf zu mir, funkelte mich an und fauchte
„Könntest du dich von deinen erotischen Phantasien losreißen und mir lieber helfen, ich komme an diese verdammte Akte nicht dran." Ich lächelte sie an, grinste und meinte:
„Was ist denn das für ein Ton seinem Brötchengeber gegenüber? Koch lieber einen Kaffee. Ich hol mir die verdammte Akte selbst."
Ächzend erhob ich meine gut 1,80, wuchtete mich aus meinem Sessel und reckte mich erst einmal. Ich habe eine ziemlich athletische Figur, mittelprächtig trainiert und bin einigermaßen zufrieden mit meinem Körper. Eva behauptet zwar, meine Hüften hätten ein wenig zu viel Speck angesetzt und wollte mich immer wieder zu einer ausgedehnten Radtour überreden. Erst gestern wieder hatte sie einen Anlauf unternommen und noch Boshafterweise hinzugefügt, „Entweder ist deine Jeans zu eng, oder dein Hintern zu dick“. Ziemlich leger gekleidet, schwarzes kurzärmeliges Hemd und weiße Jeans, zugegeben spannte die Jeans etwas. Eingeschnappt rauschte sie in den kleinen Nebenraum, der unter anderem auch als Küche diente und warf die Höllenmaschine an, die bei uns unter Kaffeemaschine registriert war. Ich kletterte auf die Leiter, schnappte mir die Akte und versank schmökernd wieder auf meinem Sessel. Bald erfüllte der Duft des Kaffees die Büroluft. Eva, so hieß meine schnuckelige Sekretärin balancierte ein Tablett mit zwei Tassen, Kaffeekanne, Zuckerdose und Milchtöpfchen auf ihrer Hand, während sie mit der anderen Hand einen Bürostuhl hinter sich her zog.
„Irgendwann, wird unsere Berufsgenossenschaft die Beiträge drastisch erhöhen, und ich kann dich im Krankenhaus besuchen. Was das allein an Blumen kostet." Frotzelte ich sie an. „Und wo ist der Cognac?" Legte ich noch nach.
Ihre wunderschönen blauen Augen blitzten mich an, sagten sehr deutlich, dass ich ihr mal den Buckel herunterrutschen könne. „Könntest du zur Abwechslung auch mal etwas Produktives leisten, zum Beispiel Aufträge heranschaffen, Maximilian?"
Au Backe, das war deutlich, wenn sie mich Maximilian nannte, rauchte es unterm Dach. Sonst war ich Max, oder bei besonderen Gelegenheiten auch mal Mäxchen. Sie hatte ja Recht, unser Laden litt unter einer Flaute. Vielleicht sollte ich Bruno einmal anrufen. Bruno war ein Squashkumpel von uns, das heißt mein Squashkumpel und Evas aktueller Lover, und außerdem, Bruno war bei der Mordkommission, Leiter sogar, ich glaube Hauptkommissar.
„Setz dich doch, Evamaus. Ich hatte sowieso vor, Bruno anzurufen. Er ist uns ja noch einen Gefallen schuldig."
Dann zauberte ich die Cognacflasche aus meinem Schreibtisch und goss gut bemessen in unsere Tassen ein. Eva hockte sich auf meinen Schoß, dann stießen wir unsere Becher gegeneinander und prosteten uns zu.
Wir standen uns immer noch recht nahe, waren bis vor einem halben Jahr sogar ein Liebespaar gewesen. Aber irgendwann hatte es sich damals anders entwickelt. Eva war seit einem Vierteljahr mit Bruno verbandelt und ich, nun ich war im Moment nicht fest gebunden. Ich hatte zwar eine heftige Affäre mit Brunos Schwester, sie ist Inhaberin einer kleinen gut gehenden, exklusiven Boutique, aber häufig in ganz Europa unterwegs, immer auf der Jagd nach neuen Ideen. Aber die Frau hatte einfach zuwenig Zeit für eine Partnerschaft. Wir liebten uns zwar immer noch, schliefen auch von Zeit zu Zeit miteinander, ließen uns aber sonst unsere Freiheit.
„Lass mal Mäxchen, ich muss sowieso mit Bruno noch was besprechen. Du weißt ja, dass meine alte Dame am Sonntag sechzig wird. Da wollen wir zusammen ein Geburtstagsgeschenk kaufen. Ich rufe an und gebe ihn dir dann."
Also, mit einem Mal war ich wieder Mäxchen, ja meine Eva konnte nicht lange schmollen, sie hatte ein zu weiches Herz.
Ich zwickte sie leicht in ihre Hüfte, gab ihr einen liebevollen Klaps auf den Po und sagte: „Du hast recht, Eva, ich könnte mal wieder eine Dosis Arbeit brauchen. Auch unser Konto würde aufatmen."
Ich stand auf, nahm noch einen Schluck Cognac und studierte weiterhin die Akte.
Nach einer guten halben Stunde kam Eva wieder in mein Büro, denn wir hatten außer meinem Büro, dem Lagerraum mit Kaffeemaschine auch noch ein Sekretariat.
Hört sich gut an, es handelt sich aber auch nur um eine bessere Besenkammer mit Schreibtisch und Telefonanschluß, so Evas Definition, also sie kam ziemlich aufgeregt herein geschossen, knallte mir die Zeitung auf den Tisch und wartete.
„Ich denke, ich soll arbeiten" maulte ich, „und jetzt verführst du mich zum Zeitungslesen. Was steht denn überhaupt interessantes drin?"
Eva deutete auf die Schlagzeile im Lokalteil und sagte noch immer aufgeregt „Das sollst du lesen, Mäxchen, hat Bruno gesagt. Und dann, wenn du interessiert bist, zurückrufen."
Fünf Tote bei Feuer in der Grundmühle. Immer noch ungeklärt, was heute vor zehn Jahren dort passierte, las ich ziemlich teilnahmslos. Dann wurde ich mit einem Mal aufmerksamer, da stand nämlich, vieles deutete damals auf einen grausigen Ritualmord hin. Eine der Leichen, ein junger Mann, war schon vor dem Feuer tot, und er war nackt und verstümmelt, wie die Polizei damals zugab. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt. Gibt es Verbindungen mit dem Verschwinden weiterer junger Männer aus weiter zurück liegenden Jahren? Die Frauenleichen waren alle bekleidet.
„Das hört sich ja sehr mysteriös an“, murmelte ich, „was meinst du, ist das was für uns?"
Eva schluckte, „Uih, interessant, ein nackter Mann und Ritualmord, was meinen die damit? Steht nichts über die Art der Verstümmlungen drin?"
„Schau mal ins Archiv, unter Vermissten, fang vor fünfzehn Jahren an und geh bis zum Brand. Ich ruf Bruno an, er muss noch mehr wissen."
Eva verschwand im Lager und ich klemmte mir den Hörer hinters Ohr. Bruno hatte eine Nachricht für mich hinterlassen. Wir sollten uns an der Grundmühle treffen. Ich schaute kurz zu Eva herüber, fragte ob sie mitkommen wollte. Sie schüttelte den Kopf, ich hatte beinahe den Eindruck, sie wirbelte damit Staubwolken auf und rannte die Treppen hinunter. Unten sprang ich in mein Cabrio, ein VW Käfer, sehr gut in Schuss und erst ca. 45000 km auf dem Buckel. Der Motor röhrte auf und ich schoss aus der Parkbucht heraus, knapp vor einem polierten Opel. Der Fahrer betätigte wütend die Hupe, drohte wild mit der Faust und blendete die Lichthupe auf. Ich zuckte nur die Schultern, hob entschuldigend die Hand und grinste. Im Rückspiegel sah ich das HB Männchen, Mann mit Hut, na klar.
Die Sonne brannte immer noch vom Himmel, ich hatte alle Fenster geöffnet und schwitzte doch noch. Meine weißen Jeans saßen mittlerweile wie eine zweite Haut an mir und sie und das schwarze T Shirt klebten bald am Körper und ich war froh als ich die Häuserschluchten, der alten ehrwürdigen Universitätsstadt hinter mir hatte. Die Straße schlängelte sich durch die endlosen Wälder der Umgebung, die Landschaft wurde langsam hügeliger. Ganz selten mal ein Dorf, eher einsame Höfe, Forsthäuser, Gasthäuser am Straßenrand. Nach einer Stunde hatte ich den Abzweig erreicht. Eine Straße, kaum breiter als mein Käfer wand sich nun langsam die Berge hoch. Dichter, dunkler Nadelwald, wenige uralte Eichen und andere Laubbäume und keine Häuser mehr, keine Menschen. Nach weiteren dreißig Minuten, manchmal im Schritt-Tempo erreichte ich das alte Forsthaus, die ehemalige Zollstation.
Ich fuhr in den schmalen Waldweg, öffnete die Schranke und rollte im Schritt-Tempo den Weg in endlosen Kurven und Serpentinen herunter. Endlich verbreiterte sich der Weg, dort stand schon Brunos Auto auf der Lichtung, eine recht betagte, mausgraue Ente, was verdiente eigentlich ein Kommissar der Kripo. Ich stieg aus, reckte mich, hier war es angenehm kühl und schattig, ich schwitzte nicht mehr. Linkerhand ging eine steile Steintreppe in die Tiefe. Ich nahm die Zeitung, verschloss meinen Käfer und stieg die Treppe hinunter. Ich hörte schon das Rauschen des Mühlwehrs und als ich um die Ecke bog bot sich mir ein malerischer Anblick. Mehrere Häuser pressten sich förmlich an den Felsen und schienen sich im dichten dunklen Wald förmlich zu ducken. Eine Steinbrücke überquerte den Mühlkanal und durch ein offenes Tor gelangte ich in einen mit buckligen Steinen gepflasterten Innenhof. Links schien das Wohnhaus zu sein, es war ausgebrannt, nur die Außenmauern standen, verkohlte Balken anstelle eines Daches, auf der rechten Seite eine Reihe flacherer Gebäude auch rußgeschwärzt ohne Dächer, wahrscheinlich Lager und Arbeitsräume. Ich schaute durch die erste Tür. Es sah aus wie ein verlassener Stall, mit halbhohen Mauern abgeteilte Boxen und etwas Heu in einer Ecke, davor ein Steintrog. Ich schaute durch die nächste Tür, nachdem sich meine Augen an das Halbdunkel gewöhnt hatten, konnte ich die Einrichtung genauer erkennen. Im Hintergrund ein großer Herd auf dem noch ein verbeulter Kessel stand, daneben ein uralter Steintisch mit Rinnen an den Seiten, über und über mit dunklen Flecken versehen. In der Ecke ein schmaler enger Käfig aus Gitterstäben. Der Käfig war über mehrere Ketten mit einem Flaschenzug verbunden, so dass man ihn über den Tisch hieven konnte. Daneben ein großes Steinbecken. Über dem Steinbecken an der Wand, hingen zwei rostige Messer. Alles war mit einer dicken Staubschicht bedeckt. In einer Ecke hatte jemand reichlich Feuerholz aufgeschlichtet.
„Ich sehe unser großer Detektiv hat intuitiv den Weg zum Tatort gefunden" ertönte eine raue Stimme. Ich drehte mich um und begrüßte Bruno. Bruno war etwas kleiner als ich, schlank mit blauer Levis und einem weißen T Shirt bekleidet, rundes Gesicht mit Vollbart und die unvermeidliche Pfeife im Mundwinkel.
Wir klopften uns gegenseitig auf die Schulter und grinsten wie zwei Schuljungen.
„Tatort sagst du. Erzähl mal genau was passiert war, was soll das mit Ritualmord, das ist doch nur eine Zeitungsente, oder?"
Brunos Gesicht wurde ernst, er nahm mich am Arm und zog mich wieder in die Küche oder was das mal gewesen war.
Dann fragte er mich mit seiner rauen Stimme, die seltsam belegt klang „Wofür hältst du diesen Raum?"
Ich schaute mich noch einmal sorgfältig und gründlich um, denn ich bildete mir etwas auf meine Beobachtungs- und Kombinationsgabe ein.
„Wenn das nebenan ein Stall war, halte ich das hier für eine Küche, nein halt, das sind doch Blutflecken, deutete ich auf die Steinplatte, und die Rinnen, na klar, hier haben die Hirten wohl ihre Schafe geschlachtet, oder?" Schaute ich ihn fragend an. „Was soll das, Bruno? Ist doch nicht verboten, oder. Na ja vielleicht schwarzgeschlachtet, nicht ganz sauber, aber doch nicht dein Fach."
Bruno schaute mich mit merkwürdigem Gesichtsausdruck an. Dann sagte er langsam, jedes Wort wählend, genau betonend
„Du hast Recht. Hier wurde geschlachtet. Hier haben die Hirten jedes Jahr ihre Schafe geschlachtet, etwas außer der Legalität, aber nicht mein Ressort, stimmt. Was aber ganz gewiss in mein Ressort fällt, ist die Tatsache, dass mit ganz großer Wahrscheinlichkeit dieser junge Bursche da, du erinnerst dich, nun kurz gesagt, vor genau zehn Jahren wurde dieser Bursche hier in diesem Raum ebenfalls geschlachtet, geschlachtet und teilweise zerlegt, bevor das Feuer ausbrach und die vier Frauen ebenfalls umbrachte. Nicht nur einfach verstümmelt, wie die Zeitungen schrieben."
„Da schau dir die Fotos an, du hast einen stabilen Magen, das weiß ich." Damit gab er mir ein paar Schwarzweiß Aufnahmen im Großformat.
Beinahe hätte ich mich übergeben. Ich schluckte mehrfach, schloss für einen Moment meine Augen und atmete dann tief durch. Jetzt schaute ich wieder auf die Bilder. Noch nie hatte ich etwas so grausiges gesehen. Auf dem einen Bild konnte ich die Hälfte eines ziemlich verkohlten, aber eindeutig menschlichen Körpers sehen, ohne Beine, ohne Arme und ohne Kopf. Die anderen Bilder waren nicht so deutlich, mehrere verbrannte Klumpen. Ich hätte es nicht näher erkennen können, aber an einem dieser Dinge konnte ich deutlich eine verkrampfte Hand sehen.
„Das da ist ein Oberschenkel, daneben meint der Doc, das muss der Rest einer Hinterbacke sein. Hier ein paar Rippen mit verbrannten Fleischfetzen. Appetitlich, nicht wahr?" Krächzte Bruno. „Mir wird auch immer wieder schlecht, wenn ich diese Bilder sehe." Setzte er dann fort.
„Wisst ihr wer er war, keine Vermisstenanzeige?"
„Doch, wir vermuten ziemlich sicher, dass es sich um einen jungen Studenten handelt. Fingerabdrücke waren nicht mehr möglich, und den Kopf haben wir bis heute nicht gefunden. Wir wissen aber ziemlich sicher, warum er sterben musste. Kannst du noch etwas vertragen?"
Ich nickte müde, war auf manches gefasst. Brunos nächster Satz schockte mich aber doch noch einmal gewaltig.
„Wir haben natürlich auch die anderen Leichen obduziert. Du weißt ja, dass das bei gewaltsamen Todesursachen Vorschrift ist. Bei mindestens zwei der Frauen fanden wir Fleischreste im Magen, noch sehr gut erhalten, gebraten, die eindeutig vom Opfer stammten." murmelte Bruno.
Ich zuckte zusammen, nachdem ich begriffen hatte, was das bedeutete „Du meinst...?" brachte ich stockend hervor.
„Exakt, sie haben ihr Opfer geschlachtet, fachgerecht zerlegt, dann gegrillt oder gebraten und waren dabei ihn zu verspeisen."
Ich brauchte Minuten, um mich wieder zu fassen. Plötzlich tauchte eine Frage auf, die mir seit meinem Anruf bei Bruno im Kopf herumging. Was sollte ich dabei. War doch alles geklärt, oder?
Bruno hatte offensichtlich gespürt, was mich bewegte. Denn er stellte mir genau die gleiche Frage.
„Du fragst dich, was ich jetzt noch von dir will. Sicher, diese Tat geschah vor genau zehn Jahren und etwas über einer Woche. Nicht nur, dass wir fünf weitere ungeklärte Fälle in unserer Vermisstenkartei haben, junge Burschen, wie er. Seit vorgestern gibt es eine weitere Anzeige. Ein junger Student ist seit zehn Tagen verschwunden. Seine Wirtin hat sich gemeldet. Ein gemeinsames Merkmal der Verschwundenen ist außerdem, das sie alle eher etwas übergewichtig waren. Nun wir haben daraufhin hier noch einmal alles auf den Kopf gestellt. Im Käfig fanden wir Hautfetzen, auf dem Tisch frische Blutspuren, höchstens ein paar Tage alt, und am Kessel Fettspuren, eindeutig menschlich. Du siehst, da hat jemand die Tradition wieder aufgenommen. Irgendwo hier gibt es ein paar irre Kannibalen. Du könntest mir bei den Nachforschungen helfen. Es wird aber verdammt gefährlich."
Er holte zwei Dosen Bier aus seinem Kofferraum und warf mir eine zu. Wir kippten uns das kühle Nass hinter die Binde. Ich wischte mir den Schaum aus den Mundwinkeln und klopfte Bruno auf die Schulter.
„Was springt für mich heraus, weißt du, ich bin nämlich Freischaffender. Ich muss mir meine Brötchen mit harter Arbeit verdienen. Ich bin kein Beamter mit Pensionsberechtigung." frotzelte ich ihn.
„Es ist eine Belohnung ausgesetzt, fünfzigtausend Mark."
„Das ist ein Argument. Hast du noch nähere Informationen?" hakte ich nach.
„Ich gebe dir Kopien von den Unterlagen über die toten Frauen. Außerdem existiert da noch eine ältere Frau, die damals zum Freundeskreis gehört hat. Wir konnten ihr aber keine Verbindung nachweisen, außerdem erscheint sie mir ein bisschen verwirrt. Aber das wirst du ja selbst sehen. Da hast du die Adresse." drückte er mir einen Zettel in die Hand.
„Grüß mein Schwesterchen, sie ist heute wieder aus Paris zurück. Schade irgendwie, dass ihr nicht mehr zusammen seid." verabschiedete er sich und marschierte zu seinem Auto. Nach wenigen Augenblicken hörte ich den Motor aufröhren und Bruno verschwand.
Ich ging wieder in die Küche, die ja eigentlich eher ein Schlachthaus war und lehnte mich gegen den Steintisch. Wo sollte ich anfangen, was waren das für Menschen, die so eine entsetzliche Tat ausbrüteten und durchführten? Was mochte das für ein Gefühl für das Opfer gewesen sein, eingesperrt im Käfig, das grausige Schicksal vor Augen?
„Manchmal schlachten die Hirten hier ein paar Schafe", ertönte plötzlich eine weiche Frauenstimme. Ich drehte mich langsam um und blieb mit offenem Mund stehen. Vor mir stand eine zierliche junge Frau. In ihrem lila Seidenkleid, mit ihrer wilden dunkelroten Mähne sah sie sehr attraktiv aus. Sie hatte braune große Augen, eine leicht gebogene Nase und einen vollen sinnlichen Mund. Sie lehnte sich zurück, und die Rundung ihrer Hüfte zeichnete sich deutlich unter ihrem eng anliegenden fliederfarbenen Kleid ab.
Ich musste wie ein Geist geschaut haben, den sie lächelte und meinte
„Ich bin kein Geist. Ich heiße Amanda. Ich komme jedes Jahr hierher und lege ein paar Blumen her. Meine Tante, die Schwester meiner Mutter ist hier vor zehn Jahren ums Leben gekommen."
„Und sie, was machen sie hier" fragte sie dann mit ihrer einschmeichelnden Stimme, während sie mich interessiert musterte.
Ich erzählte ihr, dass ich Privatdetektiv sei und der Fall mich interessiere.
„Hätten sie nicht Lust, mit mir essen zu gehen", ging ich ganz forsch vor.
„Vielleicht können sie mir etwas über ihre Tante und deren Freundinnen erzählen" tastete ich mich voran.
„Aber gern, wenn ich ihnen helfen kann. Das war ja ein tragischer Unglücksfall. Ich weiß eigentlich nicht, was ich ihnen sagen soll. Aber sie interessieren mich, sie sind ein faszinierender Mann", lächelte sie mich schmachtend an, während sie mich unverschämt direkt musterte.
Mir war etwas unheimlich unter ihren Blicken, aber ich setzte mein strahlendstes Lächeln auf, wir verabredeten uns für Freitagabend, und dann verabschiedete ich mich von ihr. Während des ganzen Wegs über den Hof spürte ich ihren Blick in meinem Rücken.
Hatte ich ein Ende des Fadens gefunden, würde das Gespräch mich weiter bringen? Jedenfalls war sie eine außergewöhnlich attraktive junge Frau.
Ich kam im Büro an und fand auf meinem Schreibtisch eine Notiz von Eva und eine Mappe mit Kopien von Zeitungsausschnitten. Fünf kurze Artikel über verschwundene junge Männer. Ich überflog die Notizen. Mir fiel gleich auf, dass diese Vermisstenfälle gleichmäßig über die Jahre verteilt waren. Genau gesagt, jedes Jahr beinahe exakt zur gleichen Zeit, war ein junger Bursche spurlos verschwunden. Dazu der Vermisste von vorletzter Woche. Jedenfalls beschloss ich, Eva zu der älteren Dame zu einem Gespräch zu schicken, jedenfalls vorerst, und mich auf meine Zufallsbekanntschaft zu konzentrieren. Ich legte Eva die Adresse auf ihren Tisch mit ein paar Bemerkungen dazu, etlichen Ermahnungen und Vorsichtsmaßregeln und fuhr nach Hause. Unterwegs machte ich noch einen Abstecher ins Graffiti, meiner Stammkneipe, und es wurde spät, um genau zu sein, ich war gegen eins in meinem Bett, allein.
Am nächsten früh hatte ich einen leichten Brummschädel, frühstückte zwei ASS+C, spülte mit einer Kanne starkem Kaffee nach, duschte dann ausgiebig, zwängte mich in meine weiße Jeans, streifte ein dunkles T Shirt über und fuhr ins Büro. Eva schaute nur kurz hoch, erkannte was mit mir los war, sagte kein Wort und servierte nach ein paar Minuten einen Becher Kaffee und einen Schwenker Cognac. Ich döste etwa eine Stunde so vor mich hin, dann fühlte ich mich wieder leidlich wohl. Ich stemmte mich hoch, schlenderte nach nebenan, strich Eva übers Haar und fragte „Was gibt’s Neues, hast du die Alte erreicht und was ausgemacht?"
Eva schaute hoch, grinste bis über beide Ohren und flachste los „Na Mäxchen, du kommst wohl in die Jahre, früher war mehr mit dir los." Dann wurde sie wieder ernst, kramte in ihren Notizen und meinte „Ich habe mich für heute Nachmittag zum Kaffee mit ihr verabredet. Ich habe ihr gesagt, dass ich ein Semester bei der toten Dozentin studiert hatte und jetzt plötzlich die Nachricht in der Zeitung gelesen habe."
„Sei bloß vorsichtig, Evamaus" redete ich ihr ernsthaft ins Gewissen.
„Ich glaube zwar nicht, dass es gefährlich für dich werden könnte, aber pass trotzdem auf. Es hat einen neuen Fall gegeben. Sie könnte darin verwickelt sein."
„Pass du lieber auf, dass du mit deiner neuen Bekannten nicht allein bist. Vielleicht taxiert sie dich und überlegt, wie sie dich am besten vernaschen könnte. Du ähnelst nämlich den Beschreibungen der Vermissten, ein paar Pfund zuviel hast du auch." dabei stach sie mir ihren Zeigefinger in die Hüfte.
„Sei vorsichtig, ich möchte meinen Arbeitgeber nicht verlieren."
„Ich pass schon auf, jedenfalls hast du Recht. Sie ist eine der Verdächtigen, das ist klar. Morgenabend treffe ich mich mit ihr. Ich ruf dich Samstag früh an, so gegen Zehn. Wenn du bis dahin nichts von mir hörst, ruf Bruno an."
Ich gab Eva noch die Adresse bei der ich Amanda treffen wollte und ging wieder zurück ins Büro. Mein Schreibtisch war voller Akten und Notizen, die ich langsam durcharbeitete. Zwischendurch ein paar Telefonate, einige Anrufe von Klienten, nichts besonderes also. Erst gegen Nachmittag, nahm ich mir die Hefter vor und studierte gründlich die Informationen über die Vermissten. Evas Bemerkung hatte mich getroffen, nicht nur in meiner Eitelkeit, sondern sie hatte den Kern erwischt. Die Beschreibungen konnten auch auf mich zutreffen, wenn ich mir gegenüber ehrlich war. Ich schüttelte die Gedanken ab, trank einen Schwenker Cognac und überlegte, wie ich vorgehen sollte.
Den nächsten Tag verbrachte ich bis zum späten Nachmittag in der Uni, um dort ehemalige Kollegen von Amelie zu interviewen. Niemand schien etwas zu wissen, alle redeten nur von einem tragischen Unglücksfall, einen Verlust für die Uni. Die restliche Zeit verbrachte ich damit, in der Bibliothek herumzustöbern. Ohne große Ahnung, was ich suchen wollte, geradezu ohne festes Ziel. Plötzlich schaute ich auf die Uhr und fluchte, ich hatte gerade noch Zeit nach Haus zu fahren, mich frisch zu machen und umzuziehen. Ich wollte doch noch wissen, ob Eva etwas herausbekommen hatte. Doch ich hatte kein Glück, sie ging nicht ans Telefon. Ich zog mir eine blaue Jeans, eine Armanijeans, zu der mich Eva überredet hatte, Hemd, Krawatte und helles Sakko an und fuhr los. Der Verkehr war wieder einmal grausam. Fünf Minuten vor unserem Termin erreichte ich das Restaurant, fand glücklicherweise gleich einen Parkplatz und stieg aus. Amanda wartete schon in der Tür und zog mich gleich wieder herunter. Sie sah in ihrer weißen Jeans, der lachsfarbenen Bluse und dem goldenen breiten Gürtel einfach zauberhaft aus, ich musste aufpassen, mich nicht in sie zu verknallen.
„Tut mir leid. Ich habe ganz vergessen, das ich mich mit einer Freundin verabredet hatte, übrigens einer ehemaligen Schülerin meiner Tante. Vielleicht kann die ihnen ein paar Fragen beantworten. Kommen sie mit mir, ich habe meinen Wagen da vorn. Ich bringe sie auch nachher wieder hierher."
Sie hatte mich so überrumpelt, dass ich wortlos mitlief. Ich begriff auch nicht gleich, dass ich nunmehr ganz ohne Rückendeckung operierte. So hatte sie mich schon gefangen.
„Wollen wir nicht du zueinander sagen?" flüsterte sie in mein Ohr. „Ich bin Amanda, und wie heißt du?"
„Maximilian, für Freunde Max" antwortete ich automatisch und saß schon angeschnallt in ihrem Wagen, einem rostroten Sportcoupè. Mit quietschenden Reifen schoss der Wagen aus der Parklücke und hätte um ein Haar einen Penner über den Haufen gefahren.
Sie fuhr sehr zügig, quer durch die ganze Stadt, endlich in unserem lokalen Villenviertel fuhr sie in eine Sackgasse und bog in die letzte Einfahrt ein. Wir fuhren noch ein paar hundert Meter, durch eine tunnelförmig zusammengewachsene Allee und blieben vor einer alten, etwas heruntergekommen wirkenden Villa stehen.
„So, da sind wir. Ich habe einen Schlüssel. Gehen wir hinein."
Sie lief die fünf oder sechs Stufen hinauf, schloss die Tür auf, öffnete die schwere alte Tür und ging hinein.
„Komm", sagte sie. „Wir müssen nach unten." Sie nahm meinen Arm und zog mich durch die Eingangshalle. Es sah alles ziemlich unbewohnt aus, und ich begann etwas misstrauisch zu werden. Wir gingen eine ziemlich steile Treppe hinunter, durch einen staubigen mit Spinnenweben versehenen Gang entlang und standen vor einer massiven eisernen Tür. Amanda öffnete die Tür und ging hinein. Das Licht war gedämpft. Der Raum war wie ein Wohnzimmer aus Großmutters Zeiten möbliert, also ziemlich viel Plüsch, Nippes, Zierdeckchen und ähnliches. Auf dem Sofa saß eine Frau in Amandas Alter, im Gegensatz zu ihr ziemlich unscheinbar, etwas dicklich, etwas unvorteilhaft gekleidet, enge graue Leggins und ein sackförmiger giftgrüner Pullover, der ihr Gesicht ziemlich bleich erschienen ließ, und das zudem etwas teigig wirkte. Sie hockte da, wie eine Spinne im Netz, die ihre Beute mustert. Sie starrte mich wortlos an, musterte mich aber mit einem lauernden Ausdruck. Ihre Augen hatten ein seltsames Glühen. Endlich verzog sich ihr Mundwinkel zu etwas, dass wie ein Grinsen wirkte, welches aber nicht ihre Augen erreichte.
Dann wandte sie sich an Amanda und fragte sie emotionslos
„Was hast du mit ihm vor, warum bringst du ihn ausgerechnet hierher? Bist du verrückt, ausgerechnet heute? Hast du vergessen, dass Ludmilla und Karla gleich kommen?"
Ich starrte verblüfft auf die Beiden.
Amanda schaute zu mir, ging gar nicht auf Veras Attacken ein und entgegnete
„Das ist Max, das ist Vera. Er ist Privatdetektiv. Er will nämlich näheres über Amelie wissen, verstehst du? Ich habe Max gesagt, du könntest ihm vielleicht weiterhelfen. Beruhige dich, Ludmilla und Karla werden ihn mögen."
„Leg doch ab, was möchtest du trinken, Bourbon, Scotch, einen feinen alten Brandy, oder einen Likör?" wandte sie sich an mich.
Die ganze Zeit beobachtete und musterte mich Vera, unauffällig, wie sie meinte. Aber ich hatte diese abschätzenden taxierenden Blicke mitbekommen. Ich versuchte mit ihr ins Gespräch zu kommen „Was tun sie beruflich, Vera?" begann ich.
Sie fixierte mich jetzt durchdringend, und bevor sie antworten konnte warf Amanda ein „Vera arbeitet an der Uni. Sie ist Assistentin von Professor Bouzek."
„Sag ruhig, dass ich in der Pathologie arbeite, als Sektionsassistentin." kicherte sie plötzlich.
„So richtig Leichen untersuchen, wie bei Quincy?" murmelte ich etwas blass um die Nase. Meine Hände waren feucht, und der Schweiß stand mir auf der Stirn.
„Wir sollten ein anderes Thema wählen" warf Amanda etwas nervös, wie mir schien, ein. „Wo Ludmilla und Karla nur bleiben?"
Amanda drückte mir ein Glas mit einem seltsam bläulichen Inhalt in meine Hand. Ich schaute fragend.
„Das ist ein außergewöhnlicher Likör, nicht wahr, ein Rezept meiner Tante." lächelte Amanda.
Sie hielt ebenfalls ein Glas mit diesem Likör in der Hand und prostete mir zu. Der Likör schmeckte eigenartig, zuerst nur süß, dann aber mit einem Male brennend scharf.
Ich schaute wieder hoch und bemerkte diesen eigenartigen lauernden Gesichtsausdruck bei den beiden Frauen. Amanda hatte ihr Glas nicht geleert, plötzlich klingelten die Alarmglocken. Lauernd wie mir schien, lauernd und irgendwie befriedigt, wie Raubkatzen, die ihre Beute gestellt hatten, sahen sie aus. Mit einem Mal schienen meine Gedanken in Watte gepackt, schwerfällig versuchte ich mich zu konzentrieren, konnte aber keinen zusammenhängenden Satz mehr herausbringen. Das letzte, was ich mitbekam, bevor ich zusammenbrach waren Veras Worte „Du hast recht Amanda, ein strammer Bursche. Er gefällt mir, regt irgendwie den Appetit an."
Oh, was mir mein Schädel brummte. Ich wurde wach, weil mich ein Lichtstrahl unter der Nase kitzelte. Irgendwo sang eine Amsel.
Langsam fiel mir wieder ein, dass ich in der alten Villa war, und irgendwann während des Gespräches mit den beiden Frauen den Faden verloren hatte. Mir war kalt. Ich schaute an mir herab, und mit einem Mal merkte ich, dass ich nackt war, splitterfasernackt. An der rechten Pobacke spürte ich einen kleinen Kratzer, wie von einer Injektion. Die Stelle schmerzte auch noch etwas. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich bewusstlos gewesen war, anscheinend mindestens die ganze Nacht, denn draußen war es hell. Ich schaute hoch und sah oben in der Wand ein schmales vergittertes Fenster, darunter eine Rutsche, wie man sie früher für Kohlenlieferungen benutzt hatte. Die Rutsche war recht steil, aber vielleicht konnte ich versuchen dort hinaufzuklettern. Die Wände waren gemauert und boten eine Reihe kleiner Vorsprünge. Ich befand mich in einem kleinen, leeren Kellerraum.
Teil II
Plötzlich öffnete sich die Tür. Amelie kam herein mit einer Pistole in ihrer Hand. Sie musterte mich interessiert, ihre Augen glitzerten, sprühten förmlich Funken, mein Körper schien ihr zu gefallen. Sie kam näher, blieb aber auf Distanz.
"Leg dich dort hin, auf deinen Bauch!"
Ich kniete mich hin und legte mich auf meinen Bauch. Sie sagte keinen Ton und atmete nur etwas heftiger.
"Halt ja still, sonst brenn ich dir eine Ladung Blei zwischen die Beine, da wo es besonders schmerzhaft ist. Dann wird keine Frau mehr eine Freude an dir haben."
Dann spürte ich, wie sie den Lauf ihrer Pistole unterhalb meines linken Schulterblatts drückte, während sie mit der anderen Hand über meine Hinterbacke strich, dann plötzlich ein schmerzhafter Pikser. Sie hatte mir eine neue Injektion gegeben.
„Du hast ziemlich stramme Arschbacken", kicherte sie wieder und kniff mich recht heftig ins Fleisch.
„Das törnt mich ganz schön an. Schade, du könntest mir gefährlich werden. Warum sind wir uns nicht bei einer anderen Gelegenheit begegnet?"
„Was habt ihr mit mir vor? Ich könnte das alles vergessen" presste ich mit rauer, krächzender Stimme heraus,
„Lass mich frei, und ich verschwinde einfach, Ehrenwort. Kein Wort zu irgendwem" brachte ich mühsam raus.
"Hältst du mich für so unterbelichtet? Ich hab dich mit dem Bullen gesehen. Du hast zuviel herumgeschnüffelt, das ist ungesund. Ich habe keine Lust in den Knast zu wandern. Sorry, Süßer. Ich werde auf das Vergnügen mit dir verzichten müssen. Ehrlich, du gefällst mir, sehr sogar. Deine Muskeln sind knackig, schöne breite Schultern, vielleicht nur etwas zuviel Speck auf den Hüften für meinen Geschmack. Und was wir mit dir vorhaben? Aber liebes Mäxchen, das ahnst du doch sicherlich schon."
„Meine Assistentin hat sicher inzwischen schon die Polizei benachrichtigt. Sie werden dich finden, sie können jeden Moment auftauchen"
klammerte ich mich an einen letzten Strohhalm, doch meine Stimme klang nicht besonders überzeugend.
„Sei nicht dumm Mäxchen, kein Mensch hat uns zusammen gesehen und in ein paar Stunden ist von dir keine Spur mehr übrig. Wie heißt es so schön, das Angenehme mit dem nützlichen verbinden. So schlaf schön, Mäxchen. Ich mag dich wirklich sehr, aber du weißt ja, Liebe geht durch den Magen"
kicherte sie noch, bevor ich wieder das Bewusstsein verlor.
„Hast sich Maximilian bei dir gemeldet" tönte Brunos raue Stimme aus dem Hörer.
„Nein, ich habe panische Angst, das ihm was passiert ist. Er war ganz hingerissen von der Rothaarigen. Das bei euch Männern immer gleich der Verstand aussetzt, wenn euch eine hübsche Larve beeindruckt."
Evas helle Stimme überschlug sich beinahe. Sie war den Tränen nahe.
„Bitte tu was, Bruno. Hoffentlich lebt Mäxchen noch. Ich mag gar nicht daran denken, was die mit ihm vorhaben könnten."
„Beruhige dich bitte Liebes. Wir haben die Fahndung nach seinem Auto eingeleitet. Jede Streife hält danach Ausschau. Warte einen Moment, da kommt gerade eine Nachricht rein. Ja, wenigstens etwas, Sein Wagen steht vorm Alcatraz, im absoluten Halteverbot. Ich fahre selbst rüber und nehme die Sache in die Hand. Wir finden Max, wo immer er auch ist. Leg dich schlafen, ich ruf an, wenn wir mehr wissen."
„Ich kann doch jetzt nicht schlafen, ich krieg kein Auge zu. Ich bleib am Telefon." schluchzend ließ Eva den Hörer auf die Gabel fallen.
„Harry, fahr doch schon mal den Wagen vor. Irgendetwas hab ich übersehen, wenn ich bloß drauf käme." murmelte Bruno noch, dann warf er sich seine Lederjacke über, schob sich eine Al Capone zwischen die Mundwinkel, und eilte die Treppen des Präsidiums hinunter.
Keine zehn Minuten später bog der Wagen mit quietschenden Reifen um die Kurve und stoppte abrupt vorm Alcatraz. Ein Penner schaute von seiner Lambruscoflasche neugierig hoch.
„Da habt ihr aber lange gebraucht. Der ist mit der Puppe schon über alle Berge." kicherte der Penner mit lallender Stimme.
Bruno horchte auf, beugte sich dann über den Penner und schüttelte ihn aufgeregt
„Was hast du gesehen, wer ist über alle Berge. Los red schon."
Kichernd antwortete der zerlumpte Mann
„Na der aus dem roten Käfer. Wissen sie Herr Inspektor, mein Gedächtnis..." wobei er gierig und genießerisch auf seine Weinflasche herabschaute.
„Du kriegst von mir eine Flasche, den besten Roten, den es gibt. Aber jetzt red endlich" fuhr Bruno ihn an.
„Also, das war so. Der von dem roten Käfer, so ein großer, kräftiger. Na, der ist raus aus seinem Auto, wollte rein in die Pinte, und da stand sie. Ein Klasseweib, rote Mähne, supersexi, enge weiße Jeans, Mann, die hatte vielleicht einen geilen Arsch. Da träum ich heut Nacht von. Na, und als die ihn gesehen hat, nimmt sie ihn, den großen Kräftigen am Arm, und schwupps sitzen die beiden in einem Sportwagen, und da hätte sie mich beinah über den Haufen gefahren. Hab grade noch meine Buddel gerettet. Krieg ich jetzt meine Buddel? Herr Inspektor? Braucht auch nix edles zu sein, ihr Bullen verdient ja man auch nich so viel, hab ich nich Recht?"
„Wo sind sie hingefahren und hast du das Kennzeichen gesehen?" redete Bruno auf ihn ein.
„Warten sie, Herr Inspektor, das war so ein kleiner Sportflitzer, feuerrot und die Nummer. Nun, der war von hier, irgendwas mit X und hinten drei Sechsen" kicherte er
„ hab gleich gedacht, das passt zu der Puppe. Die sind die Allee runter geflitzt." Deutete er nach links.
„Da, kauf dir was dafür. Du hast mir glaub ich sehr geholfen." Sagte Bruno im davoneilen, nachdem er dem Penner einen Zwanziger in die Hand gedrückt hatte.
Er warf sich auf den Beifahrersitz des mit laufendem Motor wartenden Einsatzwagens.
„Fahr los Harry. Ich ruf mal in der Zentrale an. Der müsste zu finden sein der Wagen."
Keine zehn Minuten später kamen die Ergebnisse durch.
„Ich wird verrückt, Harry. Der Name der Halterin steht in den Akten. Eine der toten Frauen, vor zehn Jahren hieß so, nur ein anderer Vorname. Fahr zur Lindenallee, Lindenallee 24, muss im Villenviertel am Stadtpark sein. Hoffentlich kommen wir rechtzeitig an. Und Harry, wenn wir in die Lindenstraße einbiegen, mach die Musik und das Blaulicht aus. Wir wollen doch unser Schätzchen nicht erschrecken."
„Hallo Zentrale, schickt bitte noch einen Wagen in die Lindenstraße 24, aber ohne Musik und Festbeleuchtung. Vielleicht brauchen wir Verstärkung. Ach ja, ruf doch bitte meine Verlobte an und sagt ihr Bescheid. Sie soll aber um Gotteswillen zu Hause bleiben. Over"
Langsam mit ausgeschalteten Scheinwerfern stoppte der Einsatzwagen vor dem Tor der alten Villa. Alles war dunkel, das schmiedeeiserne Tor war geschlossen, kein Laut drang aus der Villa.
Bruno wuchtete sich aus seinem Sitz, da kam auch schon der zweite Streifenwagen.
Das Tor war nur angelehnt, es quietschte leise beim öffnen. Vorsichtig gingen die drei Männer und die Beamtin über den knirschenden Kies bis zur Treppe.
„Katja und Robert, ihr geht zur Rückseite und schaut, ob ihr irgendwo durch ein Fenster oder eine Tür hinein könnt. Harry und ich versuchen es von vorn."
Bruno und Harry stiefelten die fünf Stufen zur Eingangstür empor. Seltsam auch hier war die Tür nicht verschlossen. Bruno drückte die Klinke herunter, mit leisem Knarren öffnete sich die Tür. Es war stockfinster. Bruno tastete nach seiner Pistole, während Harry den Lichtschalter fand. Eine trübe Funzel flackerte auf. Direkt vor ihnen war das Treppenhaus. Eine Treppe ging zum Keller herunter.
„Ich glaub der Vogel ist ausgeflogen. Halt die Stellung hier oben und warte auf die beiden Anderen. Ich schau mal nach unten."
Während Harry mit gezückter Pistole in der Diele stand, kletterte Bruno mit der Taschenlampe in der Hand die Stufen herunter.
Er rüttelte an mehreren verschlossenen Türen. Knarrend öffnete sich eine, vorsichtig lugte er um die Ecke, leer, in der Ecke eine alte Truhe. Mit flauem Gefühl im Magen öffnete er den Deckel. Gott sei Dank, keine Leiche, nur ein paar Kleidungsstücke, eine weiße Jeans, ein dunkelblaues T Shirt und ein schwarzer Männerslip mit Playboyhäschen.
Eva, du bist etwas einfallslos mit deinen Geschenken, musste er trotz der Anspannung kichern. Er trug ein ebensolches Stück.
Er nahm sein Handy und rief die Spurensicherung herbei, Max musste im Haus gewesen sein, war vielleicht noch da. Doch er hatte das unbestimmte Gefühl, das dem nicht so war. Sie war mit ihrem Opfer entwischt. Sie hatte Max überrumpelt.
Wo konnten sie ab geblieben sein?
In der Grundmühle? Wohl kaum, trotzdem würde er einen Wagen dorthin schicken. Resigniert und besorgt schlurfte er wieder nach oben. Harry und Katja standen an der Treppe nach oben.
„Schaut euch oben um, aber der Vogel ist ausgeflogen und sie hat Max dabei. Robert, du gehst noch mal nach unten, und durchstöberst die anderen Räume. Irgendwo werden die Schlüssel sein."
Plötzlich hörten sie ein Knirschen auf dem Kiesweg. Mit gezückter Pistole riss er die Eingangstür auf. Es war Eva.
„Was willst du denn hier? Max war hier. Sie muss ihn überwältigt haben, seine Kleidungsstücke sind unten im Keller, alle."
„Ich glaub ich weiß, wo sie ihn hingeschleppt haben könnte. Ins anatomische Institut der Uni. Die haben Semesterferien, da ist kein Schwein. Ich hab ein wenig rumtelefoniert. Amanda hängt immer mit einer gewissen Vera zusammen. Die arbeitet in der Pathologie, da kann man leicht jemanden verschwinden lassen" brach Eva schluchzend in Tränen aus.
„Du könntest Recht haben. Ich schick ein paar Leute dorthin. Muss nur kurz telefonieren. Fahr wieder nach Hause, ich ruf dich gleich an, wenn wir ihn gefunden und befreit haben. "
Eilig rannten sie durch den Garten zum Auto.
„Ich will mit. Keine zehn Pferde können mich daran hindern. Du schon gar nicht. Ich bring das Weib um, wenn sie Mäxchen auch nur ein Haar gekrümmt haben. Ich rück dir nicht von der Pelle, Bruno."
„Gut, aber du hältst dich zurück und bleibst im Wagen wenn wir drüben sind. Steig ein" entgegnete Bruno während er ihr die Wagentür aufhielt.
Gott sei Dank war das pathologische Institut der Uni in einem Altbau am Stadtpark untergebracht, keine zehn Minuten von hier. Da würde sich eine Tür, oder ein Fenster finden, durch das man eindringen konnte. Bei modernen Schließanlagen hätte es Schwierigkeiten gegeben.
Mann, was dröhnte mir mein Schädel. Ich wollte mir die Augen reiben, doch ich konnte keinen Finger rühren. Was war los? Ich öffnete meine Augen und war minutenlang von einem grellen Licht geblendet. Eine riesige Lampe, hing wie eine Sonne über meinem Kopf. Ich konnte meine Arme und meine Beine keinen Zentimeter bewegen. Endlich hatten sich meine Augen ans Licht gewöhnt. Ich blickte an mir herunter. Ich war nackt, Arme und Fußgelenke waren mit Metallklammern fixiert, und ich lag auf einem Metalltisch. Deshalb war mir so kalt. Langsam fing mein Hirn wieder an zu arbeiten.
Zwei paar grinsende Gesichter kamen in mein Blickfeld. Ich erinnerte mich, Amanda und ...Vera, glaub ich.
Beide trugen Gummischürzen und hatten einen diabolischen Zug um die Augen.
Ein mühsames, krächzendes „Hi" entrann meiner trockenen Kehle.
„Unser Süßer ist wieder wach, wie schön. Hat die Ration also nicht ganz gereicht. Na macht nichts. Gleich ist die Sache sowieso gegessen“,
flötete eine liebliche Stimme.
„Ich mag nicht, wenn mir jemand bei der Arbeit zuschaut. Jag ihm noch eine Dosis rein" knurrte Vera böse.
„Wie soll ich denn an seinen Hintern kommen, er liegt doch auf dem Rücken?"
„Bist du blöd, oder was. Das ist doch schnurzpiepegal wo du ihm die Spritze reinjagst. Nimm den Schenkel, tut etwas mehr weh, aber ein Indianer kennt doch keinen Schmerz, gell Mäxchen"
fistelte Vera kichernd.
Amanda glitt aus meinem Blickfeld um eine Spritze zu holen. Wie konnte ich mich vor den Teufelinnen noch retten. Kein Mensch wusste wo ich war. Ich steckte metertief in der Scheiße, um es einmal salopp zu sagen.
„Lass mich laufen, gut ihr kriegt ein paar Jahre, aber wenn ihr mich umbringt und die meine Leiche finden, wandert ihr lebenslänglich hinter Gitter. Seid vernünftig" flehte ich mit erstickter Stimme.
„Wer sagt denn, dass dich jemand finden kann. Wenn ich fertig bin, erkennt dich kein Mensch wieder. Hast du immer noch nichts gecheckt? Außerdem gibt’s eh lebenslänglich wenn man uns erwischt. Du bist nicht der erste Appetithappen"
knurrte Vera mich an.
„Vera hat Metzgerin gelernt, Süßer. Wir werden schöne kleine zarte Steaks aus dir machen, nur die allerbesten Stücke, selbstverständlich. Natürlich nicht zu vergessen deine saftigen Schinken und noch etwas Bauchspeck, der Rest ist leider Katzenfutter, oder wo die Pathologieabfälle sonst hinkommen. Die werden jeden Tag verbrannt, da bleibt nichts über. Leider pressierts ein wenig, also halt schön still"
lächelte Amanda mich an, während sie die Spritze in meinen Oberschenkel rammte.
Ein heftiger Schmerz durchzuckte mich und ich fiel in Ohnmacht.
Vorsichtig waren die Polizisten, Bruno voran in das Gebäude eingedrungen. Langsam, nahezu lautlos eilten sie die Treppe hinunter. Da, durch die Doppeltür mit der Milchglasscheibe drang Licht.
Ohne einen Laut, mit angehaltenem Atem öffnete Bruno die Tür.
Die beiden Gestalten, die sich über den OP Tisch beugten, hatten nichts bemerkt. Auf dem Tisch lag ein nackter Körper. Die eine Gestalt griff zur Seite und langte nach einer kleinen elektrischen Säge.
Die andere summte ein Lied vor sich hin. Die Polizisten glitten lautlos nach rechts und nach links, mit vorgehaltener Waffe.
„Das Spiel ist aus" dröhnte plötzlich Brunos Stimme durch den Raum
„Alles fallen lassen, umdrehen und weg vom Tisch, aber ein bisschen plötzlich"
Plötzlich ging das Licht aus, es war stockfinster.
Ein unangenehmes Kichern noch, dann Stille, leicht schlurfende Geräusche, mehr nicht......
„Verdammt, macht Licht. Sie dürfen nicht entkommen!"
schrie Bruno.
Teil III
Ein Schuss knallte, ein erstickter Schrei. Endlich flammte das Licht wieder auf. Eine Frau saß stöhnend und leise fluchend vor einem raumhohen Metallschrank. Ihre Hand hielt ihre blutende Schulter.
Ihr mondförmiges rundes Gesicht war kreidebleich. Ihre Augen geschlossen.
„Kümmert euch um sie und ruft die Rettung. Wir brauchen sie noch. Ich schau mal nach Max. Holt Verstärkung und kämmt das Gebäude und die Umgebung durch. Die darf uns einfach nicht entwischen"
rief Bruno durch den Raum.
Mein Hirn hämmerte vernehmlich gegen meine Schädelknochen. Ich begriff, dass ich noch lebte.
Mühsam hob ich ein Augenlied und erblickte eine weißgetünchte Decke. Über mir hing ein Gestell mit einer Tropferflasche, die sich über einen Schlauch und eine Kanüle in meinem Handrücken in meinen Körper entleerte. Ich fühlte mich schwach, elend wie nach einem Marathonlauf, d.h. wie ich mir einbildete, dass man sich da fühlen müsste.
„Hey, Bedienung. Ich brauch einen starken Kaffee mit einem ordentlichen Schuss Cognac"
krächzte ich zwischen meinen trockenen Lippen hervor.
„Mäxchen, liebes Mäxchen, du bist wieder wach"
jubelte Evas Stimme und schwupps bedeckte sie mein Gesicht mit einer Salve von herzhaften Küssen.
„Heh, heh, Verlobte, dafür ist Iris zuständig, die kommt heute Nachmittag aus Paris zurück. Ich hab schon mit ihr telefoniert."
brummte Bruno grinsend, die unvermeidliche trockene Al Capone zwischen seinen Lippen.
„Sag der Schwester, sie soll etwas Cognac in den Cocktail mischen, damit sich meine Lebensgeister wieder rühren."
murmelte ich, wobei ich müde grinsend auf den Tropfer schaute.
„Die wollen dich noch zwei drei Tage zur Beobachtung da behalten, um sicherzugehen, dass du keinen bleibenden Schaden davon behalten hast"
grinste jetzt Bruno übers ganze Gesicht.
„Erzähl mal, habt ihr sie geschnappt. Habt ihr diese Teufelinnen aus dem Verkehr gezogen?"
„Die eine sitzt. Der Seelenklempner meint, sie werden sie wohl für den Rest ihres Lebens wegschließen. Die kichert und brabbelt nur in einer Tour wirres Zeug. Die andere, deine Rothaarige ist uns leider durch die Lappen gegangen. Aber keine Angst, wir fangen sie ein, bevor sie wieder ihrem Hobby nachgeht. Beinahe wäre uns ja der große Meisterdetektiv verloren gegangen."
„Du hast unverschämtes Glück gehabt, wenn Eva nicht auf die Idee mit dem Institut gekommen wäre, und wir ein paar Minuten später dran gewesen wären, lägst du jetzt in Einzelteilen in der Kühltruhe der Asservatenkammer, als Beweisstücke eins bis fünfzig oder so. Auch wenn du mir manchmal gehörig auf die Nerven gehst, im Stück bist du mir lieber. Die Verrückte hatte schon eine kleine Säge in der Hand, hätte bloß noch auf den Knopf drücken müssen."
meinte Bruno jetzt ganz ernst mit belegter Stimme.
„Hoffentlich schnappt ihr die Hexe möglichst bald. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich nur dran denke, was die mit Mäxchen vorgehabt haben."
schluchzte Eva wieder mit tränenerstickter Stimme und bedeckte mich wieder mit einer Ladung Küssen. Also das ließ ich mir gefallen, das war die beste Rekonvaleszenz für mich.
„Habt ihr mir was zum anziehen mitgebracht? Ich muss hier raus. Ich bin topfit."
Ich hockte mich aufrecht hin. Oh, mein Kopf maulte noch etwas, das Zimmer drehte sich leicht, und mein Magen meldete sich. Er knurrte gewaltig, ich hatte einen Bärenhunger. Eva holte eine Reisetasche hervor und packte ein T Shirt, eine Jeans, einen Slip und ein paar Socken heraus.
„Kein heißes Häschenhöschen diesmal" kicherte Bruno.
Eva wurde etwas rot und verlegen
„Mir gefällt so was. Find ich sexy"
verteidigte sie sich.
„Soll ich dir den Tropfer hinterher tragen, oder erst mal die Schwester rufen. Ist übrigens eine schnuckelige Rothaarige, stehst du ja anscheinend drauf"
grinste mich Bruno an.
Eine Viertelstunde später hatte mich die süße Schwester von meinem Tropfer befreit. Ich genoss ihren Anblick, als sie sich über mich beugte. So eine Maus zum regenerieren, grinste ich in mich hinein.
Dann warf ich die Bettdecke zurück, streifte das Nachthemd über meinen Kopf und marschierte während Eva mich noch etwas unterstützte, nackt zur Dusche. Nachdem ich mich gründlich erfrischt hatte, schlüpfte ich in meine Kleider.
„Du wirst Hunger haben Mäxchen lächelte Eva mich an.
„Hast du noch Zeit Bruno, dann lade ich euch alle zum Italiener ein?"
Wir hakten beide grinsend Eva unter und verließen aufatmend die Klinik. Beschwingt stiegen wir in Brunos Daimler und brausten los. Ich fühlte mich wie neugeboren, und das musste gefeiert werden.
Eine Viertelstunde später waren wir in meinem Viertel, genau gesagt zwei Straßen von meiner Wohnung entfernt und rollten durch den Torbogen in den Hof des Villafranca, meines Stammitalieners.
Gianni begrüßte uns überschwänglich, als wir das Lokal betraten und führte uns an unsere Stammplätze, am Fenster mit Ausblick zur Kathedrale und zum Südpark. Es war noch etwas kühl, sonst hätten wir uns auf die Terrasse gehockt. Giulia, Giannis junge Frau, brachte uns die Speisekarten.
Ich hatte einen Bärenhunger, und Eva und Bruno schien es genauso zu ergehen.
„Was mögt ihr, der wiedergeborene Meisterdetektiv lädt euch ein? Das heißt, eigentlich ist das ja eine Dienstbesprechung mit Zeugenaussagen usw., oder?" frozzelte ich Bruno
„Das geht dann auf Staatskosten. Ach, nein, ihr seid eingeladen. Eva las dir aber nachher eine gescheite Quittung für die Steuer geben." stieß ich Eva an.
„Habt ihr für einen armen Lohnschreiber noch ein Plätzchen frei?" posaunte es plötzlich in mein Ohr.
„Hi, Commissario, wieder nen paar Falschparker hinter Gitter gebracht? Heh, heh"
„Hi Evamäuschen, gib deinem größten Verehrer einen Kuss. Ganz ruhig Bruno Commissario, das war nur ein Scherzchen."
„GIANNI, alter Mafioso. Geschwind einen doppelten Grappa und einen Viertel von deinem Edelgesöff!"
„Hock dich auf deinen Hintern und gib endlich Ruh! Lass die Finger von meiner Sekretärin und blök nicht so rum. Du bist nicht in deiner Stammkneipe, Hänschen. Was haben wir verbrochen, das du uns heimsuchst?" brachte ich resigniert heraus.
Grinsend lies sich Hans „Hänschen" Kirchler mit seinem ganzen Gewicht auf die Eckbank fallen. Eva brachte schnell ihre Hand in Sicherheit und Bruno runzelte die Stirn.
„Ich muss im Gegensatz zu euch meine spärlichen Groschen durch harte Arbeit verdienen"
röhrte er heraus und grinste so unwiderstehlich, dass wir lachen mussten.
Hänschen Kirchler war der unbestrittene Platzhirsch der örtlichen Journalistenzunft, Chefreporter der örtlichen Abendpost und mit seiner langen, in jungen Jahren durch einen Boxkampf etwas in Mitleidenschaft gezogenen Nase, meinem goldenen Rüssel, wie er scherzhaft zu sagen pflegte, immer haarscharf den Sensationen unserer kleinen Universitätsstadt auf den Fersen. In seiner gefürchteten Samstagskolumne schreckte er vor nichts zurück. Unsere örtlichen Honoratioren, egal welcher Couleur wussten ein Lied davon zu singen. Er hatte manchen Skandal aufgedeckt und beherrschte die Kunst sich so auszudrücken, das niemand im am Zeug flicken konnte.
Hänschen spielte in seiner Freizeit Saxophon in einer Kneipencombo und war ein begnadeter Undergroundliterat. Eva verschlang seine Stories immer brühwarm.
Er war etwa 1,90 groß, wog sicher so seine zweieinhalb Zentner, hatte graue kurzgeschorene Haare und trug immer eine karierte Fliege.
Wir hatten zusammen studiert und kannten uns schon vom Gymnasium.
„Hänschen, du bist doch sicher nicht zufällig hier, oder?" brummte Bruno trocken hervor.
„Richtig geraten, Commissario. Was war gestern abends genau los? Meine Nase sagt mir, da ist ein Knüller für unsere Leser drin." polterte Hänschens Organ los.
„Kein Wort in die Presse, absolute Nachrichtensperre. Versprich mir das." Entgegnete Bruno ernst und legte seine Al Capone in den Aschenbecher.
„Wir sind ein freies Land und meine Leser haben das Recht...“ hob Hänschen lautstark an.
„Steck dir deine Sprüche sonst wohin" fauchte Bruno „ich hab gesagt nichts in die Zeitung."
„Bis ich es freigebe." Lenkte er dann ein, als er Hänschens enttäuschtes in Dackelfalten gelegtes Gesicht sah.
„Was weißt du, alter Zeitungsschmierer? Lächelte Bruno dann, wobei er sich viel Zeit nahm um seine Al Capone wieder in Brand zu setzen.
„Na ja, man hört so manches. Meine Antennen haben da so das Wort Ritualmord aufgefangen. Ein paar durchgeknallte Weiber sollen da einen Studenten verwurstet haben. Du sollst auch auf ihrem Speiseplan gestanden haben" musterte Hänschen mich dann von der Seite.
„Sag mir doch bitte mal, wenn von meiner Dienststelle du schmierst" antwortete Bruno ärgerlich.
„Ich hab also Recht" triumphierte Hänschen und schlug mir seine Pranke auf die Schulter.
„Erzähl mal Max, was war das für ein Gefühl, so...? Halt, ich hab da schon eine Schlagzeile, das gibt mindestens die doppelte Auflage.
„Ach nein, kein Wort. Wirklich nichts, kein klitzekleiner Satz,....Bruno?? bettelte er treuherzig.
„Du kriegst die komplette Story, wenn der Fall abgeschlossen ist, exklusiv, nur du" und jetzt zieh Leine, ich hab gehört, der Karnickelzuchtverein hat 50jähriges, wäre doch was, vorerst?" kicherte Bruno dann.
Fortsetzung folgt





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