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Prosa => Alltag


Neustart Kapitel5 - von Tess, 16.08.2018
An der angegebenen Adresse steht ein großes blassgelbes Haus, das teilweise mit Efeu bedeckt ist. 14:50Uhr, ich überlebe ob ich noch warten oder schon klingeln soll. Ich entscheide mich dafür, mich noch etwas umzuschauen. Die Straße ist ziemlich zugeparkt, hinter dem Haus scheint es ein Garten zu geben und es scheinen viele Parteien in diesem Haus zu wohnen. Als ich mich der Haustüre nähere sehe ich 8 Briefkästen. An den Klingeln suche ich nach Peters und finde ein Klingelschild auf dem Peters/Müller/Lehmann/ steht. Das ist es bestimmt, also klingele ich einfach mal. „Hallo?“, ertönt es an der Sprechanlage. „Hallo, Rebecca Ebinger hier. Ich habe einen Besichtigungstermin“, antworte ich. „Kommen Sie hoch 3.Stock rechte Tür“, werde ich angewiesen. Ein schlichtes, gelbes, in die Jahre gekommenes aber ordentliches Treppenhaus erwartet mich drinnen. Im 3.Stock werde ich schon erwartet. Eine kleine zierliche Brünette streckt mir die Hand entgegen. „Hallo Frau Ebinger, wir haben telefoniert. Sarah Peters“, erklärt sie. „Guten Tag Frau Peters, nochmal danke, dass sie so kurzfristig Zeit für mich haben“, bedanke ich mich für ihre Zeit. „Gerne, ist ja auch nicht so ganze eigennützig“, sagt sie augenzwinkernd. Sie bedeutet mir einzutreten, also trete ich ein. „Ähm soll ich die Schuhe ausziehen?“, frage ich unsicher. „Nein müssen Sie nicht, aber nett, dass Sie fragen“, gibt sie zurück. Wir stehen in einem kleinen Flur mit Garderobe. Sie läuft vor und ich folge ihr, als nächstes stehen wir in einem großen Raum der Wohn-/Esszimmer und Küche zu beinhalten scheint. Die Wohnung ist in einem mintgrün gestaltet und überall stehen kleine Pflanzen. Es gibt einen Flachbildfernseher, eine große Coach, ein großer Esstisch mit mintgrünen Stühlen. Der Raum bekommt durch Fotokollagen seinen ganz eigenen Charm. Die Küche kann ich von hier nur erahnen. „Setzen Sie sich doch“, sie deutet auf einen der mintgrünen Stühlen. Nervös setze ich mich und bin überrascht, dass der Stuhl bequemer ist als er aussieht. „Laura kommt später, sie ist noch in der Uni. Aber ich denke, wir könnten schon ein kleines Vorgespräch führen“, fängt sie das Gespräch an. „Natürlich, entschuldigen Sie ich bin etwas nervös“ erkläre ich. „Ist wohl Ihre erste Besichtigung“, stellt Sie fest. „Ja, bisher wohnte ich ja bei meinen Eltern“, erwidere ich. „Nun, dann kenn Sie die üblichen WG-Regeln wohl auch noch nicht“, erkundigt sie sich. „Nicht wirklich, aber ich kann mich gut anpassen“, antworte ich. „Okay, nun es gibt eben Putzdienst, Ruhezeiten, Absprachen, Vereinbarungen und Regeln. Aber eins nach dem anderen. Erst hätte ich noch ein paar Fragen an Sie. Wie stellen Sie sich ein WG-Leben vor?“ sagt sie. „Nun ja, ein Ort an dem man sich in seiner Freizeit aufhält. Mit Gesellschaft, Freiheiten aber auch Pflichten“, antworte ich. „Da haben Sie im großen Ganzen Recht. Aber das ist noch lange nicht alles. Es muss zwischenmenschlich stimmen, man darf sich auch nicht zu fein sein mal den anderen hinterher zu räumen. Das kommt immer wieder vor und wenn man es einfach akzeptiert, es als selbstverständlich sieht, ist es besser für das Bewohnerklima, als wenn man über jede Kleinigkeit meckert. Trotzdem muss jeder seine Sachen aufräumen und sich selbst verpflegen“, erklärt sie. „Sollte kein Problem sein“, antworte ich schlicht. „Gut, rauchen Sie? Feiern Sie regelmäßig oder bekommen Sie übermäßig häufig Besuch?“, will sie wissen. Ich fühle mich wie in einem Verhör. „Ich rauche nicht, feiere für gewöhnlich nicht und bekomme selten Besuch“, antworte ich knapp. „Das ist schon mal sehr gut, dann mal zu den Regeln. Laura muss viel für die Uni lernen, daher muss auf sie am meisten Rücksicht genommen werden. Das heißt wir treffen Absprachen zu internen Ruhezeiten und zusätzlich gelten natürlich die üblichen Ruhezeiten. Dann gibt es einen Putzplan, jeder hat eine Woche Putzdienst, im Wechsel. Das beinhaltet alle Gemeinschaftsräume sowie einmal im Monat das Treppenhaus. Dann gibt es Absprachen bezüglich wann wer ins Bad kann, wann und was zusammen gekocht wird, gelegentliche geplante Partys, Besuch muss vorher angekündigt werden. So weit alles klar?“, sie sieht mich prüfend an. Das hatte ich mir wirklich anders vorgestellt. „Ja, ich habe alles verstanden. Wie ist es, wenn unangekündigter Besuch vor der Tür steht?“, erkundige ich mich. „Das sollte nicht die Regel sein, aber wenn es so ist, ist es dann eben so“, antwortet sie kritisch. In diesem Moment wird die Wohnungstür aufgeschlossen und eine große Blondine erscheint im Raum. „Guten Tag, ich bin Frau Müller. Sie müssen Frau Ebinger sein“ stellt sie sich vor. „Genau. Guten Tag Frau Müller“, erwidere ich. „Wie weit seid ihr?“, frägt sie Frau Peters. „Fragestunde ist soweit eigentlich durch, außer du möchtest noch was wissen“, gibt diese zurück. „Ich denke Frau Ebinger wurde erst mal genug gelöchert. Ich zeig ihr jetzt mal alles!“, verkündet sie. Irgendwie ist sie mir sympathischer. Zuerst führt sie mich in das Bad, das gleichzeitig Toilette ist. Eine Badewanne, die durch einen Duschvorhang auch als Dusche genutzt werden kann, eine Waschmaschine, ein Doppelwaschbecken, ein großer Spiegelschrank und eben die Toilette. Dann zeigt sie mir das Zimmer, das mir gehören könnte. Es ist kleiner als mein bisheriges und beinhaltet schon ein Bett, eine Kommode und einen kleinen Kleiderschrank. Ich weiß immer noch nicht was ich von dem Bett halten soll, in dem vorher jemand Fremdes geschlafen hat und in den Kleiderschrank krieg ich nie alle meine Klamotten unter. Aber darüber kann ich mir auch noch Gedanken machen, wenn es so weit ist. Hier passt locker ein größerer Kleiderschrank rein und ein Schreibtisch sollte auch noch Platz haben. Was mir mehr zu schaffen macht, sind die strengen Regeln hier. Ich meine ich käme bestimmt klar damit aber eigentlich wollte ich mein Leben eher in eine andere Richtung lenken. Mehr Abenteuer, weniger Regeln, darüber muss ich noch nachdenken. „Viel zu verdauen, was? Aber so schlimm, wie Sarah vielleicht getan hat, sind wir wirklich nicht“, reißt Frau Müller mich aus meinen Gedanken. „Ich weiß momentan, ehrlich gesagt nicht, was ich von all dem halten soll“, gestehe ich ihr. „Ja, das mag für eine WG-Anfängerin etwas komisch wirken. Aber das funktioniert hier wirklich wunderbar“, erklärt sie. „Ich glaube Frau Peters ist mir gegenüber etwas skeptisch“, sage ich. „Das ist was zwischen Euch, wenn Ihr nicht miteinander klarkommt, bringt alles nichts“, stellt sie fest. „Ich glaube Sie will keine WG-Anfängerin“, murmele ich. „Da könnten Sie Recht haben“, bestätigt sie. „Ich finde Sie würden hier gut reinpassen“, fährt sie fort. „Ich finde es hier auch schön, aber ich möchte mich nicht zu sehr einschränken müssen“, erkläre ich. „Nun, ich denke wir sind mit der Besichtigung fertig, gehen wir wieder zu Sarah und reden noch etwas“, schlägt sie vor. „Okay“, willige ich ein. Frau Peters sitzt mit einer Tasse vor sich auf einem der mintgrünen Stühlen und verzieht keine Miene als wir zu ihr stoßen. „Möchten Sie auch einen Tee?“, frägt Frau Müller mich. „Könnte ich eine Cola haben?“, erkundige ich mich. Tee trinke ich, wenn überhaupt nur im Winter. „So etwas haben wir nicht“, brummt Frau Peters. Na supi, das hier wird wohl nichts mehr. „Vielleicht ein stilles Wasser?“, hake ich nach. „Klar, hole ich“, sagt Frau Müller. Als wir zu dritt am Tisch sitzen herrscht eine komische Stille. „Nun, was machen Sie abends nach der Arbeit so?“, bricht Frau Müller die Stille. „Naja, kochen, essen und ausruhen eben. Meistens auch etwas Musik hören, aber das geht natürlich auch mit Kopfhörern“, fahre ich eilig fort. „Gegen Musik haben wir nichts, oder Sarah?“, kichert Frau Müller. „Solange es nicht zu laut ist oder gar schief mitgesungen wird, ist das kein Problem“, bestätigt diese. Schief mitsingen, nun das tue ich eigentlich gerne. Ich glaube Spaß gibt es in dieser WG nur wenig. Wieder Schweigen. „Okay, ich denke wir haben alles besprochen. Wir melden uns dann“, erklärt Frau Peters. Mein Stichwort. „Danke nochmal, dass Sie sich Zeit für mich genommen haben. Sie haben es wirklich schön hier“, und das ist nicht gelogen. Ich wende mich zum Gehen, als ich Frau Müller einen Blick zuwerfe zuckt die nur resigniert mit den Schultern. Das war schon mal nichts.
Auf dem Weg nach Hause, bin ich irgendwie froh aus der Wohnung raus zu sein. So unangenehm hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wenn das die Regel ist, bleib ich doch lieber bei meinen Eltern wohnen, da habe ich mehr Freiheiten. Ich beschließe, das Kapitel abzuhaken und nicht mehr zu sehr darüber nachzudenken. Langsam entspanne ich mich wieder.
„Hallo Schatz, na wie war dein Besichtigungstermin?“, hakt mein Vater nach. „Ich glaube unentspannt und verkrampft fasst es ganz gut zusammen“, antworte ich. „Naja, man kann nicht mit jedem klarkommen, du wirst schon noch das Richtige finden“, beruhigt er mich. „Ich hoffe du hast Recht“, gebe ich zurück. „Wird schon“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Kommt, das Essen ist fertig“, wechselt meine Mutter, die schweigend zugehört hat, das Thema.



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