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Thomas Friedrich Sänze - Gedächtnislücke - von ThomaFriedrichSaenze, 20.03.2018
Thomas Friedrich Sänze
Gedächtnislücke

Der Tag hatte böse angefangen.
Schon am frühen Morgen hatte nichts geklappt. Manchmal wird ein Tag, der schlecht begonnen hat, im Lauf der Stunden noch ganz erträglich. An diesem aber wurde es immer schlimmer.
Der Abend schließlich versprach alles in den Schatten zu stellen. Eigentlich hatte ich gehofft es würde besser werden. Leider irrte ich mich da!
Schon als ich frühs aus dem Bett gefallen war und mir eine schöne Beule am Kopf zugezogen hatte, wäre ich am liebsten gleich wieder unter die Bettdecke geschlüpft. Aber als pflichtbewusster Bankangestellter kam das natürlich nicht in Frage. Auch als mir die Teekanne auf den Fuß krachte und diesen verbrühte blieb ich standhaft.
Das Auto sprang nicht an. In der Straßenbahn wurde ich beim Schwarzfahren erwischt. Lässt man das Unwetter und den Typen weg der mich verprügelte, könnte man das Ganze als normalen Tagesbeginn betrachten.
Allerdings wusste ich nicht so recht ob ich lachen oder weinen soll als ich im Büro meinen Chef Herrn Müller beim Sex mit seiner Sekretärin Frau Kuhn überraschte. Vermutlich hätte ich ihnen nicht meine Hilfe dabei anbieten sollen. Aber angesichts der Tatsache das Herr Müller schon 64 Jahre alt war, wollte ich nur höflich sein.
Deshalb weinte ich auch als Herr Müller mir wegen sexueller Belästigung die Kündigung aussprach.
Nun ja, was soll ich ihnen sagen? Sie können sich vermutlich vorstellen wie ich mich fühlte.
Nein! Ich denke das können sie doch nicht, denn wem ist so etwas schon einmal passiert?
Um es auf den Punkt zu bringen. Ich war mies drauf! Ich meine wirklich mies! Nicht nur ein bisschen, sonder so richtig! Jeder der mir Abends auf meinem Heimweg begegnete machte einen großen Bogen um mich. Was im Interesse der Gesundheit desjenigen sehr Vernünftig war.
Schließlich erinnerte ich mich an einen der vielen Ratschläge die mir meine Mutter mit auf den Lebensweg gegeben hatte. Sie sagte immer zu mir wenn ich schlechte Laune hatte:" Sei froh und lächle, es könnte schlimmer kommen!" Wenn ich auch noch nie im Leben einen ihrer klugen Sprüche gefolgt bin, diesen nahm ich mir jetzt zu Herzen.
Also lächelte ich und war froh! Ich Pfiff sogar. Zwar falsch, aber dafür laut.
Fröhlich nahm ich die vier Stufen zur Wohnung mit einem Satz. Ich konnte kaum erwarten meiner Frau Monika zu erzählen was heute alles passiert war. Sie würde bestimmt Verständnis für mich haben.
Bei dem Gedanken ging es mir gleich noch besser. Es war schließlich doch nicht alles so schlimm. Ein Hoch auf meine Mutter ihr Rat hatte mir wirklich geholfen.
Verfluchte alte Schachtel, ich hätte es wirklich besser wissen sollen!
Sei froh und lächle,
Mit einem Lächeln machte ich mich auf den Weg zu unserem Schlafzimmer.
denn es könnte schlimmer kommen,
Kurz hielt ich in der Küche und nahm mir ein Bier aus dem Kühlschrank.
und ich war froh und lächelte,
Dann öffnete ich die Schlafzimmertür.
und es kam schlimmer.
Ich ging hinein und ertappte meine Frau dabei wie sie es gerade wild mit dem Postboten trieb.
Die große Liebe?
Ja! Dass war sie!
Verdammt, diese miese Schlampe! Ich habe ihr wirklich Vertraut!
Wenn sie sich bis hierher mit meiner Geschichte abgequält haben, werden sie jetzt wahrscheinlich wissen wollen was weiter geschah.
Nun genau, dass ist das Merkwürdige!
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern was danach passiert ist.
Sie glauben mir nicht?
Das kann ich sehr gut verstehen!
Die Polizei wollte mir auch nicht glauben, dass ich nichts über die beiden brutal zugerichteten Leichen in meinem Ehebett wüsste.
Dennoch ist es die Wahrheit!
Ich habe keine Ahnung was passiert ist!
Deshalb schreibe ich auch meine Geschichte auf. Es ist nicht das ich mich rechtfertigen möchte oder so.
Das Gefängnis kann nur sehr eintönig sein und ich will mit meiner Erzählung verhindern das andere Menschen einmal das gleiche Schicksal erleiden müssen wie ich.
Darum möchte ich sie, meine lieben Leser mit meiner kleinen Geschichte warnen:
Befolgen Sie niemals die Ratschläge ihrer Mutter!

ENDE

Hinweis auf mein Werk: Fulcher von Fabeln - TOD IN ELBING ISBN: 9783737514521



©2018 by ThomaFriedrichSaenze. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

Kommentare


Von Andrea
Am 07.01.2019 um 18:18 Uhr

Wenn man die Nachrichten liest, fragt man sich oft, warum Menschen böses tun können. In deiner Geschichte ist kurz und knapp erzählt, was für Gründe und Umstände zu einer unüberlegten Tat führen können.


Von ThomasF
Am 11.04.2018 um 12:33 Uhr

Hallo, die Pointe ist schwach wie der Ratschlag der Mutter. Ich wüsste auch nicht was der Ratschlag mit dem Postboten zu tun hat der wohl auch abends zustellt. Und man stört andere Leute nicht beim Sex. Man weiß das.
Grüße

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Es gibt 2 Kommentare


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