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Poesie => Freundschaft


Elia und Moma Kapitel 1 -die "Monstermaus"- - von Krasi, 08.08.2018
Elia Kapitel 1

….....da war es wieder, das Geräusch, welches Elia jede Nacht hörte.
Ein Geräusch, das ihm fremd war. Es kam aus der Bretterwand zwischen seinem Zimmer und dem angrenzenden Stall. Es war, als wenn jemand versuchte leise zu sein, es aber nicht schaffte, sich unbemerkt zu bewegen. In den Nächten davor hatte er still gelegen und gelauscht, er wollte herausfinden, woher das Geräusch kam und was es war.

Heute hat es ihn zusammenzucken lassen, er lag in Gedanken, an seine Bruder Fin, versunken und er hatte einfach nicht schlafen können. Sein Vater hatte die ganze Nacht mit einer fremden Person in der Küche gesessen. Sie leerten etliche Krüge Bier und diskutiert und gestritten sehr laut.

Elia hob vorsichtig seinen Kopf und schielte hinüber zum Bett seines Vaters. Es war leer. Er war froh, denn er hatte nun die Hoffnung, dass sein Vater endlich zu der vom Kuhbauern angebotenen Arbeitsstelle gegangen war, um etwas Geld zu verdienen. Auch war er froh, nun alleine zu Hause zu sein, denn nun konnte er dem Geräusch nachgehen.

Er sprang hoch und holte eine lange Stange unter dem Bett hervor, die er vor Tagen hier versteckt hatte. Er pokelte damit in dem Loch herum, aus der das Geräusch kam. Schweißtropfen liefen über seine Stirn und tropften auf seine zitternden Hände, und wenn er etwas hätte sagen sollen, er hätte kein Wort herausgebracht. Sein ganzer Körper stand unter Anspannung, aber er hatte es sich fest vorgenommen, er wollte wissen, woher das Geräusch kam und was es war, er war fest davon überzeugt, es musste ein Monster sein.

Mit einem Satz und dicht am Gesicht von Elia vorbei, sprang eine kleine Maus aus dem etwas größer gewordenem Loch und verschwand unter dem Bett von Elias Vater. Elia war zu Tode erschrocken und ganz bleich im Gesicht. Er konnte es aber dennoch sehr gut erkennen, es war kein Monster, es war ein kleine Maus mit braunem Fell und einem langen Schwanz. Elia stocherte nun mit der Stange unter dem Bett seines Vater und versuchte die Maus hervorzujagen, aber, was er da hervor kramte, sah nicht nach einer Maus aus. Es waren Krümel von getrocknetem Brot, Staubflusen, Haare und allerlei undefinierbarer Dreck und Staub, der sich im laufe der Jahre dort unter dem Bett angesammelt hatte.
Alle weiteren Versuche, die Maus mit der Stange zu beeindrucken und sie heraus zu scheuchen, schlugen fehl.
Elia musste sich eine andere List, bzw. Taktik ausdenken und er hatte auch schon eine Idee. Vor Jahren hatte er von seinem Bruder Fin ein kleines aus Weiden geflochtenes Körbchen mit Deckel für die Kräutersuche im Wald bekommen, diese Körbchen wollte er als Mausefalle einsetzen. Dazu brauchte er noch ein paar Brotkrumen oder ein kleine Stückchen Käse als Lockmittel.
Er ging in die Küche um alles zu besorgen und blieb wie angewurzelt in der Tür stehen. Sein Vater... er saß auf dem Küchenstuhl und hatte seinen Kopf mit den Armen abgestützt auf dem Küchenstich liegen und schlief. Die ganze Küche roch, nein sie stank nach Qualm und abgestandenem Bier. Auf dem Tisch standen die noch halb gefüllten Bierkrüge zwischen Essensresten und Kohlekrümel von abgebrannten Holzspänen, mit denen sich die Zecher der Nacht ihre Pfeifen und Zigarren angesteckt hatten.
Es dauerte eine Weile, bis Elia sich mit dieser Situation vertraut machte. Sein Vater war also doch nicht zur Arbeit gegangen. Er hätte auch zu gerne gewusst, wer die unbekannte Person gewesen war, mit der sein Vater die ganze Nacht durchgezecht hatte, was sie alles ausdiskutiert hatten und vor allen Dingen, wer hatte das Bier bezahlt. Sein Vater konnte es nicht gewesen sein, Elia wusste, dass sein Vater kein Geld hatte und schon gar nicht für Bier.
Eines war ihm klar. Was da heute Nacht abgelaufen ist, konnte nichts Gutes gewesen sein.
Er wollte seinen Vater wecken und rüttelte und zog kräftig an seinem Arm. Es dauerte eine Weile und erst nach einigen Versuchen gab sein Vater die ersten Lebenszeichen von sich. Er schnaubte und hustete, dass der ganze Küchentisch zitterte. „Was ist los, warum weckst du mich, du verdammter Bengel. Ich will schlafen, und wenn ich wach bin, werde ich dir eins über die Ohren ziehen“ schrie er, stand auf und schleppte sich mit bleiernen Füssen ins Nachbarzimmer und lies sich wie ein Brett in sein Bett fallen, das es krachte und staubte.
Elia machte sich an die Arbeit die Küche aufzuräumen und kümmerte sich nicht weiter um seinen Vater. Er dachte an die Maus, an den nächtlichen Besucher bei seinem Vater und auch an Fin. Er fühlte sich für alles verantwortlich und alleine gelassen. Früher, ja früher, als seine Mutter noch lebte, hatte er bei ihr Trost gefunden und er konnte sich bei ihr anschmiegen. Er setzte sich in eine Ecke der Küche auf den Lehmboden und fing leise an zu weinen.
Er hatte keine richtigen Freunde, alle Kinder in seinem Alter mussten wie er, den Eltern bei der Arbeit helfen oder sonst wie Geld verdienen. Zeit um eine Freundschaft aufzubauen und zu vertiefen war nicht vorhanden. Es gingen ihm viele Gedanken durch den Kopf, aber bei einem blieb er immer hängen... die Maus.
Er musste sie fangen, denn das nächtliche Geräusch sollte ein Ende haben. Er wollte mal wieder in ruhe durchschlafen. Heute konnte er nichts mehr unternehmen, denn solange sein Vater im Nebenraum schlief, hatte er keine Chance etwas zu tun. Er musste seinen Vater ausschlafen lassen und dann würde ihm schon etwas einfallen.
Der Tag verging und sein Vater schlief auch die folgende Nacht sehr fest, schnarchte und schnaubte, sodass Elia wieder einmal nicht zur Ruhe kam und dem nächsten Morgen entgegen fieberte.
Er lag hellwach in seinem Bett, er wälzte sich von der einen Seite auf die andere. Er war ungeduldig geworden, er wollte, dass sein Vater endlich wach würde, denn heute war Sonntag und da wollte er mit seinem Vater auf dem Marktplatz.
Er schaute gelangweilt zum Fenster hinaus. Der Wind hatte aufgehört die Bäume des Waldes durcheinander zu wirbeln, es blies nur noch ein kleines Lüftchen, auch waren nur noch vereinzelt ein paar Wolken am Himmel, es sollte ein wunderbarer Tag werden.

Ja, heute war Sonntag, ein Tag, an dem sein Vater immer Zeit für seine Söhne hatte. So war es jedenfalls immer, als Fin noch zu Hause war.

Es ging immer zuerst in die Kirche und anschließend auf den Marktplatz, auf dem es allerlei zu kaufen und zu sehen gab.

Elia legte sich auf den Rücken und schaute hoch zur verstaubten Decke, an der dicke Spinnweben hingen und an der auch kleine bunte und schwarze Käfer, Fliegen und Mücken die Nacht verbracht hatten. Sie waren wohl aus dem angrenzenden Stall durch die Ritzen der Bretterwände herübergekommen.
Elia hatte heute keine Lust, sie zu zählen oder zu verscheuchen, er war viel zu aufgeregt, um sich damit zu beschäftigen.

Er stand auf und ging zum Fenster, die Wolken hatten sich mittlerweile ganz verzogen und man konnte das volle Blau des Himmels erkennen.

Er stand lange mit nackten Füssen auf dem Lehmfußboden in seinem Zimmer vor dem Fenster und wartete sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen, denn dann durfte er seinen Vater wecken. So war es immer am Sonntag und Elia hoffte, dass es auch dieses mal so sein würde, obwohl er seinen Vater beim Schlaf auf dem Küchentisch gestört hatte.

„Eliaaaaa, Eliaaaaa , komm her du verdammter Bengel und hilf mir aufzustehen. Hast du schon Kaffee gekocht? Bring mir etwas zu trinken, ich verdurste.“ schrie sein Vater.
Natürlich kannte Elia seinen Vater und hatte ein große Kanne Kaffee gekocht, die er zusammen mit einem Stück Brot vor das Bett seines Vaters stellte.

Elia tat alles, um seinen Vater bei Laue zu halten, um sich den Sonntagsausflug nicht zu verderben. Sein Vater schlürfte den Kaffee und verschlang die kleine Mahlzeit und drehte sich auf die andere Seite, um weiter zu schlafen.

„Auuuufstehn“ rief Elia nach einer Weile, „es ist genug, die Tiere warten und heute ist Sonntag, da wollen wir doch auf den Marktplatz gehen.“

Elia lief zum Wasserbottich, waschen und Zähne putzen waren angesagt, doch der Bottich war leer. Das war nicht ungewöhnlich und so nahm Elia einen großen Holzeimer und lief den kleinen Berg, der vor der Hütte lag, hinunter zum Fluss und holte frisches Wasser.

Zwischenzeitlich war auch endlich sein Vater aufgestanden und ging in den kleinen Stall um die Tiere mit frischem Heu und einer Handvoll Gerstenkörnern zu versorgen.

„Er hat zum Glück vergessen, was vorletzte Nacht so alles passiert war“ dachte Elia, denn sein Vater machte irgendwie keine Anstalten an ihn herumzunörgeln, oder ihn zu verhauen.

„Oder hatte er etwas anderes im Schilde“, kam es Elia in den Sinn.
Es war ungewöhnlich, dass sein Vater so ruhig war und bereitwillig wie jeden Sonntag sich für den Ausflug zurecht machte.

Die Gelegenheit war günstig, nun konnte er seine Mausefalle vorbereiten und aufstellen.
Das Körbchen mir ein paar Brotkrumen und zwei Brocken Käse stellte er hinter die Tür zwischen dem Schlafzimmer und der Küche. Der Deckel würde sich schließen, wenn die Maus versuchte an den Käse zu kommen, denn er war so mit einem Stöckchen gesichert, dass er leicht abfiel, wenn es berührt wurde.

Nun wurde es Zeit. Sie mussten los, denn sie wollten ja nicht die Letzten sein, die in der Kirche ankamen.
In der kleinen Holzkirche in der Mitte des Dorfes trafen sich alle Bewohner von Holzhausen, so nannte man das kleine Dörfchen liebevoll, zum Gottesdienst. Die Kirche wurde erst vor Kurzem wieder neu aufgebaut. Sie war vor einem Jahr abgebrannt, als der Pfarrer vergessen hatte, die Kerze auszublasen. Er hatte zu viel von dem Messwein getrunken und war dann im hinteren Teil der Kirche auf einer Bank eingeschlafen.
Wie ein Wunder wurde er gerettet, die Kirche aber brannte total nieder.

Alle Dorfbewohner mussten beim Wiederaufbau helfen. Seit dieser Zeit kommen immer alle Bewohner zum Sonntagsgottesdienst. Nicht, weil sie unbedingt die Worte des Pastors hören wollten, nein, weil sie stolz waren in ihrer eigenen Kirche zu sitzen.

So ging es auch Elia mit seinem Vater. Beide waren ganz erpicht darauf, immer in der letzten Bankreihe zu sitzen, denn von dort aus konnten sie alle Kirchgänger beobachten und außerdem waren sie die Ersten, die Kirche verlassen konnten, wenn der Gottesdienst vorbei war.

Es war immer das gleich Bild, wenn der Pastor die letzten Worte gesprochen hatte, standen alle sofort auf und strömten nach draußen. Jedenfalls war es immer so im Sommer, wenn es draußen schön warm war. Im Winter hatten es die Leute nicht so eilig.

Heute war aber ein schöner warmer Frühlingstag und deshalb hatten es alle eilig aus der Kirche raus zukommen. Die letzten Worte de Pfarrers waren schon vergessen. Alle strömten zur nahe gelegen Burgmauer. Hier war wie jeden Sonntag Markttag.

Der Graf, Sigfrid von Frauenberg, der in der kleinen Burg hinter der Burgmauer lebte, hatte den Dorfbewohnern erlaubt, einmal in der Woche einen Markttag abzuhalten. Hier konnten alle etwas verkaufen oder kaufen. Die Auswahl war nicht riesig, aber es gab Kohl, Obst und andere diverse Gemüse der Jahreszeit. Einige Bauersfrauen verkauften selbst gebackenes Brot, geflochtene Körbe, Filzdecken und auch Taschen oder Beutel aus Filz oder aus selbst gewebtem Leinen-Stoff.
Zwischen den einzelnen Marktbuden gab es auch allerlei Gaukler, Feuerschlucker, Tänzer oder Theaterspieler und Minnesänger. Es war ein buntes lautes Treiben hier auf dem Marktplatz.

Elia zog seinen Vater am Ärmel und bugsierte ihn auf eine ganz bestimmte Stelle hin.
Ihn durch die immer dichter werdende Menschenmenge zu ziehen war nicht einfach und
deshalb dauerte es heute etwas länger als gewöhnlich, bis Elia an dem Stand angekommen war, wo er hinwollte, an dem Stand des Zuckerbäckers.

Ja, auf diesen Augenblick hatte er die ganze Woche gewartet und leider nicht nur er.
Vor der kleinen Bude des Zuckerbäckers stand bereits ein lange Menschenschlange.
Die Meisten waren Väter mit ihren Kindern an der Hand, die genau aus dem gleichen Grund hier waren wie Elia.

An der Bude des Zuckerbäckers hingen bereits einige vorbereitete Zuckerteilchen und auch kleine Spielsachen.
Es waren Herzen oder Kugeln am Stiel, geformt aus buntem Zuckerguss. Einige waren mit weißem Zucker verziert und leuchteten weit im Sonnenschein. Wer wollte, konnte ein Herz aus Zucker mit kleinen Sternen und einem Mond darauf bestellen.
Manchmal, wenn der Zuckerbäcker gute Laune hatte und nicht allzu viele Leute vor der Zuckerbude standen, konnte man auch ein Tier oder ein Haus mit Sonne auf das Herz machen lassen. Es gab aber auch Zuckerstangen aus rotem und weißem Zucker hergestellt, die wie ein Zebra aussahen, nur hier mit roten und weißen Steifen.
Die kleinen Spielsachen waren aus Holz geschnitzt und mit buntem Filz beklebt. Es waren Tiere, kleine Schwerter oder bunte Holzkarren mit Tieren aus Ton oder Holz davor.

Der Zuckerbäcker saß in der Bude vor einem kleinen offenem Feuer, über dem ein dicker Eisentopf mit flüssigem Zuckerguss hing. Er schwitze und der Schweiß von seiner Stirn tropfte nicht immer auf die Erde, manchmal auch auf die Zuckerteile, die er gerade bearbeitet. Er konnte einem wirklich leidtun, die Sonne hoch am Himmel und dann noch das Feuer in seinem Ofen.

Die Menschenschlange vor der kleinen mit Zuckerteilchen geschmückten Bude wurde immer länger und Elia und sein Vater standen mitten drin. Heute schien es, als ob alle Sonderwünsche hätten und es deshalb so lange dauerte. Elia wusste genau, was er haben wollte. Wie jeden Sonntag. Eine Zuckerstange und ein Zuckerherz. Beides zusammen kostete vier Groschen. Da er in der Woche auch bei dem Zimmermann im Dorf für einige Stunden arbeitet und dafür einen Taler bekam, konnte es sich immer am Markttag etwas Süßes kaufen und auch noch etwas sparen.

Das Warten hatte sich gelohnt. Er bekam für seine vier Groschen eine ganz frisch geformte und extra lange Zuckerstange und ein buntes Zuckerherz.
Sie gingen weiter zum Stand des Bierbrauers. Hier kaufte sich Elias Vater einen großem Krug mit frisch gebrautem kühlen Bier. Sie setzten sich in den Schatten einer Eiche und lehnten ihren Rücken an die Burgmauer. Hier war es schön kühl und so konnten sie ihre gekauften Sachen in Ruhe genießen und dem Treiben auf dem Platz zusehen. Elia lehnte seinen Kopf an die Schulter seines Vaters und leckte verträumt an seiner Zuckerstange.

Er war glücklich, dass er bei seinem Vater war, obwohl dieser seit dem Verschwinden von Fin immer sehr mürrisch und auf ihn nicht gut zu sprechen war. Elia hatte das Gefühl, als ob sein Vater ihn für das Verschwinden von Fin verantwortlich machte.

Elias Vater konnte die Ruhe nicht lange genießen. Er schaute unruhig nach allen Seiten, als ob er auf jemanden wartete. Elia bemerkte die Unruhe seines Vaters und versuchte zu erkunden, nach wem er Ausschau hielt.

Nachdem sie noch eine Weile den Gauklern und Tänzern zugeschaut hatten, gingen sie noch einmal über den Marktplatz. Elias Vater wollte noch etwas einkaufen. Er braucht unbedingt noch einen neuen Gürtel, ein paar Seile, etwas Schmalz, Mehl und vor allen Dingen etwas Salbe für zerkratzte Haut, so jedenfalls sagte er es Elia und ging seines Weges.

Elia blieb bei dem Feuerschlucker stehen und bewunderte seine Künste, während sein Vater alleine über den Markt schlenderte und die gewünschten Dinge einkaufte.
Elia bemerkte, wie sein Vater mit verstohlenem Blick hinter dem Verkaufsstand der
Frau mit den bunten Filzdecken verschwand. Er sah auch, dass kurz darauf ein Mann ganz selbstverständlich und ohne Anstalten den gleichen Weg wie Elias Vater einschlug.

Es war nicht die Art von Elia, jemanden nach zu spionieren, aber hier hatte er kein gutes Gefühl. Der Feuerschlucker war nicht mehr interessant, er musst wissen, was sein Vater und die unbekannte Person im Schilde führten.

Er ging direkt zum Stand der Marktfrau und tat so, als ob er sich für die ausgehängten Filzhüte interessierte. Mit einem Auge schaute er jedoch heimlich und vorsichtig nach allen Seiten. Er machte einen Schritt zur Seite, um besser hinter den Stand sehen zu können, aber da war nur ein alter Stuhl mit einer großen Puppe. Ein kleiner Junge, etwa drei Jahre alt, saß vor einem Korb und spielte mit einer kleinen Katze.

Seinen Vater und auch die andere Person konnte er nicht entdecken. Er musste sich noch weiter hinter den Stand schleichen, um besser sehen zu können. Er war nicht vorsichtig genug und streifte aus Versehen die Lehne des Stuhls und riss die Puppe zu Boden. Der kleine Junge erschrak und fing fürchterlich an zu schreien, als wenn ihm jemand auf die Hände getreten hätte. Elia nahm die Beine in die Hand und rannte so schnell er konnte davon und mischte sich wieder unter die Menschentraube auf dem Marktplatz.

Er hatte gerade noch mitbekommen, dass die Puppe mit einem klirrendem Geräusch zu Boden viel. Erst als er sich in der Menschenmenge sicher und unbeobachtet fühlte, wurde ihm klar, dass, da etwas in der Puppe gewesen sein musste, was dieses Geräusch verursachte. Die Neugierde trieb ihn wieder zurück. Dieses mal wählte er jedoch einen anderen Weg. Er ging zum Ende des Marktplatzes, dort wo die Burgmauer begann und schlich sich so auf der Rückseite der vielen Marktbuden zum Stand der Frau mit den Filzhüten.
Der kleine Junge hatte sich beruhigt, die Marktfrau war mit Kunden im Gespräch und so bestand keine Gefahr für Elia entdeckt zu werden. Der Stuhl lag noch auf der Seite im Staub, aber die Puppe, die war nicht mehr da, er konnte sie nirgendwo entdecken.

Elia war enttäuscht und hatte nun auch keine Lust mehr, den gleichen Weg hinter den Marktbuden wieder zurück zu laufen. Er ging einfach direkt zwischen den Buden durch zurück auf den Marktplatz.

Der Feuerschlucker war noch immer mit seinen Vorführungen beschäftigt und Elia gesellte sich unter die Zuschauer und versuchte seien Gedanken auf andere Dinge zu konzentrieren.

Ich will auch einmal Feuerschlucker werden dachte er. Damit kann man sicher viel Geld verdienen, denn er beobachtete wie die Leute nach jeder Vorführung einige Geldstücke in den zerbeulten Topf, der vor dem Feuerschlucker stand, warfen.
Er hatte nicht mitgerechnet, denn er konnte auch nicht gut rechnen, da er ja selten zur Schule gegangen war. Auf jeden Fall sah es ganz schön viel aus, was da so in dem Topf des Feuerschluckers landete.

Als der Feuerschlucker eine Pause macht, lief Elia zu ihm rüber und fragt ihn, wie man Feuerschlucker werden könnte.
Der Feuerschlucker fing an zu lachen und rief laut in die Menge: „Dieser Kleine hier will Feuerschlucker werden, ist das nicht lustig.“ Darauf hin fingen auch alle, um den Feuerschlucker herum stehenden Menschen, fürchterlich an zu lachen und riefen: „Seht her, hier steht der neue Feuerschlucker.“

Das alles war aber nicht ehrlich gemeint. Die Leute machten sich lustig über ihn.
Das Lachen wurde immer lauter und Elia verzog sich in eine stille Ecke des Marktplatzes.

Er hatte sein Gesicht in den Händen vergraben, er schämte sich. Er hatte doch nur eine Frage gestellt. Er verstand überhaupt nicht, warum alle so lachten.

Sein Vater trat auf einmal aus der Menschenmenge hervor und packt Elia an dem Arm und zog ihn hinter sich her zum Stand der Marktfrau mit den Filzhüten. „Was hast du hier gesucht“ faucht er ihn an, und ehe Elia auch nur antworten konnte, hatte er von seinem Vater einen Schlag an den Kopf bekommen, dass er zu Boden fiel und schützend seine Arme vors Gesicht hielt.

Sein Vater roch nach Bier und Qualm und stand breitbeinig neben Elia, der noch immer auf dem Boden lag und sich nicht traute aufzustehen.
Die Marktfrau hatte alles mitbekommen, sie nahm einen alten Filzhut und schlug ihn Elias Vater um die Ohren „Was bist du für ein fürchterlicher Vater“ schrie sie ihn an und haute immer und immer wieder auf ihn ein. Dieser wehrte die Schläge ab und ging einige Schritte zurück.
Die Worte der Marktfrau hallten in seine Ohren „.... fürchterlicher Vater...“ War er das wirklich, was ist in ihm gefahren, dass er seinen Sohn derart erniedrigte und in aller Öffentlichkeit schlug.

Nun drängte er zum Heimweg, er war sichtlich angeschlagen und schämte sich gewaltig.

Die Sonne war schon fast nicht mehr zu sehen, aber es war noch hell genug. Sie mussten sich also nicht beeilen. Wichtig war nur, dass sie vor Sonnenuntergang ihre Hütte erreichten, denn wenn es dunkel war, trieb sich allerlei Gesinde hier in den Wäldern umher.

Zum Schutz der Dorfbewohner vor den Räubern und Dieben hatte der Graf zwar Ritter beauftragt, aber diese waren nie in der nähe des Waldes gesehen worden. Man munkelte, dass diese selbst zu den Räubern gehörten oder mindestens mit den Räubern gemeinsame Sache machten. Keiner der Dorfbewohner hatte auch den Mut dem Grafen davon zu berichten.

Heute war alles still und ruhig, aber man wusste nie, wann die Gauner und Halunken aus dem Wald hervortraten und einem das bisschen Hab und Gut entrissen. Elia fasste seinen Vater fest an die Hand und war froh, als er von Weitem schon die Hütte sah. Sie waren gleich zu Hause.
Der Mond war noch nicht voll aufgegangen und ein Zwielicht zwischen hell und dunkel umhüllte den Wald hinter der Hütte. Leichte Nebelschwaden zogen auf und gaben der ganzen Gegend ein gespenstisches Aussehen. Wenn man genau hinhörte, konnte man das ferne Heulen der Wölfe wahrnehmen. Sie waren wieder auf der Jagd und umstrichen auch von Zeit zu Zeit die Häuser in dieser Gegend.

Elia schlief fest aber sehr unruhig, er hatte Angst, dass sein Vater das Körbchen mit den Brotkrumen entdeckte und das er vielleicht auch die Maus verscheuchen würde.

Die Sonne hatte lange noch nicht ihre Strahlen in das Zimmer von Elia geschickt, aber er hatte kein Ruhe mehr, er wollte wissen, ob die Maus in seine Falle getapst war.
Sein Vater schnarchte immer noch und es war das sichere Zeichen, das er schlief.



©2018 by Krasi. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Albyc
Am 19.08.2018 um 13:25 Uhr

Hi Krasi
....sehr schöner Anfang, teilweise etwas zu langatmig, aber man kann sich gut in die Story vertiefen.
Ich mache mich gleich an Kapitel 2.... bin gespannt.
Einige Rechtschreibfehler, die man aber gut durch entsprechende Programm weg bekommt. Ich möchte hier nicht darauf eingehen, da ich selber nicht fit bin und die inhaltliche Geschichte bei mir im Vordergund steht.
lg Albyc

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