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Prosa => Krimi


Hoby V.D. 26 März 1882 - von Andrea, 19.12.2018
Hoby V.D.

März 26.1882

Die Sonne ist längst untergegangen und es ist ein milder Abend. Endlich weht mal ein leichter Windzug, der etwas Kühlung bringt. Den ganzen Tag über war ich auf der Weide. Die Cowboys trieben die Rinder zusammen, die ich Stichprobeweise untersuchte. Bisher liegt bei keinem Tier der Verdacht auf eine Suche vor. Dennoch mache ich mir Sorgen um eine Kuh die kurz vor dem kalben steht. Mister Samson hat mir gesagt, dass diese Kuh schon mehrmals gekalbt hatte und es gab noch nie Probleme bei ihr. Ich mache mir dennoch Sorgen. Sie ist zu mager und hat leicht erhöhte Temperatur. Mister Samson erlaubt mir aber nicht hier zu bleiben und sie zu beobachten. Er meint, dass er im Notfall selber weiß was zu tun ist. Sicherlich wird er einige Erfahrungen haben, aber ich bin mir auch sicher, er stößt hier an seine Grenzen. Bei über sieben tausend Rindern, wird er sich wohl kaum um die eine Kuh Sorgen. Ich sagte Don, dass ich hier in der Nähe Übernachten wolle. Sollte es Komplikationen geben, wäre ich schnell zur Stelle. Er hielt mich zwar für verrückt, aber er ist ein echter Freund und bleibt bei mir. Die Kuh wird sicher in den nächsten zwei Tagen Kalben. Wir fanden eine geeignete Schlafstelle, von der ich sogar einen Blick auf das Gatter habe. Ein Feuer dürfen wir nicht machen, da wir uns ja noch auf dem Grundsstück des Ranchers befinden. Er würde das nicht erlauben, also verhalten wir uns möglichst still und unauffällig. Don hatte etwas Brot und Dürrfleisch dabei. Es schmeckt nicht besonders gut, aber es tut gut auf etwas zu kauen wenn der Magen knurrt. „ Wenn wir ein Feuer hätten, würde ich dir einen schönen Hasenbraten zubereiten“, sagte Don und erklärte mir, wie man einem Hasen eine Falle stellt. Er weiß auch welche Beeren und Kräuter man in der Natur findet, um den Braten schmackhaft zu machen. „Hör auf davon zu reden. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen.“ Sagte ich ihm.
Dies hier ist meine erste Nacht unter freiem Himmel. Ich gebe zu, dass ich ein wenig angst habe. Ohne Don würde ich wohl die ganze Nacht wach bleiben.
Mister Samson ist ein großer Mann mit grauen Haaren. Er ist über fünfzig Jahre und schon sehr faltig im Gesicht. Kein Wunder, wenn er sein ganzes Leben schon auf einer Ranch verbracht hat, jeden Tag unter der Sonne. Es wird wohl auch Stress eine Rolle spielen. Er ist der Boss von dreißig Cowboys und über siebentausend Rindern. Seine Frau starb bei der Geburt des vierten Kindes. Nach drei Jungen brachte sie ein Mädchen zur Welt. Die kleine hat es nie besonders gut gehabt in dieser Männerwirtschaft. Samson würde es nie zugeben, aber tief in seinem Inneren gibt er dem Mädchen die Schuld am Tot seiner Frau. Er ist so immer verbittert, wenn er sie sieht.
Jetzt haben wir fast Mitternacht und ich kann immer noch nicht schlafen. Don hat sich in seine Decke eingerollt. Er scheint zu schlafen. Ich höre sein gleichmäßiges Atmen. Seinen Revolvergurt hat er abgelegt, aber den Revolver hält er unter der Decke in der Hand.
„ Ich bin gerne immer auf alles vorbereitet“, sagte er. Deshalb hatte er auch Fleisch und Brot in der Satteltasche. Don ist es gewohnt in der Natur zu Übernachten. Er erzählte mir von einer Nacht, in der eine Klapperschlange auf seine Decke kroch. Es dauerte eine halbe Stunde, bis sie sich wieder verzog. Ihm blieb nichts anderes übrig als so lange still zu liegen und sich auf keinen Fall zu bewegen. Da kann man nur Hoffen, dass man nicht gerade in diesem Moment Niesen muss.
Ich höre gerade die Kuh, es geht los. Ich mache Schluss und schleiche mich näher an das Gatter heran. So wie sie brüllt, läuft die Geburt nicht normal ab. Don ist auch schon wach geworden, er hat immer einen leichten Schlaf, wenn er draußen Übernachtet, sagte er mir. Auf der Weide ist noch niemand zu sehen. Samson überlässt die Kuh ganz ihrem Schicksal. Das ist grausam, auch wenn man siebentausend Rinder hat, sollte man sich um jedes einzelne Tier kümmern. Das macht wohl den Unterschied zwischen Tierarzt und Rancher. Samson meinte, sie wäre zu alt. Wenn sie noch das Kalb schmeißt, ist er zufrieden, dann hat sie ihren Teil getan.
Don ruft mich, ich muss los. Bis Morgen, dann erzähle ich, wie Geburt verlaufen ist.
Es ist auch nicht einfach bei Mondlicht zu schreiben. Hoffentlich kann man meine Schrift noch lesen. So long, Leo Hoby



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