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Prosa => Phantasy & SciFi


Tom und die andere Seite III/III - von Larry-Palmer, 17.08.2014
Rückweg


„Komm, Pascha wir gehen nach Hause“ Tom hatte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend als er und Pascha den Waldrand erreichten. Kilometerweit offenes Gelände. Nur hier und da ein Baum. Sonst war nichts zu sehen. Verspielt rannte Pascha an Tom vorbei auf die Wiese und suchte sich ein Spielzeug. „Ist wohl alles okay“ dachte Tom, und verließ ebenfalls den schützenden Wald.
Tom marschierte los. Er hatte vor sich zu beeilen denn er hatte Angst das Unbekannte würde hier draußen irgendwo auf ihn warten. Immer wieder drehte er sich um, aber er war alleine mit seinem Hund. Weit und breit war kein anderes menschliches Wesen zu sehen. Die beiden waren schon ein gutes Stück gegangen als Pascha plötzlich Witterung aufnahm. Er hielt seine Nase in den Wind, schnupperte, und sah sich aufmerksam um. Pascha hatte einen Hasen entdeckt der gut 50 Meter entfernt ruhig im Gras saß. Sofort rannte Pascha los um den Hasen zu fangen. Tom wusste was nun folgen würde. Pascha hatte keine Chance. Immer wenn er den Hasen fast erreicht hatte, schlug dieser einen Haken und Pascha rannte ins Leere. Das wiederholte sich vier- bis fünfmal, bis Pascha schließlich aufgab und den Hasen ziehen ließ.
Aber dieses Mal irrte sich Tom gewaltig. „Was..., was soll das...?“ Pascha raste auf den Hasen zu, schnell verkürzte sich der Abstand. Aber der Hase dachte gar nicht daran wegzulaufen. Auch Pascha spürte, das mit diesem Hasen etwas nicht stimmte. Kurz bevor er den Hasen erreichte, schlug er einen Bogen und bellte nur.
Tom setzte sich in Bewegung. Er wollte sehen ob der Hase verletzt war und ob er helfen konnte. „Geh da nicht hin Tom, bleib da weg bitte“ Toms Nackenhaare sträubten sich. Diese Stimme hatte ihn schon einmal gewarnt und aufgefordert in den Wald zu laufen. Toms Schritte stockten, und Angst kroch seinen Rücken hoch. „Pascha!!!...komm weg da!!“ schrie Tom so laut er konnte, aber Pascha hörte nicht. Wie toll umkreiste er den Hasen und bellte sich in Rage. „Pascha!!!“ Pascha hörte abermals nicht, stattdessen geschah etwas Unheimliches. Der Hase setzte sich auf die Hinterbeine und schien größer zu werden. Pascha zuckte zurück und begann irritiert zu knurren. Immer größer wurde der Hase und begann durchsichtig zu werden, sein braunes Fell verblasste. Pascha hatte genug und lief zurück zu Tom, der gespannte die Metamorphose des Hasen beobachtete. Die langen Löffel des Hasen bildeten sich zurück, Arme und Beine nahmen allmählich Form an. Tom begann sich, langsam rückwärtsgehend, von diesem unheimlichen Ort zu entfernen. Aber wohin, welche Richtung sollte er wählen? Der schützende Wald lag mindestens einen Kilometer entfernt. Sein zuhause noch ein gutes Stück weiter. Die unheimliche Gestalt veränderte sich weiter und hatte nicht mehr die geringste Ähnlichkeit mit einem Hasen. Die Gestalt bewegte sich in Toms Richtung. Tom glaubte, immer noch langsam rückwärtsgehend, zu träumen und er beruhigte sich schlagartig. „Davor muss ich doch keine Angst haben!“ schallt er sich einen Narren. Tom blieb stehen und Pascha setzte sich neben ihn.
Ein Mann, im Frack und mit einem Zylinder auf dem Kopf, einen schwarzen Stock mit einem silbernen Knauf an der einen Seite, den er spielerisch in der linken Hand rotieren ließ, kam auf Tom zu. Dieses Wesen war höchstens einen Meter groß. „Tom lauf weg! SCHNELL!“ Da war wieder die Stimme die ihn eindringlich warnte.

Tom zögerte, als er in das Gesicht des Unbekannten schaute. Er war kein Liliputaner, obwohl er so klein war und er hatte ein bezauberndes, ebenmäßiges Gesicht. „Wie ein Engel...“ Tom wurde bereits in den Bann des unbekannten gezogen. Pascha wurde nervös, fletschte die Zähne und knurrte den Fremden an. Die Schritte des Fremden stockten nicht, er ignorierte Pascha. Stetig war sein Gang, er hatte es nicht eilig. Siegessicher schauten zwei schwarze Augen Tom an, und Tom sah in diese Augen. „Böse...“raunte eine Stimme durch seinen Kopf. „Das ist böse! Lauf weg Tom, solange Du noch laufen kannst!“

Tom raste los. Er wusste die Richtung nicht mehr, er lief einfach und Pascha blieb dicht bei ihm. „Ha, ha, ha! Ja lauf nur, Tom. Lauf so schnell Dich Deine kleinen Füße tragen! Du gehörst mir, mir, MIR!!!“
Tom hörte nicht auf zu laufen. Er jagte die Anhöhe hoch. „Bald, bald bin ich zu Hause“ Er erreichte die Weide und konnte das Haus sehen. Er hörte nicht auf zu laufen. Schließlich erreichte er das Haus und er warf einen scheuen Blick zurück. Das fremde Wesen war ihm nicht gefolgt. „Mann, Pascha was war denn das?“ Pascha wedelte mit dem Schwanz und machte brav Platz. Tom öffnete die Haustüre und ging die Treppe hoch. Linda saß vor dem Fernseher und sah die Nachrichten. „Hallo, Tom, alles klar?“ „Ja, Mama. Ich bin müde und gehe ins Bett“. „Gesicht und Hände waschen nicht vergessen“. „Geht klar“. Tom Blick viel auf den Fernseher. „Wer ist das, Mama?“ „Das ist Robert Kennedy Tom. Dieser Mann wird wahrscheinlich der nächste Präsident der USA. Warum fragst Du?“ „Och ich weiß nicht, der Name kommt mir bekannt vor.“ „Das kann schon sein, Tom. Sein Bruder, John F. Kennedy, war ebenfalls Präsident der USA. Ich glaube...der 35zigste. John F. Kennedy wurde 1963 in Dallas erschossen. Er war ein guter Mann.“ „Vor 5 Jahren“ rechnete Tom nach. „Da war ich vier Jahre alt.“ Er setzte sich nun doch in einen Sessel und schaute interessiert auf den Bildschirm. Robert Kennedy hielt gerade eine Rede vor vielen Menschen, viele von Ihnen schwenkten bunte Fahnen. „Das Gesicht...ich kenne diesen Mann!“ Plötzlich viel Tom alles wieder ein. „Du, Mama ich habe von diesem Mann geträumt“. „Von Robert Kennedy?“. „Ja als ich vorhin auf der Couch eingeschlafen bin habe ich von Ihm geträumt“. „Was hast Du denn geträumt, Tom?“ „Ich habe sein Gesicht gesehen und dann berührte er mich an der Wange. Immer wieder, er sah ganz traurig aus“ „Komischer Traum, Tom. Du wirst Ihn wohl in den Nachrichten gesehen haben. Kinder träumen viel“. „Das stimmt, Mama“, „Was stimmt?“ „Ich habe den Mann im Fernsehen gesehen“. Tom kniff den Mund zusammen. Am liebsten hätte er jetzt Linda von seinen merkwürdigen Erlebnissen erzählt. Aber auch jetzt traute er sich nicht.

Es schepperte in der Küche. Pascha machte auf seine eigene Art und Weise darauf aufmerksam, dass er gehörigen Hunger hatte. „Ich komm schon, Pascha reg Dich nicht auf“ Tom erhob sich von seinem Sessel und ging zu seinem Freund in die Küche. Kurz darauf hatte Pascha eine riesige Portion Fleisch im Magen, und er legte sich zufrieden mitten ins Wohnzimmer. Dass Linda und Tom nun über ihn steigen mussten, störte Pascha nicht im Geringsten. Er schlief tief und fest.
„Ich geh ins Bett, Mama gute Nacht“ „Nacht, Tom. Schlaf gut!“
Tom ging ins Bad und zog sich denn Pulli aus. Zuerst hatte er befürchtet, dass sich das Gewebe seines Pullis wieder innig mit seiner Wunde verbunden hatte. Aber seine Sorge war unbegründet. Es floss kein Blut mehr, und Schmerzen hatte Tom auch nicht mehr. Die Wunde begann bereits zu heilen. Toms Immunsystem war wirklich auf Zack.
Er zog sich seinen Schlafanzug an und ging zu Bett.

„Ich möchte heute Nacht nicht träumen bitte!“
Sein Wunsch wurde erhört. Was er nicht sah, draußen vor dem Fenster seines Zimmers, auf der großen Esse, hatten sich zwei große Kolkraben niedergelassen. Sie schienen zu tuscheln und ab und zu krächzte einer der Vögel laut auf. Die beiden Raben beäugten den Horizont, schienen auf etwas zu warten. Und schließlich sahen sie Ihn; auf der Anhöhe, bei der Weide. Da saß ein Hase. Aber sie strahlten Ruhe aus und eine unerklärliche, kristallklare Kraft. Diese Ruhe war es die Tom fühlte und ihm die schlimmen Träume nahm. Jedenfalls diese Nacht.


Entscheidung am Abend

05.06.1968
8.30 Uhr

„Guten Morgen, Tom.. Zeit zum aufstehen! Oma und Opa kommen heute“
Tom öffnete die Augen. Sein Blick viel durch das Fenster auf die Esse und die Wiesen. Die Sonne strahlte. „Schöner Tag heute. Also, dann los“ dachte er. Heute kamen Opa und Oma. Das hatte er schon vergessen. Aber Tom freute sich, denn er mochte beide sehr gerne.
„Ist denn heute schon Samstag?“ rief er durch die leicht geöffnete Türe seines Zimmers.
„Ja mein lieber! So, jetzt raus aus dem Bett, Frühstück ist fertig!“
Tom hatte Hunger, mächtigen Hunger und nur eine riesige Portion Haferflocken mit Kakao und Milch konnte diesen Hunger stillen.
Er sprang aus dem Bett, zog sich an und flitzte ins Bad. Zwei Minuten später hielt er bereits den Esslöffel in der Hand und kaute zufrieden. „Wamm find sie denn hier?“ Was hast Du gesagt Tom?“ Tom schluckte und seine Aussprache wurde merklich besser. „Wann Oma und Opa hier sind?“ „Papa ist schon unterwegs sie zu holen, Tom. So gegen Mittag nehme ich an. Ich brauche noch Brot, Wurst und Butter. Bist Du so lieb, Tom und gehst ins Dorf ?“ „Na klar, Mama. Ich wollte sowieso noch zu Wolli. Wenn ich gegessen habe, fahre ich sofort los!“
Toms Tatendrang war grenzenlos.
„Was ist eigentlich mit Deiner Verletzung, Tom tut’s noch sehr weh?“ Nicht mehr so schlimm, Mama nur der Verband ist abgegangen.“ „Lass mal sehen, Tom... “ Linda sprach im Befehlston, hier war jeder Widerspruch sinnlos. Tom zog seinen Pulli hoch. „Na ja, Tom du hast ganz schönes Glück gehabt. Das hätte auch anders ausgehen können! Bitte sei in Zukunft vorsichtiger, sonst brichst du dir noch mal die Knochen“. „Ich pass ja auf, Mama aber ich konnte wirklich nichts dafür...!“ „Dann rase nicht immer so mit Deinem Fahrrad, Tom“. Tom ging das Thema ziemlich auf die Nerven. Linda hatte überhaupt keine Ahnung von dem was wirklich passiert war, und sie würde auch nichts von dem was Tom erlebt hatte verstehen. Sie hatte keine Sinne dafür. Instinktiv wechselte Tom das Thema. „Wo ist denn Pascha, Mama?“ „Keine Ahnung, ich glaube er ist unten und ärgert Mutti“ „Darf ich, Mama...?“ „Ja Du darfst, Tom. Moment, ich halte mir nur noch die Ohren zu!“ Nachdem Linda ihre beiden Zeigefinger tief in ihre Ohren versenkt hatte nickte sie nur kurz und Tom brüllte los. „PASCHA!!!“ rief er so laut er konnte. Fast augenblicklich krachte es in der unteren Wohnung, und Pascha bahnte sich mit absoluter Präzision seinen Weg. Er hatte zwar gerade ein Stück trockenes Brot gekaut das Mutti ihm gegeben hatte, aber Tom ging vor. Tom und Linda hörten die verschiedensten Geräusche, darunter einen kurzen Schrei, aus der unteren Wohnung und erwarteten das Getrappel von Paschas Läufen auf der Treppe. „Er ist an der Treppe...,“sagte Linda beiläufig. Tom nickte zustimmend. „Tatap, tatap, tatap“. Pascha rannte die Holztreppe hoch. „Tatap, tatap tatap,....Umpf...“ Pascha hatte eine Treppenstufe übersehen und war auf der Schnauze gelandet.
Linda öffnete die Wohnungstür, und Pascha kam um die Ecke geflogen. Als nächstes kam der Teppich...
Pascha war so schnell, dass der Teppich der im Wohnzimmer lag, Paschas Gewicht nicht gewachsen war. Er rutschte unter Paschas Läufen weg und Pascha flog durchs Wohnzimmer. Pascha ließ sich davon nicht beirren. Der freigelegte Linoleumboden unter seinen Läufen schien aus gefrorenem Eis zu sein. Pascha schleuderte auf Tom zu, stabilisierte sich kurz, und knallte schließlich mit voller Wucht gegen den Küchentisch.
„Brav Pascha. Du bist ein guter Hund“. Tom tätschelte seinem treuen Freund liebevoll den Kopf. „Mit dieser Nummer könntet ihr beiden im Zirkus auftreten, Tom... Als Clowns!“

9.30 Uhr


Tom machte sich auf den Weg ins Dorf. Er zog es vor den alten Weg zu fahren, vor der Teerstraße hatte er eine unerklärliche Angst. Tom sprang auf sein Fahrrad und trat in die Pedale. Der alte Weg war viel gefährlicher als die Straße, denn hier hatten Traktoren über viele Jahre hinweg, tiefe Spuren in die Fahrbahn gefahren. Schlaglöcher, herumliegende Äste und Steine. Obendrein verdeckten Hecken und Büsche an der Seite des Weges die freie Sicht. All das wartete nur darauf Tom zu Fall zu bringen, wenn er wieder einmal den Berg hinunter ins Dorf raste.
Aber Tom war gut. Niemals ist er gestürzt, wenn er den alten Weg fuhr, aber manchmal war es doch gefährlich.
Er hatte den Weg ins Dorf zur Hälfte geschafft und fuhr natürlich volle Geschwindigkeit. Die Tachonadel seines Geschwindigkeitsmessers zitterte irgendwo jenseits der 50km/h Marke. Er hatte den dritten Gang eingelegt und voll ausgefahren, schneller ging es nicht mehr. Sein Fahrrad ächzte und klapperte. Tom konzentrierte sich voll auf den Weg, permanent musste er Steinen und tiefen Schlaglöchern ausweichen. Dann tauchte vor ihm die einzige, leichte Kurve des alten Weges auf.
„Bremsen Tom! Du bist zu schnell!“ „Bremsen...!“ Tom erkannte die geheimnisvolle Stimme sofort, sie hatte ihn gestern aufgefordert in den Wald zu laufen.
Ohne Zögern stieg Tom auf die Bremse. Das Hinterrad blockierte und zog eine zehn Meter lange Bremsspur in den Boden. Wie ein Wildpferd bockte sein Fahrrad und es war schwierig die Richtung zu halten, aber das kannte Tom. Geschickt legte sich Tom leicht auf die linke Seite, und das Hinterrad schwang, noch immer blockierend, herum. Staub stieg auf und Steine wirbelten durch die Luft.
Tom war am Beginn der Kurve zum stehen gekommen. Irritiert stellte Tom sein Fahrrad auf den Ständer, denn es war nichts Gefährliches passiert. „So ein Mist Mann, jetzt fange ich wirklich an zu spinnen!“ konnte er noch denken, als plötzlich ein Traktor um die Kurve bog.

„Hallo, Tom wie geht’s?“ „Danke gut, Herr Gauer. Und selbst?“ „Gut gut, Tom danke“ Herr Gauer fuhr weiter ohne zu halten. „Mann oh Mann!“ dachte Tom, „da hab ich Glück gehabt“.
Tom hatte den Traktor nicht gehört und wäre, hätte er nicht angehalten, mit ihm unweigerlich zusammen gestoßen.
Tom sah sich um „kein Hase zu sehen...“; stieg auf sein Fahrrad und fuhr langsam weiter.

Kurz darauf erreichte er das Haus in dem Wolli wohnte. Das Haus war eher eine Baracke und stand direkt neben der evangelischen Kirche von Sohren. Wer diese Baracke erbaut hatte wusste Tom nicht, musste wohl etwas mit dem letzten Krieg zu tun haben.
Die Eingangstür stand offen und Tom marschierte geradewegs in die Küche.
„Hallo, Tante Erna ist Wolli da?“ „Hallo, Tom Wolli ist mit Paul auf dem Friedhof“ „Ist gut, Tante Erna“. Tom machte kehrt und verließ die Baracke so schnell, wie er sie betreten hatte. Erna rauchte ihm zu viel.
Unschlüssig schaute er Richtung Friedhof der hinter der Kirche lag. Onkel Paul war Gemeindearbeiter in Sohren und er musste auch die Gräber für Tote ausheben.
Tom schwang sich auf sein Rad und fuhr den schmalen Weg an der evangelischen Kirche entlang zum Seiteneingang des Friedhofes. Hier verstellte ein kleines Metalltor Tom den Weg. „Hoffentlich ist das Tor nicht abgeschlossen“ dachte er und drückte auf die Klinke. Das Tor ließ sich öffnen und Tom blieb der Umweg zum Haupteingang erspart.
Kaum hatte Tom das Tor durchschritten, konnte er bereits Paul fluchen hören. Paul und Wolli standen am Komposthaufen des Friedhofes. „Was die Leute hier so alles rein schmeißen, määh!“

Tom traf Onkel Paul stinksauer an. Paul zog gerade eine alte Gießkanne aus dem Komposthaufen des Friedhofes, und machte ein missmutiges Gesicht. Wolli grinste nur.
Paul war ein merkwürdiger Mensch, zumindest für Tom der ihn nicht besonders mochte, sich sogar ein wenig vor ihm fürchtete. Tom konnte in Menschen lesen, unbewusst zwar, aber er konnte die Gedanken anderer Menschen erahnen. Nur bei Paul nicht. Dort gab es nichts zu lesen. Pauls Gedanken blieben für Tom verborgen. Blieben, wie Tom es nannte, hinter schwarzen Wolken versteckt.
Paul schien Toms Fähigkeit zu ahnen und freute sich offensichtlich so sehr darüber, dass er Tom immer wieder ärgerte und wütend machte. Vorzugsweise ärgerte Paul Tom indem er behauptete, Pascha sei gar kein richtiger Schäferhund. Das trieb Tom jedes Mal wieder auf die Palme. Er konnte einfach nicht verstehen, wie Paul so blöd sein konnte und nicht sah, welch wunderschönes und stolzes Exemplar von einem Schäferhund Pascha war. Aber Pascha überzeugte Paul, ein knappes Jahr später, auf seine eigene Weise davon dass er ein echter Schäferhund war.
Und Pascha grinste dabei...
Pascha konnte Paul nicht leiden. Denn auch er fühlte, dass Paul etwas zu verbergen hatte. Natürlich hatte er Paul nie irgendetwas getan. Pascha hat niemals einem Menschen etwas zu leide getan. Es ergab sich aber, dass Paul in Muttis Haus eine neue Wasserleitung in der Küche verlegen wollte. Tom und Pascha spielten gerade vor dem Haus, als Paul mit einer Schubkarre voll mit Sand, Zement, einer Schaufel und diversen Wasserrohren beladen, die alte Weide erreicht hatte und eine kurze Pause einlegte. Ob es daran lag dass es wundervoller, sonniger Tag im Sommer gewesen war, oder weil Pascha zwei Stunden zuvor seine langjährige Freundin, die Schäferhündin Senta, endlich besteigen durfte, bleibt ein Geheimnis. Jedenfalls schoss Pascha, nachdem er Paul entdeckt hatte, sofort bellend los um ihn zu stellen. Paul sah Pascha kommen und versuchte, sich hinter der Schubkarre in Sicherheit zu bringen. Pascha jedoch interessierte dieses Hindernis nicht im geringsten. Mit einem mächtigen Satz sprang er über die Schubkarre und stellte Paul. Der rannte laut "Hilfe Hilfe" schreiend los. Immer um die Schubkarre herum. Er umrundete die Schubkarre, mit Pascha auf den Fersen wieder und wieder. Das ging so 20 Sekunden lang als Pascha die Lust an diesem "Spiel" verlor, und sich zu Tom setzte, der mittlerweile ebenfalls am Ort des Geschehens eingetroffen war. Paul jedoch umkreiste die Schubkarre weiter. Eine gute Minute lang, rannte und rannte er als sei der Teufel hinter ihm her, immer im Kreis herum. Bis er endlich merkte, dass Pascha und Tom ihn lachend zusahen.
"Du und dein blöder Schäferhund! Das werde ich deiner Mutter erzählen... Paul erwähnte dieses Erlebnis nie. Auch Toms Mutter gegenüber nicht. Es war ihm einfach zu peinlich. Ab diesem Zeitpunkt sprach er nie wieder abwertend über Pascha.
„Hallo, Wolli was machst Du denn heute noch?“ „Weiß nicht, Tom...“ „Wolfgang geht heute nicht weg, määh. Er muss mir hier helfen!“ Paul war bekannt als Spielverderber.
Wolli rollte mit den Augen und machte eine hilflose Geste. „Tut mir leid, Tom aber heute muss ich diesen Scheiß-Komposthaufen ausmisten“ „Schon gut, Wolli wir sehen uns Montag in der Schule“ Tom machte kehrt und verließ den Friedhof. „Onkel Paul ist doof, immer meckert er rum“

14.35 Uhr


Tom fühlte sich nicht wohl in seiner Haut. Er spürte eine merkwürdige Unruhe in der Luft.
Er hatte sich so auf Oma und Opa gefreut, und jetzt waren sie da und nervten ihn mit allerlei Fragen. Er beschloss sich dünn zu machen. „Ich gehe ein bisschen spielen, Mama“
Tom verließ das Haus und überlegte was er tun könne.

14.45 Uhr


„Pascha such mich!“ Tom versteckte sich auf dem Flachdach vor seinem Zimmer. Dort hinauf zu kommen stellte für ihn kein Problem dar. Es war nicht hoch. Pascha, der gerade auf der anderen Seite des Hauses war, wirbelte sofort herum und suchte Tom.

14.47 Uhr


Tom stand auf dem Dach und freute sich ein Loch in den Bauch. Pascha irrte umher und suchte Tom. Er konnte Tom riechen, ihn aber nirgends sehen. Plötzlich witterte er einen Hasen, aber auch der war nirgends zu sehen. Trotzdem schlug sein Instinkt Alarm. Nun versuchte er noch intensiver Tom zu finden.

14.48 Uhr


Tom sah Pascha direkt unter sich laufen. Er beugte sich vor und wollte Pascha gerade rufen.
„Sirhan, Sirhan, Sirhaaaaan!!“ Mit voller Wucht wurde Tom von der fremden Stimme getroffen. Ihm wurde augenblicklich schwarz vor Augen, sofort verlor er das Gleichgewicht.
Bunte Lichter flackerten vor seinen Augen auf, als sein Körper alle Kraft verlor und die Schwerkraft abermals nach ihm griff. Er spürte nicht mehr den schweren Aufschlag auf dem Betonboden. Er hörte nicht das Krachen seines rechten Handgelenkes als es von der steinernen Treppenstufe zertrümmert wurde. Er sah auch nicht wie Pascha angerast kam und sich schützend und sichernd neben den am Boden liegenden Tom stellte.

14.48 und 17 Sekunden


Tom schrie. Er wusste nicht wo er war. Orientierungslos stand er auf und schrie.
Pascha fletschte die Zähne. Aber da war niemand, und auch sein Instinkt konnte ihm keine Richtung geben. Linda und die anderen schrecken auf.
20.00 Uhr

„Guten Abend, hier ist die Tagesschau.
Heute gegen 15.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, wurde auf Senator Robert Kennedy ein Attentat verübt. Ein gewisser Sirhan Sirhan, schoss auf Senator Kennedy, der gerade das Hotel, in dem er eine Wahlkampfrede beendet hatte, durch den Küchenausgang verlassen wollte. Der Attentäter konnte überwältigt und festgenommen werden. Senator Kennedy erlag seinen schweren Verletzungen wenig später.“

21.52 Uhr


Tom ruft Linda, er hat starke Schmerzen. Sein gebrochenes Handgelenk wird erst am nächsten Tag behandelt.

Diese Stimme hat nie wieder zu Tom gesprochen. Die andere Stimme, die aus dem Wald, wurde seine ständige Begleiterin.
Den Hasen sollte er erst viele Jahre später wieder sehen.
Sein kleines Transistorradio war und blieb verschwunden
Pascha geht es gut

ENDE
© 2011 Larry Palmer


Tja, es passieren schön merkwürdige Dinge auf dieser Welt.
Und, es wird noch irrer.
In Tom und der Teufel begegnet Tom erneut dem Wesen dass ihm schon in dieser Geschichte nachstellte.
Der kleine Mann mit dem Engelsgesicht, in Frack und Zylinder, sitzt nachts an seinem Bett, und schaut ihn einfach nur an.
Tom beginnt zu verstehen, was es mit der Zahl 7 (Tom und die 7) auf sich hat.
Als sich diese Ziffer das erste Mal, in einem Traum bei ihm zeigte, wurde er von einem höheren Wesen (noch) davon abgehalten, durch ein golden leuchtendes Tor eine fremde Welt zu betreten.
Hinter diesem Tor lagen alle Antworten auf die Fragen die Tom hatte.
20 Jahre später gewährt das gleiche Wesen ihm Einlass in eine vollkommen andere, erschreckende Welt. Und endlich, Tom und seine mächtigen Freunde schlagen zurück, und weisen die fremdartigen Gestalten in ihre Schranken.
Pascha, seit über 15 Jahren tot, kommt zurück und schafft es, gemeinsam mit der Dalmatinerhündin Benita und dem Schäferhund Greif, das Tor in die Unterwelt für immer zu schließen.
Und auch die Raben haben einen wichtigen Auftrag:
Die Kurve der alten Kirchberger Straße, heute in Höhe des Pappelweges in der Tom auf seinem Fahrrad das Bewusstsein verlor, trägt ein Geheimnis. Dort verbirgt sich ein weiteres Tor zur Unterwelt...

Werte/r Leser/in: Die Tom-Geschichten schreibe ich nur weiter, wenn SIE es möchten! Bitte Info an mich wenn es weitergehen soll :-)




©2014 by Larry-Palmer. Jegliche Wiedergabe, Vervielfaeltigung oder sonstige Nutzung, ganz oder teilweise, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Autors unzulaessig und rechtswidrig.

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