Homepage | Kalender | Mein Profil | Meine Post | Autorenliste | Buchshop
Poesie
Prosa
Verschiedenes
Werkstatt
Forum
Sonstiges

Prosa => Krimi


Cutter 3 Mein Sohn hat ein besseres Leben verdient Teil2 - von Andrea, 21.08.2018
Nick war schon auf Flur, da rief Ronald ihm noch nach.
„ Solltest du versuchen meinen Jungen zu Beeinflussen, oder ihn um zu stimmen, mache ich dich fertig.“
„ Sie haben Recht. Sie sind ein kranker Mann.“ In Nicks Gesicht stand so viel Verachtung, dass Ronald erschrocken einen Schritt zurück machte.
„ Du weißt gar nicht welche Macht ich habe. Ganz Cutter erfährt von deiner Vergangenheit, wenn du dich weiter in Jetts Leben einmischst.“
Nick blieb auf der Treppe stehen. Und wieder traf Mister Armstrong ein Blick, der ihn einen eiskalten Schauer versetzte.
„ Versuchen sie es. Ich habe keine Geheimnisse was mich und meiner Vergangenheit anbelangt. Aber vielleicht fallen ihnen ja noch dreckigere Methoden ein. Viel Glück!“ Mit diesen Worten verließ Nick das Hotel.

Vor dem Office fand er Jett, der gerade zwei Steckbriefe anschlug. Nick postierte sich hinter ihm und sah ihm eine Weile zu, dann sagte er,
„ hast du mir nicht noch etwas zu sagen?“ er sprach in einem ruhigen Ton und wartete geduldig auf die Antwort.
„ Ich weiß nicht wo von du sprichst!“ Gab Jett zurück, ohne von seiner Arbeit auf zu schauen.
„ Ich war eben im Hotel. Was glaubst du wohl, wen ich da getroffen habe? Es war schon so wie früher, kein vergnügen, sich mit ihm zu Unterhalten.“
Jett hielt mitten im ausholen inne. Der Hammer in seiner Hand wäre ihm fast entglitten. Wie eine Statue verharrte er dieser Stellung, bis er schließlich den Kopf zu Nick drehte.
„ Du hast ihn also getroffen, was hat er gesagt?“ In seiner Stimme klang Unsicherheit.
„ Warum hast du mir nichts davon gesagt, weißt du wie überrascht ich war, deinen Vater hier zu sehen? Es wäre mir lieber gewesen, wenn ich darauf vorbereitet gewesen wäre.“
„ Ich habe mehrmals versucht es dir zu sagen, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Außerdem ist er nur meinet wegen hier. Er hat gar kein Interesse an dir“
„ Das sehe ich anders, Jett. Dein Vater ist hier um dich zu holen und er hat mir gedroht, mich darin ein zu mischen. Abgesehen von seinen Beleidigungen waren seine Drohungen ernst gemeint.“
„ Was für Drohungen?“
„ Ich stehe ihm im Weg.“
„ Ach. Ich dachte du kennst ihn besser. Er spielt sich nur mal wieder auf. Er ist immer noch der Meinung, alles ist käuflich. Ich gehe hier ganz bestimmt nicht weg. Ich will sein Geld nicht. Ich will auch nicht seine Intrigen Geschäfte übernehmen.“ Nick sah tief in die Augen seines Freundes.
„ Damit wird er sich nicht zufrieden geben. Damals war sein Grundsatz: Was ich will, dass bekomme ich auch: Erinnerst du dich noch?“
„ Er ist alt und krank.“
„ Aber mir drohen, dass kann er noch.“
„ Was willst du denn, soll ihn einsperren? Geh ihm einfach aus den Weg, er wird schon noch begreifen, dass er mich nicht zurückholen kann.“
„ Hättest du mir gesagt, dass er hier ist, wäre ich ihm vorhin nicht so ahnungslos über den Weg gelaufen!“
Jett schlug seinen Nagel jetzt wütend in die Wand und warf den Hammer anschließen im hohen Bogen in die hölzerne Werkzeugkiste.
„ Gib mir noch die Schuld dafür. Ich wollte es dir ja sagen, aber du hattest ja keine Zeit mir zu zuhören.“
Deputy Lex Cooper kam aus dem Office. Er hörte die Beiden streiten und stellte sich zwischen ihnen.
„ Ich schlage vor, dass ihr euer Gespräch hiermit beendet. Die ganze Stadt kann ja mithören wie ihr euch anbrüllt.“
Nick schob Lex grob zur Seite und ging ohne ein weiteres Wort fort.
Seufzend sah Jett ihm nach. Nahm seinen Werkzeugkasten und ging ins Office zurück.
„ Er hat keinen Grund wütend zu sein. Macht hier aus einer Mücke einen Elefanten. Verdammt!“ unsanft schmiss Jett die Kiste in den Schrank und schlug die Türen zu.

Unterdessen blieb Ronald Armstrong nicht untätig. Sein Hass Nick gegenüber hatte sich nach dem letzten Gespräch noch mehr verhärtet. Er holte sich von überall Informationen über Cliff Lawrence ein, von dem er, seit dem Duell, genau wusste, dass dieser Mann ebenfalls dem Marshall den Tot wünschte. Er musste ihn nur aus dem Jail raus holen. Einen Helfer dafür zu finden, war für ihn kein Problem, denn Ronald war reich. Wer mit genügend Dollars winken kann, findet immer jemanden.
Der beste Ort dafür war der Saloon. Hier trieb sich alles rum.
Er schaute sich im Saloon um und fand schon bald eine Gelegenheit.
An einem der hinteren Tische saßen drei Männer beim Pokern. Niemand beachtete sie, denn ihr Spiel verlief eher uninteressant. In der Mitte des runden Spielfeldes lagen eine Dollarnoten und nach und nach wurden ein paar Scheine dazu gelegt. Einer stieg schon aus dem Spiel aus. Er warf seine Karten verdeckt hin und fluchte über sein schlechtes Blatt. Die beiden anderen grinsten sich hämisch an.
„ Was ist. Gehst du mit?“ fragte der größere der Beiden. Er war unrasiert und der Schaum seines Bieres hing noch im Schnauzbart. Die eingeschlagene Boxernase machte aus seinem Gesicht eine hässliche Fratze. Fettig hingen ihm mehrere Strähnen seines Braunen Haares über den glanzlosen Augen. Er saß da und wartete auf Antwort. Während sein Spielpartner noch überlegte, machte er
plötzlich eine kleine unauffällige Handbewegung. Es ging so schnell, dass sein Gegenüber es gar nicht mit bekam. Aber Ronald hatte es gesehen und für ihn war die Sache klar.
Er postierte sich hinter den Betrüger und wartete ab, bis dieser seine Karten offen legte und sich lachend über die Dollarnoten legte um sie auf seine Tischhälfte zu ziehen. Sein Gegenüber warf wütend die Karten hin. Er hatte sein letztes Geld verspielt und war sich doch so sicher mit diesem Blatt den Einsatz zu gewinnen.
Ronald beugte sich vor um in das Ohr des Gewinners zu flüstern.
„ Ich habe einen Auftrag für sie. Sollten sie ihn ablehnen, werde ich ihre Mitspielern auf das versteckte Ass in ihrem rechten Ärmel hinweisen.“
Sofort erstarrte sein hämisches Grinsen. Er stapelte die Münzen vor sich auf und fragte.
„ Was wollen sie? Ich habe ehrlich gewonnen.“
„ Na schön. Dann können sie ja getrost den Hemdsärmel hochkrempeln. Wenn nicht, dann stehen sie jetzt auf und unterhalten sich mit mir. Ich bin auch bereit für ihre Mitarbeit zu zahlen.“ Ronald hielt ihm die Faust vors Gesicht und öffnete diese. In seiner Hand lag ein zusammen gerolltes Bündel Hundert Dollar Scheine.
Die Augen des Spielers wurden groß. Das war ein Einsatz um den er noch nie gepokert hatte. Und dieses Geld konnte er sich ohne Kartentricks haben. Langsam stand er auf und musterte den fein gekleideten Mann von Kopf bis Fuß.
„ Was muss ich dafür tun Mister?“
„ Mein Name tut nichts zur Sache. Kommen sie mit.“
Er führte den Spieler hinaus und bog mit ihm in eine kleine Gasse.
„ Kommen wir gleich zur Sache. Diese dreihundert Dollar gehören dir, dafür musst du mir nur das Office freihalten.“
„ Wie soll ich das verstehen?“
„ Frag nicht, sieh einfach zu, dass mich niemand stört, wenn ich diesen Lawrence da raus hole.“
„ Sie wollen Cliff Lawrence befreien? Ich bin dabei. Ich mache alles mit, was gegen einen Sternschlepper geht und wenn dazu noch die Kasse stimmt ist alles klar.“
„ Also sind wir im Geschäft?“
„ Sie können sich auf mich verlassen. Übrigens ich bin Huck Ohio.“
Ronald reagierte nicht auf die ausgestreckte Hand die Huck ihm bot. Es war ihm zuwider einem solchen noch die Hand zu schütteln. Er sagte nur,
„ Ich komme um sechs Uhr Heute Abend und erwarte ein leeres Office. Wie sie die Sternschlepper ablenken ist ihre Sache. Hier sind Hundert im Voraus, den Rest gibt es, wenn Lawrence frei ist.“ Mit diesen Worten trennte sich das ungleiche Paar.
Huck Ohio bekam seinen Nachnamen in einem Kinderheim in Ohio. Er wurde dort im Alter von zwei Jahren als Findelkind abgegeben. Das einzige Wort, dass er sprechen konnte, war Hak, so gab man ihm den Namen Huck aus Ohio. Seine Kindheit verlief lieblos. Er war eines unter vielen, die durchgefüttert wurden und ein Dach über dem kopf hatten, mehr nicht. Mit zwölf Jahren rannte er davon. Seitdem schlug er sich mit Diebstahl, illegalen Geschäften und Falschspielerei durchs Leben. Dreihundert Dollar waren eine Menge Kohle für so einen Mittellosen Streuner. Für so viel Geld würde er ohne mit der Wimper zu zucken auch einen Menschen töten. Er war nur nicht schnell genug sein Geld mit derartigen Aufträgen zu verdienen. So sehr er auch mit seinem Colt übte, es sollte ihm nicht gelingen, schnell zu ziehen und dabei noch treffsicher zu sein.


Nick war den ganzen Tag mit den Ranchern beschäftigt, die fast im stunden Rhythmus kamen und gingen.
Er musste sogar sein Abendbrot ausfallen lassen, da er überall gebraucht und verlangt wurde. Jett überließ das Office seinen Deputys Cooper und Walker. Sie waren erfahren genug auf einen Gefangenen auf zu passen, der hinter Gitter saß. Auch er hatte einen arbeitsreichen Tag hinter sich und wollte bei seiner Frau Mary zu Abend essen. Allmählich wurde es stiller auf der Mainstreet. Das rege Nachtleben fand in den Saloons statt, wo Musik spielte und Frauen tanzten. Nicht nur bei George war der Schankraum gut mit zahlenden Gästen gefüllt, sondern auch bei Mama Olga, die im Westlichen Teil der Stadt ihr Frauenhaus besaß und ebenfalls eine Ausschankgenehmigung hatte.
Lex Cooper saß mit Benno Walker an einem Tisch und spielte Dame. Beide waren sehr konzentriert und ließen dem anderen keine Chance zu gewinnen.
„ Eins, zwei, drei, ich bekomme noch eine Dame.“ Sagte Lex freudestrahlend. Missmutig rückte Benno einen Stein heraus und reichte ihn seinem Freund.
„ Mann. Da hab ich wohl keine Chance mehr. Mit deinen zwei Damen räumst du mir gleich meine restlichen Steine weg.“ Benno streckte seine Glieder und gähnte. Schon über eine Stunde saßen sie an dem Spieltisch, und so langsam bekam auch er Hunger.
„ Was meinst du, soll ich uns was zu Essen besorgen?“ fragte er und rieb seinen knurrenden Bauch.
„ Ich weiß nicht. Jett hat gesagt, wir sollen zusammen auf ihn warten. Wenn er gleich hier ist, können wir essen gehen.“ Sagte Lex besorgt.
„ Aber ich brauche doch nur fünf Minuten. Ich laufe nur schnell zu Peggy-Sue rüber und sage ihr, sie möchte uns was zum Office bringen.“ Lex grübelte nach. Auch sein Magen knurrte und wenn Benno wirklich nur fünf Minuten brauchte, was sollte da schon geschehen?
„ Du kannst auf die Uhr schauen Lex, in weniger als fünf Minuten bin ich wieder hier.“ Er sprintete zur Tür hinaus.
Lex ging in den Zellentrakt um nach dem Gefangenen zu sehen. Cliff lag auf der Pritsche und schien zu schlafen. Es war genau sechs Uhr Abend. Die Tür zum Office wurde geöffnet und leise Schritte betraten die alten Dielen. Lex hörte das Quietschen einzelner Bretter und rief vom Nebenzimmer.
„ Das ging aber schnell Benno. Das waren ja nicht mal drei Minuten.“
Als Lex seinen Kopf durch die Tür steckte um ins Office zu schauen traf ihn fürchterlicher Schlag auf dem Kopf.
Benommen sank er in die Knie, sah wie durch einen Nebelschleier den Mann vor sich stehen, der hämisch lachend ein Messer in der Hand hielt und es im selben Moment in die Brust des jungen Deputys stieß. Lex verspürte nur noch einen kleinen Stich, so sehr waren ihm die Sinne, durch den Kopfschlag, geraubt worden. Dann wurde es schwarz um ihn herum.
Ronald betrat das Office und sah entsetzt auf die am Boden liegende Gestalt. Unter dem Körper des Jungen verbreitete sich Blut wie eine Wasserpfütze.
„ Bist du Wahnsinnig?“ stammelte er. Huck hingegen hielt ihm einen Eisenring hin, an dem mehrere Schüssel baumelten.
„ Auftrag erledigt. Holen sie den Kerl aus der Zelle und dann will ich meinen restlichen Lohn.“
„ Sie haben einen Sheriff umgebracht!“
„ Nein. Nur einen Deputy. Man sollte sie alle Töten bevor sie groß werden.“ Knirschte Huck. „ Mein Auftrag war, dass Office frei zu halten, dass habe ich getan.“
Noch immer verstört über die Kaltblütigkeit seines Helfers ging Ronald zu der Zelle, in der Cliff eingesperrt war. Lawrence stand an den Gitterstäben und starrte auf das Geschehnis. Er war überrascht, dass ein Fremder zu ihm kam, um ihn raus zu holen.
„ Wer sind sie, was soll das?“ fragte er und zögerte noch durch die offene Tür zu gehen.
„ Ich werde alle ihre Fragen beantworten, aber zunächst müssen wir hier verschwinden. Na los kommen sie schon.“ Cliff nahm dieses Angebot an. Was sollte schon geschehen? Gegen diesen Stadtfrack konnte er sich doch wehren, sollte dies eine Falle sein.
Während Cliff durch die Officetür ins dunkel der Nacht humpelte, weil ihm der Beinschuss immer noch schmerzte, befreite Ronald auch den zweiten Gefangenen, den Späher Calef.
Sie mussten über den Deputy steigen, der genau in der Türöffnung lag und verschwanden ebenfalls um die nächste Ecke.
Benno brauchte etwas länger als fünf Minuten, denn auf dem Rückweg traf er auf Alice. Sie war seine geheime Liebe und er musste ihr einfach nachsehen, wie sie ihre Hüfte schwang beim gehen. Wie sie ihn anlächelte beim vorbei gehen und ihn freundlich grüßte. Gedankenverloren sah er ihr nach, bis sie im Dämmerlicht verschwunden war. Überglücklich rannte er den Stepwalk entlang und konnte es gar nicht abwarten seinem Freund davon zu erzählen. Denn er wusste, dass auch Lex ein Auge auf sie hatte. Er stürmte ins Office und rief.
„ Hey Lex, du glaubst ja gar nicht wer mir eben über den Weg gelaufen ist!“ Er machte noch zwei Schritte vorwärts und sah erst dann Cooper am Boden liegen. Trotz des schwachen Lichtscheins war nun auch deutlich das Blut zu sehen, welches sich auf den Dielen verteilte.
„ Alex…“ stammelte er und blieb wie angewurzelt stehen. Es sah wie versteinert auf den Leblosen Körper seines Freundes. Erst ein paar Stimmen auf der Straße rissen ihn aus seiner Starre. Er rannte raus auf die Mainstreet und schrie.
„ Hilfe, Hilfe! Alex ist tot. Cliff ist geflohen!“ Mitten auf der Straße kniete Benno nieder. Er hielt sich die Hände vors Gesicht, tränen rannen die Wangen hinunter. Die ersten Neugierigen lugten ins Office und blieben entsetzt stehen. George, der Barmann drängte sich vor. Er bückte sich zu dem jungen Deputy runter und drehte ihn auf den Rücken.
„ Er lebt noch. Holt den Arzt und den Sheriff. Sucht auch den Marshall, na los beeilt euch.“
Sheriff Armstrong war schnell gefunden, auch Doktor Leonard kam zügig mit seiner Tasche gelaufen. Sie legten Cooper auf das Lager in dem kleinen Nebenraum. Jett besorgte noch ein paar Kerosinlampen damit der Arzt genügend Licht bei der Operation hatte. Peggy-Sue war ebenfalls eingetroffen und sorgte für heißes Wasser und frische Tücher. Mary Armstrong kümmerte sich um Benno, der noch immer unter Schock stand.
Unterdessen suchte man Marshall Ryder und man fand ihn am Bahnhof mitten zwischen dreihundert Rindern, die gerade verladen wurden. Nick kontrollierte die Brandzeichen, denn im letzten Jahr wurden einige Tiere geklaut und unter die anderen gemischt.
Der Schmied Ole Swenson sah ihn als erster.
„ Marshall!“ rief er mit seiner tiefen Stimme, die nur sehr leise im Gebrüll der Rinder zu hören war. Nick sah zu ihm auf. Staub wirbelte durch die Luft, aber Nick erkannte das Sorgenvolle Gesicht des Schmiedes und ahnte schon Schlimmes.
„ Was ist passiert?“ reif er zurück. Mit großer Mühe schob er das Vieh auseinander und erkämpfte sich einen Weg.
„ Kommen sie schnell ins Office. Cliff Lawrence ist geflohen. Er hat Deputy Cooper niedergestochen.“
„ Was?“ Nick rannte sofort los. In kürzester Zeit erreichte er sein Office. Ein Menschenauflauf stand versammelt davor.
„ Lasst mich durch!“ rief Nick und schob die Leute grob zu Seite. Lex Cooper war für Nick, wie sein eigener Sohn. Als die Eltern des Jungen starben, zog er ihn auf, als niemand anderer sich verantwortlich fühlte, für den damals zehnjährigen. Major Flint wollte ihn ins nächste Kinderheim stecken, aber Nick war dagegen. Er sorgte für ihn so gut er konnte und Lex hielt das Office sauber. Er kochte sogar manchmal für ihn, denn nach dem Tot seiner ersten Frau Lea war Nick lange Zeit in tiefer Trauer.
Im Office stellte Jett sich ihm in den Weg.
„ Du kannst jetzt nicht da rein. Leonard operiert ihn gerade.“ Jett packte Nick so fest an den schultern, dass dieser sich nicht so schnell losreißen konnte.
„ Er ist in guten Händen. Leonard ist der beste Arzt weit und breit.“
„ Wie ist das geschehen?“ wollte Nick wissen. Sein Blick hing dabei auf dem Blutfleck am Boden. Er hatte Mühe seinen Zorn zu unterdrücken, aber er musste sich zusammen reißen und klar Denken.
„ Cliff ist ausgebrochen. Ich weiß nicht wie er es geschafft hat. Ich war zu Hause zum Abendbrot. Benno und Lex hielten hier die Stellung.“
„ Wo ist Benno?“
„ Drüben im Saloon. Mary ist bei ihm. Er ist völlig durcheinander.“
Nick verließ sofort das Office und betrat den Saloon.
Benno saß an einem der Tische. Sein Gesicht in den Händen vergraben. Mary goss ihm gerade einen Whiskey ins Glas. Als sie den Marshall sah, stand sie auf und bot ihm ihren Stuhl an.
„ Benno. Ich bin es, Nick. Benno, was ist im Office passiert? Wie konnte Lawrence fliehen?“
Benno sah auf. Seine Augen waren rot unterlaufen, seine Wangen glühten.
„ Ich war doch nur fünf Minuten weg. Wir hatten beide Hunger und ich lief zu Misses Sue um sie zu bitten, uns was zu Essen ins Office zu bringen. Als ich zurück kam lag Lex da und……Blut, überall war Blut.“
„ Hast du noch irgendetwas gesehen? Überleg mal. Ist dir sonst nichts aufgefallen?“
„ Nein. Alex muss sterben, weil ich es nicht unter fünf Minuten geschafft habe. Weil ich Alice bewundert habe. Ich bin schuld an seinem Tot.“ Jammerte Benno und bekam einen erneuten Weinkrampf.
Mary legte ihre zarte Hand auf Bennos Schulter.
Zu Nick sagte sie.
„ Er steht völlig unter Schock Marshall. Von ihm wirst du nichts mehr erfahren.“
Nick stand seufzend auf. Mit seiner Hand fuhr er durch die wuscheligen Haare des Jungen.
„ Ist schon gut Benno. Du trägst keine Schuld. Ich hätte wissen müssen, dass Cliff noch irgendwelche Freunde draußen hatte.“
„ Wie kommst du darauf?“ fragte Mary.
„ Er ist niemals allein ausgebrochen. Lex kann ich vertrauen, er würde nie zu nahe an die Zelle treten oder die Zellentür aufsperren, wenn er allein ist. Nein, da muss noch jemand im Spiel sein, und werde ihn finden.“
Wieder überquerte Nick die Straße und suchte vor seinem Office nach Spuren. Außer ein paar Abdrücke, die in die Nebengasse führten war nichts mehr zu finden. Ob diese Spuren den Tätern gehörten war ebenfalls unklar.
Nick suchte alle Gassen auf. Er verschaffte sich Eintritt bei sämtlichen Leuten, denen er zutraute, dass sie einen gesuchten Verbrecher bei sich versteckten würden. Er ging die Zimmer der Mädchen durch, die für Mama Olga arbeiteten, weil er wusste, dass sie ihn nicht leiden konnte und jeden unterstützte, der gegen ihn war.
Nick brauchte die halbe Nacht um den Westlichen Teil der Stadt zu untersuchen, denn dort hielt sich das Gesindel meistens auf, in den abbruchreifen Häusern.
Er fand nichts. Nicht einmal eine Spur. Nick beschloss, gleich bei Tagesanbruch los zu reiten, denn nun war er sich sicher, Cliff Lawrence hat die Stadt verlassen.
Alex Cooper wurde mit einer Trage in die Praxis von Doktor Leonard gebracht. Er lag dort im Krankenzimmer in einem sauber bezogenen Bett. Leonard erlaubte Nick ihn einen Augenblick zu Besuchen.
Alex war bleich, wie das Kissen auf dem er lag. Sein Gesicht war eingefallen, und er schwitzte so sehr, dass die Haare an seiner Stirn klebten. Quer über seiner Brust war ein Verband angelegt worden. Stumm stand Nick am Fußende des Bettes. Erst als er Leonard in der Tür auftauchen sah fragte er.
„ Wie geht es ihm?“ Leonard senkte den Kopf. Er konnte es seinem Freund Nick Ryder nicht ins Gesicht sagen.
„ Er hat sehr viel Blut verloren. Die Beule am Kopf macht mir auch Sorgen. Wir müssen abwarten, die nächsten vier und zwanzig Stunden werden es Entscheiden.“
Nick ging um das Bett herum, und nahm die Hand des Verletzten. Er erschrak bei der Berührung, denn die Hand war kalt und steif. Cooper atmete flach. Nur schwer konnte man sehen, wie sich die Bauchdecke, gleichmäßigen Rhythmus, hob und senkte.
„ Bei Sonnenaufgang reite ich los. Ich werde diesen Cliff finden und er wird für das bezahlen, was er Cooper angetan hat.“ Mit diesen Worten verließ Nick die Praxis. Draußen war alles still. Im Saloon saßen nur noch eine Handvoll Männer, die sich über das Ereignis unterhielten.
Benno lag in seinem Bett und wurde von seinem Vater betreut. Leonard gab ihm eine Spritze zur Beruhigung, damit er etwas Schlaf findet. Ob Benno noch etwas gesehen hatte, konnte frühestens am nächsten Tag Fest gestellt werden. Nick ließ sich kraftlos auf einen Stein sinken, lehnte sich gegen den Pfeiler des Arzthauses und schloss die Augen. Er fiel in einen tiefen Schlaf, der auch ihn gut tat, nach diesem stressigen Tag.


Im Hotelzimmer mit der Nummer fünf hockten drei Gestalten, schmutzig wie sie waren, auf dem sauberen Bett. Ronald Armstrong stand an der Kommode und hielt sein Whiskyglas in der Hand.
„ wagt es ja nicht auch noch eure dreckigen Stiefel auf mein Bett zu legen. Es ist so wie so schon sehr unhöflich sich so schmutzig darauf nieder zu lassen.“
„ Ach red keinen Unsinn. Komm zur Sache.“ Befehlte Cliff, der es gewohnt war das Kommando zu haben.
„ Nur nicht so laut. Niemand hat euch gesehen, und so soll es auch bleiben. Der Marshall glaubt bestimmt schon, ihr seid aus der Stadt. Ich garantiere euch, dass er bei Sonnenaufgang los reitet. Ihr folgt ihm. Wartet eine gute Gelegenheit ab und macht ihn fertig. Wie ist mir egal, Hauptsache er ist tot.“
„ Was springt dabei für uns raus?“ krächzte Huck. „ Die dreihundert Bucks waren schließlich nur für seine Befreiung.“
„ Außerdem, “ Cliff sprang vom Bett und hob den Zeigefinger“, ist er kein gewöhnlicher Mann. Wir reden hier von einem Marshall der Vereinigten Staaten. Dieser Ryder ist zu dem noch gefährlich. Und Sheriff Armstrong sollten wir auch nicht unterschätzen. Wenn Ryder etwas zustößt, haben wir ihn auf den Fersen.“
„ Um den Sheriff braucht ihr euch keine Gedanken zu machen. Er hat dann andere Pläne. Er wird sein Amt niederlegen und von hier weg ziehen.“
„ Was macht sie da so sicher?“ wollte Calef wissen.
Ronald drehte ihm den Rücken zu. Er wusste, dass sie ihn nicht von hinten angreifen würden, denn dann würde der Marshall sie hier finden. Mit dem Blick zur Straße hinaus sagte er.
„ Ich weiß es. Ihr habt mein Wort. Jett wird ein gebrochener Mann sein und von hier weg wollen.“
Die Drei sahen sich erstaunt an. Dieser Ronald sagte es in einem so sicheren Ton und er nannte den Sheriff beim Vornamen, dass kam ihnen etwas merkwürdig vor. Aber keiner der Drei wagte nach zu fragen oder machte sich weitere Gedanken darüber. Nur Huck wollte noch etwas wissen.
„ Warum wollen sie den Marshall Tot sehen?“
„ Das geht euch nichts an.“
„ wenn es ihnen so wichtig ist, dann muss auch eine ordentliche Summe dabei raus springen, sonst gehen wir das Risiko nicht ein.“ Drohte Cliff.
„ Fünfhundert für jeden von euch, wenn er tot ist und ihr von hier verschwindet. Ich will euch nie wieder sehen.“
Calef fiel die Kinnlade runter. Für ihn war das Summe, die er noch nie besessen hatte. Cliff plante in seinem Kopf schon die nächste Gemeinheit.
Er würde die Zwei brauchen, um den Marshall zu erledigen, aber danach wären sie ihm nur lästig. Wer würde schon Calef oder diesen schäbigen Huck vermissen. Eintausend und fünfhundert Dollar sollten dann ihm gehören. Und mit etwas Glück besaß der Trottel die Dreihundert auch noch bei sich. In seinen Augen glühte es. Hasserfüllt stierte er Calef und Huck an, die schon wie wandelnde Dollarscheine in seiner Fantasie da standen.
Mit viel Geduld und Ruhe warteten die Vier Männer den Tagesanbruch ab, um den Marshall draußen in den Bergen in den Rücken zu fallen.


Noch bevor die Sonne hinter den Bergen hervor lugte, wachte Nick aus seinen Träumen auf. Er wunderte sich selber, wie er in einer so unbequemen Haltung schlafen konnte. Aber er fühlte sich ausgeschlafen und erholt. In Murphys Mietstall herrschte noch die Nachtruhe. Die Pferde standen in ihren Boxen und schnaubten leise, als Ryder an den einzelnen Parzellen vorbei ging. Sein Hengst Ladigo stand in der Hintersten Box neben Sheriff Armstrongs Stute Tenzer. Mit geübten Griffen war Ladigo schnell gesattelt und aufgezäumt.
Im Office holte er seine Winchester, eine Packung Patronen und eine Decke, denn er ging von mehreren Tagen Verfolgung aus. Auf dem Schreibtisch ließ er eine Nachricht für Jett liegen. In der er nur kurz schrieb, dass er die Verfolgung nach Cliff Lawrence und Calef aufnimmt. Und er meldet sich, sobald er eine Stadt erreicht hat, die ein Telegrafenbüro besitzt.
Niemand, außer vier Männern, sahen den Marshall aus der Stadt reiten. Ronald stand am Fenster seines Hotelzimmers und nickte Cliff zu, der mit seinem Pferd aus dem Schatten des Nebengebäudes trat und nach oben blickte. Sie ließen Nick einen kleinen Vorsprung, und ritten seiner Spur nach. Lawrence, Huck und Calef.
Nick hatte keine Spuren entdecken können. Nur ein Gefühl leitete ihn. Sein Ziel war Tucson, denn um diese Stadt zu erreichen musste man durch felsiges Gebirge. Es wäre der günstigste Weg zum flüchten, denn auf dem steinigen Boden hinterließen die Hufen kaum Spuren, und hinter den Felsen gab es drei Richtungsmöglichkeiten.
Da sie wahrscheinlich ohne Proviant Hals über Kopf die Stadt verlassen hatten, mussten sie in Tucson ihre Vorräte auffüllen. Die beiden anderen Wege führten zum Llano Estacado, der gnadenlos heißen Wüste oder weiter die Berge hinauf. Für beide Strecken sollte man gut ausgerüstet sein.
Nick durchritt den Engpass. Auf beiden Seiten erstreckten sich Meterhohe Felswände. Ein ungutes Gefühl erschlich ihn und er führte sein Pferd dicht an den Fels heran. Beruhigend streichelte er den Hals des Tieres und sprach mit ihm.
„ Du spürst es auch, nicht wahr? Wir sollten wachsam sein.“ Nick hatte kaum ausgesprochen, da fiel der erste Schuss. Schallend prallte der Querschläger vom Felsgestein ab, Haarscharf an seinem Hut vorbei. Nick warf sich vom Pferd, riss im fallen die Winchester aus dem Holster und drückte sich so eng wie möglich in eine Nische im Fels. Ladigo trabte alleine weiter. Er war darauf trainiert, sich in Sicherheit zu bringen.
Deutlich waren die Schritte zu hören, die jemand über ihm verursachte, dann hallte eine ihm bekannte Stimme durch das Tal.
„ Geben sie auf Marshall. Sie sitzen in der Falle. Es hat keinen Zweck sich zu verstecken, wir kriegen sie!“
Nick machte einen Satz nach vorne, schoss auf den Vorsprung, der sich über seine Nische hervortat, schmiss sich auf den Bauch und rollte wieder in die Deckung zurück. Der Angreifer über ihm ließ einen erstickten Schrei los, dann fiel er Kopfüber runter und landete vor Ryders Füßen. Es war Huck Ohio der tot am Boden lag.
Nie hätte er damit gerechnet, dass der Marshall seine Deckung aufgab um in seine Richtung zu schießen.
Nick sah erstaunt auf die Leiche. Diesen Mann kannte er nicht. Wo war dann aber Calef, und wie viele Männer hatte Cliff noch bei sich?
Plötzlich fielen Steine von der gegenüberliegenden Felswand runter. Nick schoss in die Richtung aber nichts geschah. Wieder war Cliffs Stimme zu hören.
„ Ihnen geht irgendwann die Munition aus Marshall. Sie sollten sparsamer damit sein.“
„ Wie nett, dass du dich Sorgen um mich machst, Cliff. Aber du entkommst mir nicht. Du hast meinen Deputy erstochen, dass nehme ich nicht so einfach hin, dafür wist du bezahlen!“ rief Nick zurück und ermahnte sich selbst, jetzt nur keine überstürzten Wutattacken zu unternehmen.
„ Ich war das nicht. Dieser Huck Ohio hat es getan. Sie haben ihn eben erschossen.“ Verteidigte sich Cliff. Ryder sah auf den Toten nieder. Ob Cliff die Wahrheit sagte? Oder wollte er nur die Schuld auf einen Toten abschieben, der sich sowie so nicht wehren mehr konnte.
Ein nächster Schuss fiel und traf knapp über Nicks Kopf in das Gestein. Hier war er nicht mehr Sicher. Calef konnte ihn von Oben treffen, aber wenn er seinen Platz verlässt, wird Cliff von vorne schießen. Es blieb nur eine Wahl, er musste alles riskieren, alles auf eine Karte setzen. Er warf seine Winchester weit nach vorne. Im Hechtsprung verließ er seine Nische und feuerte aus beiden Revolvern. Ein stich durchzuckte seine rechte Hand, als er den Finger krümmte um den Abzug zu betätigen, aber er schoss weiter in beide Richtungen.
Cliff kam einen Schritt aus seiner Deckung um genauer zielen zu können. Eine Kugel streifte seinen Arm, eine zweite seinen Kopf aber er blieb stehen und legte sein Gewehr an. Er hatte schließlich immer noch genügend Deckung und Nick befand sich völlig im Freien.
„ Ich mach dich fertig!“ schrie er legte an und schoss. Aber seine Kugel zischte über Nick hinweg, der im Fallwurf nach seiner Winchester griff, abdrückte und Cliff genau zwischen die Augen traf. Lawrence hatte nicht mal mehr die Kraft einen weiteren Schuss abzugeben. Mit weit aufgerissenen Augen fiel er wie ein gefällter Baum um. Nick sprang wieder in Deckung, zielte nach oben und gab einige Schüsse ab. Es blieb ein paar Sekunden ruhig, dann fiel ein Revolver runter. Mit erhobenen Händen stand Calef auf und rief hinunter.
„ Nicht schießen. Ich ergebe mich.“
„ Schnall deinen Gürtel ab und komm runter. Solltest du irgendeinen Trick versuchen, kenne ich keine Gnade.“ Calef hörte die schärfe in der Stimme, er wusste, der Marshall meinte es ernst.
Nick beobachtete jeden Schritt, den Calef machte und trat ein paar Schritte vor.
„ Wer ist noch hier?“ fragte er. Calef blieb stehen, hob wieder seine Hände in die Höhe und versicherte,
„ niemand Marshall. Nur wir Drei.“
Es kam so ängstlich aus seiner Kehle, dass Nick ihm Glauben schenkte.
„ Hör auf zu zittern und komm endlich runter.“ Sagte er, da fiel ein weiterer Schuss.
Ryder wurde zurück gestoßen, stolperte rücklings über einen Fels und blieb bewusstlos am Boden liegen. Aus dem Schatten heraus trat eine vierte Person. Sie hielt ein Gewehr im Arm und zielte damit auf Calef.
„ Habe ich doch gewusst, dass ihr das wieder vermasselt. Und du Feigling ergibst dich diesem Hund.“
„ Aber Mister, er hat doch…“ weiter kam Calef nicht. Die Kugel aus dem Gewehr des Fremden traf ihn direkt in die Brust. Röchelnd brach er zusammen.
Nick kam durch den knall wieder zu sich. Die linke Schulter schmerzte, als er sich erheben wollte. Mühevoll zog er sich an dem Stein hoch und sah vor sich einen Mann stehen, den er hier nie erwartet hätte.
„ Ronald Armstrong?“ fragte Ryder verblüfft.
„ Du siehst richtig. Und es wird das Letzte sein was du siehst.“
„ Warum? Glauben sie allen Ernstes, Jett würde ihnen folgen, wenn sie mich töten?“
„ Er wird es nie Erfahren. Es sieht doch wohl so aus, als wäre alles von diesem Lawrence ausgegangen. Calef musste ich erschießen, weil er sonst geplaudert hätte. Die Feige Ratte hatte sich dir ja schon ergeben. Jett wird glauben, dass du hier in der Schießerei mit den Dreien getroffen wurdest.“
„ Nicht schlecht ausgedacht. Aber er wird Cutter nicht verlassen, auch nicht, wenn ich nicht mehr da bin. Glauben sie allen Ernstes, dass Jett nur meinetwegen hier bleibt?“
Nick versuchte so lange wie möglich das Gespräch zu erhalten. Seine Chancen standen schlecht, denn er stand einem Bewaffneten gegenüber, der ihn auf jeden Fall tot sehen wollte. Ronald hatte den Revolver in der Hand, die Mündung auf ihn gerichtet.
„ Du warst mir immer im Weg. Damals schon und Heute wieder. Damit mache ich jetzt Schluss.“
Fest entschlossen zog Ronald den Hahn zurück. Nick hatte nur noch eine Sekunde Zeit zu reagieren. Er machte ein überraschtes Gesicht und sah über Ronalds Schulter hinweg.
„ Cliff?“
Armstrong fiel tatsächlich darauf rein, und riskierte einen Blick nach hinten. Diesen kurzen Moment nutzte Nick. Er hechtete zwei Schritte zurück, warf sich zu Boden und griff nach seinem Colt. Dass Armstrong so schnell war, hatte er ihm gar nicht zu getraut. Drei Kugeln sausten über Nicks Kopf hinweg, eine streife seine Stirn, die beiden anderen schlugen in den Fels. Nick hatte keine Wahl. Er riss seine Waffe hoch und schoss zurück. Zum Zielen war keine Zeit. Ronald torkelte zur Seite, seine Waffe entglitt seiner Hand. Er starrte Nick mit ungläubigem Blick an, bis er in auf die Knie sank und vorn über kippte. Ronald Armstrong war tot. Die Kugel traf ihn mitten ins Herz. Wortlos stand Nick vor der Leiche und schloss einen Moment lang die Augen. Bilder der Vergangenheit zogen vorbei. Er hörte Ronalds Stimme, wie sie sagte, „ Ich will dich hier nie mehr wieder sehen. Und von Heute an wünsche ich keinen Kontakt mehr zu Jett. Hast du das verstanden?“
Warum dieser Mann die Freundschaft zwischen Nick und Jett nie akzeptierte, hatte er nie verstanden.
Nach einem kurzen Pfiff, kam Ladigo angetrabt, der sich aus der Gefahrenzone begeben hatte. Nick zog sich in den Sattel, ließ den linken Arm kraftlos hängen und ritt zurück nach Cutter.

Jett hatte inzwischen längst den Zettel gelesen, der auf dem Schreibtisch lag. Besorgt sah er Richtung Westen. Am liebsten wäre er hinter her geritten, um Nick zu sagen, dass der Streit mal wieder überflüssig war.
Er stand immer noch auf dem Stepwalk, als Marshall Ryder geritten kam, und vor dem Office vom Pferd stieg.
Sie schauten sich in die Augen. Nick fehlten die Worte. Er wusste nicht wie er es seinem Freund sagen sollte.
Ronald und Jett standen sich zwar nicht nahe, aber sie waren Vater und Sohn.
„ Du bist verletzt?“ fragte Jett, der das Blut an Nicks Schulter, und an der Stirn sah. Nick sagte immer noch nichts. Er ging ins Office, drehte Jett den Rücken zu und sprach dann mit hängendem Kopf.
„ Jett ich muss dir was sagen.“ Er machte eine kurze Pause, um tief einzuatmen.
„ Es tut mir Leid. Aber ich hatte keine andere Wahl. Er hat auf mich geschossen. Mir blieb keine Zeit zum Zielen, ich habe nur zurück geschossen und…“ Nick drehte sich um und sah seinen Freund an. Die nächsten Worte fielen ihm schwer, aber er musste es ihm sagen.
„ Ich habe deinen Vater erschossen.“ Jett stand wie erstarrt da. Er glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Was sollte sein Vater mit der ganzen Sache zu tun haben?
„ Jett, ich habe es nicht gewollt.“ Ryder ging zur Tür, auf dem Weg dorthin sagte er,
„ Ich bin beim Doc.“ Dann verließ er das Office.
Er konnte einfach nicht weiter mit seinem Freund darüber reden.
Jett konnte immer noch nicht verstehen, was da geschehen war. Zu viele Fragen gingen ihm durch den Kopf. Aus dem Zellentrakt kam Benno hervor. Er hatte alles mit angehört.
„ Mein Beileid.“ Sagte er. Jett spürte, wie ihm die Knie weich wurden. Er setzte sich in den Stuhl und vergrub sein Gesicht in den Händen. Er wusste nicht ob er weinen oder lachen sollte.
„ Warum?“ fragte er Benno.
„ Ich bin sicher, dass Nick ihn nicht erschießen wollte. Hätte er einen Weg gehabt, dass zu verhindern…..“
„ Aber das Meine ich nicht. Warum war mein Vater darin verwickelt? Was hatte er damit zu tun? Und warum hat er auf Nick geschossen? Ich versteh das alles nicht?“
„ Du solltest besser noch mal mit Nick reden. Er kann dir sicher alles erklären. Außerdem solltest du ihm sagen wie du darüber denkst. Er trägt gerade eine schwere Last mit sich.“
„ Nick hat ihn nicht absichtlich erschossen, dass glaube ich ihm. Ich werde es ihm auch nie vorhalten.“
„ Dann geh zu ihm und sag ihm das.“ Benno erkannte in welcher Lage sich Jett befand. Er wusste auch wie sich Nick fühlen musste und wollte den Beiden helfen sich auszureden.

Doktor Leonard hatte die Kugel aus Nicks Schulter schnell gezogen. Auch der Streifschuss an der Stirn war nur ein Kratzer und mit einem Pflaster abgedeckt.
Ryder trug seinen Arm in einer Schlinge, als er zurück ins Office kam.
„ Was hatte Ronald mit Cliff Lawrence zu tun?“
Jett hatte nur die eine Frage an ihm. Er konnte es kaum glauben, als Nick erzählte, wie sich das ganze abgespielt hatte. Das Huck seinen Deputy Cooper überfallen und erstochen hatte und das Ronald ihn mit Hilfe von Cliff, Huck und Calef aus dem Weg räumen wollte um seinen Sohn nach Hause zu holen.
Am Ende des Berichtes fügte Nick hinzu,
„ Sorry, aber du hattest Recht. Ich habe überreagiert, ich wollte mich nicht streiten mit dir.“
Jett sah ihn ernst an, fing aber dann an zu lachen und klopfte Nick auf die Schulter.
„ Eine wahre Freundschaft hält das aus. Komm lass uns ein Bier trinken.“
Nick lachte mit. Er sah auf die immer noch geschwollenen Finger seiner rechten Hand und auf den linken Arm, der in der Schlinge steckte und meinte,
„ und mit welcher Hand soll ich jetzt das Bierglas heben?“


Ende



©2018 by Andrea. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare





Keine Kommentare vorhanden.

Bewertungen

Bewertung: 1.7/6
(9 Stimmen)

Es gibt 0 Kommentare


Aktionen


QR-Code als Direktlink


Werbung


Suchwolke