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Prosa => Krimi


Lasst die Vergangenheit ruhen Kapitel 21 und 22 - von Andrea, 23.11.2018
Kapitel 21

Sie saß noch eine ganze Zeit in Gedanken versunken in ihrer Küche. Zweifel und Hoffnung wechselten so rasant, dass ihr Kopf anfing zu schmerzen.
Sie liebte Francis. Und sie wusste, dass er ihr noch sehr weh tun würde. Er war kein Mensch für dieses Leben hier. Irgendwann wird er wieder abreisen, für immer aus ihrem Leben verschwinden.
Er konnte nicht bei ihr bleiben, und sie ihm nicht ihm folgen…
Nein, das wollte Johanna auch nicht. Hier war ihre Heimat.
Ihre Knie zitterten immer noch, als sie aufstand und die Tassen der Reihe nach abspülte.

Die Nacht war klar. Hoch über den Dächern der Häuser konnte man sämtliche Sterne sehen, der Mond hing wie ein leuchtender Ball am Himmel.
Bolwik wechselte von einem Bein auf das Andere.
Dieser idiotische Wachmann. Ohne Informationen konnte er unmöglich Morgen Schubert gegenüber treten.
Irgendwas musste er doch raus finden.
Er schaute zum Fenster in den dritten Stock hinauf.
Sie war nicht allein. Zwei Männer hielten sich bei ihr auf.
Bolwik brauchte einen Plan.
Er hatte ihn gesehen, diesen großen, kräftigen Kerl.
Zwar war er selber nicht klein und schmächtig, aber er wollte kein Risiko eingehen und sich auf einen Kampf einlassen.
Vielleicht konnten seine Handlanger ihn ausquetschen. Dann bliebe er anonym im Hintergrund.
Dieser Fremde machte ihm Kopf zerbrechen.
Was sucht er hier? Warum interessiert er sich für die tote Frau. Es waren doch schon so viele Jahre vergangen.
Er zündete sich eine Zigarette an und zog genüsslich den Rauch bis tief in Lunge. Es wirkte jedes Mal beruhigend.
Wie in Trance beobachtete er die grauen Wölkchen, die beim Ausatmen aus seinem Mund schwebten.
Als er plötzlich Stimmen hörte, ging er ein paar Schritte zurück um im völligen Schatten eines Baumes zu verschwinden.
Fast wäre ihm die Zigarette aus dem Mund gefallen, als er zwei Männer heraus kommen sah.
Der kurze Moment um Lichtschein der Straßenlaterne reichte aus, um das unmögliche zu sehen.
Den Größeren kannte er ja bereits, aber der Schmächtige neben ihm war ein neues Gesicht. Oder besser gesagt das gleiche Gesicht noch einmal. Die Wangenknochen waren etwas eingefallener, die Haare nicht ganz so struppig, sondern mit Haar Gel geglättet, aber dennoch eine exakte Kopie des anderen.
Bolwik rieb sich die Augen. Kein Zweifel, er träumte nicht. Dieser Fremde hatte offensichtlich einen Zwilling.
Wer war er und wo kam er plötzlich her?
Sein Herz überschlug sich fast vor Freude, als er die Beiden fort gehen sah.
Das bedeutete, dass die Reporterin allein da oben saß.
Jetzt oder nie. Schoss es ihm durch den Kopf.
Noch einen letzten Zug an der Zigarette, damit die Hände nicht mehr zitterten vor Aufregung.
Lässig schnippte er sie weg. Keine Zeit sie aus zu treten. Wer weiß denn, wann die Zwei wieder zurück kommen.
Die Haustür war träge. Sie zog sich nur langsam ins Schloss zurück. Bolwik erreichte sie, bevor sie zufiel.
Am liebsten wäre er die Treppe hinauf gerannt, aber das alte knarrende Holz hätte ihn verraten.
Dennoch übersprang er zügig jede zweite Stufe bis in den dritten Stock.
Die Wohnungstür war wie erwartet zu und sah sehr massiv aus. Ein versuch sie aus dem Rahmen zu Rammen würde sicher in der Schulter schmerzen oder im den Fuß brechen, wenn sie stand hielt.
Nach kurzer Überlegung klopfte er einfach an.
Wenn sie fragen sollte wer da an der Tür steht, musste er eben improvisieren.
Es dauerte eine kurze Zeit, da erklang ein Lachen aus der Wohnung.
„ Habt ihr noch was vergessen?“ hörte er die feine Frauenstimme fragen. Im selben Moment öffnete sich der Zugang.
Schnell schob er seinen Fuß in den Spalt. Mit einem kräftigen Fausthieb stieß er die Tür weiter auf um ein zu treten.
Johanna war so überrascht, dass sie keine Gegenwehr leisten konnte. Als sie ihren Fehler bemerkte war es zu spät.
Krachend schlug das Türblatt gegen die Wand.
Bolwik riss sie beim rein stürmen mit sich und besaß dabei so viel Schwung, dass Beide den gesamten Flur nach hinten stolperten bis das Ende sie stoppte.
Sofort gewann er die Überhand. Drückte seinen Ellbogen gegen ihre Kehle. Johanna schnappte nach Luft, aber er ließ nicht locker. Ihre Tritte schienen ihm nichts aus zu machen.
Auch ihre verzweifelnden Faustschläge steckte er locker weg.
Erst als sie unter seiner Kraft erschöpfte, ließ er locker.
Mit weit aufgerissenen Augen rutschte sie an der Wand zu Boden.
„ So, meine süße. Du wirst mir jetzt alles erzählen.“
Johanna rieb sich den schmerzenden Hals. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Nur ein röcheln kam hervor.
Er beugte sich zu ihr runter, packte sie am Haarzopf und riss ihren Kopf nach hinten.
„ Was hast du gesagt? Rede deutlicher!“
„ Wass…Wasser…“
Sie konnte kaum noch schlucken. So musste es sich wohl anfühlen, wenn man Tagelang ohne Wasser in der Wüste herum lief.
Unsanft zog Bolwik sie auf die Beine, zerrte sie in die Küche und hielt ihren Kopf unter die Pumpe.
Er brauchte nur eine Hand um sie fest zu halten. Die andere schwenkte den Pumphebel und das Wasser schoss über ihre Haare.
Johanna hielt ihre Hände in den Strahl um das aufgefangene Wasser daraus zu schlürfen.
Jeder Schluck tat weh, aber der Krampf im Kehlkopf löste sich allmählich.
„Also, was hast du mir zu sagen!“
„ Nichts…“ stotterte sie, konnte vor Angst keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Wütend umklammerte Bolwik einen Stuhl und schleuderte ihn durch die Küche.
Er landete im Hängeschrank, zerschlug die Scheibe und zerbarst am Boden.
Drei, der vier Tassen, die Johanna besaß und die sie vor wenigen Minuten ausgespült in den Schrank geräumt hatte, lagen zerbrochen auf dem Boden.
„ Hör zu! Ich habe die ganze Nacht Zeit die Informationen aus dir raus zu prügeln die ich haben will. Morgen muss ich etwas zu Berichten haben. Und damit mir dein Freund nicht in die Quere kommt, suchen wir uns einen Platz an dem wir ungestört sind.“
Ohne Probleme hebelte er ihren Arm auf den Rücken.
Bevor er das Messer an ihre Rippen drückte, schwenkte er die blinkende Klinge vor ihren Augen hin und her.
„ Damit wir uns klar verstehen“, flüsterte Bolwik in ihr Ohr, “ Wenn du versuchst zu Schreien oder andere auf uns aufmerksam machst, steckt das feine Ding hier in deinen Rippen. Also verhalte dich ganz natürlich, wenn wir das Haus verlassen.“
Johanna leistete keinen Widerstand. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, ihre Kehle schnürte sich wieder zu und ließ keinen Ton heraus, selbst wenn sie es wollte, sie konnte gar nicht schreien oder um Hilfe rufen.
„ Ich brauche Informationen. Major Schubert reißt mir den Kopf ab, wenn ich ihm nichts zu sagen habe. Glaub mir meine, Süße. Du wirst reden…“
Johanna stockte der Atem vor schreck.
Hatte er gerade Major Schubert erwähnt?
Worum ging es hier eigentlich?
Das einzige was Johanna in ihrer Panik einfiel, war die dumme Sache bei Major Schuberts Rede. Aber sie hatte doch klein beigegeben und war gegangen.
Während sie von Bolwik unsanft geschoben wurde und ständig umknickte auf den unebenen Pflastersteinen, kämpfte sie gegen ihre Tränen an. Auf keinen Fall wollte sie Schwäche zeigen, aber die Angst schien stärker zu sein.
„ Los jetzt! Ein bisschen schneller.“ Sie gelangten in den Ilm Park. Hier schien keine Straßenlampe. Nur der Mond und die Sterne leuchteten sanft.
An einem Grotteneingang stoppte er endlich. Mit einer Hand hielt er sie immer noch im Griff während die Andere nach einem Schlüssel in seiner Manteltasche suchte.
„ So, hier können wir uns in Ruhe unterhalten.“
Das rostige Gittertor quietschte beim öffnen.
Schon im vorderen Teil der Grotte war es so dunkel, dass sie nicht mal die Hand vor Augen sehen konnten.
Anscheinend hatte Bolwik vor gesorgt. Er zündete eine Fackel an, die an der Wand hing und sofort erhellte sich die Höhle. Gespenstig flackerten ihre Schatten an den Felswänden.
Er stellte sich so nah vor ihr, dass sie seinen Atem riechen konnte.
Sekundenlang blieb die Zeit stehen.
Er bewegte sich nicht. Drückte sie nur gegen die kalte Felswand und sog den Duft ihrer Haare tief ein.
„ Du machst mich verrückt!“ hauchte er während ein leises Stöhnen aus seiner Kehle rann.
Deutlich spürte Johanna seine Erregung und konnte nichts tun. Seine Hüfte blockierte jede Bewegung ihrerseits. Johanna war ihm völlig unterlegen. Sie schaffte es nicht mal den Griff zu lösen, mit dem er ihr Handgelenk umfasste.
„ Also, wer ist er?“
„Ich weiß nicht wovon sie reden!“ ihre Stimme klang fremd.
„ Der Mann in deiner Wohnung hat einen Zwillingsbruder richtig?“
„ Wenn sie das schon wissen, warum fragen sie dann noch!“
„Ihr schnüffelt zu viel in der Vergangenheit rum. Was habt ihr bis jetzt raus gefunden?“
Darum ging es also. Major Schubert muss erfahren haben, dass Francis und sie nach Antworten suchten.
Ihr wurde schlagartig klar, wie gefährlich ihre Nachforschungen waren. Francis hatte recht.
„ Der Mann heißt Frank Neumann und er ist mein Freund.“
„ Und sein Bruder?“
Sie zögerte. Konnte ihm doch nicht verraten, dass er aus Ulla kam. Und wie sollte sie erklären, dass er einen anderen Nachnamen besitzt?
„ Peter!“ schoss es aus ihr heraus, in der Hoffnung, Bolwik fragt darüber nicht weiter nach.
„ Er interessiert sich sehr, für die tote Frau, die vor Jahren unter der Brücke aufgefunden wurde.“
Johanna drehte ihr Gesicht zur Seite. Sie konnte seinen Mundgeruch nicht mehr ertragen.
„ Ich bin Reporterin. Er hat Zufällig eine alte Zeitung bei uns im Büro gesehen und…“
Klatsch!
Hart traf Bolwik´s Hand ihre Wange. Durch die Wucht flog ihr Kopf zur anderen Seite. Ein brennender Schmerz lähmte ihre rechte Gesichtshälfte.
„ Lüg mich nicht an!“ schrie er. „ Er war bei diesem Doktor van Leeken und ich weiß, dass der alte Mann geredet hat. Also weißt auch du vom dem verschwundenen Baby.“
Wieder eine überraschende Neuigkeit! Johanna starrte ihn an. Aus Angst wuchs langsam Wut.
„ Sie haben ihn umgebracht!“ sagte sie mit fester Stimme.
„ Nein, an so was mache ich mir nicht die Hände schmutzig“, gab er zurück und rieb sich unbewusst die Handfläche an seinem Hosenbein auf und ab, als wolle er etwas abwischen.
„ Ja, wir wissen von dem Baby. Aber das ist ja wohl keine Neuigkeit für diesen arroganten Major.“
Bolwik beobachtete jede ihrer Gesichtzüge. Die Fackel hing nur eine Handbreit auf Kopfhöhe und ließ einen genauen Blick in ihre Augen zu.
Ihre plötzliche Tapferkeit erregte ihn. Bolwik liebte Frauen mit Selbstbewusstsein. Im Bett spielte er gerne den Unterworfenen. Ließ sich kommandieren und sogar schmerzen zufügen.
Eine Schwäche, die er im täglichen Leben nie zeigen durfte.
„ Du weißt was mit dem Baby geschehen ist?“
Er schmiegte sich enger an sie ran. Rieb seinen Schritt an ihrem Oberschenkel.
Johanna überkam der Ekel. Instinktiv spuckte sie ihm ins Gesicht. Sofort bereute sie es und rechnete mit mehr, als nur einer Ohrfeige. Aber zu ihrem Erstaunen, machte Bolwik nicht mal eine weg wischende Handbewegung. Satt dessen küsste er sie am Hals. Wenige Zentimeter unter dem Ohr.
„ Mach weiter so, ich liebe wilde Frauen. Wir sollten uns die ganze Nacht vergnügen. Morgen bringe ich dich zu Major Schubert. Wenn er mit dir fertig ist, hat kein Mann mehr Interesse an dir! warum sollten wir die paar Stunden mit Fragereien vergeuden. Du bist mein ganz großer Trumpf!“



Kapitel 22

Francis schlenderte zurück zur Wohnung. Er hatte am Bahnhof gewartet bis Peters Zug abfuhr.
Es war wohl das Beste so. Je weniger sie zusammen gesehen wurden umso Besser. Noch kannte Niemand Peter und ihr gemeinsames Geheimnis.
Er machte sich große Sorgen. Was konnte er schon tun? Auf keinen Fall durfte Johanna oder Peter etwas passieren, nur weil er alles aufgewühlt hatte.
Mittlerweile wusste er welche Stufe am lautesten knarrte unter seinem Gewicht. Es klang wie eine bekannte Musik, als er in den dritten Stock hinauf ging.
Die Wohnungstür war nur angelehnt.
Stutzig blieb er einen Moment davor stehen. Wie konnte Johanna so leichsinnig sein? Oder…
Mit geballten Fäusten schlich er vorsichtig in den Flur.
Nichts! Kein Laut, keine Stimmen.
Er hielt sich mit dem Rücken zur Wand, auf dem Weg zur Küche.
Die Tür ließ sich leicht aufschieben.
Noch bevor er richtig eingetreten war, sah er die kaputte Glasscheibe und den zerbrochenen Stuhl.
Auf dem Boden verteilt lagen die Stücke der drei Tassen.
„ Johanna!“ flüsterte er sich zu.
Eine Weile stand er wie versteinert da. Blickte auf das Chaos während seine Gedanken in alle Richtungen schweiften.
Erst der Überfall in der Gasse und nun das hier. Hatte das vielleicht mit ihm zu tun? Wer immer dafür schuld ist, er wird sich mit ihm anlegen müssen. Francis kochte vor Wut. Wieso redete niemand mit ihm?
Vergreifen sich lieber an einer wehrlosen Frau.
Der zertrümmerte Stuhl war nicht mehr zu retten. Aber es stand ja noch einer am Tisch, auf den er sich setzte und sein Gesicht in seine Hände vergrub.
Er hörte wie Johanna ihm sagte, dass der Wachmann komisch war. Das er sie wegen der toten Frau fragte.
Der Überfall und jetzt die Entführung, dass hing doch sicher zusammen.
Seufzend hob er seinen Kopf, starrte die Wand an und überlegte.
Er brauchte nicht lange darüber nach zu denken. Es musste ein Zusammenhang geben.
Sein Entschluss stand schließlich fest. Er wollte den Wachmann auf der Wache antreffen und ihn dazu befragen.
Sicher steckt auch dieser Major Schubert dahinter, aber er war nun mal ein hoher angesehener Mann in Weimar und nicht so einfach ansprechbar.
„Fangen wir einfach ganz unten an“, sagte er sich und verließ zielsicher das Haus.

Die Wache zu finden war nicht schwer. So langsam kannte er sich in der Stadt aus.
Bevor er in das große Gebäude eintrat raffte er sich zu voller Größe, zog die Schultern nach hinten um möglichst eindrucksvoll zu wirken.
Sie sollen gleich merken, dass er keinen Spaß mehr versteht.
Mit großen Schritten näherte Francis sich der Empfangstheke.
Dahinter befanden sich vier Beamte in Uniform, an verschiedenen Tischen. Das klappern der Schreibmaschinentasten hallte durch den Raum. Unregelmäßig erklang ein leise „Pling“ der Schreibmaschinenglocke, wenn der Wagen das Ende der Zeile erreicht hatte.
Ein kleiner, älterer Uniformierter drehte sich zu ihm, zwirbelte an seinem Schnauzbart und fragte schließlich.
„ Womit kann ich ihnen helfen?“
„ Meine Freundin wurde gestern in einer Gasse überfallen. Ich möchte mich mit dem Wachmann unterhalten, der ihr geholfen hat.“ Francis versuchte so höflich wie möglich zu reden. Er wollte auf keinem Fall neuen Ärger haben.
„ Gestern?“
Ein Blick auf die Standuhr in der Wache verriet vier Uhr Morgens.
„ Jawohl. Es war so gegen achtzehn Uhr und der Wachmann hieß Lauber.“
„ Wo ist ihre Freundin jetzt, warum haben sie sie nicht mit gebracht?“
Francis überlegte kurz und sagte, “ sie ist noch ganz mitgenommen, ich bin froh, dass sie etwas Schlaf gefunden hat. Ich möchte mich persönlich bei diesem Lauber bedanken.“
Kopfnickens wendete sich der Diensthabende ab und nahm sich einen dicken Ordner auf den Arm.
Mit einer Hand blätterte er darin herum, bis er mit strengem Blick aufschaute.
„ Entweder hat sich ihre Freundin einen schlechten Scherz mit ihnen erlaubt oder sie wollen uns auf den Arm nehmen.“
„ Ich verstehe nicht was sie Meinen?“ Francis blickte sich nervös um. Sollte er doch wieder Ärger bekommen? Was hatte er nun schon wieder falsch gemacht.
„ In der Akte steht nichts von einem Überfall. Wenn es wirklich so passiert war, dann müsste hier ein Bericht sein. Also?“ lauernd starrte der untersetzte Mann ihn in die Augen. Es schien förmlich darin zu Blitzen vor Arbeitseifer. So früh am Morgen war sicher noch nicht viel geschehen. Ein guter start in den Tag für einen Wachmann, der sonst nur in Akten herum wühlt.
Jetzt nur keine falsche Antwort, Francis, bleib ruhig!
„ Nun ja“, Francis räusperte sich. „ Vielleicht ist der Wachmann noch nicht dazu gekommen die Geschehnisse der letzten Nacht auf zu Schreiben.“
Er legte ein freundliches Lächeln auf und hoffte auf Verständnis.
„ Wollen sie uns unterstellen, wir würden nicht akkurat Arbeiten? Glauben sie, dass wir nur Däumchendrehen und hier unsere Zeit absitzen? Unsere Unterlagen und Berichte sind Vollständig und jeder Wachmann kennt die Vorschriften.“
Francis verzweifelte fast. Egal wie er was sagte, es war sowieso falsch. Diese Vorschriften, alles musste streng nach irgendwelchen Gesetzten eingehalten werden. Kein Platz für eigene Meinung. Eigene Kreativität.
„ Okay. Ich Entschuldige mich, wenn ich mich falsch ausgedrückt habe. Es ist vielleicht besser, wenn ich noch mal mit meiner Freundin rede. Kann sein, dass ich etwas falsch verstanden habe. Aber trotz allem möchte ich gerne mit Herrn Lauber reden.“
„ Sie haben wohl nicht zugehört. Wachmann Lauber war nicht bei einem Überfall zugegen. Und ich sehe keinen Grund, dass sie seine kostbare Zeit mit sinnlosem Gerede verschwenden.“
„ Sie sind ja alle verrückt!“ murmelte Francis bedacht so leise, dass sein Gegenüber ihn nicht verstehen konnte. Aber diese Worte musste er raus lassen.
Ohne die Reaktion des Wachmanns abzuwarten, drehte Francis sich um und ging gezielt zum Ausgang.
Draußen stand ein Uniformierter und zog genüsslich an einer Zigarette. Belanglos sah er Francis hinter her, als dieser die Wache verließ. Francis schien den Blick in seinem Rücken zu spüren. Er drehte sich um und ging auf den jungen Wachmann zu.
„ Endschuldigung! Kennen sie ihren Kollegen Herr Lauber?“
„ Sicher. Den kennt wohl jeder hier.“
Er sagte es mit einer Bitterkeit in der Stimme, die nicht zu überhören war. Francis ging darauf nicht ein. Er wollte nur eins Wissen.
„ Wie sieht er aus?
„ Groß, schlank, blondes Haar. Auffällig großer Zinken im Gesicht.“ Er konnte sich bei der Beschreibung ein Grinsen nicht vermeiden.
„ Was ist ein Zinken? Fragte Francis und zog die Augen brauen hoch.
„ Mann, wo kommen sie denn her? Damit ist natürlich die Nase gemeint.“ Verwirrt schüttelte der Mann mit dem Kopf.
„ Danke. Ach ja, hat er heute Dienst?“
„ Keine Ahnung. Er ist so ein typischer Einzelgänger. Sagt nicht viel und unterhält sich kaum mit den Anderen. Aber ich habe gehört, dass es irgendwelchen Ärger diese Nacht gegeben hat, wo er mit drin hängt.“
„ Sie haben mir sehr geholfen! Einen schönen Tag noch.“
Ohne ein weiteres Wort konzentrierte sich der Wachmann wieder auf seine Zigarette, die ihm beim Gespräch ausgegangen war.

Francis dachte darüber nach, einfach bei Major Schubert rein zu Platzen und ihn vor den Tatsachen zu stellen. Aber so einfach war das nicht.
Er fuhr schließlich wieder zurück nach Texas, aber was war mit Peter? Er wäre in stetiger Gefahr. Schubert war unberechenbar. Vielleicht würde er sich sogar an Peters Eltern rächen, weil sie dem Mädchen damals geholfen haben.




©2018 by Andrea. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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