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Prosa => Phantasy & SciFi


Kampf dem Drachen, Teil 4 (überarbeitet) - von Nymphadora, 15.09.2008
Ich bin mit diesem Kapitel nicht so richtig glücklich. Aber ich halte es für notwendig, damit ich einige Dinge erklären kann. Ich fürchte, an der Wortwahl muß ich aber noch kräftig arbeiten. Bitte ganz ehrliche und schonungslose Kritik!!!

Personen:

Pia: Überlebene des ersten Drachenangriffs.

Landara: ebenfalls Überlebene des ersten Drachenangriffs.

Ruben: Überlebener eines Drachenangriffs, ehemaliger Schultheiß aus Lindingen.

Cilla: Überlebende aus Lindingen. Kann Landara nicht leiden.

Jantina: Überlebene aus Lindigen mit einfachem Gemüt.

Menia: Sehr alte Überlebene aus Lindingen. Ehemalige Hebamme.

Jorge: Überlebender Geschichtenerzähler aus Lindingen.

Sirke: Junger Überlebener aus Lindigen.


Zufrieden ließ sich Landara auf einem umgestürztem Baum nieder. Sie wußte nicht mehr, wie lange sie marschiert waren, doch es war ihr unendlich lange vorgekommen. Dann endlich hatte Ruben, der ehemalige Schultheiß, sie ausruhen lassen. Die Frauen hatten sofort begonnen etwas zum Essen zuzubereiten, während die Männer ein Lager aufschlugen. Wie selbstverständlich hatte Pia sich in die Gruppe eingefunden. Zähneknirschend hatte auch Landara beim Wurzeln putzen geholfen. Sie hätte sich lieber ausgeruht, nach diesem langen Marsch, doch es erschien ihr unklug, sich bei diesen Menschen jetzt schon unbeliebt zu machen.
Doch dann hatte Ruben eine Überraschung für sie alle gehabt. Er hatte eine heiße Quelle entdeckt. Mit verzückten Seufzern waren die Frauen ins heiße Wasser geglitten. Sie hatten hinterher wieder in ihre schmutzigen Kleider steigen müssen, doch keine von ihnen störte sich ernsthaft daran. Pia hatte die Idee gehabt die kleider gleich mitzuwaschen, doch sie entschieden sich schließlich dagegen. Es war einfach zu kalt dazu. Nun saß Landara hier auf dem Baum, eine dampfende Holzschüssel in der Hand, und knabberte vorsichtig an den gekochten Wurzeln.
Als die Männer nun ihrerseits von der Quelle zurückkehrten, blickte Landara erstaunt auf. Einer der Männer war noch gar nicht so alt. Er schien nur wenig älter als Pia und tatsächlich setzte er sich nun mit einem schüchternen Lächeln neben sie. Pia lächelte so unbefangen zurück, daß Landara Mühe hatte ein verächtliches Augenrollen zu unterdrücken. Dieses Mädchen war unschuldig, wie ein achtjähriges Kind.
„Hey du....“ Landara sah auf. Cilly stand vor ihr und deutete mit dem Kopf auf den schmutzigen Topf, den die alte Menia zum kochen benutzt hatte. „Du bist dran mit abwaschen.“
„Ich habe jede Menge Wurzeln geputzt!“, verteidigte sich Landara.
„Das haben wir anderen auch. Außerdem haben wir alle noch ein Bündel getragen. Alle außer Dir!“
Landara biß die Zähne zusammen und stand auf. Sie hätte dieser unfreundlichen Ziege gerne eins auf die Nase gegeben, doch sie brauchte die Gruppe. Sie hatte keine große Lust alleine durch die gefährlichen Wälder zu laufen. Zudem kannte sie den Weg zur Hauptstadt nicht.
Fluchend und vor sich hin schimpfend machte Landara sich an den Abwasch. Wie selbstverständlich hatten die anderen Frauen und sogar die Männer ihr die Schüsseln hingestellt.
Hatten die denn alle eine geheime Abmachung getroffen? Es tröstete sie nur wenig, daß Pia schließlich hinzukam und wortlos begann die abgewaschenen Sachen mit einem Lappen trockenzureiben.
Schweigend arbeiteten die zwei Frauen nebeneinander her.
Es war bereits dunkel, als sie endlich zu den anderen zurückkehrten. Menia reichte ihnen eine dünne Wolldecke und humpelte dann zu einem Baum, unter den sie sich niederlegte. Sie musste sehr müde zu sein. Gegen ihren Willen empfand Landara Mitleid mit der Alten.
Ein Stück abseits war ein Feuer entfacht worden. Die ehemaligen Lindinger hatten sich im Kreis um einen Mann gesetzt, der sich, gewaschen wie er jetzt war, als freundlich aussehender Mann in den Vierzigern entpuppte. Er hatte einen Vollbart, der bereits mehr grau, als braun war und intelligente Augen.
Er erzählte eine Geschichte, mit ruhiger tragender Stimme, die Landara unwiderstehlich anzog.
Ohne es wirklich zu wollen hockte sie sich neben Pia auf den Boden, die Decke fest um ihre Schultern gezogen.
Der Mann hielt inne, wartete, bis sich die beiden Neuankömmlinge bequem niedergelassen hatten und nickte ihnen dann zu.
„Ich erzähle gerade von der Wiederkehr des Königsgeschlechts.“
„Das sind doch alles nur Ammenmärchen!“, schnaubte Landara verächtlich.
„Wer weiß...?!“ Der Erzähler lächelte nachsichtig. Jantina warf Landara einen ungeduldigen Blick zu.
„Ach bitte, Jorge. Erzähl doch weiter! Wieso wurden sie verflucht?“
„Das hat er doch schon gesagt!“, brummte einer der Männer sie an. Jorge hob beschwichtigend die Hand. Sofort wandten sich ihm alle Gesichter zu. Andächtig und schweigend.
„Schon gut. Die Könige der Alten Zeit besaßen große Macht. Und sie mißbrauchten sie, wenn es in ihrem Sinne war. Darum bestraften die Götter sie. Sie schmetterten glühende Feuerbälle auf das Königreich nieder, ließen alle Frauen des Königsgeschlechts sterben und zerstreuten die Nachkommen in alle Winde.“
„Und dann kam der Fluch?“ Jantinas runde Wangen begannen vor Aufregung zu glühen.
„Ja. Auch der Fluch wurde ausgesprochen.“
„Götter sprechen?“, fragte Landara spöttisch. Ein vielstimmiges, scharfes „Schhhhhh...“ brachte sie zum Verstummen.
„Ich war nicht dabei.“, antwortete Jorge schmunzelnd. Zu ihrem Erstaunen ließ er sich weder provozieren, noch aus der Ruhe bringen. „Aber der Fluch wurde wirksam. Es heißt, daß die Königsfamilie soviel Schlechtes getan hat, daß die Götter von ihnen verlangten, von nun an nur noch Gutes zu tun. Den Frieden zu wahren und zu schützen.“
„Aber das tun sie doch gar nicht!“, platzte es abermals aus Landara heraus. Sie erwiderte trotzig die erbosten Blicke und reckte widerborstig das Kinn.
„Sie tun es! Auf ihre eigene Art. Das Königsgeschlecht gehörte stets zum Kriegervolk. Sie werden sicher nicht herumlaufen und den Menschen über den Kopf streicheln. Aber ich glaube fest daran, daß sie versuchen, schlimmste Ungerechtigkeit und Greuel zu verhindern. Das müssen sie! Nur so können die Könige wiederkehren und ihren Platz wieder einnehmen.“

Schwungvoll rollte Krolk sich im Wind. Die Kehle tat ihm weh, doch das tat seiner übermütigen Laune keinen Abbruch. Die Menschen hatten es doch tatsächlich gewagt, sich ihm in den Weg zu stellen. Sie hatten Wächter aufgestellt, die ihn mit langen Piken zu verteiben suchten. Krolk war ein paarmal über sie hinweg geflogen und hatte sich an ihren Bemühungen erfreut, ihn damit zu stechen. Sie hatten die Piken hoch über ihren Kopf gehalten und versucht sie in seine Richtung zu recken. Als ihm das Spiel zu langweilig wurde, hatte er sie noch einmal tiefer überflogen und zugesehen, wie die, von seiner harten Brust abgebrochenen, Pikenspitzen in alle Richtungen davonflogen. Er hörte die Menschen jubeln, als er danach hoch in die Luft stieg. Offenbar glaubten sie, ihn vertrieben zu haben.
Als sie jedoch merkten, daß er nur Schwung holte, stoben sie kreischend auseinander. Die Schreie seiner Opfer wurden zur Musik. Er schwelgte darin und fühlte einen wohligen Schauer.
Es lag nur ein Wimpernschlag zwischen dem tiefen Luftholen und dem gewaltigen Feuerstoß, der auf die Häuser und Menschen niederging. Zufrieden warf er aus der Luft einen Blick auf sein prasselndes Werk.
Wie schon die Male vorher, landete er auch diesmal direkt vor den Menschen. Er wollte ihre Gesichter sehen, ihre Furcht spüren, ihren Angstschweiß riechen. Sie sollten wissen, warum sie sterben mussten.
Aber dieses Mal war etwas Unerwartetes passiert. Etwas Unerhörtes. Etwas Unglaubliches. Da die Leute in alle Richtungen gelaufen waren, hatte Krolk sich eine Gruppe aussuchen müssen.
Er hatte sich für die größte Menschentraube entschieden. Wie immer drängten sich die Leute eng aneinander, als er ihnen ihren Hass entgegenschleuderte. Doch plötzlich hatte sich ein Kind nach vorne gedrängt. Es war ein kleiner Junge. Bevor Krolk begriff, was vor sich ging, hatte dieses Menschenbalg die Hand gehoben und ihm, den mächtigen Krolk, ein Messer entgegengeworfen. Das Messer war von seiner Nase abgeprallt und im Sand zu seinen Füssen gelandet.
„Du bist ein würdiger Gegner!“, hatte Krolk ihm den gebührenden Respekt gezollt. Dann hatte er die Gruppe mit einem besonders heißem Feuerstrahl zu Asche verglühen lassen. Sie waren tot, bevor sie es begriffen. Krolk fühlte sich sehr gnädig.
Doch offenbar hatte dieser winzige Moment der Verzögerung den Menschen gereicht. Bevor Krolk wußte, wie ihm geschah, fiel ein Netz über seinen gesamten Körper. Ein Ablenkungsmanöver...?
Von überall kamen die Männer und Frauen herangeströmt und zogen es straff. Er hatte es nicht ernst genommen. Sie waren nur Menschen, er war ein mächtiger Drache. Es kamen immer mehr Leute, das Netz zog sich fester um ihn. Und Plötzlich merkte Krolk, daß er sich nicht mehr aufrichten konnte. Er warf den Kopf hin und her, um das Netz zu zerreißen, doch es hielt ihn fest. Schielend zentrierte er seinen Blick auf ein Seil. Es waren die Fäden einer Riesenbergspinne. Unzerreißbare Stränge, die seinen Tod besiegeln sollten. Er erhöhte seine Anstrengungen, sich freizustrampeln, doch nun zogen die Menschen noch fester und sein Kopf wurde auf den Boden gedrückt. Krolk verspürte zum ersten Mal in seinem Leben etwas wie Angst. Das konnte doch nicht wahr sein. Er sollte es sein, der Angst verbreitete. Nicht der, dem Angst gemacht wurde. Er würde hier nicht sterben! Er würde nicht zum Opfer dieser Bestien werden! Nicht zerstückelt und Stück für Stück verkauft werden. Er versuchte die Klaue zu heben und das Netz zu zerreißen, doch seine Krallen verhedderten sich nur. Schwertatmend blieb Krolk liegen. Abermals jubelten die Menschen. Ihr Triumphgeheul vibrierte in seinen Ohren.
„Nnneiiiinnnn....“, brüllte Krollte frustriert. Ein winziger Funke stieß aus seinem Maul – und ließ das Netz schmelzen. Die Stille, die folgte, war ohrenbetäubender, als Krolks Schrei. Er hob den Kopf ein weiteres Stück an und holte noch einmal tief Luft. Der Feuerstahl, der den Rest des Netzes in ein stinkendes Nichts verwandelte, war für Krolk unendlich befreiend. Ein Weiterer verwandelte die Menschenreihe direkt vor ihm in schwarzen Abfall. Frei! Nun waren es abermals die Menschen, die die Angst verspürten. Kreischend und fiepend stoben sie in alle Richtungen auseinander. Die meisten von ihnen fielen dem dritten Feuerstoß zum Opfer. Er war frei!
Die restlichen Männer streckte Krolk ihn einer vergnüglichen Luftjagd nieder. So einen Spaß hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Er erinnerte sich daran, wie die Fische im Baumsee jagten. Ähnlich elegant glitt er nun durch die Lüfte, und ließ hier und da einen Feuerstoß los, wann immer er einen der Menschen gestellt hatte.
Als er niemanden mehr fand, stieg er zurück durch die Wolkendecke.
Interessant, was in den Menschen so alles steckte. Nur zu schade, daß sie so erbärmlich waren. Aber auch er hatte etwas dazugelernt. Der größte Feind ist deine Furcht, mein Freund, sprach er zu sich selbst. Die Furcht und fehlendes Wasser. Dieser Umstand war ihm noch nie so bewußt geworden.
Doch diesmal hatte er häufiger Feuer spucken müssen, als sonst. Es war dringend notwenig, zurück zum Baumsee zu fliegen, um dort zu trinken. Außerdem hatte er seit zwei Monaten nicht mehr gegessen. Er sollte sich so langsam mal einen kräftigen Hirsch fangen.
„Hallo. Ich bin Sirke!“ Landara blickte auf und sah den jungen Mann, der Pia schon den ganzen Tag so belauert hatte. Er hatte lange, braune Haare, die zu einem nachlässigen Zopf gebunden waren. Pia wandte ihm verlegen den Rücken zu und antwortete leise über die Schulter.
„Ich heiße Pia.“
„Ja, ich weiß. Hast du Verwandten in der Hauptstadt?“ Sirke hockte sich neben Pia und half den Lagerplatz von Steinen und Stöcken zu befreien.
„Nein. Ich weiß noch gar nicht, wie es weitergehen soll.“, gab Pia zu, immer noch ohne Sirke anzusehen. Landara hätte ihr gern einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben. Wie konnte man sich nur derartig unbeholfen anstellen?
„Ich habe eine Tante dort. Ich werde wohl bei ihr leben.“, sagte Sirke und bemühte sich einen Blick in Pias Augen zu erhaschen. Pia wich ihm aus.
„Aha.“ erwiderte sie. „Danke für deine Hilfe. Ich glaube, jetzt kann ich mich hinlegen.“
„Hm, na dann...., schlaf gut!“ Mit einem deutlichen Zögern stand Sirke auf und ging zu den anderen Männern, die offenbar absprachen, wer als erstes Wache halten sollte.
Landara legte sich ebenfalls nieder. Sie machte die Augen zu, doch lange hielt sie es nicht aus.
„Hast du eigentlich noch nie einen Freund gehabt?“ Pia, die sich ebenfalls hinlegte, sah sie fragend an. „Naja, du weißt schon...“ Sie nickte in Sirkes Richtung. „Der Bengel scheint dich zu mögen.“
„Er ist nur freundlich!“ wehrte Pia ab. Landara entschied, sich nicht einzumischen. Wenn dieses unreife Mädchen nicht wollte, konnte man eben nichts machen. Sie selber hatte gegen hilfreiche Männerhände nichts einzuwenden. Mit einem Mann an der Seite war es für eine Frau viel leichter. Der Mann müsste für sie sorgen und sich um sie kümmern. Hatte eine Frau einen Kerl, so hatte sie auch Essen, Kleider und ein Dach über den Kopf. Gleich morgen würde sie selber mal schauen, wer für sie in Frage kam. Natürlich nur bis sie in die Hauptstadt kämen. Dort würde sie nach einem lohnenderen Exemplar Ausschau halten.

Krolk hatte aufgehört seine Kräfte mit unnötigen Flugmanövern zu verschwenden. Der Durst begann an ihm zu zehren. Wie von selbst wanderten seine Augen hin und her und suchten den Erdboden ab. Wann immer es ging, hielt er seine Schwingen still und ließ sich vom Wind treiben.
Da erregte plötzlich etwas seine Aufmerksamkeit. Seitlich von ihm, fast nicht mehr zu erkennen, sah er Rauch. Doch es war kein normaler Schornsteinqualm. Er war sich sicher, daß es Rauch von einem Drachenfeuer war. Eigentlich sollte er lieber zu seiner Höhle fliegen, doch wenn es ein anderer Drache war...
Entschlossen neigte er seine Flügel und steuerte auf die Quelle seines Interesses zu.
Es war ein anderer Drache. Und er brauchte Hilfe. Seine Schwingen waren eingerissen und bluteten. Die Stumpfheit seiner Augen zeigten, daß es ein alter Drachen war. Er war riesig und musste demnach sogar sehr alt sein. Sechs Männer standen um ihn herum und griffen ihn immer wieder johlend an. Sie hatten Schwerter und Äxte dabei und einer der Männer ließ sein scharfes Beil auf und niedersausen. Offensichtlich versuchte er dem Drachen seine Klauen abzuhacken. Der Drachen riß immer wieder das Maul auf und spie Feuer, doch die Flamme war schwach und kurz.
Als einer der Männer auf den Drachen zusprang, wandte der sich in dessen Richtung, um ihn abzuwehren. Ein anderer Mann nutzte die Chance und bohrte sein breites Schwert tief in die Flanke des Drachen. Ein lautes Fauchen zeigte, welch starken Schmerzen der Alte hatte. Krolk stürzte sich hinab und unbeachtet von den sechs Menschen kam er so nahe heran, daß er einen der Männer mit dem Maul schnappen und zermalmen konnte. Er nahm sich keine Zeit den Menschen zu fressen. Er spuckte ihn aus und schmetterte einen Zweiten mit einem Flügelschlag gegen die Wand, wo er bewußtlos zu Boden sank. Der Mann mit dem Schwert drehte sich zu Krolk um und wollte ihm das Schwert ins Auge rammen, doch Krolk brauchte ihm nur einen kurzen Feuerstoß ins Gesicht zu blasen und sofort ließ der Angreifer das Schwert fallen und hielt sich, Schmerzensschreie ausstoßend, die Hände vor´s Gesicht. Er drehte sich um und sah noch, wie einer der Männer im Schlund des alten Drachens verschwand. Von den beiden anderen Männern war nichts mehr zu sehen. Krolk schickte ihnen ein ohrenbetäubenes Triumphgebrüll hinterher, für den unwarscheinlichen Fall, daß sie außerhalb der Sichtweite innegehalten hatten.
Langsam trat er an den anderen Drachen heran. Der riesige Drachen blutete stark aus der Flanke und zwei seiner Klauen hingen nur noch an einem dünnen Hautfetzen an der Kralle.
Er atmete schwer. Seine Augen waren trocken und staubverkrustet.
„Kannst du fliegen?“, fragte Krolk wider besseres Wissen. Der Alte lächelte müde und legte eine seiner Schwingen flach auf den Boden. Die dünne Haut war regelrecht zerfetzt. Blutige Wundflüssigkeit sammelte sich in einer Pfütze am Boden.
„Ich werde über dich wachen, bis du dich erholt hast.“ Krolk richtete sich auf, doch die krächzige Stimme des Drachen hielt ihn auf.
„Nn...nein. Ich werde sowieso sterben. Ich bin alt. Und diese Welt ist nicht mehr gemacht für uns Drachen.“
„Du darfst nicht aufgeben. Ich könnte viel von Dir lernen!“
„Ja. Ich werde dich etwas lehren. Aber erst mußt du mir ein Vvv....versprechen geben.“ Jetzt tropfte auch Blut aus der Nase des Alten. Krolk schloß die Augen.

Hinter einem bewaldeten Hügel lagen die restlichen zwei Jäger auf dem Bauch und beobachteten, wie die beiden Drachen nahe zusammen rückten.
„Was machen sie denn?“, fragte Bolger.
„Ich glaube, sie reden!“, antwortete Johns
„Worüber?“
„Woher soll ich das denn wissen?“, knurrte Johns. „Der Alte hält nicht mehr lange durch. Wir warten, bis er tot ist und der andere abhaut. Dann gehen wir hin und holen uns Zähne und Klauen. Mein Messer hab ich verloren, aber vielleicht finden wir das Schwert, dann können wir auch ein paar Schuppen abkratzen.“
„Oh, schau mal. Ich glaube, der wartet gar nicht lange.“
Die Vorfreude der beiden wandelte sich in Entsetzen. Fassungslos sahen sie zu, wie der Jüngere der beiden Drachen einige Schritte zurücktrat, und mehrmals tief ein- und ausatmete. Er schien seine Lungen vollzupumpen. Dann riß er sein Maul auf und spie einen Feuerstrahl aus, der so heiß war, daß Bolger und Johns ihre Gesichter, sogar hier hinter dem Hügel, hastig ins Gras drücken mussten.
Als sie wieder aufsahen, waren beide Drachen verschwunden. Der Eine war ein dunkler Fleck am Himmel, der Andere ein Haufen schwarzer Asche. Wertlos. Und nicht mehr zu Geld machbar.

Nana Nymphadore


Nana Nymphadore



©2008 by Nymphadora. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Aabatyron
Am 04.10.2008 um 22:51 Uhr

Sorry, aber erst jetzt habe ich endlich Zeit gefunden, die Fortsetzung deiner Geschichte in Ruhe zu lesen - echt fesselnd.

Das ist wirklich sehr spannend und lebendig geschrieben.

Ich bin mal gespannt, was es mit den Drachen auf sich hat - die scheinen ja noch ein besonderes Geheimnis zu bergen???


~*~ Werner May ~*~


Von Paglim
Am 22.09.2008 um 12:06 Uhr

Eine sehr schöne Erweiterung des Kapitels. Der neue Abschnitt bringt einen interessanten Aspekt über den Drachen mit hinein, der so vorher nicht da war.

nur eine Kleinigkeit:

>Nicht zerstückelt und Stück für Stück verkauft werden

Das ist ein stück zu viel, ich würde zerlegt statt zerstückelt schreiben.

Und etwas später schreibst du "fiepend". Ich weiß wohl, was du meinst, aber ich weiß nicht, ob das Wort so existiert. Bin ich jedenfalls erst mal dran hängen geblieben.


Von Nymphadora
Am 22.09.2008 um 07:54 Uhr

Hallo,

danke, dass du dir noch mal Zeit genommen hast, es zu lesen.

Es freut mich natürlich, wenn es dir gefällt, aber da ich es nachträglich verändert habe, war ich unsicher, ob es noch passt.


Nana Nymphadore


Von Jason-Potter
Am 21.09.2008 um 16:18 Uhr

Du hast Nerven. Du hast überhaupt keinen Grund ein schlechtes Gefühl wegen diesem Kapitel zu haben,denn es ist eines der besten bisher - aber eigentlich sind sie alle super. Kinoreif, die ergreifende Szene, in der Krolk seinen Hochmut fast mit dem Leben bezahlt, aber auch alles andere, die Legende um den Fluch, die Charakterzüge Landaras - die immer mehr durchkommen - und auch das Ende total ergreifend. Nur zwei Sätze haben mch irgendwie gestört. Sie sind unten mit anhängender Kritik aufgeführt, ich glaube auch noch ein numerus Fehler, aber ansonsten am oberen Ende der Fahnenstange anzusiedeln.

LG Ralf



Sie hatten hinterher wieder
>in ihre schmutzigen Kleider steigen
>müssen, doch keine von ihnen störte sich
>ernsthaft daran

Ich kann dir nicht genau sagen, was mir an dem Satz nicht gefällt, aber irgendwie ist er schwerfällig im Lesen, oder ist es der Zusammenhang, ich weiß es nicht ( doofe Kritik oder?)Vielleicht sind es die vielen hatte die davor und danach stehen und eventuell das Wort müssen.

Er sollte sich so langsam mal
>einen kräftigen Hirsch fangen

Der Satz klingt zum umgangsprachlich im Verhältnis zu deinem traumhaften Stil, halt irgendwie salopp


>„Ich heiße Pia.“
>„Ja, ich weiß. Hast du Verwandte-(n) in der
>Hauptstadt?“


Von Nymphadora
Am 19.09.2008 um 21:51 Uhr

Hallo ihr Lieben,

Ich will euch nicht nerven, aber könntet ihr nochmal den abgeänderten Text lesen und mir bescheid geben, ob es so besser ist?

Damit ihr nicht alles nochmal lesen müsst, habe ich den abgeänderten Teil fett gedruckt.

Wäre euch sehr dankbar, da mir diese Story sehr am Herzen liegt.

Nana Nymphadora


Von Nymphadora
Am 17.09.2008 um 10:01 Uhr

So, ich habe es jetzt überarbeitet und versucht eure Anregungen mit einzubauen.




Nana Nymphadore


Von Paglim
Am 16.09.2008 um 19:22 Uhr

davonschießen? zersplittern? zerbersten? in Einzelteile zerlegt werden? zu Zahnstochern zerteilt? ;-) Keine Ahnung, was du sagen willst....

Hm, ok, dann sollte das mit Landara einfach so rüberkommen, wie du das meinst, dann ist das völlig in Ordnung.

Ich würde Axt durch Waffe oder Beil ersetzen, das passt vielleicht am besten


Von Nymphadora
Am 16.09.2008 um 18:40 Uhr

Vielen Dank für eure wirklich hilfreichen Kritiken.

Ich lass euch mal ein bißchen an meinen Gedanken teilhaben. Vielleicht fällt euch ja noch was ein.

Dass die Pikenspitzen davonspritzen klingt für mich auch komisch, aber davonfliegen finde ich so harmlos. Ich wollte den Eindruck erwecken, daß sie alle Richtungen davon... (ja was bloß?)

Kleider gleich mitwaschen... - ja, notiert!

Landara! Ich wollte irgendwie den Eindruck vermitteln, daß sie nimmt, was sie bekommt. Und dass sie versucht, sich das Leben zu vereinfachen, wie immer sie das auch erreichen kann. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass sie eine starke Schulter braucht. Muß ich nochmal überarbeiten.

Kann ich Axt durch Waffe ersetzen, oder ist Werzeug besser?

To Jason-Potter: Mit dem Anfang hast du recht! ich weiß auch schon, wie ich das verbessern kann. Weiß aber noch nicht, wann ich es reinstellen kann.

Herzlichen Dank!


Nana Nymphadore

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