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Eine etwas andere Liebesgeschichte Kapitel 8 - von star65, 10.03.2008
Wieder einmal mache ich eine Reise in die Vergangenheit.
Diesmal nicht ganz alein. Wenn ich daran denke,
dass mir gleich jemand zuhoeren wird,
schwinden meine Kraefte.
Wir halten einander fest.
Die bleierne Schwere in mir laesst nach.
Die Erlebnisse der letzten Jahre zu ordnen,
ist nicht leicht fuer mich. Dennnoch werde ich es versuchen.
Man kann nicht vor der Vergangenheit davon laufen.
Sie gehoert zu uns und wird immer bei uns sein.
Wohin wir auch gehen was immer wir gerade tun.
Sie folgt uns wie ein Schatten.
Ich bin wieder als Buttler und Sicherheitsmann
bei den Falcones.
Leonardo Falcone bezeichnet sich selbst als Geschaeftsmann.
Jeder rechtschaffende Mensch
wuerde ihn einen Schwerverbrecher nennen.
Der Typ verkauft einfach alles. Autos, maschinen, Soft- und Hardware, Rauschgift, Waffen und Frauen.
Ich koennte noch vieles mehr aufzaehlen.
Beatrice Falcone liebt Partis, Schmuck, Kleidung
und das schoene unbeschwerte Leben.
Wenn sie sich trotzdem einmal einsam fuehlt,
haelt sie sich einen Liebhaber.
Ihr koennt euch sicher schon denken, wer das ist.
Sie wirkt so klein, zart und zerbrechlich.
Das die Zerbrechlichkeit nur aeusserlich ist,
werde ich erst dann begreifen, wenn sowieso alles zu spaet ist.
Diese beiden Figuren haben tatsaechlich
drei Kinder produziert.
Es sind zwei Maedchen und ein Junge. Bruno, Nina und Marina. Ausser mir nimmt sich fuer die
drei kleinen Menschen niemand Zeit.
Leo und Bea haben die Kinder nur bekommen,
um der Aussenwelt eine heile Familie zu zeigen.
In Italien kann es durchaus sehr nuetzlich sein,
wenn man Frau und Kinder hat. Leo meint wahrscheinlich,
dass er dadurch serioeser wirkt. Mir macht er nichts vor.
Er ist und bleibt ein faules dummes Schwein,
dass andere die Drecksarbeit machen laesst.
Seine Handlanger nennt er Assistenten.
Bea ist fuer ihn so etwas wie ein seltenes Schmuckstueck.
Ich glaube nicht daran,
dass die beiden sich ernsthaft lieben.
Wenn die Kinder mit ihrem Erzeuger reden
oder mit ihren Eltern etwas unternehmen wollen,
reagiert er gereizt oder auch garnicht.
Bea vertroesstet die drei Kinder
auf Morgen, uebermorgen oder auch naechste Woche.
Diese kleinen Menschen wissen nicht, wohin sie gehoeren.
Also tue ich alles, um ihnen ein Zuhause zu geben.
Besonders schlimm ist es fuer Marina.
Sie ist die juengste von den dreien
und dazu auch noch herzkrank.
Sie nennt mich Papa und ihren Erzeuger Vater.
Wenn die Falcones in Urlaub fahren,
nehmen sie die kleine erst garnicht mit.
Ich liebe Kinder
und deswegen macht es mir ueberhaupt nichts aus,
mich um Marina zu kuemmern. Oft fragt sie mich:
"Warum darf ich nicht mitfahren?
Die anderen sind so oft fort.
Ich moechte auch einmal die grosse Welt sehen:"
Es ist sehr schwer, ihr darauf eine Antwort zu geben.
Meistens lenke ich sie vom Thema ab und sage:
"Was moechtest du heute unternehmen?
Wir koennten doch mal wieder in den Zoo gehen.
Danach erzaehle ich dir eine spannende Geschichte."
Was soll ich auch sonst sagen?
Ich kann ihr doch nicht an den Kopf werfen,
dass ihre Eltern sie einfach nicht wollen
weil sie nicht so sportlich und gesund wie die anderen ist.
Job und Freizeit unter einen Hut zu bringen,
ist nicht leicht. Aber irgendwie schaffe ich es schon.
Wenn ich doch einmal Zeit fuer mich und meine Hobbys brauche,
ist Marina oft bei meinen Eltern.
Dort ist sie gut aufgehoben
und ich kann Sport treiben oder auch Konzerte spielen.
Das Seil, auf dem ich tanze ist sehr duenn.
Diese Tatsache werde ich auch viel spaeter erst begreifen.
Bea vertroesstet und verschaukelt mich genauso
wie die Kinder. Fast jeden Tag verspricht sie:
"warte noch ein Bisschen. Ich werde Leo bald verlassen
und dann koennen wir mit den Kindern
ein schoenes Leben fuehren."
Wenn ich sie in meinen Armen halte,
glaube ich ihr jedes einzelne verdammte Wort.
allein in meiner eigenen Wohnung
ueberfallen mich immer wieder Zweifel.
Bea kann luegen ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.
Wenn ihr mich fragt,
ob ich sie liebe kann ich nur antworten:
"Ich weiss es nicht."
Mein Vater fragt mich immer wieder:
"Warum hast du ein Verhältnis
mit dieser oberflaechlichen Frau?" Ich antworte ihm:
"Halte dich einfach daraus. Dann kommst du nicht darein."
Tief in meinem inneren weiss ich die Antwort.
Ich habe ein sehr ausgepraegtes Helfersyndrom
und auch einen solchen Beschuetzerinstinkt.
Manchmal habe ich das Gefuehl.
dass Leo von unserer heimlichen Affaere weiss.
Dann sagt meine innere Stimme:
"Die beiden verarschen dich gemeinsam.
Du bist auch noch so bloed und spielst mit.
Mach dich hier weg. Eine Arbeit findest du schon.
Du hast so viele Gewerbescheine
und auch diverse Ausbildungen.
Geh einfach so lange es noch Zeit ist."
Dieses hin und her geht fast 12 Jahre.
Ein Jahr bevor ich meinen Sehsinn verliere.
Treffe ich endlich eine Entscheidung.
Eines Tages sage ich zu Leo und Bea:
"Ich kann und will nicht mehr fuer euch arbeiten.
Ich verzichte freiwillig auf meinen mir noch zustehenden Urlaub und auch auf meinen Lohn. Da ist ein Wunsch,
den ich euch mittteilen moechte.
Marina hat eine starke Bindung an mich. Ich will sie mitnehmen
und fuer sie sorgen. Ihr braucht euch um nichts kuemmern.
Die anderen beiden kommen sehr gut ohne mich aus.
Die sind schon fast wie ihr." Erst sind sie voellig sprachlos. Dann quatschen sie beide gleichzeitig los:
"Was denkst du dir eigentlich? Wir haben dich immer gut bezahlt. Wir werden dir Marina natuerlich nicht geben.
Wie willst du denn fuer sie sorgen,
wenn du den ganzen Tag arbeitest?
Du bist ein unverbesserlicher Romantiker und ein Traumtaenzer. Gehen kannst du aber ohne das Kind."
Ich hatte mir die Sache einfacher vorgestellt.
Ohne Marina will und kann ich nicht gehen.
Sie wuerde das nicht ueberleben mit ihrem schwachen Herzen.
Ich argumentiere, schimpfe und protestiere.
Aber es ist alles vergebens. Nach zwei Wochen habe ich einen Plan. Ich werde mit Marina nach Amerika auswandern.
Alle wichtigen Papiere sind in meinem abschliessbaren Aktenkoffer.
Star unterbricht mich in meiner Lebensbeichte zum erstenmal.
Sie fragt: "Wie bist du in so kurzer Zeit
an alle fuer die Auswanderung wichtigen Dokumente gekommen?
Ich habe gehoert,
dass die USA mit Einwanderern sehr gruendlich sind."
"Stimmt alles genau. Ich habe Beziehungen und ich bin Italiener. Das muss als Information reichen."
Sie lacht und meint in verschwoererischem Ton:
"Verstanden Agent 007. Ich bin noch sehr neu in diesem Gewerbe
und werde lernen keine Fragen zu stellen."
Ich bin fuer die Untterbrechung sehr dankbar
und gehe mit meinen Haenden wieder einmal auf eine wissenschaftliche EntdeckungsReise. Star holt tief Luft
und erschauert. Es sieht so aus,
als wuerde ich den Rest meiner Lebensgeschichte
heute nicht mehr erzaehlen muessen.
Mit einem Arm druecke ich sie an mich.
Mit der anderen Hand mache ich eine Ausgrabung
und foerdere das Sicherheitspaket zu tage.
Da schiebt sie mich ploetzlich und unerwartet von sich weg
und sagt in sehr ernstem Ton:
"Gaetano, du kannst mich nicht vom Thema ablenken.
Ich moechte die ganze Geschichte
bis zum jetzigen zeitpunkt hoeren.
Schliesslich weisst du ja auch sehr viel von mir, nicht wahr?
Ich fuehle, dass es dir sehr schwer faellt darueber zu sprechen. Oft ist es leichter,
wenn man erst einmal den Anfang gemacht hat.
Ich will dich auf keinen Fall zurueckweisen.
Doch du hast jetzt angefangen
von deinem Unfall zu sprechen.
Bitte berichte mir alles bis zum Ende."
Eben fuhr der Gueterzug noch durch meinen Kopf und mir war heiss.
Jetzt verpasst sie mir eine eiskalte Dusche.
Mit schwacher Stimme murmele ich:
"Schoene Dame, du bist grausam und hartherzig.
Ich bin doch nur ein armer hilfloser Sizilianer,
der so sehr friert!
Bitte komm zu mir und erloese mich von dem Boesen!
"Rede keinen Muell. Ich bin nicht grausam
und auch keineswegs hartherzig.
Du bist bestimmt ein Sizilianer
aber ueberhaupt nicht arm oder hilflos.
Uebrigens habe ich immer noch nicht verstanden,
warum du abwechselnd mal Italiener
und dann wieder Sizilianer bist.
Das koennen wir aber auch zu einem anderen Zeitpunkt eroertern.
Jetzt weiter im Text undzwar sofort!" Star setzt sich auf das Bett waehrend sie das alles sagt.
Ich versuche sie wieder an mich zu ziehen. Da kommt er wieder,
der Kasernenhofton:
"Ich weiss ja wirklich nicht,
wie das mit Bea oder den anderen Frauen in deinem Leben war!
Wenn ich nein sage dann verdammt noch einmal meine ich auch nein!
Ich bin vielleicht vom Land aber kein Dummchen
und auch keine reiche verwoehnte Gans!
Glaubst du, dass diese Erkenntniss
noch in deinen sizilianischen Dickschaedel passt?"
Was hat sie nun wieder fuer ein Problem mit mir?
Sie wettert noch eine ganze Zeit.
Dann falle ich ihr grob ins Wort.
"Du haelst jetzt erst mal die Klappe und die Luft an.
Ich weiss wirklich nicht,
welche Erfahrungen du mit anderen Maennern gemacht hast!
Vor wehm oder was fuerchtest du dich so sehr? Ich weiss es.
Wenn die grosse stolze Dame einmal nicht die Kontrolle hat,
kommt sie tatsaechlich vom rechten Pfad ab.
Wenn man eine ach so ueberlegene Frau ist,
darf man so etwas auf keinen Fall zulassen.
Die ungeheuer starke selbstbewusste Miss Star
hat ja schliesslich einen Ruf zu verteidigen und das tut sie auch auf biegen und brechen. Mir machst du nichts vor.
Du weinst nur dann, wenn es niemand sieht!"
Da unterbricht sie mich und meint ganz leise:
"Ja, gennau wie du nicht wahr?" Da verstehe einer dieses Weib.
Jetzt legt sie sich wieder zu mir und haelt mich fest.
Mein Zorn vergeht so schnell, wie er gekommen ist.
Ich erklaere ihr: "Siehst du,
nur deswegen habe ich dich vorhin an mich ziehen wollen.
Es ist einfacher fuer mich ueber diese Erlebnisse zu sprechen, wenn du ganz nah bei mir bist.
Dann bleiben die Geister aus meiner Vergangenheit auf Abstand
und wagen sich nichtso weit vor."
"GM, es tut mir leid, dass ich dich eben so angefahren habe.
es war von meiner Seite ein totales Missverstaendnis.
Warum hast du nicht gleich gesagt, was du wirklich willst?"
"Weil ich noch nie zuvor einen Menschen gebeten habe,
mich festzuhalten.
Heute war alles anders.
Wir zwei sind uns in vielen Dingen
und Verhaltensweisen sehr aehnlich."
Ganz vorsichtig umarme ich sie
und so ist unser Einklang wieder hergestellt.



©2008 by star65. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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