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Prosa => Krimi


lasst die Vergangenheit ruhn Kapitel 29 und 30 - von Andrea, 01.01.2019
Kapitel 29



Ohne Ergebnis traf Francis nach genau einer Stunde wieder am verabredeten Platz vor dem Schloss ein. Peter hatte sich auf die Bank gesetzt und hielt ein Brot in der Hand.
Achselzuckend ging Francis auf ihn zu.
„ Nichts. Er ist nirgends zu finden.“
„ Hier hat sich auch nichts mehr getan. Schubert lässt sich nicht blicken und dieser Forst ist auch noch da drinnen. Sieht nach einer Sackgasse aus.“
Enttäuscht setzte er sich neben seinen Bruder auf die Bank.
„ Was machen wir jetzt? Ich bin langsam an dem Punkt angelangt, dass ich wirklich da rein marschiere und hallo Dad sage.“
Von Peter kam nur ein Seufzer. Auch er wusste nicht, was er jetzt noch tun sollte. Schubert zu beobachten war mehr als langweilig. Der Mann verschwand den ganzen Tag in sein Büro. Sogar das Mittagessen ließ er sich bringen. Außer Forst ist Niemand rein gegangen.
Er war müde und das Brot schmeckte auch nicht. Das Einzige was ihn noch beschäftigte war Johanna. Sie musste gefunden werden, dass waren sie ihr schuldig. Denn nur durch seine Probleme, war sie da mit rein geraten.
„ Dein Brot schmeckt wohl nicht?“ fragte Francis, dem auffiel, wie lange Peter das Brot anstarrte ohne noch einmal abzubeißen.
„ Hab keinen Hunger, obwohl der Magen knurrt. Ist irgendwie komisch. Magst du es haben?“
Er reichte ihm die dick belegten Scheiben hin.
Francis aß mit Genuss. Natürlich machte auch er sich Gedanken um Johanna, aber bei ihm schlug die Sorge nicht auf den Magen. Er war eben ein Rancher. Sorgen waren Alltäglich, aber deshalb würde ein Cowboy nicht auf sein Essen verzichten.
Während er kaute fiel ihm die Zeitung auf, die zwischen ihnen auf der Sitzfläche lag.
„ Hab ich eben gekauft. Musste ja mich ja mit irgendetwas beschäftigen, während der langen Warterei hier.
„ Du warst kurz weg?“
„ Nur bis vorne.“ Peter zeigte auf einen Bäckerladen schräg gegenüber.
„ Hab das Schloss nicht aus den Augen gelassen.“
Seufzend nahm Francis die Zeitung und schlug sie auf.
Nachrichten, Prognosen und belanglose Berichte.
Doch bei einem Artikel stockte er, riss das Zeitungsblatt näher an seine Augen ran und las ihn noch einmal.
„ Hast du was Interessantes gefunden?“ Peter beobachtete sein erstauntes Gesicht.
„ Damned.“ Fluchte er in texanischem Englisch.
„ Hier steht, dass sie einen flüchtigen suchen. Einen korrupten Wachmann, der sich zu einer Tat bestechen ließ und sich seiner Strafe nicht gestellt hat. Wenn ich mir das Bild so ansehe…, “ er rückte näher an Peter ran, damit dieser mit in die Zeitung schauen konnte.
„ Er hat helles Haar, das sieht man auch auf einem schwarz-weiß Bild. Und seine Nase ist sehr groß.“
„ Willst du den armen Mann jetzt wegen seiner Nase verurteilen?“
„ Ich habe von einem Wachmann die Beschreibung zu Lauber erhalten. Der Wachmann, der Jo am Abend beim Überfall geholfen hatte und so viele Fragen stellte. Das passt doch alles zusammen!“
„ Selbst wenn er es ist…wie kann er uns weiter helfen?“
„ Er weiß von wem er bestochen wurde. Wer da hinter steckte und warum?“
„ Warum ist klar. Die wollen nicht, dass wir die Wahrheit aufdecken.“
„ Du bist doch hier in Weimar aufgewachsen, Peter. Wo würdest du dich verstecken, wenn man dich sucht?“
Peter hatte ein bitteres Lächeln auf den Lippen.
„ Meinst du die Frage jetzt ernst? Ich habe mich ein Leben lang verstecken müssen und bin nicht entdeckt worden.“
Er ließ den Kopf hängen und sah zu Boden.
„ Wenigstens weiß ich jetzt warum meine Eltern mich so behütet haben. Aber hier in Weimar gibt es eine Menge Verstecke. Alte Häuser, Fabriken. Vielleicht hat er auch Verwandtschaft und Freunde wo er unter kommt. Machen wir uns nichts vor…hier ist das Ende der Suche.“
Mit einem Ruck sprang Francis hoch, stemmte beide Arme in die Hüfte und sagte entschlossen, “ wir dürfen nicht aufgeben. Jo ist irgendwo da draußen und hofft auf unsere Hilfe. Ich werde ihn finden!“
Weil Peter nichts sagte fügte er hinzu, “ kommst du mit oder wirst du weiter Trübsal blasen.“
„ Wohin?“
„ Das wirst du schon sehen. Ich brauche dich, du kennst dich hier aus. Also, schwing deinen Hintern von der Bank!“
Peter sah ihn sprachlos an. Er hatte den Mund leicht geöffnet. Es war eine direkte Ansprache mit Äußerungen, die er nie verwenden würde, aber sie hatte Erfolg. Mitgerissen von Francis Motivation stand er auf und reichte seinem Bruder die Hand.
„ Auf den Erfolg!“ Francis nahm seine Hand und drückte sie kräftig. Dabei verzog Peter keine Mine. Obwohl seine Hand hinterher rot angelaufen war und die Fingergelenke schmerzten.
Er fragte nicht nach, welchen Schritt Francis nun gehen wollte. Er folgte einfach. Um Schubert konnten sie sich jetzt nicht mehr kümmern. Johannas auffinden war das Wichtigste.
Zielstrebig ging Francis auf die Polizeiwache zu.
An einer Häuserecke blieben sie stehen. Von hier aus konnten sie die Wache gut sehen und hatten Deckung.
„ Was wollen wir denn hier?“ flüsterte Peter.
„ Was ich jetzt vor habe wird nicht ganz legal sein, aber das stört mich jetzt nicht.“
Nervös trat Peter von einem Bein auf das Andere. Sein Magen zog sich zusammen. Noch nie hatte er sich was zu Schulden kommen lassen. War immer ein guter, anständiger Bürger, der seiner täglichen Arbeit nachging.
Sollte er jetzt weiter bei Francis bleiben oder sich zurückziehen in sein altes Leben? Doch wie sollte er so weiter machen wie bisher? Jetzt wo er wusste, wer sein richtiger Vater ist, dass dieser Schuld am Tot seiner Mutter hatte und auch ihn lieber Tot sehen würde. Nein, er musste da jetzt durch und ein für Alle Male alles Aufklären.
Sie brauchten nicht lange zu Warten, da kam der erste Wachmann aus dem Gebäude um sich in der Abendsonne zu strecken und eine Pause ein zu legen.
Francis ging unauffällig in dessen Richtung. Er schlenderte, wie ein erschöpfter Arbeiter, der sich auf dem Weg nach Hause Zeit nehmen wollte.
Als er auf seiner Höhe war, sprang er ihn an, packte seinen Kragen mit festem Griff und riss ihn um die Ecke des Hauptgebäudes. Peter schluckte. Ein Angriff auf einen Wachmann, dass kann nicht gut ausgehen. Er hielt bedacht etwas im Hintergrund und hörte, wie Francis den völlig überraschten Mann seine Frage stellte.
„ ich will nur ein paar Informationen von ihnen haben, dann können sie wieder gehen!“ drohend sah er ihm in die Augen, ließ keinen Zweifel übrig, dass er gnädig wäre, wenn er keine Antwort bekäme.
„ Was wollen sie von mir?“ es kam mehr stotternd aus ihm heraus.
„ Erste Frage: was wird ihrem Kollegen Lauber zur Last gelegt?“
„ Was?...wer?... wieso?“
Francis zog ihn von der Mauer weg um ihn gleich wieder mit voller wucht dagegen zu schleudern. Der Wachmann schlug so heftig mit dem Rücken gegen das harte Gestein, dass er kurz aufstöhnte.
Ganz ohne Waffen hielt Francis den Mann unter Kontrolle. Er drückte ihm den Unterarm gegen die Kehle, so dass dieser keinen Platz hatte sich auch nur ein bisschen weg zu drehen oder dem Griff zu entgehen.
„ Sie haben mich schon verstanden!“ drohte er.
„ Lauber soll eine Tat vertuscht haben. Er hat Schmiergeld kassiert. Außerdem hat er noch eine Akte verschwinden lassen, von einem Straftäter. Er sollte dafür Angeklagt werden, ist aber seit dem nicht mehr auf der Wache erschienen. Jetzt suchen wir ihn.“
„ Wo wohnt er?“
„ Da ist er nicht wieder aufgetaucht. Wir haben seine Wohnung beschattet.“
„ Ich will seine Adresse!“
Francis konnte spüren, wie die Beine seines Gegenübers zitterten. Hier war nicht mit einer Gegenwehr zu rechnen. Er ließ seinen Griff etwas lockerer, um zu zeigen, dass er mit sich verhandeln ließ. Gib mir Antworten und dir wird nichts geschehen.
Der Wachmann verdrehte die Augen nach oben. Ein typisches Zeichen, wenn jemand im Kopf nach etwas abgespeichertem sucht.
„ Belvedere Allee, 24. Ein gelbes Haus.“
„ Hat er Familie?“
„ Nein. Ist Allein. Ein Eigenbrödler wie man so sagt. Arbeitet auch nicht gerne mit Kollegen. Ich kann ihn nicht leiden. Bin im Grunde froh, dass er so blöd war und nicht mehr im Dienst steht.“
„ Hat er irgendeinen Freund? Jemand bei dem er untertauchen könnte?“
„ Nein. Ich sagte doch, er ist ein Einzelgänger. Hätte es mit seiner Arroganten Art fast die Karriereleiter hoch geschafft.“
Francis sah zu Peter hin. Beide hatten wohl den gleichen Gedanken. Mit Arroganz und Überheblichkeit kommt man weit.
„ Aber er hat Weimar sicher noch nicht verlassen“, setzte der Wachmann hinterher.
„ Warum?“
„ Weil wir in seiner Wohnung seine Papiere gefunden haben. Ausweis, Geld, einfach alles. Wie soll er die Stadt verlassen ohne Geld und Koffer. Seine ganzen Sachen waren noch im Schrank. Er käme nicht weit ohne seinen Ausweis, weil er ja auch noch gesucht wird und sein Bild in den Zeitungen stand.“
„ Vielen Dank!“ Francis grinste ihn an. Erleichtert lächelte der Wachmann zurück.
Die Ohnmacht kam so schnell und unerwartet, dass er nicht mit bekam, wie sein Körper auf die Pflastersteine glitt.
Ohne Warnung hatte Francis seinen Ellbogen hoch gerissen und ihn gegen dessen Schläfe prallen lassen.
Er war wenigstens noch so freundlich, sich zu bedanken und ihn vorsichtig abzulegen. Schließlich sollte er sich nicht noch etwas brechen beim Aufprall.
„ Na Prima! Schimpfte Peter. Sein Blick blieb am leblosen Körper hängen. „ Jetzt werden wir wenigstens auch gesucht. Unsere Tarnung ist aufgedeckt. Wenn sie uns erwischen, wird Schubert das mitbekommen. Dann weiß er alles und unser Leben ist nichts mehr Wert.“
„ Sieh das nicht so Negativ.“ Francis steckte dem Wachmann einen Zettel zu.
„ Ich habe ihm geschrieben, dass wir Lauber finden werden und er den Ruhm dafür kassiert, wenn er das Maul hält.“
Peter wusste darauf nichts zu sagen. Dieser Francis war mit allen Wassern gewaschen. Sein Plan könnte sogar aufgehen. Neue Hoffnung!
Sie gingen zur besagten Adresse. Zwar hatte man einen Beobachter dort abgestellt, aber Francis war sich sicher, dass dieser kein Hindernis für einen Mann war, der für sie gearbeitet hatte. Lauber kannte die Vorgehensweisen seiner Kollegen und würde ganz sicher nicht in deren Falle tappen.
Sie warteten die Dunkelheit ab. Während Peter den Beobachtungsposten ablenkte, schlich sich Francis zum hinteren Teil des Hauses.
Er schlug die Scheibe ein und kletterte durch den Rahmen ins Innere.
Er musste nicht lange suchen, um den Ausweis und das Geld zu finden. Die Polizei hatte es fein säuberlich auf einen Abstelltisch gelegt. Sie hatten wohl die Hoffnung, dass Lauber zurück kehren würde um seine Sachen zu holen.
So wie er eingestiegen war, kam er auch wieder heraus.
Peter, der einen Angetrunkenen spielte und somit die Aufmerksamkeit des Wachmannes auf sich zog, sah in den Augenwinkeln, wie Francis hinter den Büschen verschwand.
Die ganze Zeit über tat er so, als wolle er seine Hose öffnen um am Laternenpfahl seine Blase zu erleichtern. Dies ließ den Beobachter amüsiert zu schauen. Er wollte sicher wissen, ob der Betrunkene das schaffte oder sich in die Hose pinkelte. Ohne dass was passierte schwankte Peter nun davon, was den Wachmann sicherlich enttäuschte. Bei so einer langweiligen Aufgabe, ein Haus zu observieren, kam ein Betrunkener doch als Abwechslung genau richtig.
Sie trafen sich eine Straße weiter.
„ Ich hab die Papiere und das Geld.“
„ Und was jetzt?“
„ jetzt gehen wir zur Zeitung. Dort ist die ganze Nacht jemand, denn die Leute wollen doch in aller Früh die neusten Nachrichten lesen können. Wir werden eine Nachricht rausgeben, die Lauber versteht und uns dann kontaktiert.“
„ Wie willst du das machen?“

Sie gingen zur Weimarschen Zeitung. Die Luft war mild, der Nachthimmel klar. Auf dem Weg dahin fragte sich Francis, ob er das Richtige getan hatte. Es war eine weite Reise von Texas nach Weimar. Er wollte seinen Bruder kennen lernen. Mit ihm ein paar Gläser trinken gehen und seine Lebensgeschichte hören. Bin doch bald wieder zurück…hatte er seinen Leuten auf der Ranch gesagt. Nun gingen die Tage dahin und er hatte zwei Menschen das Leben schwer gemacht. Beide wollten nur ihr Leben genießen, spaß haben. Doch Peter stand jetzt unter Druck. Für ihn wurde es Gefährlich und Johanna…
Ein stechender Schmerz durchzuckte sein Herz bei dem Gedanken, sie könne Tot sein, oder erlitt schlimme Qualen.
„ Geh doch mal langsamer. Ich komme kaum noch mit.“ Peter versuchte mit Francis Schritt zu halten. Doch so durchtrainiert wie er, war er nicht.
„ Ich sehe kein Licht mehr im Geschäft“, rief er völlig außer Atem.
Francis beschirmte seine Augen mit der Hand um die Spiegelung im Glas zu übersehen.
Es war tatsächlich alles dunkel. Kein einziger Schreibtisch war besetzt.
„ So ein Mist. Vielleicht haben sie die Druckerei hinten rum. Irgendwo muss sie doch gedruckt werden und so was passiert über Nacht.“
„ Da würde mir spontan das Bertuch Haus einfallen. Dort wurden früher auch Bücher gedruckt und eine menge Handwerker waren da drin. Zum Beispiel Kupferstecher. Ich habe mich nie interessiert, wo die Zeitung gedruckt wird, aber wenn ich so überlege, dann würde ich sagen, genau da drin. Denn die Räumlichkeiten sind ja vorhanden.“
„ Na dann los. Wo steht dieses Haus?“
„Nicht weit von hier Richtung Bahnhof.“
Es war ein langgezogenes Haus. Gleich neben der Schule.
Francis sah, dank der klaren Sternennacht die Uhr auf dem kleinen Turm in der Mitte der zwei Schulgebäude Flügel.
Es war jetzt fast Mitternacht. Seine Glieder taten weh und er hatte großes Verlangen zu Schlafen, aber er hielt sich gewaltsam Wach. Versuchte klare Gedanken zu Fassen und hoffte auf den Erfolg seines Planes.
Als sie die lange Fassade entlang marschierten, hörten sie im Inneren das Surren vieler Maschinen.
Mit geballter Faust schlug Francis gegen die Eingangstür. So laut, dass man es drinnen hören musste.
Es dauerte auch nicht lange, da wurde sie geöffnet.
Der Mann im Eingang kam Francis irgendwie bekannt vor.
Er wurde von oben bis unten angestarrt.
„ Tut mir leid, dass wir sie zu so später Stunde stören, aber ich habe eine wichtige Nachricht, die sie unbedingt noch in die heutige Morgenzeitung drucken müssen.“
„ Sie haben ja Nerven. Was glauben sie, was wir hier tun? Wenn sie eine Anzeige aufgeben möchten, dann tun sie das gefälligst in der Filiale für Kunden. Wir können doch nicht für jeden späten Gast die Druckereinrichtung ändern.“
Francis schluckte. Der Mann hatte Recht, aber hier war ein Notfall. Er konnte unmöglich einen weiteren Tag vergeuden.
„ Ich kenne sie. Sie haben ihren Schreibtisch neben Johanna Müller. Es geht um ihre Kollegin.“
Seine Augen wurden plötzlich groß. Er sah hinter sich, ob Niemand da stand und ihn beobachtete, dann kam er heraus. Ohne sich um zu drehen schloss er die Tür hinter seinem Rücken.
„ Sie haben Recht. Ich bin ein Kollege Johannas. Und jetzt weiß ich auch wieder wer sie sind. Seit ihren ersten erscheinen, läuft einiges schief. Erst wird sie von diesem Schubert aus der Presse Konferenz geworfen und jetzt kommt sie nicht mehr zur Arbeit. Sie war immer zuverlässig und ich weiß nicht wie lange ich sie noch decken kann. Sie sind mir leider Kraft mäßig überlegen, ansonsten würde ich ihnen jetzt und hier ins Gesicht schlagen. Was haben sie mit Johanna gemacht, wo ist sie? Ich schwöre, wenn sie sie auch nur ein Haar…“
„ Holen sie erst mal tief Luft!“ fiel Francis in seine Drohungen ein. „ Ich habe ihr nichts getan, aber sie ist tatsächlich verschwunden. Wir suchen sie schon den ganzen Tag. Wir denken, dass sie entführt wurde.“
„ Entführt?! Oh mein Gott!“
„ Genau deshalb brauchen wir ihre Hilfe. Sie müssen unbedingt noch ein paar Zeilen veröffentlichen. Wenn ihr Entführer sie liest, wird er reagieren.“
„ Vorausgesetzt er hat sie entführt“, murmelte Peter zu sich selbst.
„ Bitte! Geben sie mir ein Blatt Papier und einen Stift, damit ich die Nachricht notieren kann.“
„ Wer sagt ihnen denn, dass er die Anzeige lesen wird?“
„ Das wird er. Denn er ist mittlerweile ein gesuchter Mann und er wird die Zeitung lesen, um zu erfahren, wie weit die Polizei ihm auf den Fersen ist.“
Francis sah den Zeitungsmitarbeiter flehend an.
Als dieser noch unentschlossen da stand sprach er weiter auf ihn ein.
„ Es ist unglaublich wichtig. Für Johanna! Sie wollen sie doch auch gesund wieder sehen, also geben sie sich einen Ruck.“
„Ich bin nicht für die Aufteilung zuständig. Ich kontrolliere nur die Maschinen, dass sie reibungslos laufen.“
„ Lassen sie sich was einfallen!“
„ Warten sie hier.“ Er verschwand im Haus und kam nach einigen Minuten wieder heraus. In seiner Hand hielt er ein Blatt Papier und einen Stift.
„ Danke! Johanna wird ihnen zutiefst dankbar sein.“
„ Wenn ich dadurch meinen Job verliere nutzt mir das wenig.“
„ Wie wollen sie es anstellen? Ich meine, dieses Anzeige noch …“
„ Das ist dann wohl mein Problem. Wenn ich Johanna nicht bis zum nächsten Tag wiedersehe, zeige ich sie an. Nein, ich hetzte ihnen ein paar Kumpel vorbei, die sie ordentlich in die Mangel nehmen werden. Ich habe so meine Kontakte, schließlich bin ich Reporter.“
Er nahm den Zettel und überflog die Zeilen:

Ich möchte mich hiermit bei meinem Beschützer bedanken. Dem Mann, der mir am vorgestrigen Abend das Leben gerettet hat. Ohne sie wäre ich sicher jetzt nicht mehr am Leben. Dafür habe ich ein kleines Geschenk an sie. Eine Art Reiseversicherung. Bitte melden sie sich bei mir. Sie wissen ja wo ich wohne. Johanna.

„ Sie war in Lebensgefahr? Das wird ja immer schlimmer. Was haben sie ihr angetan? Worin ist sie dank ihnen verwickelt?“
„ Sorgen sie einfach nur dafür, dass das Morgen in der Zeitung steht. Und zwar, gut lesbar und auffallend.“
Kopfschüttelnd verschwand er im Haus.
„ Lass uns zu ihrer Wohnung gehen und etwas schlafen.
Ich kann mich kaum noch wach halten. Jetzt können wir erst mal nichts mehr tun.“
Peter folgte ihm stumm. Alles hing jetzt davon ab, ob ein Flüchtender Ex Wachmann die Zeitung lesen würde und die Nachricht auch so verstand wie sie gemeint war.

Kapitel 30



Es war dunkel und unheimlich. Kein Laut drang in den alten Kerker. Kein restlicht von draußen. Einfach nur Dunkelheit.
Forst hatte den Kopf gesenkt und versuchte ein paar Stunden zu Schlafen. Er hatte längst aufgegeben, die Fesseln zu lösen. Wie hatte es sein Gefangener geschafft?
Da musste doch eine zweite Person mit gespielt haben. Er war gut im Knebeln und Fesseln. Nie wäre er allein da raus gekommen. Es war diesmal zu seinem Glück, denn ansonsten hätte er kein Druckmittel mehr gehabt. Wie peinlich das auch gewesen wäre. Genau unter dem Büro des Majors versteckte er die Person, die so wichtig war. Aber er hatte praktisch gedacht. Schubert sollte nicht weit gehen müssen und er hielt dies hier für die beste Lage, einen zu verstecken.
Ob es nun wieder Tag war oder nicht, war schwer zu sagen. Wie viele Stunden er schon auf diesem Stuhl saß, machte sich im Gesäß bemerkbar. Seine Muskeln taten weh und er musste dringend mal. Noch konnte er es einhalten, aber wenn der Druck noch weiter anstieg, würde er es nicht mehr aufhalten können. Er war längst nicht mehr der Jüngste.
Er betete, dass bald einer herein kam und ihn zu einer Toilette führte. Die Peinlichkeit mit stinkender, nasser Hose hier zu sitzen, wollte er auf jeden Fall vermeiden.
Die Zeit verstrich. Forst kämpfte mit sich und seiner Blase.
Endlich! Ein knacken an der Tür.
Ein Mann kam herein und musterte den Gefangen erst mal in aller Ruhe. Er trug eine Uniform und gehörte zu Schuberts Leuten. Wahrscheinlich noch so ein untergebener, der alles und jeden Befehl brav ausführte. Er war noch Jung. Auf seinem Gesicht schimmerten noch die letzten Pickel der Pubertät.
„ Ich soll sie nach oben bringen. Major Schubert möchte sie sehen.“ Er löste die erste Hand von den Fesseln.
„ Bevor ich ihm gegenüber trete, brauche ich erst mal einen Nachttopf.“
Der junge Mann überlegte. Für Forst waren das schlimme Minuten, die ihm die Tränen in die Augen sammeln ließen.
„ Wenn ich nicht in den nächsten Sekunden einen Topf bekomme, Pinkel ich ihnen auf ihre schöne Uniform“, drohte Forst und knöpfte mit der freien Hand seine Hose auf. Instinktiv sprang der Uniformierte zurück.
„ Wenigstens kann ich jetzt im hohen Bogen pissen und mach mir nicht meine Hose nass.“ Er schrie ihm diese Worte zu und er hatte damit erfolg. In kurzer Zeit kam der Junge mit einem Topf zurück. Erleichtert ließ Forst alles raus, was ihn seit Stunden quälte. Der Strahl wollte gar nicht mehr enden.
„ Da ist man so ein harter Kerl und zerbricht fast an etwas Pisse.“ Zwar waren diese Worte nur gemurmelt, aber sein Gegenüber hatte sie verstanden.
Angeekelt ließ er den Topf stehen. Soll ihn doch ein Anderer entsorgen, dachte sich der Junge, während er den Gefangenen die Treppen hinauf führte.
Schubert stand wie immer auf seinem Podest. Die Arme auf dem Rücken verschränkt.
Schon an der Tür riss sich Forst los. Der Junge hatte keinen festen Griff und somit löste sich die Hand von seinem Arm und er ging allein auf Schubert zu. Das fehlte noch, wie ein Hund an der Leine, zu ihm zu kriechen.
„ Also, Forst! Was hast du mir zu sagen?“
„ Nichts! Ich kann erst etwas Berichten, wenn sie mich frei lassen und ich mit meinem Gefangenen reden kann.“
„ Klingt doch irgendwie komisch, findet ihr das nicht? mein Gefangener hat einen Gefangenen.“ Belustigt sah sich Schubert im Raum um. An der Tür standen zwei Wachen, hinter Forst befand sich der Junge und auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch saß ein älterer Mann mit Pfeife. Alle lachten, aber so leise, dass man es kaum hörte. Niemand
traute sich vor dem Major ausfallend zu wirken.
„ Ich glaube dir nicht mehr.“ Schubert trat nahe an Forst heran. So nahe, dass es für den Detektiv ein leichtes gewesen wäre ihn mit nur einem Schlag gegen die Kehle außer Gefecht zu setzen. Aber dazu waren zu viele Anwesend, die ihn wahrscheinlich sofort töten würden. Beim Schach wäre es kein Verlust, den Läufer zu Opfern, wenn der König damit geschlagen wäre. Aber das Leben lässt sich nicht mit einem Spiel vergleichen. Schon gar nicht, wenn man selber der Läufer ist.
„ Sie wissen gar nicht, was sie mir alles zu verdanken haben“, knurrte Forst ihn an. Wie oft habe ich ihren Arsch gerettet.“
„ Was sind das für schmutzige Worte!“ Schubert war überrascht. So hatte er ihn noch nie reden gehört. Bisher war Forst immer ein Mann, der sich mit gelehrten Worten ausdrückte und manchmal hochnäsig erschien.
„ Ich habe sie aus allem raus gehauen und war immer Loyal.“
„ WAR! Ist wohl das richtige Wort. Sie sind mir in letzter Zeit doch nur in den Rücken gefallen. Und mit dem Wissen was sie über meine Vergangenheit haben, sind sie zu einer Gefahr für meine Kariere geworden.“
Sein linker Arm schoss vor und Forst reagierte wie ein geübter Kämpfer. Er blockte den Schlag ab und war selber über seine Reaktion erstaunt. Überlegen grinste er seinen Gegner an.
Alt, aber noch nicht eingerostet.
In dieser Sekunde zuckte der rechte Arm Schuberts vor.
In seiner Hand blitzte es auf. Zu spät erkannte Forst die Waffe.
Er war wohl doch nicht mehr so schnell wie früher.
Übersah eine gefährliche Waffe.
Die scharfe Klinge schnitt sein linkes Ohr ab.
Forst riss überrascht die Augen auf. Damit hatte er nicht gerechnet. Seine ganzen Kampfkünste hatten ihm nichts geholfen. Viel zu Überraschend kam die Finte.
Er presste beide Hände auf die Wunde und starrte auf sein Ohr am Boden. Es ging so schnell, dass der abgetrennte Körperteil nicht mit Blut verschmiert wurde.
„ Schafft ihn hier raus, bevor er mir die teuren Steine mit Blut einsaut.“
Die beiden Wächter packten ihn unter die Arme und zogen ihn wieder die hintere Treppe hinunter, Achtlos wurde er in den Raum zurückgestoßen. Sie fesselten ihn nicht. Mit dieser Wunde würde er nicht weit kommen. Wie sollte er auch fliehen. Die Tür wurde verschlossen.
Forst wälzte sich über den Boden. Sein ganzer Körper verkrampfte sich vor Schmerz.
„ Du Hund! Du elendiger Hund! Dafür wirst du büßen!“ ein lauter Schrei vertrieb zumindest für ein paar Sekunden die Qual. Er zog sein Hemd aus und riss einen Ärmel ab. Diesen faltete er, drückte es fest an das Loch in seinem Kopf. Den restlichen Teil des Hemdes wickelte er um sein Haupt und zog einen festen Knoten darin.
Apathisch hockte er an der Wand, sein Blick ging ins leere.
Bis er plötzlich aufsah und zur Außenwand schaute. Schubert hatte ihn durch das Schloss hier herunter geführt. Wahrscheinlich war er noch nie zuvor hier gewesen, denn er staunte über die Gewölbe und den großen Raum.
Er hatte seinen Gefangenen hinten rein geführt. Vielleicht wusste Schubert nichts von dem hinteren Eingang.
Mit aller Kraft stieß er sich von der Wand ab. Seine Beine wollten ihn noch nicht tragen und so krabbelte er auf allen vieren, wie ein Baby zur hinteren Tür. Sie war in einer Senke und somit von vorne kaum Sichtbar.
Nur mit Mühe erreichte er den Griff.
Verschlossen.
Mutlos sackte er wieder in sich zusammen. Immer wieder beschimpfte er sich, warum er damals dieses Scheusal gerettet hatte. Doch es half ihm jetzt wenig.
Immer wieder schweiften seine Gedanken in alle Richtungen. In die Vergangenheit, in die Gegenwart und sogar in die Zukunft, sofern er noch eine hatte.
Gestern noch war er noch der Held. Er hatte einen Mann niedergeschlagen und hier her gebracht. Wollte ihn Foltern um Informationen zu erhalten. Wie schnell sich das Blatt ändern konnte. In diesem Moment fiel ihm ein wichtiges Detail ein.
Er hatte doch diese Tür hier auf und wieder zu geschlossen. Sofort tasteten seine Blutverschmierten Finger seine Taschen ab.
Nichts.
Aber da hinten lag seine Jacke, Die wurde ihm ausgezogen bevor sie ihn an den Stuhl fesselten. Wieder auf allen vieren kroch er zu ihr hin. Vor Aufregung zitterten seine Finger noch mehr. Sein Adrenalin ließ den Schmerz vergessen. Jetzt gab es nur noch den Kampf um Freiheit.
In der Innentasche schließlich wurde er fündig.
Der Schlüssel.
„ Diese Idioten!“ dachte Forst. Jetzt hast du einen Feind, den du nie haben wolltest!“ Neuer Lebensmut verhalf zum Aufstehen. Er torkelte zur Tür und schloss sie auf.
Die Abendluft tat gut. Er zog sie tief in seine Lunge.
Doch der Übermut verließ ihn. Sein Körper war zu geschwächt. Als das Adrenalin nach ließ, sackte er zusammen. Er schaffte es noch bis zur Hecke gegenüber, dann wurde es dunkel um ihn herum.



©2019 by Andrea. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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