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Tödliche Gedanken - Training - von Aabatyron, 22.11.2007
Tödliche Gedanken


Training

Jetzt da Mathey sich seiner besonderen Fähigkeit bewusst war, trainierte er, sich mit seinen Gedanken bewusst auf einen Ort oder ein Geschehen zu konzentrieren. Woche für Woche verzeichnete er immer mehr Fortschritte, seine Gedanken bewusst auf ein Ziel lenken zu können und brachte es fertig, im Gefahrfall sich sofort wieder blitzschnell zurückzuziehen.

Ein Jahr war vergangen. Es war kein "Schlafen" mehr notwendig um in die andere "Dimension" zu gelangen. Eine kurze Konzentration genügte Mathey und schon sah er sich am Ort seiner Vorstellung "materialisiert". Diese Fähigkeit schien einmalig zu sein. Es gab keinerlei Berichte von Menschen, die gleich ihm über solch eine aussergewöhnliche Begabung verfügten.

Für Mathey stand fest, dass er diese Fähigkeit von seinem Vater geerbt hatte. Wie das Ganze funktioniert, das hatte er noch immer nicht herausfinden können. Jedenfalls gab es keine physikalische Erklärung dafür.

Die erste Aufmerksamkeit erregte er erst damit, als eine spektakuläre Entführung in den Nachrichten für Aufregung sorgte. Ein Mädchen war entführt worden und die als besonders brutal bekannten Entführer verlangten von den Eltern eine große Summe Lösegeld.

Es wurde sogar in den Nachrichten gezeigt, wie die Entführer das Mädchen vor ihrer Schule nach dem Kidnapping in ein Auto zerrten und davonfuhren. Ein Mitschüler hatte geistesgegenwärtig die Entführer mit seinem Handy gefilmt.

Mathey sah in seinem Geist immer noch das Entsetzen auf dem Gesicht dieses Mädchens. Es stammte von einer angesehenen Familie die sehr viel Geld besaß.

Allein die Konzentration auf dieses Gesicht brachte plötzlich eine ungewöhnliche Überraschung. Mathey sah in seinem Geist nicht nur das Gesicht dieses Mädchens, er hörte plötzlich auch die Stimmen der Entführer. Tatsächlich stellte er verblüfft fest, dass er sich wohl für einen kurzen Moment in dem Versteck dieser Gangsterbande befunden hatte.

Noch einmal konzentrierte er sich auf diesen Ort. Im nächsten Moment konnte er unter sich in einer Art Lagerhalle mehrere Personen erkennen. Es waren eindeutig die in den Nachrichten gezeigten Entführer.

Das Mädchen hatten sie gefesselt und an einen der Stützpfeiler angebunden. Sie weinte leise vor sich hin. Einer der brutalen Entführer drohte ihr den Hals gleich umzudrehen wenn sie nicht gleich Ruhe geben würde. Mühsam das Weinen unterdrückend versuchte das Mädchen keine weitere Aufmerksamkeit mehr zu erregen.

Ganz offen diskutierten die Entführer über ihrem Plan, wie sie mit dem Lösegeld über die Landesgrenze abhauen wollten. Sie hatten keinesfalls vor, ihr Opfer wieder zu ihren Eltern zurückgehen zu lassen.

Mathey packte angesichts dieser Brutalität eine richtige Wut, am liebsten hätte er dem Anführer die Faust ins Genick gehauen.

Dieser Gedanke war ein großer Fehler. Kaum gedacht, stand er plötzlich direkt hinter dem Anführer. Schnell weg war der nächste Gedankenblitz. Mathey war wieder in dem Dachgewölbe der Lagerhalle und beobachtete die unter ihm versammelten Verbrecher.

Dort herrschte einige Aufregung. Der Anführer hatte die entsetzten Blicke seiner Bandenmitglieder gesehen, als plötzlich hinter ihm eine fremde Person aus dem Nichts aufgetaucht war. Ehe sie reagieren konnten, war diese Person allerdings schon wieder verschwunden. Der Anführer hatte nur den Luftzug wahrgenommen der entstand, als der Körper von Mathey auftauchte und gleich wieder verschwand.

Die Burschen waren sogar bewaffnet bis auf die Zähne. Mit ihren Pistolen im Anschlag suchten sie die Fabrikhalle ab um nach dem seltsamen "Eindringling" zu suchen. Dass es keine Sinnestäuschung gewesen sein konnte waren sie sich sicher. Jeder hatte die Person deutlich gesehen und auch der Anführer bestätigte, dass er wahrgenommen hätte, dass irgend jemand plötzlich hinter ihm gestanden hätte.

Mathey musste aufpassen, seine Gedanken im Zaum zu halten. So eine Unbedachtsamkeit durfte er sich nicht mehr erlauben. Damit gefährdete er sich nicht nur selbst sondern auch das Leben des entführten Mädchens.

Die Entführer waren mehr als verwirrt über die plötzliche "Erscheinung" und deren ebenso schnelles Verschwinden. Da sie aber trotz intensiver Suche niemanden entdecken konnten, gaben sie ihre Suche schließlich auf. Sie vermuteten letztendlich, dass durch den Lichteinfall über die Oberfenster der Lagerhalle eine Luftspiegelung entstanden war und sie so praktisch einer Täuschung erlegen waren. Einer von ihnen, der die „Person“ nicht gesehen hatte, lästerte sogar, was seine Kameraden doch für Schisser wären, jetzt schon fast auf eine Luftspiegelung schießen zu wollen. Lediglich der Anführer machte immer noch ein sehr nachdenkliches Gesicht. Wie konnte eine Lichtreflexion gleichzeitig einen deutlich spürbaren Lufthauch verbreiten?

Mathey hatte sich auf der Unterkonstruktion des Daches zusammengekauert und lauschte der weiteren Unterhaltung der Entführer. Sie machten schon wieder Pläne, was sie alles mit dem erpressten Geld hernach anfangen würden. Ab und zu lugten sie trotz allem vorsichtig aus dem Fenster um zu kontrollieren, dass sie nicht doch von einer Spezialeinheit der Polizei aufgespürt worden waren.

Aus ihrem Gespräch war eindeutig zu erkennen, dass sie keinesfalls vorhatten das entführte Mädchen wieder freizulassen. Sie sollte nur bei ihrer Flucht über die Landesgrenze als Pfand dienen.

Mathey brauchte dringend einen Plan, wie er dem Mädchen helfen konnte ohne es zu gefährden oder auch sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Entführer schienen rauhe Gesellen zu sein die offensichtlich keinen Spaß kannten. Die hatten wenig Achtung vor einem Menschenleben und dachten nur an das viele Geld welches sie erpressen wollten. Mit fünf Personen es gleichzeitig aufzunehmen war völlig unmöglich.

Inzwischen schienen sich die Verbrecher allerdings sicher zu sein, dass man sie nicht entdeckt hatte. Ihre Gefangene konnte sich nicht befreien, so wie sie an den Stützpfeiler angebunden war. Sich ziemlich sicher, jetzt nur noch auf das Geld warten zu müssen, ließ ihre Aufmerksamkeit immer mehr nach. Zwei von ihnen wollten sich sogar dabei übertrumpfen, damit zu prahlen, was sie sich alles von dem Geld leisten würden.

Mathey versuchte vorsichtig, von seinem Standort aus zu dem Pfeiler zu kommen, an dem das Mädchen festgebunden war. Als er mit dem Fuß an eine Verstrebung stieß, gab es ein kurzes hell klingendes Geräusch. Die Entführer waren so in ihren Reden beschäftigt, dass sie Gottseidank nichts gehört hatten.

Mathey wollte gerade weiterkriechen, als er bemerkte, dass das Mädchen das Geräusch anscheinend wahrgenommen hatte. Es dachte wohl, dass es dort oben Ratten gab die sich an den Verstrebungen entlangschlichen. Mathey sah in zwei erstaunt blickende Augen. Mit dem Finger vor den Mund haltend signalisierte er dem Mädchen, ihn ja nicht zu verraten.

Langsam kroch er weiter bis zu dem Stützpfeiler an dem das Mädchen mit einem Seil festgebunden war. Das Mädchen hatte offensichtlich schnell nach ihrem ersten Schreck begriffen, dass der Junge ihr helfen wollte.

Ganz langsam und vorsichtig kletterte Mathey an dem Pfeiler auf der den Entführern abgewandten Seite nach unten. Er musste höllisch aufpassen, sich nicht an den alten verrosteten Querstreben ernsthaft zu verletzen. Die Geräusche die er trotz aller Vorsicht verursachte, wurden von den eifrig geführten lauten Gesprächen der Entführerbande übertönt.

Unten angekommen, löste er die fesseln des Mädchens. Das war gar nicht einfach all die vielen Knoten aufzubekommen und dabei die wild gestikulierenden Männer im Auge zu behalten. Endlich war der letzte Knoten entfernt – das Mädchen hätte jetzt praktisch weglaufen können.

Mathey flüsterte ihr ins Ohr, noch ein wenig zu warten, er würde die Ganoven ablenken. Dann könnte sie flüchten. Kaum hatte er dies gesagt, war er auch schon verschwunden. Das Mädchen spürte überrascht, dass ihr Helfer nicht mehr hinter ihr stand. Wie um alles in der Welt war es so schnell verschwunden? Das war mehr als seltsam.

Plötzlich ging vor der Lagerhalle ein riesen Getöse los. Die Entführerbande wurde aus ihren Prahlereien aufgeschreckt und sie eilten mit gezogenen Waffen zu den Fenstern. Draussen stand ihr Auto mit dem sie gekommen waren in hellen Flammen. Allerdings konnten sie nirgends irgendwo eine Person oder die Polizei entdecken.

Dann kam ein Geräusch vom anderen Ende der Lagerhalle. Dort stand in richtig frecher Manier ein etwa vierzehnjähriger Junge und grinste die Bandenmitglieder an, als ob er sich über ihre entsetzten Gesichter köstlich amüsieren würde.

Hatte der womöglich ihr Auto angezündet? Dem Anführer stieg die Zornesröte ins Gesicht, als er daran dachte, dass diese Rotznase gerade versuchte sie zu verarschen. Er war ein recht guter Schütze. Ohne Vorwarnung schoß er auf den Jungen. Der hatte genug, den hatte er voll erwischt. Der würde sich nie mehr mit Erwachsenen anlegen. Die ganze Bande eilte zu dem anderen Ende der Halle um zu sehen wer da so lebensmüde gewesen war, sich mit ihnen anzulegen.

Da war niemand. Der Anführer wusste einhundertprozentig, dass er getroffen hatte. Aber er sah keinen Tropfen Blut. Als er und seine Kumpane sich umdrehten, stand die Türe der Lagerhalle offen – und mitten darin im Licht der einfallenden Sonnenstrahlen – genau dieser Junge. Das war doch unmöglich. Jetzt zielten alle auf diese Gestalt und erst als ein helles Klicken signalisierte, dass das Magazin ihrer Waffen leer war, hörten sie auf zu schießen.

Wohin um alles in der Welt war diese Gestalt verschwunden? Ein lautes, vermutlich bewußt verursachtes Geräusch signalisierte den neuen Standort des Jungen. Das war doch völlig unmöglich. Kein Mensch konnte so schnell in die Dachkonstruktion klettern. Aber genau da oben stand der Junge auf einem der Querträger ohne die geringste Schramme von der vorangegangenen Schießübung abbekommen zu haben.

Gerade als sie die Magazine wieder mit Kugeln nachfüllen wollten, signalisierten laute Sirenengeräusche, dass ihre Schießübungen die Polizei auf den Plan gerufen hatte. Sie erinnerten sich jetzt wieder ihrer entführten Geisel.

Nur noch die Stricke lagen vor dem Pfeiler auf dem Boden, das Mädchen war weg. Verdammt, was war eigentlich passiert? Die Polizei hatte das Gebäude bereits umstellt, sie hatten praktisch keine Chance mehr, aus ihrer misslichen Lage herauszukommen.

Als die Polizei verständigt wurde, dass es in einer stillgelegten Lagerhalle zu einem Schusswechsel gekommen war, wußten sie praktisch sofort, dass sich dort die Entführer des Mädchens befinden mussten. Vermutlich hatte das Mädchen versucht ihnen zu entfliehen und sie hatten sie dabei erwischt.

Als sie allerdings bei der Lagerhalle ankamen, stürmte ihnen das Mädchen bereits entgegen ohne von den Geiselnehmern verfolgt zu werden. „Schnell, ihr müsst dem Jungen helfen, die bringen ihn sonst um“, flehte sie sofort die Beamten an. In der Halle konnte man tatsächlich die wüsten Flüche des Anführers hören, der offensichtlich einem Jungen drohte, eigenhändig den Hals umzudrehen.

Mit schusssicheren Westen ausgerüstet stürmten die Beamten in die Lagerhalle. Dort bot sich ihnen allerdings ein seltsames Bild. Der Anführer war auf die Verstrebungen der Dachkonstruktion geklettert und starrte offensichtlich auf eine Person, die es gar nicht gab. Zumindest konnte keiner der Beamten ausser dem Bandenchef irgend jemand anderes da oben erkennen. Fast freiwillig kletterte der Kidnapper wieder nach unten – da oben schien es etwas zu geben, das ihm offensichtlich mehr Angst einflößte als von der Polizei verhaftet zu werden. „Da war ein Junge gewesen ....“, stammelte er immer wieder.

Das war das wohl seltsamste Protokoll, das je bei der Polizei aufgenommen worden war. Einstimmig behauptete jeder, dass es einen Geist in der Gestalt eines Jungen in der Halle gegeben habe der zuerst das Mädchen befreit, und dann die Gangster anschließend fast in den Wahnsinn getrieben habe.

„Mathey – Hallo Mathey.... „ Mathey fühlte, dass er von irgend etwas an seiner Schulter gepackt wurde. Der erste Gedanke war, dass ihn der Anführer der Kidnapperbande jetzt doch erwischt hätte. Halb benommen öffnete er die Augen. Es war seine Mutter die versuchte ihn wachzurütteln. „Hast du schlecht geträumt“, fragte sie mit sorgenvoller Mine. Mathey ließ sich sehr viel zeit für seine Antwort. „Nein, Mutter – ich hatte soeben den besten Traum meines bisherigen Lebens“, beruhigte er seine Mutter gutgelaunt.

Die Mine seiner Mutter hellte sich trotz allem nicht auf. Nicht wegen seiner Antwort. Nein, sie sah auf das große Loch in seiner neuen Weste. Ihr Blick sagte ihm, dass sie fast ein wenig wütend darüber war, dass er die teure Weste schon nach so kurzer Zeit zerrissen hatte wo sie doch das Geld dafür so mühsam verdienen mußte.

„Ich passe bestimmt in Zukunft besser auf – versprochen“, versuchte er die Mutter umzustimmen. In seinen Gedanken nahm er sich vor, noch ein wenig intensiver zu trainieren. Nur knapp hatte er sich dem schießwütigen Anführer der Entführerbande entziehen können – das Loch in seiner Weste war ein gefährlicher Streifschuß gewesen der ihn um ein Haar richtig erwischt hätte. Da mußte er noch um einiges schneller werden, sich gedanklich von einem Ort wegbewegen zu können. „Los zieh die Weste aus, ich versuche das Loch wieder zuzunähen“, lenkte jetzt seine Mutter ein. Bestimmt wäre sie entsetzt gewesen, wenn sie gewußt hätte, warum Mathey so ein betroffenes Gesicht machte. So schlimm wäre es nun auch wieder nicht, wenn man sich ein Loch in die Kleidung reißt – das käme bei Jungen seines Alters halt doch manchmal vor.

Die Nachricht über die glückliche Heimkehr des entführten Mädchen war in allen Abendnachrichten. Der Polizeisprecher fasste sich kurz: Sehr mysteriöse Umstände hätten zu der Verhaftung aller Bandenmitgliedern geführt. Das Mädchen behauptete vor der Presse, einen ganz besonderen Schutzengel gehabt zu haben.

Der nächste Tag in der Schule brachte für das Mädchen allerdings noch eine zweite Überraschung. Als sie Mathey auf dem Pausenhof erblickte, starrte sie ihn fast Minutenlang wie einen Geist an. Als sie gerade ansetzte, ihrer Freundin zu erklären, dass dieser Junge ihrem Schutzengel zum verwechseln ähnlich sah, tat dieser etwas sehr ungewöhnliches was sie bereits schon kannte. Er hielt den Finger vor den Mund – sie sollte schweigen. Das war der eindeutige Beweis, dass sie sich nicht eingebildet hatte, dass sie einen Schutzengel besaß – diesen gab es wirklich.

Es war nicht nur das Geheimnis das es galt zu hüten, es sollte auch der Beginn einer sehr langen Freundschaft werden.


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