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Prosa => Humor & Satire


Diese Frau - von Jurewa, 14.09.2008
Herr und Frau Sibelius buchen immer im gleichen Hotel und zur gleichen Zeit ihren Urlaub auf Mallorca. Man kennt sie dort und deshalb kommen sie in den Genuss diverser Extras wie das gleiche Eckzimmer, täglich einen Korb mit Obst aufs Zimmer und einer frischen BILDzeitung.
Das Personal ist stets bemüht, ihre Wünsche zu erahnen und sofort zu erfüllen.
"Darf ich Ihnen das Handtuch zur Liege tragen?" fragt der Liftboy Frau Sibelius, die auf dem Weg zum Pool ist. Er darf. Ein fettes Trinkgeld ist der Dank.

Frau Sibelius sonnt sich nun am Pool und sinniert über das Leben im Hotel.
Sie liegt auf einer gepolsterten Liege und räkelt sich. Po, Taille und Brust bilden eine Masse, die nur durch die Bikinistrippen unterteilt wird und darüber hinwegquillt.
Sie richtet sich auf und streicht sich über ihre wohlgeformten Beine. Dabei lächelt sie. Ein Blick in den blauen Himmel und Richtung Sonne lässt sie in ihre rosafarbene Strandtasche, das gleiche Rosa wie der Bikini, greifen und nach dem Sonnenschutz suchen.
"Schade, nächste Woche geht es schon wieder heimwärts!" sagt sie zu ihrem Mann, der auf der Nachbarliege döst. Er reagiert nicht.
Sie lässt ihre Blicke über die Poolanlage schweifen, während sie weiter in ihrer Tasche wühlt. Von weitem sieht sie ihre Tischnachbarn aus dem Speisesaal, zwei attraktive Männer, kommen.
"Hallo, heiß heute!" ruft sie dem Pärchen zu, das es sich zwei Liegen weiter bequem macht.
"Ja, unerträglich!" antworten die beiden Männer wie aus einem Mund und wenden sich gleich ab.

Frau Sibelius stößt ihren Mann an und bittet ihn, ihr den Rücken einzucremen.
Mittendrin hört er plötzlich auf.
"Bist du wieder eingeschlafen?" fährt sie ihn an und dreht sich um.
Dabei sieht sie, warum ihr Gatte eine Pause macht. Diese Frau kommt an den Pool.
Frau Sibelius nennt sie für sich immer 'diese Frau', weigert sich, ihren Namen zu nennen. Irgendwie taucht in jedem Urlaub eine 'diese Frau' auf.
Manchmal fragt sie sich, ob das zu den Extras, die das Hotel seinen Stammgästen zu kommen lässt, gehört.

In diesem Jahr reist 'diese Frau' allein. Ihr Alter ist schwer zu schätzen. Sie spricht nicht viel. Wenn sie durch die Tischreihen oder aber am Pool entlangschreitet, wippen ihre üppigen Brüste im Takt.
"Die bewegt sich genauso träge wie unser fauler Kater zu Hause!" findet Frau Sibelius.
Die Shirts 'dieser Frau' sind bunt und kurz. Der Bauch hängt etwas über dem Rockbund. Ihre Schenkel zeichnen sich unter dem Rock ab genauso wie der String-Tanga.
"Kann die nicht ein bisschen Sport treiben, damit die Arme Form bekommen?" ist eine weitere Überlegung von Frau Sibelius.
Das Haar ist üppig, eine lockige schwarze Mähne, die ein ovales Gesicht umrahmt. Ein großer Mund mit einer fein gezeichneten Oberlippe und funkelnde Augen zieren das Gesicht.
"Was die für weiße Zähne hat!" ärgert sich Frau Sibelius, als 'diese Frau' den Kellner im Vorbeigehen anlächelt.
Wenn 'diese Frau' morgens zum Frühstück erscheint, verstummen die Gespräche an den Tischen.
Alle glotzen.
Die Männer genauso wie die Frauen! Die Gesichter der Frauen sind teils verkniffen und man kann die Frage, die sie sich innerlich stellen, von ihren Augen ablesen:
"Wieso habe ich im Vorfeld des Urlaubes diese blöde Diät gemacht, die nichts gebracht hat? So wie diese Frau aussieht, hat sie noch nie eine Diät gemacht! Wie selbstbewusst die ist!"

Die Blicke der Männer sind direkt. Mit offenem Munde scheinen sie sich vorzustellen, wie es wäre, auf diesem üppigem Fleischberg zu liegen, der bei jeder seiner Bewegungen vibriert oder aber wie es wäre, wenn dieser üppige Mund ihn verschlingen und ablecken würde. Einmal eintauchen in diese warme, weiche Höhle und sich darin verlieren, das wär's!
Mit einer lässigen Bewegung wirft 'diese Frau' ihre Mähne nach hinten, wenn sie sich setzt. Hals und Körper bilden einen perfekten Bogen. Sehr gekonnt. Sollte sie diese Bewegung eingeübt haben? Man sieht es den Gesichtern der Frauen an den Tischen an, wie sie grübeln.
Die Luft vibriert dann ebenfalls. Von den neidischen Blicken der Frauen und den geilen Blicken der Männer.

Frau Sibelius seufzt und blickt auf ihren Mann, der 'diese Frau' jetzt unverhohlen anstarrt.

"Findest du die gut? Macht die dich an?"

"Wie? Was hast du gefragt?"

"Ob du diese Frau gut findest!!?"

"Hmmm, äh, ja, weiss nicht, glaub nicht, du gefällst mir besser. Wobei, also, sie sieht doch gut aus, oder?"

"Gut? Was sieht denn an der gut aus? Hast du nicht gesehen, wie ordinär die sich bewegt? Und dann die engen Klamotten!"

"Ja, aber das Shirt von dir, das rote, also, locker sitzt das nicht, finde ich. Und wenn du die helle Jeans anhast, die mit der Stickerei, also, dann hängt dein Bauch...."

"Wie? Was hängt da? Das ist der Schnitt! Davon verstehst du nichts!"

"Ich mein ja nur, weil du gefragt hast. Dann frag mich gefälligst nicht! Und außerdem wollte ich dösen. Was störste mich immerzu!"

Irritiert schaut er in Richtung seiner Frau.
Sie sah ihm an, dass er gerade in Gedanken spazieren war, auf 'dieser Frau'.
Frau Sibelius seufzt ein weiteres Mal und greift nach dem Schinkentoast, den ihr der Kellner vorhin mit hingestellt hat.
Danach schaut sie auf ihren Mann und kann sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen. Auch für ihn bleibt 'diese Frau' unerreichbar.
Zumindest in diesem Urlaub.



©2008 by Jurewa. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Jurewa
Am 17.09.2008 um 19:48 Uhr

Hallo Jan,

da freut sich die Frau aus dem Norden, dass dir diese kleine Geschichte ein verhaltenes Lachen entlocken konnte ;-)))!
Danke für deine netten Zeilen!
Ciao,
jurewa


Von JanNietsch
Am 17.09.2008 um 00:23 Uhr

Die Geschichte hat mir sehr gefallen :D

Ich habe jetzt zwar nicht lauthals losgelacht, aber das wäre wahrscheinlich auchein wenif affig gewesen, doch trotzdem musste ich ein wenig grinsen. ^^
Seeeehr schöön xD

Jan


Von Jurewa
Am 14.09.2008 um 22:02 Uhr

Hallo,

um diese Zeit kann sich nur einer melden .-)),
der Werner, und dann noch so nett!
Danke für deine lobenden Worte, hab mich sehr gefreut.
Die meisten Ideen findet man im Alltag, aber wem sage ich das!
Lieben Gruß,
jutta


Von Aabatyron
Am 14.09.2008 um 19:29 Uhr

Also da kann man sich ein amüsiertes Lachen wirklich nicht mehr verkneifen.
Für diese Kurzgeschichte müsste es einen Preis geben - ganz ehrlich.


~*~ Werner May ~*~

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Es gibt 4 Kommentare


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