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Die Last - von Berrol, 02.03.2019
Als Sattler die Akte in den Händen hielt, war es bereits zu spät. Zu spät, die Angelegenheit noch zu einem glimpfligen Ende zu bringen, zu spät, um überhaupt noch zu reagieren und so eigentlich auch zu spät für Reue, die niemandem mehr nützte. Trotzdem konnte er es nicht einfach auf sich beruhen lassen, konnte sich nicht einfach still verhalten, bis die Sturmwolken vorbeigezogen sein würden; es war an ihm, etwas zu unternehmen, nur wusste er beim besten Willen nicht, was. Nun, es würde ihm schon etwas einfallen, die Angelegenheit musste nur einmal in aller Ruhe überschlafen werden.

Tags darauf sah er sich von der erwarteten Eingebung im Stich gelassen. Es hatte sich nichts geklärt über Nacht, im Gegenteil, er war sich nun der ganzen Komplexität des Problems bewusst, des ganzen verhängnisvollen Dominoeffektes, den seine Unachtsamkeit auslösen würde, und damit auch den Konsequenzen, die ein derartiger Schnitzer üblicherweise für den Schuldigen nach sich zieht.
Sattler war nicht in bester Verfassung, als er an diesem Morgen das Büro betrat. Sah man es ihm an? Wenn ja, verstanden die Kollegen es perfekt zu kaschieren. Man redete freilich über kaum etwas anderes, aber er wurde in die Diskussion miteinbezogen, so als hätte er damit nicht mehr zu schaffen, als jeder andere. Er hielt sich in der Angelegenheit so gut es ging mit eigenen Theorien und Mutmaßungen zurück, denn schließlich, gesetzt den Fall, die Wahrheit war bereits am Licht, wollte er sich nicht auch noch würdeloser Fehlverdächtigungen schuldig machen.

Sattler arbeitete unkonzentriert an diesem Tag. Fast ununterbrochen erwartete er die Durchsage, die ihn ins Büro des Geschäftsführers zitieren würde, aber es geschah nichts dergleichen am Vormittag, ebensowenig am Nachmittag. Schließlich kam auch nach diesen endlos scheinenden Stunden der Moment des Feierabends. Die Kollegen verabschiedeten sich, der Geschäftsführer grüßte, als Sattler an dessen Büro vorbeiging; es war ein Tag wie jeder andere gewesen, für jeden, außer Sattler.

Als er nachhause kam und die Dokumente auf seinem Schreibtisch liegen sah, wurde ihm einen schrecklichen Moment lang schwarz vor Augen. Er hatte sie selbst dort hingelegt, aber es war ein Schock, sie nun so offen und kompromittierend auf der Tischplatte zu entdecken. Als er sie in den Sekretär einschloss, wusste er, dass er heute im Betrieb etwas davon hätte sagen sollen, unter vier Augen zu seinem Vorgesetzten, der war schließlich auch Mensch genug, um ihn wegen eines einmaligen Fehlers nicht gleich rigoros zu verteufeln; man würde Sattler ja aufgrund eines solchen Vorfalls nicht gleich entlassen. Oder vielleicht doch?

Sattler ging spät zu Bett nach diesem Abend, den er grübelnd verbracht hatte, darüber, welche Form die innerbetrieblichen Nachforschungen annehmen würden.
Dabei war er zu der Schlussfolgerung gelangt, dass eigentlich niemand wissen konnte, was mit der verschollenen Akte wirklich geschehen war, denn schließlich hatte es nie zu Sattlers Gewohnheiten gehört, Schriftstücke zur Überarbeitung mit nachhause zu nehmen. Diese Erkenntnis beruhigte ihn wieder ein wenig; andererseits verfluchte er diese eine Ausnahme der Regel, die ihn in solche Schwierigkeiten gebracht hatte.

Die relative Erleichterung des vorangegangenen Abends verflüchtigte sich zusehends, als er sich am nächsten Tag in der Firma über den Stand der Ermittlungen informierte. Die Angelegenheit wurde nicht einmal mehr diskutiert, sondern wie es schien mit allgemeiner Berechnung totgeschwiegen. Der Grund dafür konnte nur darin bestehen, dass der Fall im Grunde bereits aufgeklärt war, und man nur noch nach dem Beweis suchte, den Verantwortlichen - ihn, Sattler- zu überführen. Wer wusste es schon? Die Kollegen? Alle? Nur die Geschäftsleitung? Immerhin musste der Beweis noch erbracht werden.

Sattler zermarterte sich an seinem Schreibtisch das Hirn darüber, ob er vielleicht irgend einen Fehler gemacht hatte, der ihn überführen konnte. War er an diesem Nachmittag wirklich allein im Archiv gewesen? Hatte er jemanden davon erzählt, dass er sich diese Mappe noch einmal vornehmen wollte? Konnte man anhand des Falles, den er gerade bearbeitete, einen Zusammenhang zu den verschwundenen Schriftstücken herstellen? Vor allem: Was konnte man ihm - Verdächtigungen hin oder her - tatsächlich nachweisen? Aber zu einem Beweis, erkannte Sattler, brauchte es gar nicht zu kommen. Bei allgemeinem Verdacht gegen ihn, musste dieser nicht einmal auf Indizien gestützt sein, um ihn des Vertrauens der Geschäftsleitung zu berauben, was auf kurz oder lang ohnedies auf Sattlers Verlassen der Firma hinauslaufen würde.

Im Moment dieser Erkenntnis erlitt Sattler an seinem Schreibtisch einen Schwächeanfall. Das Büro drehte sich plötzlich um ihn, ein jäher Schweißausbruch durchnässte sein Hemd. Sein Gesicht musste wohl aschfahl geworden sein, denn ein Kollege vom gegenüberliegenden Schreibtisch trat zu ihm und fragte, ob ihm nicht wohl sei. Sattler versuchte sich zusammenzureißen, aber es gelang ihm nicht, er zitterte am ganzen Körper, atmete keuchend und blickte gehetzt mit glasigen Augen im Büro umher. Sattler wurde in das Zimmer geführt, das für derlei Notfälle eingerichtet worden war. Er wurde er auf eine Liege genötigt, man lockerte ihm den Schlips und schließlich wurde ein Krankenwagen gerufen. Sattler ließ die Dinge einfach geschehen. Er war sich sicher: Nun hatten sie ihn!

Unauffällig hatte er sich verhalten wollen, so unauffällig wie nur irgend möglich. Einfach weitermachen, bis die ganze Angelegenheit irgendwann in Vergessenheit geraten würde! Und nun war er vor den Kollegen zusammengebrochen, die natürlich ohne viel angewandte Phantasie auf einen Zusammenhang stoßen würden, unweigerlich, und sei es nur aus einem völlig unbewussten Instinkt heraus. Sein Zusammenbruch würde zweifellos zum Betriebsgespräch, ebenso, wie der Fall des verschwundenen Dokuments Betriebsgespräch war. Eine Spekulation, die beides mit einander in Verbindung bringen würde, war geradezu zwangsläufig zu erwarten.

Während man Sattler zum Krankenwagen führte, drehte der sich noch einmal nach dem Firmengebäude um, sicher, es nie wieder betreten zu dürfen. Seine Aktentasche mit der Handvoll Habseligkeiten: Klappbesteck, Schreibset, Thermoskanne... er würde sie nicht abholen, sich nicht auf einen entwürdigenden Spießrutenlauf einlassen, begafft und verhöhnt von den ehemaligen Kollegen. Er würde die Tasche einfach dalassen.

Nachdem Sattler im Hospital eingehend untersucht worden war, hatte er eine Kreislaufspritze bekommen und konnte schließlich mit dem Taxi zu seinem Hausarzt fahren, um die Formalitäten zu erledigen. Er saß zusammengesunken im Fond und malte sich aus, wie es sein würde. Ein kurzer Anruf? Eine schriftliche Kündigung? Würde er doch noch einmal hin müssen? Es war ihm unerträglich, dass nun vermutlich in der Firma alles einen Weg ging, den er nicht wahrnehmen konnte und auf den er nicht den geringsten Einfluss hatte. Sein Arzt würde ihn mit Sicherheit für den Rest der Woche krank schreiben, noch zwei Tage! Zwei Tage, in denen er nichts würde tun können, als warten, nicht mit einbezogen in den Mechanismus, der vielleicht eben gerade anlief. Sattler wies den Taxifahrer an, ihn anstatt nachhause in die Firma zu fahren.

Als er unsicher das Büro betrat, wurde er von den Kollegen verwundert angesehen, wobei er nicht wusste, ob seiner überaschenden Rückkehr oder der bereits eingeleiteten Maßnahmen wegen. Näheres war für ihn während des Nachmittags nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Er tat seine Arbeit und spitzte die Ohren dabei, aber außer des üblichen Büroklatsches war den Unterhaltungen der Kollegen nichts zu entnehmen, was darauf hingewiesen hätte, dass in seiner Angelegenheit bereits personelle Konsequenzen beschlossen worden wären. Es war natürlich nichts anderes zu erwarten gewesen, dachte sich Sattler, den Kollegen war es selbstverständlich untersagt worden, sich in dieser Sache etwas anmerken zu lassen und damit einem anstehenden Gespräch mit Geschäftsführer und Personalchef vorzugreifen. Die Herren würden es sich zweifellos nicht nehmen lassen, ihn sich persönlich vorzuknöpfen. So kam es für Sattler auch nicht überraschend, dass er eine Dreiviertelstunde vor Feierabend ins Büro des Personalchefs gerufen wurde.

Als Sattler den Flur entlang ging, war er trotz aller Angst um seine weitere Zukunft mit einem mal erleichtert, als wäre er jäh von einer erdrückenden Last befreit worden. Endlich würde er alles sagen können, zu spät zwar, aber er würde es loswerden. Je näher er dem Büro der Geschäftsleitung kam, desto sicherer wurde Sattlers Gang, er hatte sich fest vorgenommen, den ersten Schritt zu tun, von sich aus Klarheit in die Angelegenheit zu bringen und seine Kündigung selbst anzubieten.

Sattler war überrascht, als ihm der Geschäftsführer eher freundlich als nur höflich einen Stuhl anbot und sich nach seinem Befinden erkundigte. Eine Finte, vermutete Sattler, konnte aber dennoch einen aufkeimenden Hoffnungsschimmer nicht unterdrücken. Er entschied sich dafür, mit seinen Darlegungen noch ein wenig zu warten. Der Geschäftsführer schlug ihm vor, seines angeschlagenen Zustandes wegen ein paar Tage Urlaub zu nehmen. Sattler neigte schon, darauf einzugehen, als ihn die Nachbemerkung seines Vorgesetzten, es sei in dieser Woche ohnehin recht hektisch in der Abteilung zugegangen auf's heftigste alarmierte. Man wollte ihn aus dem Büro haben, um die Nachforschungen ungestört abschließen zu können!

Nun wurde sich Sattler erneut des schmerzhaften Dilemmas bewusst, in dem er sich befand: Nahm er den Vorschlag an, würde er weder Informationen noch Einfluss auf die Nachforschungen haben und zuhause die reinste Hölle durchleben, ständig mit den entscheidenden Anruf rechnend. Weigerte er sich aber, musste dies nur erneut die Aufmerksamkeit auf ihn ziehen, hatte doch schon sein Zusammenbruch und die danach erfolgte überraschende Rückkehr an seinen Arbeitsplatz für unnötiges Aufsehen gesorgt. Sattler spürte bereits wieder die atemlose Angst in sich hochsteigen und ging, um einen weiteren Verdacht erregenden Schwächeanfall zu vermeiden, schnell auf den Vorschlag ein, bedankte sich beim Abteilungsleiter und verließ zitternd das Büro.

Zuhause saß er lange still am Schreibtisch, in stummer Betrachtung der Akte, die plötzlich wie ein tödlicher Schatten über seine bislang so sicher scheinende Existenz gefallen war. Es wurde ihm klar, dass er den Augenblick verpasst hatte, die Dokumente unbemerkt zurückzubringen, und nun nisteten diese sich in seiner kleinen privaten Welt ein, wie ein nagender Bandwurm. Fort mussten sie, einfach weg aus seinem Haus, seinem Leben, seinem Hirn. Das war überhaupt die einzige Chance, die er noch hatte, denn ohne das Corpus Delicti kein Beweis. Der Verdacht mochte noch eine gewisse Zeit lang an ihm kleben bleiben, aber er würde sich nachträglich nicht mehr beweisen lassen. Sattler widerstand dem Drang, die Mappe auf der Stelle verschwinden zu lassen und beschloss, eine Nacht lang über die Frage zu schlafen, wie er sie verschwinden lassen sollte.

Es wurde eine grausige Nacht. Die Akte schien leise aus dem Arbeitszimmer herüberzulachen. Sattler kamen längst vergangene Fälle in den Kopf, bei denen es bis zu einer Durchsuchung der Privatwohnungen von verdächtigen Angestellten gekommen war, gar bis zur Sicherstellung des Hausabfalles. Es musste weg, gleich morgen früh. Nicht einfach in den Müll, sondern unkenntlich gemacht, zerstört, vernichtet! Es zerreißen? Das würde nicht genügen. Verbrennen? Vermutlich das beste.

Gegen 7 Uhr früh, kurz nachdem Sattler doch noch in unruhigen fiebrigen Schlaf gefallen war, riss ihn das bedrohliche Schrillen des Telefons wieder hoch. Es war soweit! Keuchend, keiner Bewegung fähig saß er aufrecht im Bett. Die Panik griff langsam nach seiner Kehle und begann, zuzudrücken. Er hatte zu lange gewartet, das wurde ihm nun furchtbar deutlich. Viel zu lange! Aber warum ein Anruf? Sein Gehirn - noch taub vom Schlaf und verkrampft vor Entsetzen - suchte fieberhaft nach dem System, das den nun folgenden Ereignissen zugrunde liegen würde.
Unter jähem Entsetzen wurde ihm alles klar: Es war ein Kontrollanruf! Man wollte festestellen, ob Sattler zuhause war, da in wenigen Minuten die Klingel läuten und eine Gruppe von Mitarbeitern vor der Tür stehen würde, mit der internen Untersuchung beauftragt und mit der scheinheiligen Frage auf den Lippen, ob man sich - im Interesse aller - einmal in Sattlers Wohn- und Nebenräumen umsehen dürfe. Vielleicht waren bereits Polizeibeamte hinzugezogen, so dass er nicht einmal die Möglichkeit haben würde, abzulehnen. Vielleicht auch nicht. Es spielte ohnedies keine Rolle, denn eine Ablehnung käme einem Schuldeingeständnis gleich.

Das Telefon schrillte noch immer. Was wenn er einfach nicht abnehmen würde? Würden sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen oder dennoch herkommen? Und wenn er dann einfach nicht aufmachen würde, wie lange würde er damit Erfolg haben?
Aber das waren müßige Gedanken. Natürlich wussten sie, dass er um diese Tageszeit zuhause war. Sie wussten es in diesem Augenblick, mit dem Ohr am Telefon, und die Tatsache, dass am anderen Ende niemand abnahm, beseitigte den letzten Rest von Zweifeln. Als Sattler schon versucht war, sich die Ohren zuzuhalten, kam er darauf, dass er noch ein wenig Zeit hatte, bis sie eintreffen würden: Er wusste nicht, wieviel Zeit, aber es wurde ihm klar, dass er noch immer handeln konnte, -dass er endlich handeln musste!

Er nahm die Akte zitternd aus dem Sekretär. Nicht in den Müll, denn dort würde sie weiter existieren, nur dilettantisch versteckt. Das Telefonschrillen brach ab. Verbrennen! Unbewusst stöhnend taumelte Sattler zum Wohnzimmerfenster und spähte panisch auf den sich erhellenden Vorgarten hinaus. Der Rasen, der Ginster, das Gartentor, es war noch niemand zu sehen. Etwa 20 Minuten brauchte man, um vom Büro hierher zu gelangen, das ging ihm dröhnend durch den Kopf, während er fahrig die Schubladen nach Streichhölzern durchsuchte. Allerdings herrschte um diese Zeit noch kein allzu dichter Verkehr, abgesehen von der Möglichkeit, dass der Anruf gar nicht vom Betrieb sondern einer nahen Telefonzelle aus getätigt worden sein konnte.
Im Küchenschrank fand er schließlich ein Plastikfeuerzeug. Nun musste alles sehr schnell gehen. Sollte er es im Spülbecken tun? Das Küchenfenster ging zur Straße hinaus, so dass man das Feuerflackern eventuell von der Haustür aus sehen konnte. Das Wohnzimmer war von der Terrasse aus einzusehen. Nein, keine Fenster. Der Keller? Nein, nicht der Keller, dort würde sich der verräterische Rauch noch tagelang halten.

Im Flur begann das Telefon erneut zu klingeln. Eine letzte Chance? Sattler schwankte. Wenn er nun nicht abnahm, würde ihnen klar sein, womit er gerade beschäftigt war. Aber wenn er abnahm ohne die Dokumente schon vernichtet zu haben, und es dann an der Tür läuten würde? Einer verzweifelten Eingebung folgend nahm Sattler Fleckenbenzin und eine Blechkehrschaufel an sich, kletterte unsicher die Ausziehleiter zum Dachboden hinauf, besprühte dort die Akte, legte sie auf die Kehrschaufel und entzündete sie schließlich. Ohne einen Blick auf das sich entwickelnde kleine Feuer zu werfen hangelte er sich wieder die Leiter hinunter und riss den Telefonhörer von der Gabel. Perfekt! Es war perfekt, es war ihm gelungen! Es war seine Schwester. Sie hatte vor ein paar Minuten schon einmal angerufen, aber da hatte er wohl noch geschlafen, meinte sie. Seine Schwester war besorgt, da sie am vorangegangenen Tag versucht hatte, Sattler im Büro zu erreichen, und ihr von einem Kollegen mitgeteilt worden war, dass ihr Bruder an seinem Arbeitsplatz einen Schwächeanfall erlitten hatte. Sattler lachte. Was denn mit ihm sei, fragte seine Schwester, erhielt als Antwort aber lediglich ein leises Lachen, das klang wie raschelndes Papier. Noch ein paarmal versuchte sie erfolglos, ihren Bruder zum Sprechen zu bringen, dann wurde aufgelegt.

Sattler sah noch einmal kichernd aus dem Wohnzimmerfenster. Der Rasen, der Ginster, das Gartentor, sie grinsten ihn an; sie zeigten auf ihn und grinsten. Vielleicht freuten sie sich mit ihm, vielleicht lachten sie ihn auch nur aus, Sattler war das gleich.

Durch die Dachbodenluke drang fetter graugelber Qualm herab, begleitet von lauter werdendem Knacken und Knistern. Das war nicht schlimm wusste Sattler, das war nur so, weil etwas verbrannte, weil etwas in Flammen aufging, weil etwas emporstieg wie Nebel, befreit von jedem Gewicht, leicht und luftig, egal, wie schwer es zuvor gewesen war.

Hustend stieg Sattler auf den Dachboden. Dort war keine Akte mehr zu sehen, nicht einmal die Asche der Dokumente war noch in Rauch und Flammen zu erkennen, die ganze Mappe war verbrannt, zusammen mit den alten Zeitungen und den Pappkartons und all den grauen Dingen, Erinnerungen, von denen man sich nicht trennen mag, auch wenn sie auf einem lasten wie ein Fels.



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