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Nachtschicht - von Spiegelwoelfin, 18.10.2016
Total genervt sehe ich zum x-ten mal auf die Uhr. Immer noch erst 0:45 Uhr verdammt!!!! Ich hasse es Nachtschicht zu haben, vor allem Freitags, wenn alle meine Freunde feiern gehen!
Allerdings brauch ich das Geld echt dringend für meinen Führerschein, deshalb arbeite ich ja auch hier in dieser Tankstelle. Und für Nachtschichten gibt`s sogar `nen Zuschlag.
Trotzdem...Heute ist die Party des Jahres und wer fehlt? Ich natürlich!!! Und das nur, weil mein Chef sich nicht die Mühe machen wollte, nach einer anderen Vertretung für seinen Sohn zu suchen. Dieser ist im übrigen auch auf der Party, statt für seine Uni-Prüfungen zu lernen, wie er seinem Vater gegenüber behauptet hat.
Entnervt widme ich mich wieder dem Zeitschriftenregal. "Wo zur Hölle ist dieses dämliche Automagazin?", knurre ich, während ich systematisch alle Hefte durchschaue. Da ich es nicht finde, stecke ich einfach das neue Automagazin zwischen zwei ähnlich aussehende.
"Hallo? Ist noch wer da?", tönt es aus dem Head-Set. Zum Glück werden die Türen nachts verschlossen und alles über den Nachtschalter geregelt.
"Guten Abend, was kann ich für Sie tun?", frage ich.
"Deinen Arsch hier rüber schwingen und mich endlich abkassieren. Ich hab nicht die ganze Nacht Zeit!", kommt es unfreundlich zurück.
Missmutig rufe ich am Kassenterminal die Daten der Zapfsäule auf.
"Macht dann 63 Euro und vier Cent. Zahlen Sie bar oder mit Karte?", gebe ich durch.
"Bar!!!", werde ich angeblafft. Ich öffne die Durchreiche, nehme das Geld entgegen und gebe das Rückgeld raus.
Ohne ein weiteres Wort stapft der Kund zurück zu seinem Wagen und rast davon.
"Blödes Arschloch!", brummle ich vor mich hin und zücke meine Nagelfeile, weil ich im Moment nichts besseres zu tun habe.
So vergehen knapp zwei Stunden. Gelegentlich kommt ein Kunde, tankt, kauft noch Kippen oder was zu trinken, zahlt und fährt anschließend davon.
Als gerade wieder ein Kunde vom Hof rauscht, gehe ich ins Lager, um Brötchen zum aufbacken zu holen. Da ertönt auf einmal ein Knacken aus dem Head-Set. Nichts besonderes, denke ich, ist ja nicht mehr das Neuste.
Allerdings bekomme ich eine Gänsehaut und das Brummen der Tiefkühlschränke kommt mir plötzlich viel zu laut vor.
"Jetzt komm wieder runter! Das bildest du dir bloß ein!", rede ich mir ein,"Komm schon, hier ist niemand außer dir. Hier drin bist du vollkommen sicher.Dir kann nichts passieren."
Und obwohl ich das weiß, bleibt das mulmige Gefühl und ich muss meine eigenen Worte mehrmals wiederholen, um es wenigstens zu verdrängen.
Leicht nervös blicke ich zur Uhr. 2:57 Uhr. Na also, gleich ist Halbzeit, nur noch drei ätzende Stunden und dann ich kann endlich Feierabend machen und von hier verschwinden.
Und wenn ich den Sohn des Chef morgen sehe, kann der sich auf was gefasst machen, mir einfach seine Schicht auf`s Auge zu drücken. Vor allem auch noch seine Nachtschicht, nur um auf `ne Party zu gehen.
Durch das Head-Set höre ich in der Nähe einen Zug dahin rauschen. Und ein ziemlich lautes Scheppern. Erschrocken zucke ich zusammen und spähe durch die Fensterfront nach draußen. Die Beleuchtung unseres Hofes reicht zwar nicht allzu weit, doch ich meine eine irgendwie merkwürdig gehende Gestalt zu erkennen.
Entschlossen schüttle ich den Kopf.
"Einfach eine alte Person. Oder jemand, der stockbesoffen ist. Das ist es.", murmle ich vor mich hin."Zu viele Horrorfilme, deshalb spielt dir deine Fantasie nun Streiche.", lache ich nervös auf.
Doch mein mulmiges Gefühl wird immer stärker, denn die Gestalt kommt näher.
Ich flüchte mich in den Personalraum und krame mein Smartphone aus meiner Tasche. Langsam kann ich die Angst, die sich hartnäckig in mir breit macht nicht mehr leugnen.
Ein röchelndes Stöhnen und ein Geräusch, als würde Fleisch gegen Glas klatschen, schrecken mich auf. Kurz Stille, dann wieder das Klatschen und das Röcheln, diesmal klingt es aggressiver. Immer und immer wieder ertönen das Klatschen und Röcheln, als wollte die merkwürdige Gestalt zu mir hinein.
Da sie nicht spricht, kann sie nicht menschlich sein.
Mir wird alles zu viel. Schreiend vor Panik reiße ich mir das Head-Set vom Kopf und schmeiße es weit weg. Dennoch kann ich die Gestalt immer noch hören. Röchelnd und immer heftiger gegen die Fensterfront klatschend.
Panisch tippe ich auf mein Smartphone ein, aber es bringt nicht, ich habe kein Netz.
3:09 Uhr zeigt das Display an, während ich weinend erneut versuche irgendjemanden zu erreichen. Meine Eltern, Freunde, die Polizei - einfach nur irgendjemand!
Plötzlich erklingt ein Klirren, dann patschende Schritte.
Sie ist hier! Die Gestalt, sie ist hier drinnen bei mir!
Verzweifelt sehe ich mich um, doch der einzige Ausweg ist der Eingang im Shop. Genau dort, wo sich die Gestalt aufhält. Das einzige Versteck das mir bleibt ist der enge Schrank, in dem Besen und Werkzeuge lagern. Mir bleibt nichts anderes übrig als mich zitternd hineinzuquetschen, denn das Röcheln und die patschenden Schritte der Gestalt werden immer lauter.
Als nur noch ihr Röcheln zu hören ist, halte ich den Atem an.
Die Schranktür wird aufgerissen und ich starre kreischend in ein Gesicht, das nur ein riesiges Maul ist, das hervor schießt und zubeißt.
Heißes Blut strömt meinen Hals hinab.
Du Arsch, wieso muss ich deine Nachtschicht übernehmen?...


*Keep the words alive
And this mad world loving*



©2016 by Spiegelwoelfin. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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