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Poesie => Dies und Das


Der Schweinetöter - von AlterMann, 14.02.2019
Der Schweinetöter...


(ähnlich wie Karl May's 'der Bärentöter',
das ist aber reiner Zufall, ehrlich!)

...kleine, aber wahre Erzählung aus dem Nicaragua der 1980er Jahren,
aus der kleinen, liebenswerten Stadt San Rafael del Norte

Meine Welt in Nicaragua war klein, eigentlich wirklich sehr klein und gut überschaubar. Zumindest nachdem das Wasserprojekt in dem ich gearbeitet hatte beendet war. Mein Leben fand jetzt in einem kleinen Ort statt, der wenn er auch den Titel Stadt trug nur ein groß geratenes Dorf war. Es gab noch keine befestigte Straße und das Hauptfortbewegungsmittel war das Pferd und Maultier. Das Dorf hatte damals ein wenig mehr als 13.000 Einwohner die in zwei Gruppen auf geteilt waren. Einmal waren das die Familien der Gründer des Dorfes, z.B. die Familien Arauz, Ubeda, Blandỡn, und noch drei oder vier Familien, die aber weniger von Bedeutung waren da sie mit den Jahren ihre Vormachtstellung verloren hatten. Der Rest der Menschen waren sozusagen Zugezogene. Familien die im Laufe der Jahrehunderte nach San Rafael aus tausenderlei Gründen aus anderen, meist umliegenden Gebieten zugewandert waren. Natürlich waren da unter den Menschen des Dorfes auch Menschen die mir wirklich am Herzen lagen und bei denen, wenn ich an sie dachte, tausend Erinnerungen aufkamen. Ich bin erstaunt wie sehr ich diese Menschen geschätzt habe und wie sehr mir dieser Lebensbereich, Nicaragua, fehlt. Die Gewissheit dass ich aus gesundheitlichen Gründen nie wieder dort sein werde schmerzt mich sehr. Immerhin habe ich fast dreisig Jahre dort gelebt! Dabei will ich eigentlich dort sterben wenn es einmal soweit ist. Dann würde ich sozusagen meine letzte Reise von dort aus antreten wo mich mein irres Leben voller vagabundierender Reisen zufällig hin verschlagen hatte, in das Land das mir wirklich zur Heimat geworden war. Es ist das Land das ich von Herzen liebe!

Es ist eine Eigenheit Nicaraguas dass jeder, aber wirklich fast jeder einen Spitznamen hat. Das gab es einen Mann aus der Familie Ubeda der nicht nur im Ort sondern in ganz Nicaragua als 'der Rote' (el rojo) bekannt war. Er hieß so weil er ständig eine hochrote Gesichtsfarbe hatte. Ein anderer hieß 'das Ärschelchen,' (el culito) und so weiter. Jeder hatte seinen Spitznamen weg und dieser Spitzname war so sehr im Allgemeinverständnis des Dorfes verfestigt dass von den Menschen, wenn du sie bei ihrem richtigen Namen gerufen hast oft keine Reaktion kam. Ihr richtiger Name war nicht ihr wahrer Name, sonder ihr Spitzname, das war der Name mit dem sie sich identifizierten. Die Kinder von diesen Leuten hießen dann bis sie einen eigenen Spitznamen hatten z.B. 'der Junge von dem Ärschelchen'. Niemand, weder jung noch alt stieß sich an diesen Spitznamen, gleichgültig wie verrückt und scheinbar erniedrigend oder beleidigend der Name auch war.
Da ist z.B. der Chancha muruca. (Ein Chancho muruca ist eine Schweinerasse die kurzes, meist kurzes, lockiges, rotes und ganz hartes Haar hat, sehr stark riecht aber allgemein sehr widerstandsfähig ist.) Und ganz genau wegen dieser Eigenheiten hieß der Mann Chancha muruca. Er hatte rote gelockte Haare, stank wie ein nasser Fuchs und war sehr widerstandsfähig. Das heißt unter diesem Namen war er auch überall sonst bekennt. Sogar in der Hauptstadt Managua kam dann in irgendeinem Moment der Unterhaltung, gleichgültig mit wem du gerade geredet hast ein, 'Ahh der Chancha muruca aus San Rafael del Norte !'
Es ist, wie weiter oben schon gesagt wurde eine Eigenheit in Nicaragua dass man fast immer, oft sogar bei Behörden, mit seinem Spitznamen erkannt wird. Ich z.B. hatte den Spitznamen 'der Schweinetöter'. Egal wo du gefragt hast, auf dem Markt, im Bus wo auch immer, mit diesem Namen war ich eindeutig identifiziert. Dann hieß es irgendwann im Gespräch „aaah el aleman matachancho de San Rafael. ( aaah, der Deutsche, der Schweinetöter aus San Rafael del Norte).

Wie ich zu diesem Spitznamen gekommen bin?

Gut, hier die kleine Geschichte dazu.
Ich war damals noch ganz neu in San Rafael del Norte und hatte mein Duell mit einem Nachbar gerade hinter mir. Und wenn ich Duell sage stellst du dir das ganz richtig vor wenn du an den alten amerikanischen Westernfilm '12 Uhr Mittags' denkst. Genauso war auch dieses, mein Duell. Nur ging es halt ohne Tote ab. Wir standen uns wegen einiger Grundstücksstreitigkeiten (eigentlich waren es nur Versuche mich einzuschüchtern) im Park in San Rafael del Norte vor der Kirche mit geladenen Revolvern gegenüber.
Ja und dann …? Aber nein, um das zu verstehen muss ich erst erzählen wie es dazu kam dass wir uns duellieren wollten.

Ich war ganz neu hier im Dorf und hatte erst seit einem oder zwei Monaten den kleinen Hof direkt am Ausgang der Stadt gekauft. Ein Bekannter, der später ein zuverlässiger Freund werden sollte, hatte mich gewarnt und gesagt wenn ich diesen Hof kaufen würde bekäme ich mit Sicherheit Probleme mit der Familie Gadea - Arauz die meine Nachbarn seien. Es wären sehr unbeliebte und lästige Personen die immer versuchten durch Einschüchterung von anderen sich an ihren Nachbarn zu bereichern. Er riet mir dass ich offen machen solle dass ich mit meinem Revolver, den ich ja immer im Schulterhalfter bei mir trug, gut umgehen könne. Warum ich eine Waffe brauchte? Es gab ja immer wieder Banden die aus Honduras, die Kriegswirren ausnutzend Personen, Busse und Höfe überfielen.
Und da ich wirklich ein guter Schütze war nahm ich jede Gelegenheit wahr 'mal eben' ganz lässig zu zeigen dass ich wirklich gut schießen konnte. Das würde sich dann schon herum sprechen und man würde mich dann wohl eher in Ruhe lassen.

Gesagt getan, wo es sich mir anbot zog ich den Revolver und schoss auf alles was sich bewegte und das kein Mensch oder Haustier war. Meine Treffsicherheit lag wohl geschätzt bei deutlich über neunzig Prozent. Das sprach sich natürlich in einem so kleinen Ort herum! Mit dem was so beim Erzählen von Mund zu Mund dazu kam war ich dann bald ein 'Meisterschütze' der niemals fehlte. So hatte ich auf Kosten einiger Tiere und Bananenblüten meine Ruhe und konnte langsam damit beginnen meinen Hof aufzubauen.
Aber es kam wie es kommen musste. Eine Person aus dieser Familie Gadea – Arauz, Jose Gadea wollte es wissen und versuchte mir mein Land teilweise streitig zu machen um es sich 'anzueignen'. So kam es dass wir uns jeder mit einem Revolver bewaffnet im Stadtpark gegenüber standen.
Ich hatte mittlerweile schon begriffen, Cool sein, das bringst. Ich war mir meiner Fähigkeit an der Waffe aber auch wirklich sehr sicher und blieb also echt völlig cool.
Als ich dann diesen Jose Gadea irgendwo im Dorf traf fragte ich ihn ganz ruhig aber so laut dass alle Umstehenden es verstehen konnten auf offener Straße und vor vielen Zeugen, „Wenn du glaubst dass wir ein Problem haben und willst dass wir diese Sache mit meinem Hof klären sollen sag mir wann und wo wir uns treffen und dann können wir es wie Männer endgültig regeln“. Ich kam mir bei diesem Satz ziemlich blöde vor, aber es musste unbedingt geklärt werden. So hohl wie der im Kopf war nahm er unter lauten Drohungen und Geschrei den Fehdehandschuh auf. So wurden viele Menschen Zeugen dieser, jetzt seiner Herausforderung in der er mir lauthals meinen Tod und für danach alle erdenklichen Höllenqualen zusicherte. So kam es dass wir uns ich glaube es war an einem Samstag, dort im Park zu unserem Duell trafen.

Wie gesagt, cool sein war angesagt deswegen sagte ich ganz nach Oldscooler Westernart „ok, welche Distanz möchtest du und wie viele Schüsse soll jeder haben?“ Er verlangte 6 Schuss. Und da ja cool sein angesagt war meinte ich nach außen hin ganz lässig, „ok dann lade du deine 6 Patronen, ich werde aber nur eine Patrone laden das reicht mir. Du hast auch den ersten Schuss und der Nächste, mein einziger Schuss wird dich töten aber vielleicht auch nur zum Krüppel machen! Mal sehen worauf ich dann gerade Lust habe.“ Sein Blick zeigte jetzt für einen Moment Unsicherheit. Dann aber fasste er sich und er verlangte einen Abstand von 15 Meter. Und auch da sagte ich ohne weiteres zu. (Ich wusste ja von meinem Bekannten dass sein Revolver völlig wackelig und ausgelutscht war. Dass der Lauf und die Trommel seines Revolvers, dass sozusagen jedes Teil für sich glücklich war über jeden Schuss den sie nicht abgeben mussten. Also waren die Chancen für ihn mich zu treffen sehr gering.) Und ganz cool, das war ja im Moment angesagt, meinte ich zu ihm „gut wenn du als erster geschossen hast gehe ich freiwillig noch zehn Meter weiter zurück und schieße von dort aus.“ Das war nun für mich wirklich ein Risiko, fünfundzwanzig Meter Distanz mit einem Revolver war wirklich gar nicht so leicht. Soviel Coolness verwirrte ihn sichtbar und brachte ihn völlig aus seiner künstlichen Wut in die er sich gesteigert hatte. Je unsicherer er wurde um so lauter droht und schrie er. Im Stillen erwartete er wohl dass 'der Gringo', also ich sowieso weglaufen würde.
Es kamen dann so nach und nach seine Brüder und andere Leute, scheinbar Freunde der Familie die ich ja damals noch nicht kannte und redeten ganz leise flüsternd aufgeregt auf ihn ein. Sie erzählten ihm wohl von meinen Fähigkeiten als 'nie fehlender Meisterschütze'. Und wirklich, meine bisherige Coolness und das Geflüster der Menschen die ihn umgaben zeigte jetzt Wirkung. Er suchte jetzt mit Gerede, aber immer noch mit lautstarken Drohungen gegen mich aus der Geschichte raus zu kommen. Ich hätte mir, als mir das klar wurde, vor Erleichterung fast in die Hosen gepinkelt.
Er hatte Angst, jetzt war mein Moment! Ich bestand auf einer Entschuldigung vor allen den anwesenden Menschen und die Zusage dass wir unseren Streit gelöst hatten. Er tat es, aber er wäre dabei vor Wut fast gestorben. Danach sagte ich in meinem holprigen spanisch zu allen Anwesenden „Ihr habt es alle gehört, er, Jose Gadea hat sich ohne weitere Erklärung aus diesem Duell zurück gezogen und ich habe es akzeptiert. Er hat sich bei mir entschuldigt. Wir haben keinen weiteren Streit mehr!“ Was ich jetzt tat war gefährlich. Ich ging auf ihn zu und streckte ihm, so dass alle es sehen konnten, die Hand hin. Er war mir ja sicher nicht umsonst, als sehr heimtückisch und hinterhältig beschrieben worden. Er nahm meine Hand die ich ihm hingestreckt hatte einfach aus der Notwendigkeit heraus eine Fortsetzung dieses Duells zu verhindern. Er hatte jetzt einfach Angst dass ich weiter auf dem Duell bestehen könnte. Aber er war fast besinnungslos vor Wut und Hass. Dann drehte ich mich , natürlich ganz cool, aber innerlich zitternd, um und ging betont langsam und sorglos über die Hauptstraße zurück in Richtung meines Hofes während alle Leute im Park blieben und aufgeregt ausdiskutierten was da gerade geschehen war.

Ja und von diesem Moment an hatte ich absolute Ruhe im Dorf was Streit mit mir anging. Niemand wollte sich jetzt noch mit mir anlegen! Denn ich hatte jetzt den Ruf weg eiskalt zu sein und dass man sich mit mir besser nicht unnötig anlegen sollte. Dieser Ruf hat mich während der ganzen Jahre in ganz Nicaragua begleitet und mir oft vor Auseinandersetzungen Ruhe verschafft. Jetzt fingen die Menschen an mit mit Geschäfte machen zu wollen. Jetzt gehörte ich irgendwie zum Dorf! Ich war nun in den Augen der meisten Menschen jetzt ein Mann den man respektieren musste. Mir fehlte nur noch der Spitzname!

Ich kann mir vorstellen wie du jetzt innerlich fast den Kopf schüttelst und nicht so recht weis was du denken sollst. Aber diese Geschehnisse haben direkt mit meinem Spitznamen der deutsche Schweinetöter zu tun. Jetzt hatte ich zwar die Achtung der Männer im Dorf aber nicht die der Frauen. Die musste ich mir erst zweimal verdienen. Das erste mal als ich mir meinen Namen der Schweinetöter verdiente und das zweite mal,... nun ja mit dem was man als Mann mit Frauen so gewöhnlich tut! Das konnte ich aber mit der Bezahlung von 20 US $ an das Mädchen regeln ohne dass ich weitergehen musste.

Es gab da im Dorf eine „arme“ Frau. Zumindest ritt sie immer ganz besonders auf dem 'arm' herum. Ihr Spitzname war ' die Schweine Dame'. (Dona Chancha) Sie war laut mitschreiendes Mitglied der Regierungspartei FSLN. Das gab ihr einen gewissen Schutz vor der Polizei, Gerichten, Bürgermeisterei usw.
Sie hatte eine Herde Schweine mitten in der Stadt ohne auch nur einen Quadratmeter Land zu besitzen auf dem sie die Schweine hätte halten können. Ihn jüngstes Kind das die Schweine während des Tage hütete trieb die Schweine über die Straße irgendwo hin und wenn er an einem Stück Land vorbeikam wo es für die Schweine etwas zu fressen gab machte er halt und ging einfach weg. Die Schweine machten sich dann natürlich über das Feld her. Das Ärgerlich daran war das dass was diese Schweine fraßen immer die Aussaat oder die Ernte eines Bauern war. Davon blieb, nachdem sich acht oder zehn große Schweine darüber hergemacht hatten, nicht viel übrig. Oft bedeutete das für die Familie des betroffenen Bauers dass es ihnen während des ganzen kommenden Jahres an Grundnahrungmitteln wie z.B. Mais oder Bohnen fehlen würde.

Und so war es auch bei mir. Ich hatte zwar alle Zäune hergerichtet neuen Pfosten in die Erde getrieben den Zaun komplett erneuert und verbessert und alles getan was man tun konnte um ein Stück Land zu schützen. Ich hatte also etwa zwei Hektar Bananen gepflanzt und ...Bananenstauden, das lieben Schweine! Schweine sind sehr stark, sehr beständig in ihrem Tun und zu allem Überfluss noch sehr intelligent. Da sie durch den starken Stacheldraht nicht durchkamen gruben sie einfach die Pfosten aus an denen der Draht befestigt war. Und innerhalb weniger Stunden war meine neue Pflanzung im Magen der Tiere verschwunden. Das passierte trotz meiner Bemühungen freundlich mit dieser Frau zu reden immer und immer wieder. Es half nichts, Polizei, Gericht, Rechtsanwalt, nichts fruchtete. Sie war ja durch 'ihre' Partei geschützt.

Dann riet mir jemanden das vor Gericht und mit der Polizei ganz offiziell so wie bisher weiter zu machen, jetzt aber immer die bisherigen Dokumente von der Polizei,dem Gericht und der Bürgermeisterei vorzulegen und jetzt aber ganz klar zu sagen dass ich in Zukunft meine Aussaat schützen würde und beim nächsten Mal die Schweine die sich unrechtmäßig auf meinem Land befinden würden und Schaden anrichteten, töten werde. Das sollte ich so in den verschiedenen Institutionen zu den Akten geben und darauf achten dass es auch so schriftlich festgehalten wurde und ich solle mir immer eine unterschriebene und gestempelte Kopie mitnehmen.
Ja das habe ich natürlich getan und natürlich habe ich schlussendlich die Schweine getötet, aber der Clou der mir den Namen Schweinetöter einbrachte ist nicht dass ich die Schweine getötet habe sondern das wie ich es getan hatte.

Eines Morgens schaute ich aus dem Fenster und sah wieder zwei riesige dicke Schweine in der Saat. Da ich mit der Frau so oft zu tun gehabt hatte war ich fast 'ein Teil ihrer Familie' geworden und hatte sozusagen ein Verhältnis von du zu du mit ihr und jedem ihrer Schweine. Es waren definitiv zwei, und zwar die größten und dicksten ihrer Schweine die dort das Land, mein Land und meine Aussaat wieder einmal umgruben. Also griff ich mir mein Gewehr und wollte die Schweine jetzt wirklich töten. Ich schaute in das Magazin und stellte fest dass ich nur noch eine einzige Patrone für dieses Gewehr hatte. Das Gewehr war eine Remington Woodmaster mit einem Drei Schussmagazin und die Patronen waren mit fast 12 cm Länge wirklich riesig. Ich gebrauchte es normalerweise zur Jagd.
Was also tun?
Da Coolness mittlerweile zu meinem zweiten Namen geworden war beschloss ich mich mit dem Gewehr deutlich sichtbar auf die Straße zu stellen und von dort aus, so dass mich alle sehen konnten, die Schweine oder besser gesagt ein Schwein abzuschießen. Das würde sich dann blitzschnell im ganzen Ort herum sprechen dass ich die Schweine getötet hätte die mir meine Aussaat ausgrub. Und vor allem würde sich herum sprechen dass ich jetzt im Recht war dies zu tun. Wie gesagt ich hatte ja aber nur eine einzige Patron. Aber das wusste ja niemand! Aber wenigsten ein Schwein würde ich töten. Jetzt hatten sich schon die ersten Zuschauer eingefunden die auf der Straße standen und mich weiter beobachten wollten was denn nun geschehen würde, ...was ich denn nun tun würde. Die Schweine dort oben am Hang bewegten sich, während sie fraßen langsam auf einander zu. Mir kam der Gedanke dass wenn sie möglicherweise hintereinander stehen würden, ich vielleicht beide …. mit einem Schuss? Die Waffe war kraftvoll genug dafür! Und dann passierte es, die Tiere gingen tatsächlich aufeinander zu und blieben dann wirklich mit dem Kopf genau hintereinander, nebeneinander stehen. Beide hatten den Kopf erhoben um sich gegenseitig sehen zu können und ihre Köpfe waren auf genau der gleichen Höhe. Ich atmete tief durch zielte ganz ruhig, innerlich darum betend dass sie nicht weitergehen sollten. Ich rief mir alles in Erinnerung was ich bei der Bundeswehr gelernt hatte. Ich schoss nach oben, also die optische Täuschung beachten, Streuung beachten und nach 12 cm oben rechts zielen, tief einatmen, Atem anhalten und dann schießen. Und als ich dann den Kopf des ersten Schweine genau im Visier hatte drückte ich ab. Der Erfolg war sofort zu sehen. Beide Schweine fielen auf der Stelle tot um und kullerten sofort den Hang hinab in Richtung der Straße wo ich und die zuschauenden Menschen standen. Die Leute die mir zugeschaut hatten klatschten jetzt sogar Beifall da die Schweine dieser Frau schon jedem von ihnen, zum Teil großen Schaden verursacht hatten sie aber jedes mal als aktives Mitglied der Regierungspartei unbehelligt davon gekommen war. Ich ging in mein Haus zurück sperrte das Gewehr weg wechselte die Munition in meinem Revolver, denn ich konnte mir der Situation die kam nicht sicher sein und die Reaktion der Familie war nicht vorhersehbar. Ich ging also mit klopfendem Herzen wieder zu den toten Schweinen auf die Straße um auf die Besitzerin der Schweine zu warten die mit Sicherheit sehr bald kommen würde. So war es! Sie kam auch sehr bald mit ihrer ganzen Familie an. Sie schrien, tobten drohte mir den Tod und Höllenqualen an, aber die Schweine waren nun mal tot. In Ihrer Wut gab sie mir meinen zukünftigen Spitznamen als die Frau mich anschrie „Usted es un maldito Matachancho aleman!“ (Sie sind ein verfluchter deutscher Schweinetöter.) So kam ich in Nicaragua zu meinem Namen der Schweinetöter!

Und der Name wurde, genauso wie jeder Spitzname zuerst im Dorf und dann in Jinotega, der Kreisstadt und später auch darüber hinaus bekannt und machte mich sozusagen zu einem 'vollwertigen Einheimischen' weil ich jetzt nach Landesart eindeutig zu identifizieren war.

Natürlich hat sich das Dorf, mein Dorf in den fast dreißig Jahren die ich dort lebte verändert. Es gibt jetzt regelmäßige Busverbindungen, es gibt gepflasterte Straßen, es gibt jetzt eine regelmäßige Trink- und Abwasserversorgung, elektrisches Licht und so weiter.
Aber viele Gebräuche und Traditionen haben sich fast unverändert erhalten und so hat meine kleine Stadt, San Rafael del Norte, nichts von ihrer Liebenswürdigkeit verloren. Sie fehlt mir manchmal wirklich sehr!





Die wichtigsten Stunden in unserem Leben sind die in denen wir lieben...



©2019 by AlterMann. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Andrea
Am 10.03.2019 um 13:43 Uhr

Wieder eine schöne Geschichte. Hab sie mit genuss gelesen!
Gruß Andrea

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Es gibt 1 Kommentar


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