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Rotkäppchen und Wolf - von scrittore, 18.07.2007
"Rotkäppchen...., Roootkaeaeppchen...., FRANZISKA!!!"

"Ja, Mom. Was ist denn, warum schreist du so?"

"Bist du taub, Rotkäppchen? Ich habe schon dreimal gerufen!"

"Sag nicht immer Rotkäppchen zu mir, in der Schule lachen sie schon über mich. Seit ich als Kind diese alberne rote Kappe tragen musste, sagt jeder Rotkäppchen zu mir. Ich hab das satt. Ich heiße Franziska, F r a n z i s k a."

"Aber Kind, diese süße rote Kappe war doch ein so allerliebstes Geschenk deiner Großmutter. Sei mal ein wenig dankbar. Ich hätte mich gefreut, wenn ich als kleines Mädchen so eine schöne Kappe hätte tragen dürfen. Aber wir hatten nicht das Geld dazu."

"Ach Mom, immer wieder diese alten Kamellen, die mag ich gar nicht mehr hören. Aber warum hast du mich gerufen?"

"Rotk.., äh.., Franzi, du musst noch einmal zur Großmutter gehen. Sie liegt schon ein paar Tage im Bett, sagt der Förster, und es geht ihr gar nicht gut. Nimm einen Korb mit Kuchen und eine gute Flasche Rotwein mit. Aber trödle nicht wieder herum."

"Und hör auf, mit diesem Tunichtgut von Köhlersohn rumzumachen, diesem Wolf" polterte es plötzlich aus der Küche. Ihr Stiefvater hockte in Hemdsärmeln mit aufgedunsenem, roten Gesicht hinter dem Küchentisch und setzte gerade eine Bierflasche an den Hals.

"Ich mache mit niemandem rum. Außerdem, schrei mich nicht so an, du bist nicht mein Vater."

"Solange du deine Füße unter meinen Tisch setzt, wird getan, was ich dir sage! Und lass dich nicht von dem Herumtreiber anmachen."

"Aber Ernst, Franzi ist doch noch ein Kind. Was redest du denn da?", erwiderte die Mutter mit hochrotem Kopf.

"Pah, Kind, schau sie dir doch mal an, das raffinierte Luder, mit ihrer engen Jeans und der offenherzigen Bluse. Die weiß heute schon, wie man den Kerlen den Kopf verdreht," brüllte er plötzlich los.

"Soll ich jetzt zur Oma gehen? Seid ihr fertig?" fragte sie mit unschuldsvoller Miene.


Diese Tiraden ihres Stiefvaters kannte sie zur Genüge. Er polterte zwar immer gleich los, besonders wenn er getrunken hatte. Aber meistens konnte ihre Mutter ihn ziemlich schnell wieder besänftigen. Franziska war siebzehn Jahre alt, hatte feurigrote schulterlange Haare, ein paar Sommersprossen auf der Nase, leuchtend grüne Augen, meist ein strahlendes Lächeln auf den Lippen, und reifte langsam aber unübersehbar zur Frau heran. Ihr knospender Busen und die fülliger werdenden Hüften verliehen ihr einen außerordentlichen Reiz. Sie war sich dessen durchaus bewusst. Sie schlenderte mit leicht wiegenden Hüften aus dem Wohnzimmer und stellte sich vor den großen Spiegel im Flur. Das war ihre Lieblingsbeschäftigung. Stundenlang konnte sie so da stehen und sich von allen Seiten bewundern. Wenn niemand in der Nähe war, konnte es schon mal sein, das sie den Spiegel fragte:

"Spieglein, Spieglein an der Wand! Wer ist die schönste im ganzen Land?"

Aber der Spiegel machte ihr nicht die Freude zu antworten, was an und für sich bei Spiegeln auch nicht anders üblich ist.

Manchmal hatte sie auch schon die Mutter dabei überrascht und gefragt

"Aber Kind, was machst du nur immer vor dem Spiegel. Es gefällt mir gar nicht, das du immer so trödeln musst. Hast du deine Hausaufgaben schon gemacht, und was ist mit dem Abwasch? Du musst noch das Essen aufsetzen. Du weißt doch, wie der Vater ist, wenn er nicht gleich sein Essen bekommt."

Mürrisch und stumm trennte sie sich dann von ihrem Spiegelbild und machte lustlos ihre Aufgaben.

"Mom, welchen Wein soll ich nehmen, und wo steht der Kuchen?"

"Kind, Kind mach doch einmal deine Augen auf. Alles steht auf der Anrichte im Flur. Bitte trödle nicht wieder herum, und grüß die Oma von uns."

"Ja, ja. Mach ich alles. Tschüs, Mom."


Schwungvoll warf sie die Gartentür zu und eilte über den Feldweg dem Waldrand zu. Hoffentlich arbeitet Wolf wieder am Meiler. Seit er vor ein paar Tagen plötzlich vor ihr stand, als sie auf dem Weg zur Großmutter war, erfüllte sie eine innere Unruhe. Wenn sie träumte, sah sie seinen nackten muskulösen Oberkörper und seine langen schlanken Beine vor sich, und ihr wurde seltsam warm ums Herz. Er hatte sie nur angestarrt, und sie war zu erschrocken von seinem plötzlichen auftauchen, so dass sie ohne ein Wort zu sagen und ohne einen Blick zurück zu werfen, mit wild klopfendem Herzen nach einem Moment des Verharren davoneilte. Sie schalt sich hinterher, das sie nicht die Geistesgegenwart besessen hatte, sich mit ihm zu unterhalten. Es war sehr warm heute. Die Sonne brannte durch den lichten Laubwald herunter, kaum gehindert vom Himmel. Der Waldboden war übersät von Blumen in den verschiedensten Farben. Immer wieder beugte sie sich herunter und pflückte emsig, und die nächste Blume schien immer noch schöner und duftiger zu sein. Sie achtete nicht auf die Uhr.

"Hi, Rotkäppchen. Schön dich zu sehen."

Das Herz hörte ihr schier auf zu schlagen, so erschrocken war sie. Da stand er vor ihr. Seine blauen Augen blickten gebannt auf sie. Neugierig musterte sie ihn. Ihre Augen glitten über seinen verschwitzten, rußgeschwärzten Oberkörper, sahen auf den knappen Fellschurz, den er um seine schlanken Hüften gebunden hatte und betrachteten neugierig seine muskulösen Beine.

"Hi Wolf. Hast du mich schon lange beobachtet? Du musst ganz schön schwer arbeiten. Willst du dich einen Moment mit mir ins Gras setzen, ein Stück Kuchen essen, und einen Schluck Wein trinken?"

Der Köhler brauchte einen Moment um seine Augen von ihrer lieblichen Gestalt zu lösen. Dann lachte er sie an.

"Das könnte mir gefallen, mit dir im Gras..." entgegnete Wolf mit schelmisch blitzenden Augen, dabei legte er seine Hand auf ihre Schulter. Eine flammende Röte überzog ihr Gesicht und verlegen schlug sie den Blick nieder.

"Aber warte, komm mit mir zum Meiler, er ist gerade dort drüben. Da können wir uns auf eine Bank setzen, und ich kann mich etwas waschen. Sonst mach ich dir deine Bluse noch schwarz," wobei er neugierig in ihren Ausschnitt lugte.

"Komm nimm meine Hand und gib mir deinen Korb" lachte er wieder.

"Warum bist du neulich so schnell davongerannt?"

"Ich war so erschrocken" druckste sie herum, "außerdem musste ich schnell zur Großmutter."

Verlegen nahm sie seine große feste Hand, und dann liefen beide ungestüm über die Wiese zum großen, qualmenden Meiler. Während er sich am Bach wusch, hin und wieder neugierig von ihr betrachtet, bestaunte Franziska die Konstruktion des Meilers. Dann als sie sah, das Wolf mit waschen fertig war, setzte sie sich auf die Bank, schnitt etwas vom Kuchen herunter, öffnete die Weinflasche und lächelte ihn an. Wolf nahm einen Schluck aus der Flasche, biss in den Kuchen und reichte ihr die Flasche zurück. Zufrieden lächelnd holte er tief Luft und lehnte sich zurück und schaute sie irgendwie merkwürdig an.

"Der süße Kuchen hat dir geschmeckt, und der Wein ist doch auch gut?" fragte sie schüchtern.

"Das hat gut geschmeckt, Rotkäppchen. Aber ich will dir etwas viel süßeres zeigen. Vertrau mir nur."


Er zog ihr Gesicht mit beiden Händen zu sich heran, lächelte sie an, schaute ihr tief in die Augen, seine Lippen näherten sich den ihren und. Wie erstarrt beobachtete sie ihn. Seine Lippen pressten sich auf ihren Mund. Regungslos ließ sie es über sich ergehen. Doch irgendwie gefiel ihr das Spiel. Zuerst zaghaft zögernd, dann immer williger erwiderte sie seine Küsse. Das gefiel ihr sogar sehr gut. Sie legte ihre Hände um seinen braungelockten Kopf und fühlte sich seltsam erregt.

Erschrocken spürte sie seine Hand, die versuchte ihre Bluse aufzuknöpfen. Er flüsterte ihr beruhigende liebevolle Worte ins Ohr. Ihr war heiß und kalt zugleich, sie wollte nein sagen und flüsterte ja. Sie musste sich von ihm lösen, presste jedoch ihren Körper eng an ihn. Ein Schauer rieselte über ihren Rücken, ihre Hände wurden feucht und ein seltsames vibrieren erfüllte ihren Körper, als seine Hand sanft ihre eine Brust umschloss und liebevoll streichelte. Mehr, mehr, mehr rief es in ihr und sie stöhnte mit geschlossenen Augen. Ihre Hände ließen seinen Kopf los, glitten an seinem Rücken herunter und krallten sich förmlich in sein Fleisch. Schwer atmend lösten sie sich für einen Augenblick voneinander.

Dann öffnete seine eine Hand den Knopf ihrer Hose, während die andere sich bemühte ihr die enge Jeans von den Hüften zu streifen. Endlich stand sie herrlich anzusehend nackt vor ihm.

"Jetzt du" flüsterte er heiser und führte ihre Hände zu seinem Gürtel.

Sie löste den Gürtel und der Schurz rutschte von seinen Hüften. Mit großen Augen starrte sie ihn an, wie er plötzlich nackt vor ihr stand.

"Komm leg dich zu mir ins Gras. Ich bin ganz vorsichtig und tu dir nicht weh" lächelte Wolf.

Rotkäppchen legte sich neben ihn und schmiegte sich ganz eng an ihn. Beide liebkosten sich, streichelten und küssten sich intensiv. Dann zog er sie auf sich bis sie auf seinen Schenkeln saß, lächelte sie verträumt an, ein plötzlicher heftiger Schmerz durchschoss sie, so dass sie kurz aufschrie, und dann versank sie in einem wilden Taumel der Gefühle.

"Hallo meine Schöne, aufwachen."

Er kitzelte sie mit einem Grashalm unter der Nase. Sie brauchte einen Moment um sich zu orientieren, dann sprang sie erschrocken auf, bemerkte plötzlich, das sie nackt war und hockte sich mit um die Knie verschränkten Armen wieder ins Gras. Tränen liefen ihr über die Wangen.

Wolf kam zu ihr, reichte ihr die Hand, half ihr auf und nahm sie fest in seine Arme.

"Ach, du Scheiße, die Oma. Die habe ich jetzt ganz vergessen. Du, ich muss mich beeilen, sonst petzt die alte Dame noch Zuhause."

"Es war wunderschön mit dir. Am liebsten Würde ich dableiben, aber dann trifft die Alten der Schlag. Ernst, das ist mein Stiefvater, hat gesagt, ich soll mich von dir nicht anmachen lassen. Hast du mich jetzt angemacht?" kicherte Rotkäppchen dann, während sie ihre Bluse zuknöpfte und sich in ihre Jeans zwängte.

"Ich komme morgen wieder, wenn du magst Wölfchen"

dann warf sie ihm eine Kusshand zu, schnappte sich ihren Korb mit Kuchen und Wein und eilte davon ohne sich noch mal umzudrehen.

Wolf schaute ihr versonnen hinterher bis sie zwischen den Bäumen nicht mehr zu sehen war.


Endlich außer Atem erreichte sie das Häuschen ihrer Großmutter. Sie wunderte sich immer wieder über den Geschmack ihrer Oma. Ein Haus aus Lebkuchen, wo gab das schon mal. Aber gut schmecken tat es, und sie brach sich ein kleines Stückchen leckeren Lebkuchens ab. Vorsichtig pochte sie gegen die Tür, denn sie wollte ihre Oma nicht erschrecken. Endlich hörte sie die schlurfenden Schritte ihrer Oma. Die Tür ging auf und die Alte blinzelte heraus.

"Ach du bist's Rotkäppchen. Komm nur rein. Ich muss eingenickt gewesen sein, habe aber einen schönen Traum gehabt. Hmm, von einem leckeren Braten..." wobei sie sich genüsslich die Lippen leckte.

"Ich hab dir Kuchen und Wein mitgebracht, und einen schönen Gruß von Mom und von Ernst soll ich ausrichten."

Rotkäppchen trat ein, der Rabe kam wieder vom Dachbalken heruntergeflattert, und die Katze strich schmeichelnd um ihre Beine.


ENDE






©2007 by scrittore. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Hendy0410
Am 20.02.2009 um 17:55 Uhr

Das ist echt genial. Mir gefällt die Mischung aus Humor, neumodischer Stil und die Abwandlung vom Original.


Von Mag-Rian
Am 20.07.2007 um 00:08 Uhr

geschickt eingefädelt!!!wizig


Von Aabatyron
Am 18.07.2007 um 19:35 Uhr

Also dieses "Märchen" liest sich so ganz anders als das "Original" - das ist irgenwie viel interessanter.....

Schreibst du noch mehr solche "originellen" Märchen?

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Es gibt 3 Kommentare


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