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Prosa => Krimi


Lasst die Vergangenheit ruhn Kapitel 25 und 26 - von Andrea, 19.12.2018
Kapitel 25

Francis schlug langsam die Augen auf. Sein Kopf schmerzte. Es hörte sich an, als wäre er in einer Schmiede. Unentwegt schlug ein Hammer auf einen Amboss. Die hellen Töne waren wie Messerstiche in Gehirn. Er versuchte sich den Nacken zu reiben, aber irgendetwas stimmte da nicht.
Er schloss die Augen um sich zu konzentrieren. Was war geschehen? Trotz der hämmernden Schmerzen kam die Erinnerung zurück.
Jetzt befand er sich in einem halb dunklen Raum, gefesselt auf einem Stuhl. Außer nackten, feuchten Wänden und einem Fenster mit Gitterstäben versehen gab es nichts in dem Raum. Mit aller kraft versuchte er die Hände von der Stuhllehne zu lösen, aber die Stricke waren fest. Schon nach kurzer Zeit musste er aufgeben, um sich nicht noch die Handgelenke blutig zu Scheuern.
Francis fluchte in sich hinein. „Wie konnte ich nur so dämlich gewesen sein? In so eine Falle wäre nicht mal ein Kind rein gerannt!“ Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und die Zähne knirschten vor Wut. Nach gut einer Stunde öffnete sich die Holztür. Das klacken des Schlüssels erschreckte ihn aus seinen Gedanken. Neugierig beobachtete er den Eindringling.
„ Ah! Sie sind wach!“ eine Tenor ähnliche Stimme hallte durch den kahlen Raum.
„ Nun, dann können wir ja mit der Befragung beginnen.“
Als sich der Mann ihm näherte, erkannte Francis ihn sofort. Mit dem teueren Anzug und dem modischen Hut, passte er so gar nicht in dieses schäbige Verließ.
Forst verstand es, seine Gefangenen nervös zu machen. Er schlich um den Stuhl herum. Blieb immer länger hinter ihm als davor stehen. Das musste sehr unangenehm sein, nicht zu wissen, was gleich hinter dem Rücken passiert.
Beim dritten Gang berührte seine Hand Francis Nacken. Ihm fuhr ein Schauer durch den Körper, den er nicht verhindern konnte.
Forst trat vor ihm, die Hand jetzt an einer Kehle.
„ Ich brauche nur einmal fest zu zudrücken und das war es mit dir!“ flüsterte er.
„ Das hättest du auch schon am Bahnhof erledigen können. Außerdem glaube ich nicht, dass du dir hier die Hand schmutzig machen willst. So siehst du nicht aus.“
Tief im Inneren hatte Francis Angst, aber er hatte auch gelernt sie nie zu zeigen.
Das wäre der größte Fehler dem man seinem Feind entgegenbringen kann.
Indianer schätzen Mut und aufrichtige Männer und mit denen hatte er oft genug zu tun.
„ Bist ein kluges Köpfchen!“
„ Hör auf mir zu schmeicheln und sag endlich, was du willst!“ sagte Francis im forschen Ton.
„ Fangen wir ganz vorne an. Mit einfachen Fragen. Wer bist du?“
„ Ist das so wichtig?“
Klatsch! Forst schlug mit der flachen Hand zu. Die linke Wange wurde rot und brannte.
„ Falsche Antwort. Nach der dritten Falschen wird es sehr ungemütlich für dich. Also überleg dir gut was du sagst.“
„ Frank Neumann!“ sagte Francis und tat belanglos.
„ Warum hast du mich verfolgt, oder planst du ein Attentat auf Major Schubert?“
Francis lachte. „ Ein Attentat? Wäre nicht verkehrt. Der Mann ist ein Arrogantes Schwein.“
Klatsch! Die nächste Ohrfeige.
„ Das war die zweite falsche Antwort!“
„ Die Wahrheit? Die willst du lieber nicht wissen. Mich hat sie auch schwer getroffen. Was mich im Moment am meisten interessiert, ist die Frage, was ihr mit meiner Freundin Johanna Müller getan habt! Wenn sie tot ist, dann schwöre ich dir, dass du ihr folgen wirst!“
Jetzt war es Forst, der laut los lachte.
„ Du bist nicht gerade in der Lage zu Drohen. Warum denkst du, habe ich was mit dem Verschwinden dieser Person zu tun?“
„ Wer sonst!“
„ Davon weiß ich nichts. Schubert auch nicht. Er hat ganz andere Sorgen!“
„ Ich weiß! Er hat ein uneheliches Kind an der Backe. Wenn das raus kommt, ist er seinen Posten los, nicht wahr?“
„ Woher weißt du davon?“
Nachdenklich kaute Francis auf seiner Unterlippe. Er konnte ihm doch nicht sagen, wer sein Vater ist. Und Peter durfte er auf keinen Fall erwähnen. Oder aber er gibt sich als Sohn zu bekennen und Peter ist raus aus der Sache. Denn die wissen nicht, dass es Zwillinge waren.
„ Ich bin nicht der Einzige, der davon weiß. Wenn du mich umbringst, kommt die ganze Wahrheit ans Licht.“
„ Du lügst!“
Nervös rieb er sich die Hände. Das vernarbte Gewebe an beiden Händen glühte rot.
Anfangs hatte Forst sich geschämt. Er trug Handschuhe oder hielt sie in der Jackentasche versteckt. Aber er lernte mit diesem Makel zu Leben. Hartes Training ermöglichte ihm wieder ein normales Leben. Essen mit Besteck. Einen Stift festhalten und mit leserlicher Schrift zu Schreiben. Auch sein Hemd konnte er wieder allein zu zuknöpfen.
Seine Hände waren ein Teil von ihm. Ein Zeichen, dass er ein Kämpfer war und niemals aufgab.
„ Ich mach dir einen Vorschlag!“ Francis versuchte einen Handel. Er musste nur aus den Fesseln raus. Er war fast einen Kopf größer und viel Muskulöser wie sein Gegner. Außerdem konnte er kämpfen. Das hatte er in Texas mehr als einmal bewiesen. Sich gegen diesen Mann zu stellen sollte kein Problem sein.
„ Du bringst mich zu deinem Boss. Diesem Schubert und ich erzähle ihm wo das vermisste Baby heute lebt.“
Forst ging vor seinem Stuhl auf und ab, während er sich eine Zigarette anzündete.
„ Mmmhhh“, murrte er nur. Anscheinend dachte er über das Angebot nach. Francis ließ nicht locker. Jetzt musste er weiter reden und ihn überzeugen, solange er noch unschlüssig war.
„ Du kannst dabei nur gewinnen. Schubert wird dich sicher belohnen, wenn du ihm nach so vielen Jahren des Rätsels Lösung bietest.“
„ Warum sollte ich dich los machen. Nicht das ich Angst vor dir hätte, aber ich gehe nun mal ungern Risiken ein. Ich mache es viel Einfacher.“ Er beugte sich über Francis und blies ihm den Rauch ins Gesicht.
Grinsend drückte er den Zigarettenstummel auf der Hand seines Gegners aus. Francis biss die Zähne zusammen. Es brannte höllisch und es roch nach verschmortem Fleisch, aber außer seinem Kiefermuskel zuckte nichts an ihm.
„ Bist ein harter Bursche. Fast so gut wie ich. Wenn du nicht auf der Falschen Seite wärst, würde ich dich in mein Team aufnehmen. Du wolltest Schubert alles erzählen, also hole ich ihn her. Das ist wesentlich einfacher. Er hat es ja nicht weit.“
Konrad Friedrich Forst verließ den Raum und schloss die schwere Holztür. Francis hörte noch die hastigen Schritte, die sich entfernten.
„ Schöner Mist!“ fluchte er. Die Handgelenke schmerzten bei den Versuchen, die Kordel zu lockern die ihn an den Stuhllehnen fesselte.

Forst verließ den Keller und ging um das Schloss herum. Er wollte vorsichtshalber durch die Vordertür eintreten. Es könnte ihn ja jemand beobachten und sich fragen, wieso er aus dem Kellergewölbe kommt. Im Schloss liefen überall Soldaten herum, die Major Schubert treu ergeben waren.
Dieser Gefangene war sein Trumpf. Niemand sollte wissen, wo er ihn versteckt hielt.
Der Saal war wie immer groß und für Friedrichs Geschmack viel zu Kahl eingerichtet. Jeder Schritt hallte laut, was ein dezentes Eintreten verhinderte.
Es war unvermeidlich, bis zu Schuberts Schreibtisch zu gelangen, ohne das er es mit bekam.
Friedrich Konrad Forst schob seinen Kopf in den Nacken und reckte die Brust vor.
Es wirkte eindrucksvoller, wenn man gleich mit der Richtigen Haltung auf seinen Chef zuging.
Es machte ihm auch wenig Mühe, denn er war sowieso ein Mann des Stolzes.
Vor dem Podest blieb er stehen, die Arme hingen an beiden Seiten herunter. Seine Beine standen Schulterbreit auseinander. Immer Kampfbereit auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, dass es zu einem Kampf kommt.
Seine Augen wanderten hin und her. Sie beobachteten den gesamten Raum.
„ Hat dir das Essen nicht geschmeckt, oder hast du Sehnsucht nach mir?“
Schubert verzog eine Mine, die Forst nicht zu Deuten verstand. Sollte das Witzig sein oder meinte er es Ernst?
Er zog die Luft tief in seine Lunge, was einen ungewollten Hustenreiz hervor brachte.
„ Diese verdammten Zigaretten!“ ging es durch seinen Kopf.
„ Also, ich höre! Und ich hoffe es ist von Bedeutung, denn meine Zeit ist Kostbar!“ er schob die Augenbrauen zusammen. Sein Blick ließ diesmal keine Zweifel zu. Wenn die Nachricht nicht besonders Wichtig war, konnte sich Forst wieder einen Wutanfall anhören.
„ Major Schubert. Ich kenne sie schon sehr lange und weiß was für sie wichtig ist. Ich habe einen Mann in meiner Gewalt, der interessantes Wissen aufweist.“
„ Warum reden sie um den Braten herum. Was weiß er?“
Schubert war genervt und gleichzeitig nervös.
„ Er behauptet zu wissen, wo das vermisste Baby von damals jetzt lebt.“
„ Und?“ es viel ihm immer schwerer seine Neugierde zurück zu Halten.
„ Er will nur mit ihnen darüber reden.“
Klatschend schlug Schuberts Hand auf die Tischplatte.
Der Knall kam so unerwartet plötzlich, dass Forst zusammen zuckte.
„ Wofür bezahle ich sie eigentlich? Ich habe die besten Männer daran gesetzt und alles was sie mir bringen ist heiße Luft! Bolwik steht jedes Mal wie ein begossener Pudel da und sabbert nur. Und jetzt kommen sie und haben auch nichts Wertvolles von sich zu Geben. Ich kann und werde nicht mit ihm reden. Das müssen sie erledigen. Mein Name muss da völlig raus bleiben. Verstehen sie das?“
Forst zuckte nur mit den Schultern. Er hatte mit Lobreden gerechnet und zumindest ein >gut gemacht



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