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Prosa => Krimi


Hoby V.D. 9 April 1882 - von Andrea, 11.02.2019

April 9. 1882 Hoby V.D.

Don wollte mehr über das Leben des Sheriffs herausfinden. Seine Gewohnheiten, sein Tagesablauf und so weiter. Ich habe ihn den ganzen Tag mit Leuten sprechen sehen. Er war auch in der Kirche um mit dem Reverend zu reden. Ich sitze hier auf meinem Zimmer und beobachte den Sonnenuntergang. In der Heimat ist es jetzt kurz vor Mittag.
Nein, ich habe kein Heimweh! Diese Freiheit, die ich hier spüre, möchte ich nie wieder aufgeben.
Meine Hand zittert noch etwas. Ich hoffe man kann noch alles lesen. Das Schreiben fällt mir schwer, aber ich muss es los werden, bevor ich etwas vergesse.
Ich saß, wie schon geschrieben auf meinem Zimmer, da fiel ein Schuss. Direkt unter meinem Fenster. Der Knall war so laut, dass die Scheibe bebte. Jemand hat mit einem Schrotgewehr auf das Sheriff Office geschossen. Die große Glasscheibe war zersprungen und viele Menschen versammelten sich davor. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Ich wusste, dass Don im Office saß und sein Schreibtisch stand dem Fenster gegenüber. Ich bin so schnell ich konnte hingerannt. Es war nicht einfach, für mich, mich durch die Masse zu zwängen. Niemand wollte auf Seite gehen. Ich ahnte schon das Schlimmste.
Irgend so ein muskelbepackter Kerl wollte mich am Hemdkragen zurück ziehen. Beim loszerren riss der Kragen ab und sein Ellbogen traf mein Jochbein. Aber ich habe mich durchgesetzt und gelangte ins Office. Drei Männer halfen Don gerade beim Aufstehen. Sein Gesicht war voller Blut. Ich habe fast jeden Tag mit blutigen Wunden zu tun, aber dies hier war erschreckend. Hier ging es nicht um ein Tier. Es war Don, mein Freund. Er ließ sich auf seinem Stuhl nieder und ich säuberte sein Gesicht. Eine Platzwunde über dem rechten Auge war die Ursache für das viele Blut. Es dauerte fast fünf Minuten, bis ich die Neugierigen aus dem Office getrieben hatte. Die Wunde konnte ich mit vier Stichen nähen. Don saß wie in Trance und zuckte nicht ein einziges Mal. Ich glaube, so abgehärtet er auch sein mag, diesmal stand er auch unter leichtem Schock.
Jetzt sitzen wir Beide hier draußen am Lagerfeuer. Drei Meilen vor der Stadt. Don wollte weg von dem ganzen Trubel. Er brauchte Ruhe um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Er hatte großes Glück bei dem Überfall. Kurz bevor der Schütze sein Gewehr abfeuerte, hatte Don ihn auf der gegenüber liegenden Straßenseite stehen sehen und sich hinter den Schreibtisch geworfen. Dabei ist er mit dem Kopf gegen die Tischkante geschlagen. Ob das mit dem Mord am Sheriff zusammen hängt ist noch unklar. Auf jeden Fall hatte der Sheriff guten Kontakt zum Reverend. Er war jeden Tag in der Kirche. Kaum Geld auf der Bank, trotz seiner Bestechungen. Niemand ließ ein gutes Wort über ihn. Er muss ein einsamer Mensch gewesen sein, in einer Stadt voller Leute. Vielleicht hat er das ganze Geld irgendjemanden zugute kommen lassen! Don hat mir ein Bündel Briefe gegeben. Er fand sie unter der Matratze im Haus des Sheriffs. Ich werde für Heute Schluss machen und mir die Briefe durchlesen. Es ist wirklich friedlich ruhig hier unter freiem Himmel. Das Feuer knistert, eine Eule meldet sich ab und zu und in der Ferne heult ein Wolf. Vor ihm habe keine Angst. Er lebt in seiner Natur, nach seinen Instinkten. Er wird kein Interesse an mir haben. Da machen mir manche Menschen mehr sorgen. Es ist für mich unbegreiflich, wie jemand einfach so auf einen Mitmenschen schießen kann. Es heißt immer, dass in uns Menschen ein Tier steckt. Aber ein Tier ist bei weitem nicht so grausam. Zumal wir auch ein Gewissen haben, welches uns doch ausbremsen sollte, wenn wir zur Bestie werden. Mein Freund ist schon eingeschlafen. Ich weiß, dass er seinen Revolver unter der Decke in der Hand hält. Immer auf der Hut sein, ist sein Motto. Aber er gehört zu den Guten, dass beruhigt mich sehr.

So long Leo Hoby



©2019 by Andrea. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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