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Prosa => Krimi


Lasst die Vergangenheit ruhn Kapitel 41 bis Ende - von Andrea, 14.03.2019
Kapitel 41


Sie reichten sich die Hände. Großherzog Carl Alexander stand umringt von seinen Gästen.
Sekt wurde ausgeteilt und die Stimmung war ausgelassen fröhlich. Ein hochgewachsener Mann stand neben Carl Alexander und sprach mit lauter Stimme. Francis verstand kein Wort. Es war eine komische Sprache.
Was er mehrmals heraus hörte war das Wort „ heel mooi.“
Er fand diesen klang schön und schmunzelte darüber, trotz der ernsten Situation und seiner Aufgabe.
Niemand nahm ihn wirklich wahr. Die Uniform, die er seinem Gegner nach dem Kampf beim Schloss Belvedere ausgezogen hatte, schien vom hohen Rang.
Es war Glück, dass dieser ungefähr seine Größe trug.
Er würde den Soldaten wieder aus den Fesseln und dem Knebel befreien, wenn alles gelaufen war.
Damit dieser sich nicht doch noch selber befreit und Alarm schreit, hatte Francis seine eigenen Sachen mit genommen und im Ilmpark unter einem liegenden alten Baumstamm versteckt.
In Unterwäsche würde er sich wohl kaum hier blicken lassen.
Vorsichtig näherte er sich dem Großherzog.
Er hatte einen alten, verbitterten Mann erwartet, aber er schien sich geirrt zu haben.
Fröhlich und ausgelassen lachte er und genoss den Trubel.
„ Euere Majestät! Auf ein Wort!“ flüsterte Francis und verneigte sich leicht. Wie einfach es doch jetzt war zu ihm vor zu dringen. Was so eine Uniform doch alles vermag.
Carl Alexander zog die buschigen Augenbrauen hoch. Lächelnd entschuldigte er sich bei den Gästen, die in unmittelbarer Nähe standen und wandte sich Francis zu.
„ Ist etwas nicht in Ordnung?“
„ Ich spreche in einer eigenen Angelegenheit zu Ihnen.“
In kurzen Worten umfasste Francis die ganze Geschichte.
Er konzentrierte sich nur auf den Kern des Geschehens, was jedoch einige Minuten in Anspruch nahm.
Das Gesicht des Großherzogs verzog sich.
Geduldig hörte er zu bis Francis zum Ende kam.
„ Das sind wahrlich heftige Anschuldigungen an meinem Major.“
„ Ich kann es sogar beweisen.“ Francis zog die Briefe aus der Tasche und reichte sie ihm.
Mit zwei Sätzen war alles erklärt. Erwartungsvoll beobachtete Francis wie sein Gegenüber die Briefe las.
„ Majestät, das Rennen beginnt gleich!“ ein hagerer Mann drängte sich vor.
Mit nur einer Handbewegung machte Carl Alexander ihm klar, dass er nicht gestört werden wollte.
In aller Ruhe las er die Zeilen der beiden Briefe.
Danach faltete er sie sorgfältig wieder zusammen und sah Francis direkt in die Augen.
„ Ich nehme an, sie sind nicht der Mann dem diese Uniform gehört.“
„ Nein. Mein Name ist Francis Neumann. Ich bin Peters Zwillingsbruder. Der Junge, dem dieser Brief gehört. Marion wusste zu der Zeit noch nicht, dass sie Zwillinge zur Welt bringen wird.“
„ Es ist erschreckend wie einfach sich jemand hier reinschmuggeln kann. Die Sicherheit hat ein große Lücke aufgetan. Major Schubert war dafür verantwortlich, dass alles reibungslos abläuft. Nicht auszudenken, wenn den Gästen etwas zustößt auf meiner Einladung hin.
Ich sollte wohl einen neuen Major ernennen. Sie haben mir einen großen Gefallen erwiesen. Ich hoffe dem Soldaten dieser Uniform geht es gut?“
„ Ja. Er ist ein guter Boxer, wie sie sehen.“ Francis zeigte auf seine rote, geschwollene Nase. „ Er befindet sich gerade im Garten vom Schloss Belvedere. Es wäre gut, wenn sie einen Mann dort hin schicken und ihn aus seiner misslichen Lage befreien.“
„ Ich werde nach dem Rennen alles in die Wege leiten. Ich erwarte sie und ihren Bruder heute Abend am Residenzschloss.“
„ Vielen Dank! Wir werden dort sein.“
Mit pochendem Herzen verließ Francis das Podest.
Jetzt kommt alles wieder in Ordnung.

Von der gegenüberliegenden Straßenseite aus beobachtete Schubert die ganze Szene. Er sah den Soldaten mit Großherzog Carl Alexander reden. Irgendetwas an diesem Soldaten gefiel ihm nicht. Viel zu vertraut sprachen die Beiden miteinander. Das war ungewöhnlich. Dann reichte dieser Mann auch noch irgendwelche Papiere weiter, die Carl Alexander wohl interessiert las. Schubert lief es heiß und kalt über den Rücken. Sollten die Brüder doch noch einen Weg gefunden haben, die Briefe an den Großherzog zu übergeben? Er traute sich nicht mehr seinem Vorgesetzten gegenüber zu treten. Erst musste er mit Sicherheit wissen, was das ganze zu Bedeuten hatte. Schubert mischte sich unters Publikum. Unauffällig beobachtete er den Soldaten, wie er sich verabschiedete und das Podest verließ.
Francis rannte zum Park. Er wollte die Uniform möglichst schnell wieder los werden. Sie bereitete ihm ein ungutes Gefühl. Freiheit war ihm wichtig. Seine eigenen Endscheidungen treffen seine Ranch leiten und das Leben spüren. Nie wäre er der Armee beigetreten.
Francis orientierte sich an der Himmelsrichtung um den Baumstamm mit seinen Sachen wieder zu finden.
Er begann die vielen Knöpfe zu öffnen um endlich dieses Teil los zu werden.
„ Was machen sie hier? Sie sollten beim Rennen sein!“
Francis erkannte die Stimme sofort.
Dieser kratzige Unterton.
Er atmete tief ein. Ihm blieb keine andere Wahl als sich umzudrehen und sein Gesicht zu zeigen.
Schubert zog verwundert die Schultern zurück. Francis sah ihn mit finsterer Mine an.
„ Wie kommst du zu dieser Uniform?“
„ Ich wollte dieses Zeug gerade los werden. Fühlt sich beengend an, „ gab Francis zurück.
Schubert stampfte auf ihn zu.
Er wollte am Kragen zufassen, aber Francis umfasste sein Handgelenk und hinderte ihn daran.
Sein Griff war so stark, dass Schubert etwas in die Knie ging. Verbissen presste er seine Zähne aufeinander, um den Schmerz nicht zu zeigen.
„ Es ist aus!“ sagte Francis und verdrehte das Handgelenk weiter, bis daraus ein gebeugter Armhebel wurde.
„ Nein!“ knirschte Schubert, „ Ich werde euch beide umbringen und mir anschließend noch einmal die hübsche Reporterin vornehmen.“
Francis lockerte unbewusst den Griff. Hatte Schubert gerade die Wörter „ noch einmal“ verwendet?
„ Was hast du getan?“
Der Major riss seine Hand aus der Umklammerung.
„ Sie hat nicht mal geschrien, das tapfere Mädchen. Ich glaube, es hat ihr genauso gut gefallen wie mir. Ich hatte schon lange keinen solchen…“
Mit voller Wucht traf Francis Faust das Kinn seines Gegenübers. Schubert stolperte zurück.
Wutentbrannt stürmte dieser wieder vor und rammte seinen Kopf in die Magengrube. Francis konnte dem Schub nichts entgegensetzen und versuchte durch Rückwärtiges gehen den Druck zu mindern.
Wie ein Stier schob Schubert ihn weiter zurück, bis Francis schließlich nach hinten überfiel.
Wasser spritzte auf, als er in die Leutraquelle stürzte. Ein kleines rundes Wasserloch am Rande des Parks indem regelmäßig Wäsche gewaschen wurde. Die Uniform sog das kalte Wasser von nur 8,5 Grad auf und erschwerte Francis wieder auf die Füße zu kommen.
Schubert bemerkte das Problem und sprang hinter her.
Er umklammerte Francis Kehle und drückte sein Gesicht unter Wasser.
Mit aller kraft versuchte Francis den Griff zu lockern. Wasser drang in seine Nase.
Verzweifelt trat er mit den Füßen, aber sein Gegner stand über ihm und bekam keinen einzigen Tritt ab.
Wenn er nicht in den nächsten Sekunden Luft bekam, war es das Ende. Seine Kraft ließ nach, schwarze Schleier vernebelten die Sicht.
Mit letzter Kraft konnte er den Mittelfinger seines Gegners fassen und riss ihn zurück. Es knackte drei Mal.
Schubert schrie auf. Ließ die Kehle los.
Francis schob sich rückwärts von ihm weg. Sobald sein Mund über dem Wasserspiegel war, holte er tief Luft.
Ein Hustenanfall leerte die Lunge vom verschluckten Wasser. Er zog sich an den Steinen aus dem Loch und blieb keuchend am Rand stehen. Schubert kniete noch in der Quelle. Panisch sah er auf seins Hand. Der Finger hing wie eine leere Handschuhhülle herunter. Nur die Sehnen hielten ihn noch fest.
Ohne den schweren, nassen Waffenrock lief Francis zum Baumstamm unter dem seine Sachen versteckt lagen.
Den Rest der Uniform ließ er einfach dort liegen, nachdem er sich umgezogen hatte.
Vorsichtshalber machte Francis einen großen Bogen bevor er zu Johannas Wohnung schlich. Nur weit genug weg von diesem Major. Einen weiteren Kampf wollte er sich nicht antun. Die Briefe waren abgegeben und damit würde Schubert die gerechte Strafe bekommen.
Der Hals schmerzte immer noch.
Ein guter Whiskey wäre jetzt genau das Richtige.
Er öffnete die Tür zur Wohnung und sah sich Peter gegenüber.
„ Francis!“ rief dieser erleichtert auf und nahm den Schirm runter, den er als Schlagstock benutzen wollte, als er Schritte im Flur hörte.
„ Du hast es geschafft!“
„ Hast du etwa an mir gezweifelt? Die paar Soldaten habe ich doch locker abgeschüttelt.“ Dann wurde sein Blick finster, als er sich nach Johanna erkundigte.
„ Sie schläft“, flüsterte Peter und wies auf die Schlafzimmertür.
„ Hat Schubert sie angefasst?“
„ Woher weißt du davon?“
„ Also hat er die Wahrheit gesagt, dieses Schwein.“
„ Er hat es versucht. Hat zum Glück nicht ganz geklappt, aber Johanna hat es schwer mitgenommen.“
Francis klopfte ihm auf die Schulter.
„ Gut gemacht.“
„ Da ist nur leider noch etwas.“ Peter senkte den Blick.
„ Wir haben versagt. Die Briefe sind in Schuberts Hand. Es ist alles verloren.“
Francis stand mit dem Rücken zu Peter. Dieser konnte nicht sehen, wie sein Bruder jetzt über beide Ohren grinste.
„ Wie soll es jetzt weiter gehen?“
Lachend dreht Francis sich um.
„ In ungefähr vier Stunden treffen wir uns mit Großherzog Carl Alexander vor dem Schloss.“
Peter starrte ihn mit offenem Mund an.
„ Soll das heißen, du hast mit ihm geredet?“
„ Ja! Die Briefe hat er auch und er war erbost über die Machenschaften seines Majors.“
„ Aber, wie…da war doch ein Soldat und dann war Johanna plötzlich weg!“
Francis sagte nichts.
„ Warte mal…ich habe die ganze Zeit Johanna beobachtet. Dann warst du also der Soldat? Wie sonst bist du an die Briefe gekommen.“
„ Du solltest vielleicht doch Detektiv werden, Peter. Hast ein Talent dazu.“
Überglücklich fiel er seinem Bruder in die Arme.
„ Wir haben es also geschafft!“







Kapitel 42



Wie versprochen, war Großherzog Carl Alexander schon vor Ort, als Peter und Francis eintrafen.
Schubert stand mit vorgestreckter Brust umringt von seinen Soldaten. Selbst jetzt bewarte er noch Haltung. Seinen gebrochenen Finger hatte er selber mit einem Stück Holz geschient und verbunden. Es war ihm sicherlich Peinlich eine Niederlage zuzugeben.
Trotzdem hatte Francis das Gefühl, das er wesentlicher kleiner schien. Irgendwie fehlte jeder Stolz, jene Manneskraft die Schubert sonst Ausstrahlte.
Ein gebrochener Mann.
„ Major Schubert! Was haben sie zu den Anschuldigungen zu Sagen?“ Großherzog Carl Alexander sah ihn mit stechendem Blick an. „ Sie waren stets mein bester Mann. Ich habe mich ganz auf ihre Erfahrungen gestützt.“
In Schuberts Augen lag der blanke Hass, als er zu den Brüdern hinüber schaute.
„ Es ist alles eine eingefädelte Intrige gegen mich. Diese Beiden dort gehören eingesperrt und verurteilt wegen unrechtmäßigen Anschuldigungen und tätlichen Angriff auf mich.“
Peter verzog das Gesicht. Wütend trat er einen Schritt auf Schubert zu.
„ Sehen sie, wie er mich angreift?“ verteidigte sich der Major.
„ Halten sie endlich mal ihren Mund und stehen sie zu ihren Taten. Durch ihre missbrauchte Macht sind Menschen gestorben. Gute, unschuldige Menschen. Wir haben unsere Mutter verloren, meine Zieh Eltern sind ihres wegen im Gefängnis. Sie haben nichts Illegales getan. Im Gegenteil. Durch ihren Mut bin ich jetzt noch am Leben.“
Francis stand mit verschränkten Armen und einem Grinsen auf dem Gesicht daneben.
„ Euere Majestät! Ich kann ihnen eine ganze Kiste voll mit Briefen überreichen, von jungen Damen, die er ausgenutzt hat. Sie alle haben ihm einen Liebesbrief geschrieben, in der Hoffnung diese Liebe erwidert zu bekommen. Er hat sie der Reihe nach sitzen lassen. Sie können zum Beweis ja einige der Damen befragen. Schließlich steht unter jeder Liebesbekenntnis der Name, der Frau.“
„ Ist das wahr?“ forschend erwartete Carl Alexander eine Antwort.
„ Ich werde ja wohl noch ein Privat Leben haben dürfen. Ich habe die Frau fürs Leben eben noch nicht gefunden. Die besagten Damen waren alle mit meinen…Zufrieden und einverstanden.“ Schubert versuchte zu Retten was er noch Retten konnte.
„ Da bin ich anderer Meinung!“ die junge Kellnerin aus dem Hotel Erbprinz schob sich durch die Schaulustige Menge.
„ Er hat mir gedroht. Ich dachte zunächst auch, dass er mich lieben würde, aber dann erfuhr ich von den vielen Anderen, die er schon missbraucht hatte. Ich sollte ihm gefälligst stets zur Verfügung stehen, wenn er Lust bekäme, sonst würde ich meine Arbeit verlieren! Das waren ihre Worte, Herr Major!“ sie war so aufgebracht, dass ihr Gesicht rot anlief.
„ Führen sie Major Schubert ab. Das Gericht wird entscheiden, wie hoch die Strafe ausfällt. Ihren Rang allerdings werden sie ablegen. Als alternative kann ich ihnen nur noch eine Stellung in Afrika anbieten. Wenn sie Major bleiben wollen, dann nur dort. Allerdings sehe ich da keine gute Zukunft für sie, wenn mehrere Morde von ihnen ausgegangen sind.“

Schubert schien endlich den Ernst der Lage zu verstehen. Das sein streben nach dem Amt eines Großherzogs nun endgültig hier endete, wurde ihm nach den Worten Carl Alexanders deutlich klar.
Mit gesenktem Kopf ließ er sich Abführen.
Kein Widerstand, keine Flüche oder Drohungen.
Sie sahen ihm nach und fast hätte Peter Mitleid gehabt.
Farncis hingegen hatte den Mordversuch in der Quelle nicht verwunden. Er trat auf Schubert zu und sah ihm sekundenlang, ohne ein einziges Mal zu blinzeln, in die Augen.
„ Das schlimmste an der Sache ist, dass jeder jetzt weiß, dass du unser Vater bist. Hättest du dich einfach still verhalten, wäre alles geblieben wie es war.“
„ Herr Bruchner, ihre Eltern…“ Carl Alexander hielt kurz inne und suchte nach den richtigen Worten.
„ Magdalena und Matthias sind meine Eltern. Sie waren es immer und sie werden es immer bleiben, “ sagte Peter voller Stolz.
„ Sie sind wieder frei. Alle Anschuldigungen seitens Major Schubert werden fallen gelassen.“
„Vielen Dank, euer Majestät.“
„ Ich habe zu Danken. Dieser Major ist zu weit gegangen. Schließlich vertritt er unser Land in meinem Namen. Wie kann ich mich erkenntlich zeigen.
„ Ich bin sicher, Francis möchte schnell so wie möglich wieder nach Texas, „ grinste Peter.
„ Er wird erster Klasse reisen und die beste Kabine an Bord bekommen.“
Francis lief rot an. Damit hatte er nicht gerechnet.
„ Ich habe nur einen Wunsch. Eine Fotographie von mir und Peter. Am besten vor dieser Statue beim Theater.“
„ Du meinst Goethe und Schiller?“ hakte Peter nach.
„ Ja, ich glaube so heißen die Beiden.“
„ Das lässt sich einrichten. Wir haben den besten Fotographen in Weimar den es in Deutschland gibt. Sein Name ist Louis Held. Ich werde ihn sofort hier her beordern.“
„ Da wäre noch eine Kleinigkeit.“ Farncis rieb sich nervös die Hände.
„ Ohne die Hilfe von Johanna Müller, einer Reporterin der Weimarschen Zeitung, wäre dies alles nicht so gelaufen. Sie hat uns geholfen und mehrmals ihr Leben dabei riskiert.“
„ Ich werde sehen, was ich für die Dame tun kann.“





Kapitel 43


Laut quietschten die Räder der Lok beim einfahren in den Bahnhof.
Dampf stieg auf und hüllte die Brüder ein.
„ Jetzt ist es also so weit. Abschied!“ sagte Peter traurig.
„ Es muss nicht für immer sein. Ich hoffe du kommst mich mal in Texas besuchen. Ich bringe dir Reiten bei!“ Auch Francis musste schlucken. Es fiel ihm schwer Ade zu sagen, aber er freute sich auch auf seine Heimat.
Johanna stand etwas abseits. Sie wollte den Familienabschied nicht stören.
Fast gleichzeitig schauten beide zu ihr rüber.
Zögerlich ging Francis auf sie zu und nahm sie fest in den Arm.
„ Pass auf, dass er keine Dummheiten macht. Er mag dich und wird auf dich hören. „ hauchte er ihr ins Ohr.
„ Sicher, mach dir keine Sorgen. Er wird mich immer an dich erinnern. Farncis Neumann! Gute Reise. Und danke für das gute Wort beim Großherzog. Ich bin jetzt seine persönliche Reporterin. Nur ich darf über seine Geschäfte und sein Leben berichten. Damit bin ich hoch angesehen bei meinen Kollegen. Und über Geld brauche ich mir nie mehr Sorgen zu machen.“
„ Du hast auch viel dafür Riskiert. Du hat es verdient!“
„ Dein Zug fährt ab!“ rief Peter und warf die Taschen in die noch offen stehende Tür zum Abteil.
Mit einem Satz sprang Francis auf die Stufe des Zuges und hielt sich am Geländer fest.
Er konnte sich noch rechtzeitig hinein ziehen, bevor dieser ins Rollen kam.
Peter und Johanna winkten noch lange hinter ihm her. So lange, bis nichts mehr zu sehen war.
Sie standen am Bahnsteig, blickten gedankenverloren die leere Schiene entlang, bis Peter sich zu ihr umdrehte und sie unerwartet küsste. Johanna ließ es zu. Sie erwiderte seine Zuneigung indem sie über seinen Rücken bis zum Gesäß ihre Hand gleiten ließ. Als sie sich von einander gelöst hatten lächelte sei verlegen.
„ Ich werde ihn vermissen“, sagte sie, „ aber ich habe ja noch dich. Quasi ein verdoppelter Francis.“
„ Ich hoffe, du denkst nicht immer an ihn, wenn du mich küsst.“
Sie lachte. „ Nein, ich kann ja auch anders herum denken. Der doppelte Peter ist eben abgereist.“
Sie schauten auf das Bild, das beide vor dem Theater zeigte.
Ein großer, kräftiger und ein etwas hagerer Mann, aber beide absolut gleich im Gesicht und hinter ihnen, Schiller und Goethe. Es wird eine schöne Erinnerung für immer sein.





Kapitel 44



Lee Sloter tupfte sich den Schweiß vom Gesicht. Die Sonne über Texas brannte heiß. Er stand zwar im Schatten während er das Pferd beschlug, aber auch dort war die Hitze fast unerträglich geworden.
Er fluchte leise vor sich hin. So wie er es immer tat.
Warum er Cowboy geworden ist, wo es doch so viel angenehmere Jobs gab. Warum er nicht einen Job in der Bank angenommen hatte. Dann würde er jetzt an einem Schreibtisch sitzen, saubere Kleidung tragen und…Verdammt nein, ein Anzug mit Krawatte kam gar nicht in Frage. So was würde Lee niemals anziehen.
Er hob den Kopf, als er den Wagen herankommen hörte.
Wer mag um diese Zeit wohl einen Ausflug hier her machen?
Geduldig wartete er im Schatten, bis der Wagen nahe genug heran kam.
Ungläubig rieb er seine Augen, als die ersten Konturen des heranfahrenden schärfer wurden.
Der Schweiß an seinen Händen, brannte so sehr, dass seine Augen tränten.
„ Du meine Güte! Ist es wahr?“ er ließ den Hammer fallen um dem Wagen entgegen zu laufen.
„ Bist du es wirklich, oder bekomme ich jetzt Wahnvorstellungen bei der Hitze?“
Francis zog die Bremse an und sprang vom Sitz.
„ Hey, da ist ja mein alter Vorarbeiter!“
Lee Sloter tanzte vor Freude und schlug sich den Hut rhythmisch gegen die Beine.
„ Schön dich wieder zu sehen!“ rief er anschließend. Er verzichtete auf einen Händedruck und riss ihn gleich an sich für eine feste Umarmung.
Elli Perez hörte in der Küche den Freudengesang vorm Haus. Neugierig schaute sie aus dem Fenster.
Sie hielt sich die Hände vor den Mund um nicht laut los zu schreien, als sie erkannte, wer da draußen der fremde Mann war.
„ Was ist los, Mami?“ Betty saß am Küchentisch um malte.
Neugierig hüpfte sie vom Stuhl um ebenfalls durch das Fenster zu schauen. Mit ihrer piepsigen Stimme kreischte sie aufgeregt, „ Francis ist zurück!“
Sie riss die Haustür auf und lief ihm entgegen.
Francis hörte sie schon von weitem kreischen.
Er breitete seine Arme aus, um das heranstürmende Mädchen aufzufangen.
„ Da kommt ja mein großes Mädchen!“
„ Ich bin so froh, dass sie wieder da sind!“
„ Lass dich mal anschauen…“
„ Du bist ja wirklich gewachsen in der kurzen Zeit.“
Betty umklammerte seine Hüfte und starrte nach oben.
„ Siehst du, ich kann dich schon hier oben umarmen.“
„ Du hast recht! Beim letzten Mal hast du nur meine Beine umklammern können. Also hast du wohl viel Gemüse gegessen.“
Betty lachte, „ man wächst doch nicht, wenn man Gemüse isst!“ Francis wollte ihr gerade etwas dazu sagen, als Elli langsam und schüchtern auf ihn zukam.
„ Willkommen zu Hause!“
Mit großen Schritten trat Francis ihr entgegen.
„ Danke, Elli. Wie ich sehe ist auch ohne mich alles perfekt weiter gelaufen. Ich bin sehr froh, dass ich dich vor meiner Abfahrt noch eingestellt habe.“
Sie wollte einen höflichen Knicks machen, aber Francis umarmte auch sie.
„ Hast du deinen Bruder gefunden?“ wollte Betty wissen.
„ Ja, das habe ich.“ Er zog das Foto von ihm und Peter vor dem Theater aus seiner Tasche und reichte es dem Mädchen.
„ Er sieht dir aber wirklich ähnlich. Ich nehme an, es war tierisch langweilig dort.“
„ Betty!“ ermahnte ihre Mutter sie.
„ Oh ja. Dort Leben wollte ich nicht.“
Vorarbeiter Lee Sloter lehnte an der Tür und zündete sich seine Pfeife an.
„ Dann sehe ich dich ja Morgen wieder bei der Arbeit. Hast lange genug Urlaub gemacht. Schluss mit den Faulenzereien.“
Francis stützte seine Hände auf dem Geländer der Veranda und schaute auf das weite Texas.
„ Du hast recht! Morgen geht es wieder an die Arbeit!“



ENDE

Vielen Dank an alle m/w Leser.

Wenn euch diese Story gefallen hat oder auch nicht, teit es mir mit. Ich freue mich über feedback genauso wie über kritik.





©2019 by Andrea. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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