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Kennen Sie dieses Gefühl... - von Robsntpwn, 25.10.2007

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn man sich einen Augenblick Zeit nimmt und Inne halt. Diese Momente, in denen man einfach ein paar Jahre älter wird, wobei Sie nur Sekunden dauern? Oh ja ich bin mir sicher, dass Sie wissen wovon ich rede. Man begreift, dass man vieles geschafft , einiges falsch gemacht und manche Dinge umsonst getan hat. Klar den einen oder anderen Irrweg ist man auch gegangen. Im Grunde ist dieser Moment nur einer von vielen, aber wie aus dem Nichts habe ich diesen Abstand von mir selbst, als wenn ich gerade ohne jede Vorwarnung ein Kapitel beendet hätte. Um mich herum bewegen sich Menschen, denn die S-Bahn ist gerade eingefahren und mit mir strömen viele Leute aus der Bahn. Alle sind sehr hektisch, alle wollen nach Hause oder sonst wohin, es ist Mittwoch.
Ich liebe es Wein zu trinken, darum muss ich mir auf dem Weg nach Hause unbedingt noch eine Flasche kaufen, vielleicht auch zwei. Nicht, dass ich viel trinken würde, aber es immer gut etwas Vorrat zu haben. Gerade jetzt im Winter ist es schön ein Glas guten Wein zu trinken und dazu noch etwas Gutes zu essen. Ich habe schon lange nicht mehr gekocht, dabei mache ich es so gern, aber ich komme mir immer so armseelig vor für mich alleine zu kochen.
Aus dem Weinladen auf dem Weg in meine Wohnung fragt mich eine Frau nach der Uhrzeit, sie trägt einen roten Schal, der mir nicht so recht aus dem Kopf geht, sowie ihren Atem den man sehen kann. Es ist Januar und ich werde dieses Gefühl nicht los, dieses Gefühl als sei ich gerade viel älter geworden. Aber warum? Warum jetzt? Ich beschließe jetzt nicht darüber nachzudenken, denn es ist verdammt kalt, die beiden Flaschen Wein in den Händen lassen sie fast erfrieren und es sind noch fünf Minuten bis ich in meiner Wohnung bin. Kennen Sie dieses Knacken des Schnees unter den Füßen, wenn er frisch ist? Sie wissen was ich meine, und ich mag es sehr. Es hat den ganzen Tag geschneit. Es ist 18 Uhr und schon dunkel. Aber wie dunkel kann es in einer Großstadt schon sein, besonders wenn dann auch noch Schnee liegt. Die Stadt lebt immer und das macht sie so besonders. Feste Regeln des Lebens gibt es hier nicht. Man kann drei Uhr früh Pizza essen und findet genug Leute die Mittags besoffen sind. Hier folgt nichts festen Regeln und das ist auch gut so.
Ab und an bin ich gern mal in der Natur. Es ist ungewohnt zu schlafen wenn es ringsherum ruhig ist, aber es ist verdammt erholsam und dennoch vermisse ich die Stadt schon nach drei Tagen. Ich bin Autor. Mein Beruf ist also das Schreiben. Ich kann es nicht besonders gut, aber es gibt eine Menge Autoren, die noch schlechter darin sind, und deswegen kann ich davon ganz gut leben. Sie glauben gar nicht, wie lange man sich zurücklehnen kann, wenn man erst einmal ein Buch veröffentlicht hat und dieses sich einigermaßen gut verkauft.
Mir ist ziehmlich kalt, aber ich bin jetzt da. Da wo ich wohne. Da wo ich arbeite. Da wo ich ich sein kann. Schon interessant wie sehr wir uns verstellen, wenn wir nicht in unseren vier Wänden sind. Wie sehr wir uns doch bemühen anders gesehen zu werden als wir eigentlich sind. Am Ende stellen viele dann fest, dass sie selber nicht mehr wissen, wer sie wirklich sind, was für eine Zeitverschwendung.
Ich laufe die beiden Stockwerke hoch in meine Wohnung. Das Licht im Hausflur funktioniert nicht, also taste ich im Dunkeln nach dem Schlüsselloch und schaffe es nach zwei Anlaufen die Tür zu öffnen. Ich lege meine Jacke ab und bin froh in der Wärme zu sein, froh zu Hause zu sein. Stelle den einen Wein zur Zeit und öffne die andere Flasche. Ein Glas Wein in der Hand zu haben ist schon ein besonderes Gefühl. Kein Vodka, kein Bier, kein Alkopop, kein Sekt sondern Wein, das wahrscheinlich eleganteste Getränk der Welt. Hat nicht schon Edgare Wallace am besten geschrieben, wenn er ein einiges Intus hatte? Vielleicht hilft es mir ja.
Ich setze mich auf mein Sofa und denke an dieses Gefühl. Vielleicht sollte ich darüber schreiben? Vielleicht sollte ich es aber auch lassen. Während ich so da sitze und nachdenke über dieses komische Gefühl, über die Frau mit dem roten Schal, über meine Eltern die ich schon lange nicht mehr angerufen habe und über dieses und jenes, stelle ich fest, dass die Säure eines Granny Smith Apfels nicht gut mit lieblichem Wein harmoniert.
Meine Wohnung ist achtzig Quadratmeter groß, also nicht zu groß und nicht zu klein. Dennoch habe ich nicht genug platz für all meine Bücher. Der Spruch, dass Filmemacher selten ins Kinogehen trifft auf Autoren nicht zu. Das Buch ist einfach eine Wunderbare Erfindung und ich muss mir Auch immer welche kaufen, auch wenn ich nie eines mehrmals lese. Ein Buch aus einer Bibliothek zu leihen, das schon ein anderer hatte, ist mir irgendwie suspekt. Jeder hat doch eine Leidenschaft oder nennen sie es Faible oder Fetisch für etwas, meiner ist das Buch.
Vor drei Wochen war Sylvester, seitdem habe ich keinen meiner Freunde gesehen. Ich war in den letzten Tagen sehr einsam und habe viel nachgedacht. Vielleicht hat das ja etwas mit diesem Gefühl zu tun. Haben sie Zeit zum nachdenken oder kommt das bei ihnen auch zu kurz, so wie das bei vielen Menschen in unserer Zeit der Fall ist. Mit sich und seinen Gedanken allein zu sein, kann einen sehr viel weiter bringen als man im ersten Augenblick vermutet. Mir hilft es jedes Mal, denn man muss sich erst im Klaren darüber sein wo man hin will, bevor man losgeht. Der Wein schmeckt gut.




©2007 by Robsntpwn. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von annemie
Am 17.10.2009 um 17:13 Uhr

Du überschaust dein Leben. Ja, so ist es. Auch ich habe solche Erfahrungen. Diese Minuten sind sehr kostbar und Du fühlst es deutlich in Dir, dass Du wieder innerlich gewachsenbist.
Ich habe Deinen Text gerne gelesen, vielleicht könnte er etwas gekürzt werden.
Schreibe weiter und stell bald wieder eine Arbeit hier rein.
annimie







Von Aabatyron
Am 25.10.2007 um 18:24 Uhr

Das "Gefühl" hast du wirklich gut beschrieben. Manchmal vergisst man wirklich in der Hektik des Alltags, dass man jeden Tag ein kleines Stück "älter" wird. Da genügt wirklich manchmal nur ein kurzer Moment der Besinnlichkeit, und schon hat uns die Erkenntnis eingeholt, dass das Leben doch ein stetiger, unaufhaltsamer Strom ist, den niemand aufhalten kann. Ob man im Leben die Fehler, die man gemacht hat, bei einer zweiten Chance nicht mehr machen würde? Ich glaube man würde bestimmt wieder andere Fehler machen. Gerade diese nicht vorhandene "Unfehlbarkeit" macht doch die schöpferische Kraft mit all der Vielfalt des menschlichen Daseins aus.

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