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Prosa => Krimi


Lasst die Vergangenheit ruhn Kapitel 27 und 28 - von Andrea, 19.12.2018
Kapitel 27




Major Schubert wollte sich nicht nehmen lassen, zu zusehen, was Forst für ein Gesicht machen wird, wenn er ihn im Kellergewölbe einsperrte.
Seine Leute schoben den Gefangen grob die Steintreppe hinunter.
Forst lief es eiskalt über den Rücken. Gleich würde Schubert seinen gefesselten Mann finden. Sicher wird er sich kaputt lachen, und ihn einen Idioten schimpfen. Dann konnte er mit gar nichts mehr seine Haut retten. Der Gefangene wäre in Schuberts Hand und er selber hatte keinerlei Informationen, die er gegen sein Leben eintauschen konnte.
Sie öffneten die schwere Holztüre. Forst viel nicht mal auf, dass der Schieber offen stand. Seine Knie zitterten. Er wusste genau wozu Schubert fähig war. Zu lange hatte er ihn begleitet und ihn beschützt. Wie bitter er das jetzt bereute.
„ Sieh mal, da liegt sogar ein Stuhl für dich bereit.“
Mit federnden Schritten ging Schubert auf den Stuhl zu und stellte ihn wieder auf. Forst beobachtete es mit weit aufgerissenen Augen. Er konnte es noch nicht glauben. Wo war sein Gefangener und wie hatte er sich befreien können?
Noch nie ist jemand aus den Fesseln entkommen, die er angelegt hatte.
Trotz dieser brennenden Frage, war er sichtlich froh über diese Flucht.
„ Das Grinsen wird dir noch vergehen!“ Schubert war ein wenig enttäuscht. Er hatte mit mehr Panik gerechnet. Mit flehen um Gnade und so was. Eben noch sah Forst blass aus und sein Gang war wackelig. Doch jetzt schien er erleichtert. Das machte ihn wütend.
„ Setzt diesen verdammten Kerl da hin!“ er deutete auf den Stuhl. Forst ließ sich ohne widerstand hinführen und setzte sich freiwillig.
„ Du ahnst ja gar nicht, wie nahe du am Abgrund deiner Karriere stehst. Wenn du mich tötest, ist da draußen immer noch der Mann, der alles über dein Kind weiß. Wenn ich hier nicht rauskomme, wird er alles ausplaudern, dann gab es mal einen Major namens Schubert.“
„ Du wirst mir verraten, wo er ist.“ Schubert stand hinter ihm, während ihm die Hände an die Lehnen gefesselt wurden. Wie zuvor Francis, saß nun er auf diesem Stuhl.
Sein Kopf wurde so unerwartet nach hinten gerissen, dass es in der Wirbelsäule knackte. Schubert zog den Kopf seines Gefangenen soweit zurück, dass dieser ihn ansehen konnte. Verächtlich schaute Schubert von oben auf ihn herab.
Blitzschnell zuckte ein Messer vor. Etwa einen Zentimeter überm Adamsapfel hielt er die scharfe Klinge. Forst wagte sich nicht mehr zu rühren. Aber er musste schlucken und mit dem auf und ab des Adamsapfels verletzte die Klinge die Haut. Forst konnte das warme Blut spüren, dass aus der Wunde lief und vom Hemdkragen aufgesogen wurde.
„ Mach das Maul auf! Wo hast du ihn versteckt und wie viel weiß er über mich?“
In Schuberts Mundwinkeln sammelte sich Spucke. Vor Aufregung vergas er zu Schlucken. Sein Gesicht lief tief rot an.
„ So läuft das nicht. Lass mich gehen und ich bring den Kerl hierher.“
„ Für wie blöde hältst du mich?“
„ Du warst nie besonders Schlau. Deine Karriere baut auf Bestechung und Beziehungen auf. Ich habe dich damals aus dem Feuer gerettet und teuer dafür bezahlt. Aber ich weiß seit dieser Nacht auch, dass du das Mädchen geschwängert hast. Die Arme, die dann jämmerlich unter einer Brücke starb. Damals hatte ich noch geglaubt, du hättest das Baby verschwinden lassen. Aber irgendwann wurde mir klar, dass du verzweifelt danach suchst. Und jetzt…findet sich tatsächlich jemand, der weiß wo sich dein Erwachsener Bastard aufhält. Oder vielleicht ist es auch eine Bastardin. Nennt man es so, wenn es weiblich ist?“




Kapitel 28



Johanna drückte sich fest an die Felswand. Die Nacht war kalt. Ihre Glieder schmerzten und sie hatte Angst. Ob sie wegen der Kälte oder wegen der Angst ständig zittern musste, konnte sie nicht mehr kontrollieren. Um ihre Hände spannten sich Eisenringe, die wiederum mit einer Kette an der Felswand befestigt waren. So sehr sie auch daran zog und verzweifelt riss, der Haken bewegte sich keinen Millimeter aus dem massiven Stein heraus.
Draußen musste die Sonne längst aufgegangen sein. Sie aber konnte es nicht sehen. Viel zu tief hinein hatte Bolwik sie geführt. Die Temperatur in der Grotte blieb im hinteren Teil stetig bei zehn Grad plus. Alles war feucht und es roch nach verdorbenen Obst und Urin. Sicher wurde das hier auch von Obdachlosen genutzt. Besonders im Sommer. Dann tat die kühle Luft bestimmt gut.
Bolwik hatte ihr einen Eimer da gelassen, aber Johanna ekelte sich davor ihn zu benutzen. Sie hatte den ganzen Tag nicht einmal Druck in der Blase verspürt. Wahrscheinlich lag es auch an der Furcht, die nicht los lassen wollte.
Die ganze Nacht konnte Johanna kein Auge zu machen. Jetzt dämmerte sie in einem Schlaf-wach Rausch. Sie spürte Francis warme Haut. Hörte seine Stimme. Es tat so gut.
Laute Schritte rissen sie aus ihrer Trance. Ängstlich zog sie die Knie an und blieb in der Hocke sitzen. Die Schritte kamen näher. Immer lauter, immer bedrohlicher.
Sie weinte leise, obwohl sie sich vorgenommen hatte, keine Schwäche zu zeigen. Aber sie war wie gelähmt. Ihr Körper gehorchte den Befehlen des Gehirns nicht mehr.
Dann war ein Licht zu sehen. Nur noch wenige Sekunden und er würde erscheinen.
Doch die Schritte verstummten. Stimmen waren nun zu hören. Eine gehörte deutlich zu Bolwik. Die Andere kam ihr auch bekannt vor, aber sie wusste nicht mehr woher. Es gelang ihr einfach nicht sich zu konzentrieren. Die Gedanken zu ordnen.
Die Stimmen wurden lauter. Johanna konnte jetzt jedes Wort verstehen.
„ Du? Ich habe dir gesagt du sollst verschwinden!“ Das war eindeutig Bolwik, der einen anderen anbrüllte.
„ So einfach lasse ich mich nicht abschieben. Ich will mein Geld, oder ich verrate die Sache mit der Akte, die sie für einen Verbrecher haben verschwinden lassen.“
Johanna konnte den leichten sächsischen Akzent raushören und versuchte angestrengt zu überlegen, woher sie diese Stimme kannte.
„ Du bist doch nicht ganz bei Verstand. Wir hatten einen Deal und der ist abgeschlossen.“
„ Nein das ist er nicht. Sie sind mir noch alles schuldig. Und jetzt verdoppele ich die Summe, oder…“
„ Oder was? Du hast doch mit gemacht. Was werden wohl deine Kollegen sagen, wenn sie erfahren, dass du für Geld einen gespielten Überfall verhindert hast. Auch du hast den Kerl laufen lassen und wusstest dass er vorbestraft und gesucht war. Also Quitt pro Quo.“
„ Ich habe nichts zu verlieren. Bin suspendiert. Eben wegen dieser Sache. Das habe ich ihnen zu verdanken.
Meine Kollegen haben mich verpfiffen. Die konnten mich sowieso nicht leiden, aber ich sie auch nicht. Leider wurde mir nicht geglaubt, dass die Beiden auch bestochen wurden.
Jetzt will ich von hier weg bevor sie mich noch einbuchten, aber dazu brauche ich noch etwas Kohle.“
„ Und da dachtest du ausgerechnet an mich?“ Bolwik trat einen Schritt auf den Fremden zu. Er baute sich groß und übermächtig auf. Streckte die Brust soweit vor, dass er die des Anderen berührte. Langsam schob er ihn nach hinten um seine Überlegenheit zu verdeutlichen.
„ Wie hast du mich eigentlich gefunden?“
„ Ich bin Wachmann, schon vergessen? Eine Adresse raus zu finden ist kein Problem.
„ Ich werde dir keinen müden Taler geben. Du hast die Sache vermasselt. Ich wollte Informationen, aber dazu warst du ja nicht im Stande. Du hast den Auftrag nicht erfüllt, also auch kein Geld.“
Der junge Wachmann Achim Lauber starrte Bolwik wutentbrannt an. Sein Leben war verpfuscht, weil er auf diesen Mann gehört hatte. Weil er das Geld brauchte, was ihm Bolwik versprochen hatte. Nun war er seinen Beruf los und musste sogar mit einer Strafe rechnen.
Ohne weiter zu Überlegen zog er ein Messer hervor.
Er ließ Bolwik nicht mal die Chance sich zu verteidigen. Weil dieser ihm so nahe stand, konnte er die Klinge in der Hand des Gegners nicht sehen. Das hätte er ihm auch nie zugetraut. Doch jetzt war es zu spät für jede Gegenwehr.
Er spürte einen eigenartigen Stich im Bauch. Konnte sich nicht erklären, woher er kam, bis Lauber zurück wich und den Griff des Messers losließ.
Bolwik starrte an sich herunter. Erst jetzt signalisierte sein Gehirn entsetzen und Schmerz gleichzeitig.
Um den Einstich bildete sich ein roter Fleck im Hemdstoff, der rasant größer wurde. Die Beine verloren ihre Kraft. Bolwik sank auf Knie, kippte nach hinten weg.
Verzweifelt umfasste er den Messergriff, aber es fehlte ihm die kraft es heraus zu ziehen. Wahrscheinlich hätte das auch nicht mehr sein Leben retten können. Er wäre nur schneller verblutet und musste nicht mehr in das Entschlossene Gesicht seines Gegners starren, der sich über ihn beugte.
Mit seinem letzten Atem wollte er noch etwas sagen, aber es kam nur noch ein röcheln. Blut quoll aus seinem Mund, als die Augen jeglichen Glanz verloren.
Johanna verhielt sich leise. Wie erstarrt hockte sie zusammen gekauert an der Felswand. Zuerst wollte sie sich bemerkbar machen. Um Hilfe rufen, aber sie hatte alles gehört und war nun Zeuge eines Mordes.
Wie in einem Theater spielte sich die ganze Szene an der Felswand ab. Die Laterne, die Bolwik abgestellt hatte, bevor er auf den Andren zuging, warf alle Schatten an die Wand. Sie sah den Arm nach vorne schnellen, sah deutlich die Konturen des Messers das in Bolwik´s Bauch steckte, als sein Gegner zurück wich. Die Schattenfigur brach zusammen und blieb reglos liegen. Der Schattenmann zog das Messer aus der Leiche und wischte die Klinge an Bolwik´s Hose ab.
Johanna presste beide Hände fest auf ihren Mund um nicht auf zu Schreien. Wenn sie jetzt entdeckt wurde, wäre sie das nächste Opfer. Am liebsten wäre sie noch weiter nach hinten gerutscht, soweit die Kette reichte, aber dann würde das Klirren der Kettenglieder sie verraten.
Mit weit aufgerissenen Augen sah sie, wie der Schatten den Leblosen am Boden durchsuchte. Sie hörte ein leises Fluchen, dann wurde es Still. Angestrengt lauschte Johanna. Ihr Herz schlug so laut, dass es in den Ohren pochte.
Der Fremde muss wohl weiche Schuhe getragen haben, denn sie hatte ihn nicht weg gehen gehört. Die Laterne stand noch immer da, aber die Schatten waren weg. Nichts bewegte sich, nichts machte Geräusche. Sie traute sich dennoch nicht sich zu Bewegen.
Nach endlos langer Zeit war Johanna sicher, dass Niemand mehr da war. Außer dem leblos, am Boden liegenden Bolwik.
Erleichtert atmete sie tief durch. Doch schon nach zwei Atemzügen erstarrte sie vor Angst. Außer Bolwik hatte sie Niemanden hier gesehen. Wenn er der Einzige war, der von ihr wusste, würde sie hier elendig verdursten. Oder nagender Hunger brachte sie um. Schreie machten keinen Sinn. Die Felswände verschluckten jeden Schall und ließen nichts nach draußen. Mit neu entfachter Kraft zerrte sie an den Ketten. Johanna schrie die Wände an.
„ Ich werde hier nicht sterben. Nicht hier in diesem dunklen, dreckigen Loch!“







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