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Poesie => Phantasy


Drachenkönigin Epos 01-01 - von Aabatyron, 14.09.2021
„Erwachen in einer neuen Realität“

Thannahery wachte am nächsten Morgen auf und sah sich verwundert um. „Ist das ein übler Albtraum“, flüsterte sie leise vor sich hin während sie sich ausstreckte und dehnte um ihre Arme und Beine wieder spüren zu können. „Habe ich tatsächlich die ganze Stadt der Herrscherin über sieben Reiche komplett niedergebrannt?“, schoss es durch ihre Gedanken. „Wurde ich tatsächlich von dem Menschen, den ich am meisten liebe auf der Welt, so hintergangen und zum Schluss auch noch brutal ermordet?“, fragte sie sich. „Bin ich jetzt im Reich der Toten?“, fragte sie laut. „Nein, das kann nicht real sein“, war sie sich sicher – gleich würde sie aufwachen, und alles war wieder „normal“.

Plötzlich hörte sie eine Stimme die sie irgend wie bereits schon kannte. „Ich bin Rintey“, sagte eine Stimme an der Türe zum Eingang des Zimmers. „Ich heiße Rintey“, deutete ein Mädchen auf sich selbst, welches am Eingang stand und wartete, aufgefordert zu werden, das Zimmer zu betreten.

Thannahery war so verblüfft, dass es offensichtlich im Totenreich wie im Leben eine Dienerschaft gab und nannte nun auch ihren Namen: „Thannahery, Drachenkönigin und Herrscherin über ein großes Königreich“. Das Mädchen am Eingang des Raumes deutete noch einmal auf sich: „Rintey“, zeigte nun auf Thannahery „Du Danaeri“. Thannahery hatte verstanden, deutete auf sich und wiederholte langsam ihren Namen: „Than-na-he-ry“.

Ihre neue Dienerin schien verstanden zu haben. „Thannahery“, bestätigte sie nun in perfekter Aussprache – und schien sich zu freuen, dass sie nun den Namen der Drachenbeherrscherin kannte.

„Hast du Hunger“, fragte sie und machte mit der Hand eine Bewegung zum Mund. Thannahery hatte verstanden und nickte mit dem Kopf.

„Hat man im Reich der Toten Hunger?“, fuhr ihr plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Irgend etwas stimmte hier nicht. Fast panisch rannte sie aus dem Raum des Hauses ins Freie um zu sehen, was immer es auch im Reich der Toten zu sehen gab.

Da war dieser Dorfplatz auf dem sie in ihrem Traum vor einem Häuptling gekniet hatte - oder besser gesagt, dazu gezwungen wurde. Man hatte ihr in beide Kniegelenke eine Sperrspitze gerammt um sie zu Fall zu bringen. Ohne es sich bewusst zu werden, griff sie in ihre Kniekehlen um dort die Verletzungen zu befühlen – aber da war nichts. „Es war also doch nicht real“, war ihr erster beruhigender Gedanke. „Alles nur geträumt“, fiel ihr eine richtige Last von den Schultern als sie an die vielen unschuldigen Opfer der großen Stadt dachte.

„Wie aber, wenn ich alles nur geträumt habe, komme ich an diesen Ort“, murmelte sie und suchte mit ihren Augen die Runde auf dem Dorfplatz nach anderen Personen ab. „bin ich immer noch in einem Alptraum gefangen“, fragte sie sich laut.

Rintey hatte inzwischen mit wachsender Sorge beobachtet, dass sich die Drachenbezwingerin, nach dem sie hastig auf den Dorfplatz gerannt war, dort immer seltsamer verhielt. Es sah fast so aus, als ob Thannahery gegen einen unsichtbaren Geist kämpfen würde und sie ihn im Gegensatz zu den Drachen nicht bezwingen konnte.

Rintey nahm allen Mut zusammen, eilte zu Thannahery und griff ihren Arm um sie zu bewegen, mit ihr wieder ins Haus zurückzukehren in dem sie offensichtlich vor der unsichtbaren Gefahr sicherer war.

Der ins Leere gerichtete Blick von Thannahery machte ihr noch mehr Angst als sie ohnehin schon zuvor gehabt hatte. „Enerkalam“, rief sie so laut sie konnte. Der Medizinmann konnte die bösen unsichtbaren Geister vertreiben.

Enerkalam kam sofort aus seiner Hütte als er den panischen Ruf von Rintey vernahm. Er wusste sofort, dass irgend ein böser Geist von der Drachenbezwingerin Besitz ergriffen hatte und kannte auch die Prozedur, wie man solche bösen Geister vertreiben konnte.

Er zerstampfte in Windeseile ein paar getrocknete Blätter des Arnaukbaumes, gab sie in eine Schale und zündete sie an. Der Rauch welcher der Schale entstieg, schien Thannahery sofort zu beruhigen.

Das Geschehen hatte inzwischen auch viele anderen Bewohner des Dorfes aus ihren Häusern gelockt, allen voran Häuptling Watanobe.

„Was ist hier los“, wollte er in barschem Ton von seinem Medizinmann wissen.

„Ich helfe der Drachenbezwingerin sich gegen einen unsichtbaren bösen Geist zu wehren“, antwortete der sofort. Dass auch Rintey dies mit ihrer Gestik bekräftigte, schien den Häuptling etwas zu beruhigen. „Diese Frau kann mächtige Freunde haben die nachher grausame Rache an unserm Volk üben“, waren ihm noch als Warnung seiner Frau im Ohr. Mit einem unsichtbaren bösen Geist als Feind dieser jungen Frau hatte selbst die Frau des Häuptlings nicht rechnen können.

„Sie beruhigt sich“, freute sich der Medizinmann als er sah, dass seine Arnaukbaumblätter bereits begannen, den bösen Geist, der offensichtlich von dieser jungen Frau Besitz ergriffen hatte, langsam zu vertreiben.

Die grausigen Bilder vor dem geistigen Auge von Thannahery machten dank der Wirkung der Arnaukbaumblätter einer wohltuenden Entspannung Platz. „Das ist kein Traum“, flüsterte sie mit der immer klarer werdenden Erkenntnis, dass alles so geschehen, und sie real nach einem unbarmherzigen grausamen Krieg in einer fremden Welt allein auf sich gestellt gestrandet war.

„Sieben Drachen“, meine neuen Kinder – erinnerte sie sich jetzt ganz deutlich.

„Wo sind die Dorgans?“, fragte sie den Medizinmann. Der deutete mit deutlichem Respekt in Richtung des Opferplatzes. „Viele Dorgans“, bestätigte er und streckte seine Finger aus, als ob er Thannahery dazu auffordern wolle anhand seiner ausgestreckten Finger die Zahl der Dorgans abzuzählen.



„Sprache der Steinmenschen“

Rintey war sehr intelligent und es dauerte nicht sehr lange, bis sie sich schon recht gut mit Thannahery in der ihr zuvor völlig fremden Sprache unterhalten konnte. Aber auch Thannahery bewies ebenso, dass sie in der Lage war, viel von einer fremden Sprache und Kultur in relativ kurzer Zeit lernen zu können.

Zuweilen kam Thannahery sogar die Erkenntnis, dass sie in ihrem alten Leben so manches aus Bequemlichkeit einfach an andere delegiert hatte und dadurch viele wichtigen Informationen an ihr vorübergegangen waren.

Die Jäger waren meist zu Fuß unterwegs. „Warum nehmt ihr zur Jagd nicht eure Pferde mit“, fragte sie deshalb einmal Imotee, als sie einen besonders großen Hirsch erbeutet hatten und sich abmühten, dieses Ungetüm ins Dorf zu schleppen. „Der Geruch der Pferde vertreibt das Wild“, bekam sie zur Antwort. Die Wildtiere können Pferde auf Meilen Entfernung riechen und dadurch immer rechtzeitig flüchten und sich in Sicherheit bringen.

Fast belustigt beantwortete er die noch nicht ausgesprochene Frage von Thannahery - „Warum können die Wildtiere dann die Jäger nicht auch erschnüffeln?“. „Die Kleider der Jäger werden aus den Fellen der wilden Tiere gefertigt“, da meinen die Tiere im Wald, es näherten sich ihre Artgenossen. „Und diese speziellen Kleider werden nur gewaschen wenn es bei der Jagd regnet“, verriet er ihr.

„Nur die Krieger reiten auf den Pferden über weite Strecken“, erklärte der Häuptling die Gebräuche seiner Dorfbewohner.


„Sanshyrey“

Sanshyrey wurde der Drachenbezwingerin als Dienerin zusammen mit noch zwei anderen Mädchen zugewiesen. Noch nie hatte sie so etwas gesehen, dass eine junge Frau ohne jegliche Anzeichen von Angst mit einem dieser gefräßigen grausamen Drachen spricht und er sogar ihren Worten folgt. Vor Zauberern hatte sie schon seit ihrer frühsten Kindheit Angst gehabt - und wenn der Medizinmann am Lagerfeuer von den alten Mythen und Sagen erzählt hatte, versteckte sie sich immer hernach in der Nacht unter ihren Decken um nicht von einem dieser Geister gefunden und mitgenommen zu werden.

Und nun hatte sie das Schicksal ereilt, dass sie einer mächtigen Zauberin dienen musste die sogar die Drachen beherrschen konnte.

„Sanshyrey“, rief die Drachenbezwingerin – und sie erschrak jedesmal. „Warum hast du vor den Drachen solche Angst?“, wurde sie von Thannahery gefragt, „Die tun dir nichts, wenn ich dabei bin“. Sanshyreys Gesichtsausdruck zeigte mehr als Ungläubigkeit. „Die sind meine Kinder“, wollte sie Thannahery beruhigen. „Magst du meine Kinder nicht“, wurde nun Sanshyrey gefragt.

Was sollte sie jetzt antworten? „Nein, ich mag keine menschenfressenden Bestien“, würde als Antwort vermutlich ihr Todesurteil sein weil sie die Drachenbezwingerin damit entgegen allen Regeln ihres Stammes tief beleidigen würde. „Ich liebe diese Monster“, war auch keine diplomatische Antwort – eine solche Lüge zauberte ihr immer eine seltsame Wärme und Röte auf die Wangen an der jeder erkennen konnte, dass sie nicht die Wahrheit ihrer Gedanken sprach.

„Ich liebe die Kinder der Drachenbezwingerin“, rang sie sich schließlich als Antwort ab und versuchte dem Blick von Thannahery auszuweichen . „Meinst du das wirklich ehrlich – ich will nicht, dass du mich belügst?“, entgegnet Thannahery zur Verblüffung ihrer Dienerin.

Sanshyrey nimmt allen Mut zusammen – sie will ihre Herrin nicht anlügen: „Ich habe mächtige Angst vor diesen großen Drachen. Wenn du je einmal unser Dorf verlassen wirst, dann werden sie bestimmt über uns herfallen und viele von uns umbringen und fressen.“

„Jetzt ist sie beleidigt und die Strafe wird gleich folgen“, denkt sich Sanshyrey und beugt sich demütig vor ihrer Herrin.

Thannahery wirkt für einen kurzen Moment sehr ernst und nachdenklich. Freilich wird sie das Dorf irgend wann einmal verlassen – diese Insel war riesengroß und auf ihr konnte man ein großes Königreich errichten – und dafür musste sie das Dorf nun mal in ferner Zukunft verlassen. Aber irgend wie hatte Sanshyrey tatsächlich recht damit, dass wenn diese Drachen niemand im Zaum hielt, konnte genau dies passieren, was ihre Dienerin gerade verbal befürchtet hatte.

Plötzlich änderte sich der Gesichtsausdruck von Thannahery. Sanshyrey schöpfte Hoffnung die nun folgende Strafe überleben zu können. „Du hast mich gerade auf eine sehr gute Idee gebracht“, verkündete Thannahery in fast fröhlicher Stimmung.

Sanshyrey wartete gespannt und geduldig bis die Drachenbezwingerin ihren Gedanken der neuen Idee endlich verraten würde. „Du wirst nicht von den Drachen gefressen werden, wenn ich einmal das Dorf verlasse“, verkündet sie mit einer unumstößlichen Zuversicht, „ du wirst lernen, wie man mit diesen Drachen umgeht und wie man sie beherrschen kann“.

Diese Aussicht war für Sanshyrey vermutlich eine größere Strafe als wenn man ihr aufgrund ihrer frechen Antwort zuvor die Zunge abgeschnitten hätte.

„Wir fangen gleich morgen mit dem Training an“, bestimmte Thannahery nun richtig gut gelaunt.

So hatte Sanshyrey ohne es zu wollen die Basis ins Leben gerufen, ein Heer von Drachenreitern zu schaffen. Dass sie einmal eine sehr wichtige Rolle an der Seite der Drachenkönigin spielen würde, hätte sie in diesem Augenblick niemals geglaubt.

„Du wirst lernen, wie man sie beherrscht“, - hämmerten die Gedanken immer wieder die ganze folgende Nacht in ihrem Kopf. Sie wälzte sich unruhig von einer Seite auf die andere – sah in ihren Gedanken die langen spitzen Reißzähne dieser Biester und ihren Atem aus Feuer, der alles zu Staub verbrannte was er berührte. „Wie man mit ihnen umgeht“ - allesamt Gedanken als Feinde des Schlafes. Müde – Angst vor dem was kommen wird, macht unendlich müde. „Ich will nicht, dass du mich belügst!“ - schreckt sie wieder von ihrer bleiernen Müdigkeit und dem Verlangen endlich einschlafen zu können, auf. „Vielleicht wäre eine Lüge doch gnädiger gewesen“, war ihr letzter Gedanke bevor ihr vor Müdigkeit dann doch die Augenlider zufielen.

Härter hätte der Gegensatz gar nicht sein können: Eine junge Frau, tatendurstig, gut aufgelegt, fröhlich – und eine andere junge Frau, müde, ängstlich, zaghaft in ihren Bewegungen. Die erst genannte mit Namen Thannahery, und die zweitgenannte ihre Schülerin Sanshyrey.

Das ganze Dorf wollte natürlich in gebührendem Sicherheitsabstand bei dem heutigen Ereignis zugegen sein.

Obwohl es ein sehr großes Privileg bedeutete als Dienerin für eine Drachenkönigin berufen worden zu sein, wurde in diesem Moment Sanshyrey von keinem beneidet. Ihr bester Freund sah sie schon zwischen den alles zermalmenden Zähnen so eines Drachens zu Tode kommen oder sie wurde vom Atem dieser Monster bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.



„Die erste Drachenreiterin“

„Hey, es ist nicht deine Hinrichtung“, versuchte Thannahery ihre Wegbegleiterin Sanshyrey auf dem Weg zum Opferplatz, zu dem die Drachen mit dem Horn gerufen werden konnten, zu beruhigen.

Sanshyrey blieb immer weiter im gebührenden Sicherheitsabstand zurück. Auf dem Opferplatz angekommen meinte Thannahery es sei ratsam, nicht so viel Abstand zueinander zu halten – nicht dass die Drachen meinen, sie habe ihnen heute doch ein Opfer mitgebracht. Thannahery konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen als sie sah, mit welcher Geschwindigkeit die blanke Angst die Füße mancher Menschen plötzlich antreiben kann.

Die Drachen wurden mit dem Horn gerufen – und während sich Thannahery richtig auf die Begegnung mit ihren neuen Kindern freute, wuchs die Angst bei Sanshyrey bis ins Unermessliche.

„Sie kommen“, rief einer der Krieger, und versteckte sich schleunigst hinter dem Schutzwall aus Steinblöcken.

Das schwirrende Geräusch der Drachenflügel war nicht zu überhören - Und es wurde immer lauter.

Die Eltern und die beiden Brüder waren stolz auf Sanshyrey, die ganz ruhig mitten auf dem Platz stand und auf die Ankunft der Drachen wartete. Natürlich wussten sie in diesem Moment nicht, dass Sanshyrey nur so ruhig wirkte weil die Angst sie komplett gelähmt hatte.

Der Platz reichte fast nicht für die großen Drachen aus als alle sieben gelandet waren.

„Sturm“, - begrüßte Thannahery den Anführer der Truppe. Entsetzt wichen die Zuschauer noch weiter zurück, als Sturm seine Art der Begrüßung zeigte und einen Feuerstrahl mindestens hundert Meter in die Luft blies. Die Wärme lies trotzdem den einen oder anderen frösteln.

„Da könnte man in drei Sekunden einen Stier braten“, flüsterte einer der hinter den Steinblöcken versteckter Krieger seinem Nachbarn ins Ohr.

Dass Drachen ein sehr gutes Gehör besitzen, wusste jener Krieger bis zu diesem Moment noch nicht. Natürlich war es unwahrscheinlich, dass die Drachen die gewöhnliche menschliche Sprache verstehen – aber der spöttische Tonfall war einem der Drachen nicht entgangen. „Tagonar! Komm zurück“, befahl die Drachenkönigin, als sie sah, dass Tagonar sich hinter den Schutzwall aus Steinblöcken schleichen wollte um dort vielleicht nach einer kleinen Mahlzeit zu suchen.

Dieses Ereignis war für den Mut von Sanshyrey wenig förderlich und ihre Angststarre hielt weiter an.

„Meine Kinder“, begrüßte nun die Drachenkönigin die sieben Ankömmlinge.

„Enora, komm näher“, forderte die Drachenkönigin und streckte ihre Hand aus. Enora war die friedfertigste Natur unter den Sieben. Sie streichelte ihren Kopf und ihren Hals. Enora spürte die Wärme der Hände und auch die unbekannte Kraft, die von dieser vor ihr stehenden Person auszugehen schien. Ihr Instinkt sagte ihr, dass dieses vor ihr stehende kleine Wesen den gleichen Ursprung ihrer Geburt wie sie selbst besaß – aber mit sehr großen Kräften ausgestattet worden war.

„Sanshyrey komm langsam her zu mir“, forderte Thannahery nun Sanshyrey auf, sich zu ihr zu bewegen. „Das ist Enora, sie wird dir nichts tun“, sprach sie Sanshyrey Mut zu, „habe Vertrauen – komm her“.

Sanshyrey vermied es peinlichst, ihren Blick auf die anderen Drachen zu werfen – als ob sie damit ihren Tod herbeiführen würde wenn sie die Gefahr anblickte.

Sanshyrey hatte das Gefühl, als ob jemand ihre Beine festhalten würde – aber ihr Verstand sagte ihr, dass dies die Angst war, die ihre Bewegungen lähmte. Da stand die Drachenkönigin und forderte sie auf ihr zu vertrauen – ein innerer Kampf begann. Konnte der Mut und das Vertrauen auf die Worte der Drachenkönigin ihre Angst bezwingen? Ihre Beine schienen plötzlich von der zuvorigen Fesselung befreit zu sein.

„Gleich werde ich bei dem Drachen stehen“, wusste Sanshyrey nachdem der Mut und ihr Vertrauen endlich ihre Angst besiegt hatten.

„Du kannst sie ohne Gefahr berühren“, forderte Thannahery Sanshyrey auf.

Vorsichtig streckte Sanshyrey ihre Hand in Richtung der Schnauze des Drachens aus. War es eine Ewigkeit oder nur ein Augenblick – der erste Kontakt mit der Haut des Drachens.

Hatte Sanshyrey zuvor noch befürchtet, ihre Finger würden an dem Maul des Feuerspeienden Drachens von der Hitze die in ihm stecken musste, verbrennen, so war sie jetzt sehr überrascht, dass sich die Haut sehr kalt anfühlte. Sie konnte ihre Überraschung kaum verbergen und um ihr Gefühl zu bestätigen, berührte sie nun mit beiden Händen die Schnauze des Drachens.

„Enora mag dich“, bestätigte Thannahery als der Drache seinen Kopf senkte damit auch sein Hals mit den warmen Händen von Sanshyrey gestreichelt wurde.

Sanshyrey konnte plötzlich eine ihr unbekannte Kraft fühlen die von diesem Drachen ausging. Die Berührung des Drachens mit ihren Händen hatte ihre Angst fast komplett verfliegen lassen. Lag in dieser Kraft das Geheimnis der Drachenkönigin - kam ihr ein kurz aufflackernder Gedanke.

„Senke deine Schulter“, befahl nun Thannahery dem Drachen und Enora folgte dem Befehl sofort. Thannahery kletterte auf den Rücken von Enora und forderte dann Sanshyrey auf ihr zu folgen.

„Kann der Drachen auch wirklich zwei Personen tragen“, wollte Sanshyrey bestätigt wissen – obwohl sie sich dessen sicher war, aber es noch eine gehörige Portion mehr Mut als zuvor bedeutete auf den Rücken dieses Drachens zu klettern.

„Na komm schon“, forderte Thannahery sie auf , „das ist ganz einfach.“

Langsam und vorsichtig setzte Sanshyrey an, den Rücken des Drachens zu erklimmen. Sie trat mal hier und da in eine empfindliche Stelle der Flügel, mal dort in eine andere Stelle im Genick des Drachens wo es dem nicht angenehm war – so richtig vorwärts kam sie allerdings nicht.

Irgend wann wird selbst einem großen geduldigen Drachen die angebliche Tollpatschigkeit so eines kleinen Menschenwesens zu bunt. Als ein Fuß aus versehen wiederholt im empfindlichen Muskel des Flügels des Drachens landete, wurde der plötzlich richtig lebendig. Sein Kopf bewegte sich wie eine Peitsche zur Seite, seine Zähne schnappten den Plagegeist und im nächsten Moment spuckte er seinen Fang auf seinen Rücken auf dem die Drachenkönigin schon mit mehr als Geduld wartete.

Ein Aufschrei war durch die Zuschauermenge gegangen – jeder hatte gedacht, dass nun Sanshyrey mit Haut und Haaren von den großen Drachen verspeist würde.

Die saß derweil kreidebleich aber körperlich völlig unversehrt genau vor der Drachenkönigin und wagte nicht, sich auch nur noch einen Millimeter zu rühren.

„Du hast wirklich eine elegante Art auf einen Drachen aufzusteigen“, witzelte Thannahery gutgelaunt, „das muss ich mir unbedingt merken.“

„Flieg uns über das Land“, befahl sie Enora, „aber nicht zu schnell in die Kurven fliegen weil unser Gast sonst wieder Angst bekommt.“

„So habe ich unser Dorf noch nie gesehen“, staunte Sanshyrey als sie von hoch oben die Menschen nur noch so klein wie Ameisen sah. „Da gibt es ja noch viele andere Dörfer“, - es war keine Frage sondern mehr eine Feststellung.

Auf einer weiten Grasfläche konnte sie nach einiger Zeit des Fluges eine riesige Herde Pferde sehen. „Dem diese Tiere gehören, der muss sehr reich sein“, murmelte sie, so dass es Thannahery trotz des pfeifenden Windes hören konnte.

„Das ist eine wilde Herde“, wurde sie von Thannahery aufgeklärt, „die gehören der Natur“.

„Das – das ist wunderschön in der Luft fliegen zu können“, freute sich Sanshyrey. „Du hast wirklich phantastische Kinder“, bestätigte sie Thannahery.

Irgend wann setzten sie wieder zur Landung an und Thannahery sprang vom Rücken des Drachens. Sanshyrey wollte ihr folgen, „bleib auf ihrem Rücken sitzen und halte dich gut fest“ wurde sie von Thannahery aufgefordert. Thannahery sprang auf den Rücken von Sturm, dem Rudelführer der Drachen, und schon wurde der zweite Rundflug gestartet.

„Nicht so schnell“, rief Sanshyrey aufgeregt, als Enora dem vorausfliegenden Sturm in einem rasanten Manöver folgen wollte. Sofort verringerte Enora ihre Geschwindigkeit, bog ihren Hals zurück, blickte genau in die Augen von Sanshyrey. Ihr würde wirklich nichts passieren, wusste Sanshyrey ab diesem Moment.

Einige Zeit später. Beide Drachen waren wieder auf der Erde angekommen. Sanshyrey kletterte sehr vorsichtig vom Rücken ihres Drachens. Als sie wieder auf dem festen Boden stand, passierte etwas verblüffendes was nicht einmal die Drachenkönigin hätte voraussagen können. Sanshyrey streichelte den Hals von Enora und bedankte sich bei ihr für dieses Abenteuer. Die Reaktion des Drachens konnte nur die Drachenkönigin erklären. Enora hob den Kopf und im nächsten Moment raste eine gewaltige Feuersäule gen Himmel.

„Da haben sich heute zwei Freunde fürs Leben gefunden“, erklärte sie den Umstehenden mit erstaunter Stimme, „die Drachen speien nur für jene Wesen Feuer gen Himmel, die sie bedingungslos als ihre Herrscher oder gleichwertig kräftig ansehen.“

Die nächste Nacht war ruhig und von Träumen erfüllt. Sanshyrey träumte von weiteren Flügen hoch oben über der Landschaft wie eine Göttin im Himmel. Thannahery träumte von den prachtvollen Pferden die sie auf der Graslandschaft entdeckt hatten. Ein Krieger des Dorfes der über die Drachen gelästert hatte träumte von einem listigen Drachen der sich um sein Haus schlich um die Essensvorräte zu stehlen. Ein noch weit entfernter Eroberer träumte, noch weitere Reiche erobern zu können. Und ein Schmied träumte, irgend wann eine besondere Waffe schmieden zu können.




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