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Yoga und andere Sorgen - Teil 1 - von Mondblume, 24.07.2014
Mia atmete ein letztes Mal tief ein und langsam wieder aus. „So, Schluss für heute!“ Alex, der Yogalehrer ermahnte seine Schäflein, wie er seine Kursteilnehmer immer liebevoll zu nennen pflegte, das nächste Mal doch ein bisschen konzentrierter an die Sache heran zu gehen. „Bla, bla...“, dachte Mia. Mein Gott, wie sie es hasste immer in diesen Yoga Kurs zu gehen. Aber ihre besorgte Mutter hatte ihr diesen Kurs zum Geburtstag geschenkt, mit dem Zweck, sie solle doch endlich ihre innere Mitte finden und etwas gelassener und ruhiger werden. Ha, als ob das möglich wäre, bei einer solchen Mutter, die sie ständig zur Weisglut brachte mit ihrer Besserwisserei.
Abgesehen davon hatte sie so schon genug Sorgen. Gerade erst letzte Woche hatte ihr Freund, nein Exfreund oder besser gesagt der Scheißkerl, der ihr mal gesagt hatte, dass er sie liebt, verlassen. Und wie in aller Herrgottsnamen sollte sie im Yogakurs ihre innere Mitte suchen geschweige denn finden, wenn sie immer an ihren Ex denken musste, der sie so mir nichts dir nichts sitzen lies und ihr noch als Andenken seinen albernen Hund hinterlassen hatte.

Mia wurde abrupt aus ihren Gedanken gerissen, als ihr Handy klingelte. „Hallo Schatz, Mama ist am Telefon. Ich wollte nachfragen, wie es dir mit dem Yoga Kurs geht?“ „Ach Mama, ich weiß nicht, irgendwie ist das nichts für mich, auch wenn du es gut gemeint hast, mit der inneren Ruhe und dem ganzen Quatsch.“ „Ach Kind, das ist doch kein Quatsch, du musst es nur ernster angehen, du wirst sehen es wird funktionieren.“ Gertrud war felsenfest davon überzeugt und dies verlieh ihrer Stimme diesen bestimmten Ton, auf den Mia immer allergisch reagierte. „Ja Mutter, und schon bald verdiene ich mein Geld damit, barfuss über heiße Kohlen zu laufen und mir Nadeln durch die Haut zu ziehen!“ mit diesen Worten hängte Mia auf.
Sie hatte jetzt wirklich keine Lust, sich auf eine Diskussion mit ihrer Mutter einzulassen. Nicht heute, wo doch extra ihre beste Freundin Betti zur allgemeinen Aufmunterung einen Frauenabend für sie beide geplant hatte, mit dem Motto: Die positiven Seiten des Singledarseins.

2

Als Betti ihre Lebensmittel ausräumte und in der Küche verstaute, bemerkte sie, dass sie die Tomatensauce vergessen hatte. Ausgerechnet heute, wo sie doch ihre beste Freundin Mia zu sich eingeladen hatte und ihr Spaghetti mit Tomatensauce machen wollte. Da Betti leider nicht im Geringsten irgendwas mit Jamie Oliver gemeinsam hatte versuchte sie erst gar nicht irgendeine andere Sauce selber zu machen. Wozu gab es denn auch Tomatensauce in der Dose, sicher nicht um selber eine zu machen. Sie würde wohl den Pizzaservice anrufen, denn auf den war bekanntlich immer Verlass.
Um aber zu zeigen, dass ihr ihre Freundin wichtig war, durchstöberte Betti ihre Küche, um etwas zu finden, woraus sie immerhin einen Nachtisch zaubern könnte. Gott sei Dank hatte sie noch ein paar Orangen zu Hause und sie entschloss sich ein leckeres Orangensorbet für ihre - an Herzschmerz leidende - Freundin zu machen.

Eine Stunde später klingelte es bereits an der Haustür und Betti öffnete einer ziemlich zerknautschten Mia die Türe. „ Um Himmels Willen, du siehst aber gar nicht gut aus!“ stellte Betti fest. „Vielen Dank für die Blumen“ erwiderte Mia sarkastisch und drängte sich an Betti vorbei in ihre Wohnung. „Welche Blumen? Also ich hab dir keine geschickt, sag bloß du hast schon wieder einen Verehrer!“ Betti war verblüfft. „Ach Gott Betti, vergiss es einfach.“ Mia war genervt und fragte sich, wie man diese Redewendung nicht kennen konnte. „Heute scheinen wir ja wieder bestens gelaunt zu sein, wie schon in den letzten zehn Tagen.“ „Es sind elf Tage Betti, vor genau elf Tagen hat Max mir den Laufpass gegeben.“ stellte Mia verbittert fest. „Oh, entschuldige Mia, vielleicht sollten wir einfach über was anderes reden, komm trink mal ein Glas Wein, du wirst sehen es geht dir gleich viel besser.“
Mia nahm das Glas entgegen und kippte es in einem Zug runter. Ja das tut gut, obwohl wenn man ihren Schmerz mit Wein hochrechnen würde, dann bräuchte sie schon ein ganzes Fass, um wieder gut gelaunt zu sein und am besten noch den ganzen Weinkeller dazu, als Vorrat für überraschende Tiefs.

Mia und Betti genossen die gelieferte Pizza, und sie versuchten krampfhaft über irgendwelche belanglosen Dinge zu quatschen, nur damit sich Mia nicht traurig und Betti sich nicht hilflos fühlen musste. Denn als Seelentröster war Betti nicht so geeignet und fand meistens nicht die richtigen Worte, um es harmlos auszudrücken.
Als Betti den Nachtisch servierte, merkte sie sofort an Mias Blick, dass irgendetwas nicht stimmte und auf einmal fiel es Betti wie Schuppen von den Augen. „O nein, Mia, du bist ja auf Vitamin C allergisch, das hatte ich total vergessen!“ „Nein, Betti, es sind Zitrusfrüchte, auf die ich allergisch bin, nicht Vitamin C, es ist nur zufällig sehr viel von dem Vitamin in diesen Früchten.“ Mia musste sogar ein wenig schmunzeln, dass ihre Freundin das immer zu verwechseln pflegte. „Wie auch immer, jedenfalls darfst du es nicht essen und deswegen würde ich vorschlagen wir gehen jetzt in den nächstbesten Club, um ein wenig abzutanzen!“ Nachdem die beiden schon recht angeheitert im Taxi Richtung Stadt fuhren, versuchte Mia krampfhaft nicht an Max zu denken und abzuschalten, um einfach den Abend mit Betti genießen zu können. Aber so sehr sie es versuchte, er kam ihr immer wieder in den Sinn.

Betti zog Mia an die Bar und bestellte zwei Tequilla. „Aber ohne Zitrone, meine Freundin ist auf Vitamin C allergisch!“ rief Betti dem Barkeeper nach und zwinkerte Mia zu. „War nur ein Scherz, ich hab es mittlerweile kapiert, mit den Vitaminen und den Früchten und so!“ Mia musste lachen und war froh, eine Freundin wie Betti zu haben und mit ihr nun in diesem Club zu sein, alle Sorgen zu vergessen und einfach zu feiern und zu tanzen.

Mia traute ihren Augen nicht, beinahe ließ sie ihr – bereits schon fünftes – Tequilla Glas fallen als sie das sah, was sie nie im Leben jemals sehen wollte. Sie begann zu zittern und ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken und nistete sich in ihrem Herzen ein wo er ewig zu verharren schien, bis sie wieder klar denken konnte. Max, er war da, hier in diesem Club, hier, wo sie, Mia, feiern und vergessen wollte. Und das schlimmste, er war nicht allein. O Gott, es soll mich einer kneifen oder besser noch mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf schlagen, damit ich merke, dass dies hier gar nicht wahr sein kann, dachte Mia und bemerkte gar nicht, dass sie ihre Gedanken laut aussprach. „Was ist los, Mia?“ lallte Betti schon recht angetrunken. „Er ist da, Betti! Max ist da und er – o Gott – er küsst diese, diese Schlampe von Rebecca.“ Rebecca war schon damals in der Schule das begehrteste Mädchen gewesen. Sie hatte Augen grüner als Smaragde und Wimpern länger als der Hals einer Giraffe. Obwohl sich das vielleicht ein bisschen übertrieben anhören mag. Und wie wenn das noch nicht genug gewesen wäre, hatte sie noch diesen Blick, diesen einzigartigen Blick, der alle Männer um den Verstand brachte. Das war gar nicht gut, überhaupt nicht, dachte Mia und verließ fluchtartig den Club.
Betti lief ihr hinterher und versuchte sie aufzuhalten, um sie zu beruhigen. „Mia, warte doch, vergiss diesen Idioten, der will Rebecca sicher nur ins Bett bringen, mehr nicht!“ „Mehr nicht??? Ha, als ob das nicht schon mehr als genug wäre!“ Mia war außer sich vor Wut und versuchte verzweifelt ein Taxi heranzuwinken, um endlich hier wegzukommen. Betti wusste nicht mehr, was sie sagen sollte, schon wieder hatte sie bestätigt bekommen, dass sie ein Feingefühl wie ein Elefant im Porzellanladen hatte. Eigentlich wollte sie doch nur helfen, es gab ihr einen Stich ins Herz ihre Freundin so traurig sehen zu müssen. Oder wütend, ja wütend beschrieb ihren augenblicklichen Gemütszustand deutlich besser. Als sie endlich im Taxi saßen, weinte Mia leise vor sich hin: „Wenn ich doch auch nur solch einen Augenaufschlag hätte, dann wäre er sicher bei mir geblieben oder Betti, ich hab doch Recht, nicht wahr?“ „Ach Schätzchen, du redest wirres Zeug, das ist der Alkohol, besser ein Herz als Gold, als solch wunderbare Augen!“ Betti wollte sich noch auf die Zunge beißen, doch die Worte waren schon gesagt und trafen - der ohnehin schon angeschlagenen - Mia wie ein Faustschlag. Mia heulte los und konnte sich kaum noch beruhigen, sie stammelte unzusammenhängendes Zeug von wegen ihre Mutter sei an allem Schuld, denn wenn die nicht so Schlupflider hätte, wären ihr diese nicht vererbt worden und Max wäre noch bei ihr und wo zum Henker eigentlich die positiven Seiten des Singledarseins zu finden wären. Betti, hielt sich zurück und sagte nichts mehr, obwohl sie sich ihren Teil dachte und sich vornahm am nächsten Morgen ihrer Freundin noch mal klar zu machen, dass es hier bestimmt nicht um Schlupflider und Augenaufschläge geht.


Herzhaft schleckte Bongo Mia über das Gesicht. Erschrocken fuhr sie hoch um gleich wieder in ihr Kissen zu sinken, denn ihr Kopf fühlte sich an als sei ein Traktor darüber gefahren. Gerade an solch verkaterten Morgen wünschte sie diesen Hund zum Teufel. Sie quälte sich aus dem Bett und tapste barfuss über den befliesten Wohnzimmerboden direkt zur Terrassentür, um den Hund in den Garten zu lassen. Eine kalte Brise wehte ihr ins Gesicht und sie fröstelte. Schnell ging sie zurück in die Küche um sich einen heißen Kaffee zu machen. Während Mia am Küchentisch saß und Bongo beim Herumtoben im Garten beobachtet, kam die Erinnerung von gestern Abend in ihr hoch und verursachte ein flaues Gefühl in ihrer Magengegend. Wie konnte ihr das Max nur antun. Immerhin hatten sie drei wunderbare Jahre miteinander verbracht. Da konnte man sich doch nicht von einer Woche auf die andere entlieben und dann noch mit einer anderen rummachen, nein nicht nur mit einer anderen, nein viel schlimmer, mit Rebecca. Schnell verdrängte sie das Bild von gestern Abend, als sie die beiden eng umschlungen auf der Tanzfläche gesehen hatte. Mia versuchte, an die schöne Zeit mit Max zurückzudenken.
Gerade noch vor einem Monat haben sie darüber gesprochen die Weihnachtsfeiertage eventuell in Paris zu verbringen. Max musste doch damals schon gewusst haben, dass er bald den Schlussstrich ziehen würde. So eine Entscheidung trifft man doch nicht von heute auf morgen. Krampfhaft versuchte Mia sich zu erinnern, ob ihr vielleicht damals schon irgendetwas Seltsames an Max’ Verhalten aufgefallen ist. Aber ihr fiel nichts ein, nicht das Geringste, daß sie stutzig gemacht hätte. Max war wie immer, liebevoll und witzig gewesen. Tränen füllten ihre Augen und kullerten über ihre Wangen.

Bongo kratzte an der Terrassentüre und wollte hereingelassen werden. Seufzend stand Mia auf und fragte sich warum Max den Hund nicht mitgenommen hatte. Er war doch derjenige gewesen, der ihn aufnahm, als er ihnen vor zwei Jahren im Sommerurlaub in Bibione zugelaufen war. Sie mochte Hunde nicht sonderlich, irgendwie hatte sie Angst, vor allem von so grossen Sorten wie Bongo es war. Sie wusste zwar nicht welcher Rasse er angehörte aber von der Grösse her konnte er schon fast als Kalb durchgehen. Und abgesehen von der Tatsache, dass sie eher der Katzentyp war, erinnerte Bongo sie immer an Max und das versetzte ihr jedes Mal einen Stich ins Herz.


Mia verbrachte den ganzen Tag schluchzend auf ihrem Sofa. Sie hatte den Fernseher zwar an, aber sie blickte nicht auf den teuren Flatscreen, den sie sich letzte Woche, zur Aufmunterung gekauft hatte.
Sie war mit den Gedanken ganz woanders. Sie ignorierte sogar die Anrufe von Betti, die schon zum dritten Mal versuchte, sie zu erreichen. Daß sie die Anrufe von ihrer Mutter ablehnte, war eher Standard und nicht ihrer mieslichen Lage zuzuschreiben. Als ihr Handy wiederum klingelte, wollte Mia schon, ohne genauer auf den Display zu sehen, den Anruf ablehnen, als ihr auf einmal ganz heiß wurde und ihr Puls zu rasen begann. O Gott, dachte sie, es ist Max. Sie überlegte solange, ob sie abnehmen sollte oder nicht, dass es schon zu spät war, als sie sich für die Variante entschied, abzuheben und ihm ihre Meinung zu sagen. Sie wusste nicht, was sie machen sollte.
Sollte sie ihn zurückrufen, nein das war keine gute Idee, so würde sie ihm nur das Gefühl vermitteln, dass sie ihn unbedingt zurückhaben will. Obwohl sie sich eingestehen musste, dass das genau das war, was sie wirklich wollte. Aber er durfte das nicht merken, weil er sonst denken könnte, dass er machen kann was er will, denn er könnte sie sowieso jederzeit wieder zurückhaben. Obwohl genau das tat er auch, er tat sowieso was er will. Verdammt, dachte sie, das ist eine verzwickte Sache.
Und weil sie sowieso als Verlierer hervorgehen würde, entschied sie sich, ihn zurückzurufen und so cool und desinteressiert als möglich zu wirken. Vielleicht würde ihm das zu denken geben, und er würde meinen, ihr mache die Trennung nichts aus und - ja was, was und...? Angenommen er denkt wirklich, ihr macht diese Situation, in der sie ständig heulen könnte, nichts aus, dann würde er vielleicht denken, sie hat die Trennung überwunden und er brauche kein schlechtes Gewissen mehr haben und die Sache sei erledigt. Aus, vorbei für immer. Denn sie hat ja den Schein erweckt, sie sei die Starke, die froh ist, ihn los zu sein. Warum musste das nur so kompliziert sein.
Und als sie kurz vor einem erneuten Heulkrampf stand, klingelte das Handy und sie hob ohne auch nur zu Überlegen ab: "Hallo?" "Hi Mia, ich bins, Max." "Hallo" ihr Herz klopfte bis zum Hals und ihre Hände waren patschnass vor lauter Nervosität. "Ja hallo, ich wollte wissen, ähm, wie geht’s Bongo?" "Dem geht’s gut." Sie blickte intuitiv zu ihm hinüber, wie er neben ihr auf der Couch lag und vor sich hin döste. Er wollte doch nicht wirklich wissen, wie es dem verdammten Hund geht, dachte sie und hackte nach: "Max, du rufst doch nicht wirklich wegen dem Hund an, oder etwa doch?" Max druckste herum, er wusste wirklich nicht, wie er ihr erklären sollte, dass er für eine längere Zeit ins Ausland gehen will. "Hör zu Mia, es ist folgendermassen. Ich wollte mich zuerst dafür entschuldigen, dass ich mich so bescheuert verhalten habe, als ich letzte Woche einfach so ohne Erklärung abgehauen bin."
Entschuldigung abgelehnt, dachte Mia, gerade in diesem Moment hätte sie ihm so gerne tausend schreckliche Sachen an den Kopf geworfen, aber sie riss sich zusammen und lies ihn weiter sprechen. Es fiel ihr sehr schwer, sie strich sich immer wieder ihre langen braunen Haare hinter die Ohren, eine Angewohnheit, die sie schon von Kindstagen an hatte und ihr das Gefühl gab, sich so besser beruhigen zu können. „Aber ich habe hierfür eine Erklärung, es ist so Mia. Ich habe vor für längere Zeit ins Ausland zu gehen.“ So, nun war es raus, dachte Max erleichtert. Mia war total baff, sie hatte mit allen gerechnet, aber nicht, dass er weg will, ins Ausland, das hört sich so weit, weit weg an, weg von ihr, aber auch – mhm - weg von Rebecca. Sie brachte kein Wort heraus. Viel zu sehr schwirrte ihr der Kopf. „Mia, sag doch was! Ich weiß, dass es für dich total überraschend kommt, aber ich hab es mir wirklich gründlich überlegt und bin überzeugt, dass ich diesen Schritt wagen werde.“ „Es ist also nicht wegen Rebecca?“ Mia war so durcheinander, dass sie gar nicht realisierte, was sie da eigentlich sagte. „Rebecca, wieso Rebecca, Mia das versteh ich jetzt nicht.“ „Aha, du verstehst das also nicht,“ nun sprudelte alles aus ihr heraus, alles was sie gestern gesehen, gefühlt und gedacht hatte. Max versuchte mehrmals sie zu unterbrechen um sie zu beruhigen.
Als es ihm endlich gelang, suchte er krampfhaft nach passenden Worten um sein Verhalten einerseits zu entschuldigen, aber auch zu verteidigen. Dies gelang ihm jedoch mehr schlecht als recht, denn Mia war zu enttäuscht und verletzt um ihm im Moment nur das geringste zu glauben, was er von sich gab.

„Nach Argentinien, was will er denn dort?“ Betti nahm noch einen gehäuften Löffel von Ihrem Vanilleeis und schüttelte verwirrt den Kopf.
Nachdem Mia endlich mal einen von Bettis unzähligen Anrufen angenommen hatte und sie überzeugen konnte, dass es auch noch was anderes gab, ausser zu arbeiten und zu heulen, sassen sie nun hier in ihrem Lieblingscafe mitten in der Stadt. Draussen hat es bereits zu schneien begonnen. Normalerweise liebte Mia diese Jahreszeit. Max und sie hatten mit Bongo immer lange Spaziergänge im Schnee gemacht, herumgetollt und gelacht. Und wie sehr hatte sie es immer genossen, danach zu Hause in Decken gehüllt vor dem Kaminfeuer zu liegen, gekuschelt an den Mann, der ihr immer ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
Doch dieses Jahr spürte sie von dieser winterlich-romantischen Stimmung nichts, eher von Kälte und eisiger Stimmung, die ihr Herz einfrieren lies. Zwei Wochen waren seit dem Anruf von Max vergangen, und erst heute war sie in der Lage ihrer besten Freundin davon zu erzählen. „Er will dort oder besser gesagt er wird dort eine Sprachschule besuchen, und nebenbei in einer Bar jobben. Wenn ich nur daran denk, wird mir schon schlecht. Stell dir Max einmal hinter einer Bar vor. Die ganzen Mädchen werden ihn anhimmeln und er wird das sicher ausnützen und alle nacheinander abschleppen! Ahh, ich könnte schreien!“ „Beruhig dich doch, Mia. So schlimm wird es schon nicht kommen, und wenn doch, bist du ja nicht dabei und bekommst es nicht mit. Und außerdem seid ihr ja nicht mehr zusammen.“ „Danke Betti, dass Du mich immer so aufmunterst,“ bemerkte Mia sarkastisch und bestellte sich noch einen Martini. „Das Problem ist nämlich, dass ich ihn immer noch liebe und der Gedanke, dass er mit anderen Frauen rummacht, tut mir weh, egal ob ich noch mit ihm zusammen bin oder nicht.“ „Ähm, ja da hast du wohl recht, tut mir leid. Aber nun zurück zum eigentlichen Thema. Wie lang will er dort denn bleiben und warum will er dort auf einmal so plötzlich hin und wieso konnte er das mit dir nicht davor besprechen, vielleicht hättet ihr ja zusammen dorthin können oder es wäre okay für dich gewesen und ihr wärt jetzt immer noch zusammen?“ „Kannst du mir die Fragen auf die Serviette aufschreiben? Das war gerade zuviel auf einmal. Ha, ich bin sogar wieder zum Scherzen aufgelegt, was sagst du denn dazu?“ verbittert nippte Mia an ihrem Martini. Irgendwie war ihr überhaupt nicht zum Reden zumute. Alles was sie wollte, war zu vergessen, vergessen was passiert war und neu zu beginnen. Keinen Gedanken mehr an Max zu verschwenden und wieder richtig ins Leben eintauchen und Spaß haben. Ihre Mutter würde jetzt wieder sagen, Kind das ist nur Verdrängung, das löst deine Probleme nicht im Geringsten. Da ihre Mutter aber nicht da war, konnte sie auch nichts sagen und Mia musste ihr auch nicht gehorchen, was sie eigentlich sowieso so gut wie nie tat und deshalb fand sie ihre Idee der Verdrängung gar nicht mal so schlecht. „Mia, hallo, hörst du mir überhaupt zu?“ Mia war so in ihre Gedanken versunken, dass sie gar nicht bemerkte, dass Betti vor ihrer Nase mit einer Serviette rumfuchtelte. „Hier ich hab’s notiert, verzeih, wenn ich nur Stichwörter verwendet habe.“ Mia schüttelte es vor lauter Lachen, auch wenn Betti nicht immer die richtigen Worte im richtigen Moment fand, war sie doch die beste Freundin, die man sich wünschen konnte. „Na dann Betti, werde ich mir eine Frage nach der anderen mal ansehen und dir Bericht erstatten.“
Mia erzählte Betti alles bis ins kleinste Detail. Auch dass Max sich dieses Vorhaben ganz genau überlegt hatte und auch fest entschlossen war, dies alleine durchzuziehen. Die Wahrheit darüber, warum er so abrupt ausgezogen war, verschleierte Mia ein wenig. Max Version war es wohl, dass er ein Telefonat von der Sprachschule in Argentinien erhalten hatte und die ihm mitteilten, dass spontan jemand abgesprungen sei und er, wenn er wolle, anstatt im März schon im Januar kommen könnte. Mia hörte hier aber nur Feigheit heraus und nahm ihm das nicht ab. Betti bekam deshalb auch nur Mias Version zu hören. Wie das genau mit Rebecca abgelaufen ist, hat sie Betti nicht erzählt, das musste sie zuerst noch verdauen, bevor sie darüber reden konnte. Wird wohl nächstes Jahr werden.

3

„Mia, hilf mir doch mit dem Weihnachtsbaum!“ Herbert hatte sichtlich Mühe den Tannenbaum alleine in den aus Gusseisen angefertigten Ständer zu hieven. „Sofort, Papa, ich will nur noch schnell den Absatz fertig lesen!“ Mia genoss ihre wohlverdienten Weihnachtsferien und hatte sogar beschlossen die Feiertage bei ihren Eltern zu verbringen. Sie las schon den ganzen Vormittag an einem Buch, dass ihr ihr Bruder Daniel gegeben hatte.
Daniel arbeitete zurzeit als Aushilfe in einer Bücherei und konnte so immer gratis Bücher mit nach Hause nehmen. Mia hätte es natürlich gewundert, wenn er ihr wirklich eins geschenkt hätte. Ihr Bruder war nämlich immer knapp bei Kasse. Er hatte gerade letztes Jahr sein Genetik-Studium abgebrochen und hielt sich nun mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Er wohnte noch immer zu Hause und ließ sich mehr oder weniger von seinen Eltern durchfüttern. Da es diese aber nicht störte hatte er auch nicht vor, diese Situation zu ändern. Er brauchte nämlich Zeit, viel Zeit, wie er behauptet, um herauszufinden, was er einmal aus seinem Leben machen will. Mia klappte das Buch zu und kam ihren Vater zu Hilfe, der schon aufstöhnte, da sein Bandscheibenvorfall ihn mal wieder zu schaffen machte.
„Weißt du Papa, irgendwie freue ich mich dieses Jahr richtig auf Weihnachten, das Essen, die Geschenke, einfach das Zusammensein mit der ganzen Familie!“ Gertrud kam gerade mit frisch gebackenen Keksen aus der Küche und der nach Vanille und Zimt riechende Duft erfüllte den Raum. Sie stellte das Teller, welches wirklich überhäuft war mit den verschiedensten Varianten von Weihnachtsgebäck auf den großen Mahagonitisch, welcher in der Mitte des weihnachtlich geschmückten Wohnzimmers stand. „Also Mia, ich glaube ich habe mich grad verhört, dieser Satz kam doch nicht aus deinem Mund oder?“ Gertrud musste schmunzeln, denn sie liebte es, ihre Tochter ein wenig zu necken. Mia grinste und steuerte geradewegs auf die duftenden Kekse zu und schnappte sich gleich zwei auf einmal und hauchte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange. „Nein Mama,“ schmatzte Mia mit vollen Mund „diesmal habe ich es wirklich so gemeint.“ Ihre Mutter war froh, dass es Mia wieder besser ging, in den letzten Wochen hatte sie sich nämlich sehr viele Sorgen um ihre Tochter gemacht, denn Mia hatte auf keine ihrer Anrufe reagiert. Obwohl das eigentlich meistens der Fall war, hatte zumindest Mia ab und zu mal zurückgerufen, aber nicht mal das ist eingetroffen. Nun aber scheint ja wieder alles in Ordnung zu sein und auch sie freute sich schon auf den gemeinsamen Abend mit der ganzen Familie.

Die Weihnachtsfeiertage vergingen wie im Flug und ehe Mia sich versah, saß sie schon wieder am Schreibtisch bei ihrer Arbeit und starrte in den Bildschirm. Mia arbeitete nun seit gut drei Jahren bei „Gunter’s Printing Store“, einer Druckerei, welche sich auf Siebdruck spezialisiert hat.

Mia hatte mal in einem Zeitungsbericht gelesen, dass es neben dem Burnout-Syndrom auch das Boreout-Syndrom gibt. Dies wäre dann das so genannte Gegenteil zum sich völlig verausgaben, also sich völlig zu langweilen. Mia hatte sich diesen Artikel sogar ausgeschnitten und in ihrer Schublade aufbewahrt. Sie nahm ihn hervor und überflog ihn schon zum hundertsten Mal: „Eine paradoxe Verhaltensstrategie des Boreout ist, Geschäftigkeit zu simulieren, um ausgelastet zu wirken. Ein Teufelskreis. Wer einen Boreout hat, ist unzufrieden, aber so in der Situation festgefahren, dass er keine Lust hat, den Zustand zu ändern. Also schützt er sich mit Scheinarbeit gar vor «noch mehr» Arbeit. Computer sind auch so eingerichtet, dass bei Chef-naht-Gefahr sofort Arbeitsdokumente auf dem Bildschirm aufploppen.“ Dass automatisch Arbeitsdokumente aufploppen hat Mia noch nicht so in den Griff gekriegt, aber immerhin konnte sie schon sehr gut so tun, als sei sie sehr beschäftigt. Vielleicht sollte sie einen Arzt aufsuchen.

„Mia“, brüllte ihr Boss, „kannst Du mir bitte noch eine Tasse Kaffe bringen.“ Ha, dachte Mia, dass war dann wohl der aufregenste Auftrag, den sie für heute erhalten hatte. „Klar Chef“. Mia ging in die kleine Cafeteria, welche sich direkt neben den lauten Druckmaschinen befand. Dort saßen auch schon ein paar ihrer Arbeitskollegen rum und schienen sich mal wieder eine Extrapause zu gönnen. Als sie den Kaffee ihren Chef gebracht hatte, fragte sie, ob es denn möglich sei heute schon eine Stunde früher heim zu gehen. Mark, ihr Chef, hielt es nicht mal für nötig, nachzufragen, warum und meinte einfach, dies sei kein Problem, solange sie dann morgen einfach eine Stunde länger bleiben würde. Für Mia wäre das früher natürlich kein Problem gewesen sieben oder neun Stunden so zu tun als ob sie arbeiten würde. Aber als sie vorher wieder ihre demotivierten Arbeitskollegen in der Cafeteria sah bzw. sich selbst, wie sie absolut null Bock hatte überhaupt irgendwas zu tun, musste sie feststellen, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Mia nahm sich vor ihr Leben von Grund auf zu ändern. Bevor sie aber mit dem begann, musste sie heute gleich nach der Arbeit noch shoppen gehen, denn mit neuen Klamotten fällt das sich ändern doch gleich viel leichter. Denn rein optisch wäre das dann nämlich schon mal erledigt.

Als Mia ihre vier Einkaufstaschen in ihren Peugeot 206 verstaut hatte, kam ihr in den Sinn, dass sie Betti am Wochenende zum Brunch eingeladen hatte. Das war ja eigentlich schön und gut und überhaupt kein Problem, denn beim Brunch muss man ja nicht mal kochen können. Kochen war nicht gerade Mia’s Stärke. Doch Betti möchte Mia gerne ihre neue Männerbekanntschaft vorstellen und diese würde sie dann zum Brunch mitnehmen, was wiederum eigentlich auch kein Problem wäre. Aber irgendwie wollte Mia einfach keine Männer mehr in ihrer Wohnung sehen, nicht mal welche, mit denen sie nur indirekt was zu tun hatte.
Obwohl, wenn sie so überlegte war ja Bongo auch ein männliches Wesen, obwohl nein, stimmt ja gar nicht, der wurde ja grad vor einem halben Jahr kastriert, was sein Leben sicher um einiges einfacher gemacht hatte.
Mia’s Handy läutete und Betti war am Telefon: „Hi Süsse, na wie gehts, wie stehts? Ich sag Dir, ich schweb’ auf Wolke Sieben, hat er mich nicht heute zu sich zum Essen eingeladen, ich bin schon so gespannt, was meinst du, ich sag doch ja, wenn er heute will oder?“ „Was will?“ Mia war noch immer mit dem Gedanken beschäftigt, wie es sich wohl anfühlen musste ein kastrierter Hund zu sein. „Mia, bitte, stell dich nicht blöd.“ „Ach, du meinst, wenn er dich küssen will“, Mia musste lachen, sie liebte es, sich gegenüber Betti begriffsstutzig zu stellen. „Ha, ha. Egal, was du dazu sagst, ich hab auf jeden Fall voll Lust auf ihn, kannst Du Dir das vorstellen, ich mein ich kenn ihn ja jetzt schon seit zwei Wochen und wir waren schon drei Mal zusammen aus, also lieg ich doch gut im Durchschnitt wenn ich mit ihm heute in die Kiste springe oder vielleicht sogar auf den Küchentisch!“ Mia merkte sofort, dass Betti total verknallt sein musste, denn dann wurde sie, wie sollte sie am Besten sagen, ja sie wurde so direkt in ihren Aussagen.
Betti schwärmte ihr noch eine gute viertel Stunde von Mike vor und Mia musste unwillkürlich an Max denken. Was er wohl jetzt gerade machen würde. Er hatte sich seit dem Telefonat im November, als dieser Vorfall mit Rebecca war, nicht mehr gemeldet, nicht mal zu Weihnachten oder seitdem er nun in Buenos Aires war. Ihr Herz wurde schwer und Betti bemerkte gleich am Ton ihrer Stimme, dass was nicht gut war. „Mia, entschuldige, ich wusste doch nicht, es ist wegen Max, hab ich recht? Es tut mir leid, ich sollte nicht so egoistisch von Mike erzählen, wo Du doch immer noch an der Trennung leidest.“ „Ist schon gut, Betti, ich freu mich doch für Dich, nur weil ich jetzt Single bin, heisst das doch lange noch nicht, dass Du das solidarischerweise nun auch bleiben musst.“ „Ich weiß, meine Kleine, weisst Du was, lass uns doch am Freitag Abend zum Mexikaner fettige Burrittos essen gehen, das tut der Seele doch immer gut. Danach noch ein, zwei Caiphirinias und alles ist wieder vergessen.“ Mia war begeistert von der Idee, essen tat doch immer gut und die Gesellschaft ihrer Freundin sowieso.

Zu Hause probierte Mia ihre Sachen an und war ganz überrascht, dass alles perfekt passte. Sie war nämlich nicht so der Typ der sich ewig lang im Kaufhaus an der Schlange zu den Umkleidekabinen anzustellen dachte. Sie las noch ein paar Seiten in ihrem Buch. Es war noch immer dasselbe, das sie von ihrem Bruder bekommen hatte. Mia las zwar relativ oft, aber irgendwie kam sie nie richtig vorwärts. Sie musste oft Absätze und ab und zu sogar ganze Seiten zweimal lesen, da ihre Gedanken in die Ferne schweiften, genauer gesagt ab und zu nach Argentinien, naja meistens bis eigentlich immer. Wie auch in diesem Moment. Sie schloss das Buch abrupt und schleuderte es in die Ecke. Beinahe hätte sie Bongo erwischt, der sie nun ganz verschlafen anschaute, da er durch den Aufprall des Buches an der Wand erschreckt wurde. „So, Bongo, jetzt ist Schluss. Ab morgen beginnt ein neues Leben, keine traurige, sich selbstbemitleidende Mia mehr, sondern, eine starke, selbstbewusste Frau voller Tatendrang und Hoffnung auf neues Glück.“ Bongo legte den Kopf wieder auf seine Vorderpfoten und döste wieder vor sich hin, so als ob er sagen wolle, daß nicht mal er ihr das abkaufen würde. „Du glaubst mir also nicht“, stellte Mia verblüfft fest und wuschelte ihm durch sein dickes Winterfell. „Da hast Du Dich aber getäuscht mein Junge“. Ihr fiel auch wieder ein, dass sie sich das heute während der Arbeit eigentlich schon vorgenommen hatte, darum hatte sie sich ja auch die neuen Klamotten gekauft. Wie konnte sie das so schnell schon wieder vergessen haben. Naja, war ja jetzt auch egal. Mia schnappte sich Block und Stift und warf sich auf ihr Bett. Sie begann zu schreiben:

10 Regeln, um ein neuer Mensch zu werden:

Sie hatte die Zeilen schon mal durchnummeriert, wusste aber nicht so wirklich was sie schreiben sollte. Warum eigentlich 10 Regeln, dachte sie sich und strich die 10 durch und ersetzte sie durch 5. Fünf Regeln klangen doch schon besser und sie musste sich nicht mehr so viel überlegen. Als sie nach einer halben Stunde noch immer nicht wusste was sie schreiben sollte, kam sie zu dem Entschluss, dass sie vielleicht sogar zufrieden war mit der Art Mensch, der sie war. Obwohl, wenn sie ganz ehrlich zu sich war, wusste sie schon ein paar Punkte, die sie ändern wollte, nur war sie zu feige diese aufzuschreiben. Denn sobald diese zu Papier gebracht waren, musste sie sich auch daran halten. So waren die Regeln. Mia fasste aber ihre ganze Willenskraft zusammen und schrieb auf:

1. Friseurbesuch
2. Jeden Morgen joggen gehen
3. Wieder mal zum Yoga
4. Gesünder essen
5. Weniger Alkohol
6. Sich einen neuen Job suchen

Cool, dachte sie sich, jetzt waren es sogar sechs Punkte geworden. Sie las ihre Liste noch mal durch und dachte daran, dass sie erst zweimal beim Yogakurs war und das war schon wieder ewig her. Gott sei Dank hatte ihre Mutter nie nachgefragt. Obwohl, wenn sie jetzt wieder hinging, könnte sie davon erzählen, dann würde ihre Mutter meinen, sie hätte ein neues Abonnement gelöst und sogar Spass daran gefunden. Ja das war eine gute Idee. So schlug sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Friseurbesuch war ein leichtes. Mia hatte braunes langes Jahr und wollte schon seit längerem was daran ändern, vielleicht blonde Strähnen oder einen Pony, oder vielleicht sogar beides. Mal sehen. Wenn sie ganz ehrlich war, grauste ihr schon vor dem Gedanken, jeden morgen joggen zu gehen, vor allem weil dies ja schon morgen beginnen würde. Aber sie hatte es wieder dringend nötig, etwas Sport zu treiben, sie hatte über Weihnachten ziemlich zugelangt und hatte einige Kilos zuviel auf den Hüften. Nichtsdestotrotz strich sie den Punkt und ersetzte ihn durch Sport treiben. Dies war ein allgemeiner Punkt und sie musste sich ausserdem nicht zwingend jeden Tag daran halten. Diese Vorstellung gefiel ihr schon viel besser. Ausserdem konnte sie sich die Sportarten aussuchen.
Mia überlegte, ob Gassi gehen auch unter die Kategorie Sport fällt. Als ihre Augen nochmals über die Liste huschten, fiel ihr aber ein, dass sie ja wieder zum Yoga gehen will und dass ja eigentlich Sport ist. So würde dieser Punkt den Punkt bezüglich Sport treiben eigentlich ersetzen. Somit strich sie den zweiten Punkt gänzlich. So hatte sie zwar nur mehr fünf Punkte, aber dies war ja eigentlich so vorgesehen gewesen.
Mia’s Stärke war es schon als Kind gewesen, Dinge schönzureden und so zu drehen, dass sie einen Vorteil daraus ziehen konnte. Auch diesmal gelang es ihr wunderbar und sie hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen, dass sie ausser Yoga und Gassi gehen nicht wirklich viel Sport treiben wird. Zufrieden knipste sie das Licht ihrer Nachttischlampe aus und legte sich schlafen. Noch vor dem Einschlafen ging ihr der Punkt mit dem neuen Job durch den Kopf, doch den verwarf sie gleich wieder. Diese Liste heisst ja nicht, dass sie zwingend gleich alles sofort erledigen musste. Sie hatte doch die Zeit der Welt. Wer verändert sich denn schon von heute auf morgen, dachte sie und knipste die Nachttischlampe wieder an. Sie holte den Stift und den Block nochmals hervor und schrieb neben die Überschrift, gültig ab Samstag, 6. Januar 2005. Ihr war nämlich gerade in den Sinn gekommen, dass sie für Freitag ja noch mit Betti zum Essen abgemacht hatte und dies würde im Widerspruch zu den zwei Punkten mit gesünder essen und weniger Alkohol stehen. Nun war aber alles geklärt und sie konnte zufrieden einschlafen.


4

Betti schaute auf die Uhr, es war bereits 20:15, schon wieder hatte sich Mia verspätet, das war so typisch für sie. Um die Wartezeit zu verkürzen bestellte sie schon mal einen Mojito. Eigentlich hatten die beiden ja bereits um 20:00 Uhr im „Piranhias“ abgemacht. Sie würde einfach in Zukunft eine halbe Stunde früher abmachen und dann selbst eine halbe Stunde zu spät kommen. Vielleicht würde sie dann nicht mehr so viel Zeit in ihrem Leben mit Warten verbringen. Sie fand nämlich, dass das verschwendete Zeit war, obwohl es eigentlich nur Zeit war, die man alleine verbrachte oder mit einem Mojito, den man eigentlich gar nicht trinken wollte, oder mit einer Zigarette oder zwei, auf die man eigentlich gar keine Lust hatte. Dennoch hatte es ab und zu sogar gute Seiten zu warten, man könnte zum Beispiel den Mann fürs Leben treffen. Wenn man nämlich gerade in diesen Moment nicht alleine dagesessen oder gestanden hätte und gewartet hätte, sondern schon weg gewesen wäre oder die Person, mit der man abgemacht hatte, pünktlich gewesen wäre und sich mit dieser köstlich amüsierte und sozusagen abgelenkt war, konnte doch gerade zu dieser Zeit vielleicht der Traummann an einem vorbei gehen und man ist so mit anderen Sachen beschäftigt, dass man ihn gar nicht bemerken würde. Beim Warten jedoch, ist man nicht ablenkt, höchstens genervt. So hat man alle Sinne frei um auf Durchzug zu schalten und konnte so eventuelle Flirtsignale gut empfangen.
Bei Mike hat dies nämlich zugetroffen. Aber sie durfte nun nicht zuviel an Mike denken, denn immer wenn sie an ihn dachte, bekam sie dieses warme Gefühl im Bauch und sie war unfähig noch etwas Festes zu sich zu nehmen. Immer wenn sie frisch verliebt war, konnte sie sich wirklich vorstellen nur mehr von Luft und Liebe zu leben. Sie könnte wirklich auf das Essen verzichten. Wenn sie jedoch Liebeskummer hatte, schaufelte sie wie ein Bagger alles in sich hinein, das irgendwie essbar aussah. So hatte sie sich mal vor 5 Jahren, als ihre erste grosse Liebe sie verlassen hatte, sogar mal die überbackenen Heuschrecken, beim Chinesen um die Ecke, probiert.

Als Mia endlich eingetroffen war und beide Burritas mit Chicken verdrückt hatten und sich gerade den zweiten Caipirinha gönnten, brannte es schon auf Bettis Zuge, alles über ihren neuen Lover zu erzählen. „Na dann, schiess mal los, und ich will alle Einzelheiten hören, wie sieht er denn eigentlich aus, hast du denn ein Foto von ihm dabei?“ „Nein, leider hab ich keins, aber du wirst ihn morgen vormittag beim Brunch ja kennenlernen.“ „Na dann werde ich mir ja gleich ein Bild von ihm machen können. Aber bevor du zu erzählen beginnst, ist es vielleicht besser, doch nicht zu sehr ins Detail zu gehen.“ Mia hatte ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen und irgendwie nicht so Lust, sich morgen beim Brunch vorstellen zu müssen, wie Mike – vor Lust grunzend – an Betti rumfummelt. Aber sie musste wohl, denn Betti hatte schon begonnen und war schneller als gedacht schon beim geschichtlichen Höhepunkt angelangt und Mia musste unweigerlich loskichern. „Was ist denn so lustig, ich fand das echt romantisch.“ „Jetzt bin ich auf den Kerl aber wirklich gespannt.“

Auf den nach Hauseweg musste Mia daran denken, dass es vielleicht doch wirklich romantisch und liebenswert war, wenn jemand einem nach dem Sex noch aus einem Buch vorlas. Für Max war es schon romantisch gewesen, wenn er nicht sofort nach dem Sex einschlief sondern davor noch kurz „gute Nacht“ murmelte. Auf einmal fand sie es gar nicht mehr so lustig, wie noch gerade vorhin im Restaurant.

Mia wendete gerade die Pfannkuchen als sie einen schwarzen BMW ihre Auffahrt herauf fahren sah. Das mussten die beiden Frischverliebten sein. Sie nahm die Pfanne vom Herd und ging schon mal an die Türe. Sie versuchte so oft wie möglich zu vermeiden, dass jemand an der Türe klingelte, da dann Bongo immer ganz aus dem Häuschen war und minutenlang nicht aufhörte zu kläffen. Betti kam schon immer ohne klingeln einfach rein, aber das Risiko, dass Betti’s neuer Lover klingelte, wollte sie nicht eingehen. Sie begrüssten sich herzlich und Mia bat sie in die warme Wohnung. Rein optisch gesehen, passten die beiden nicht sonderlich zusammen. Betti hatte lange schwarze Locken und ebenso schwarze feurige Augen, war mittelgross und eher üppig gebaut. Mike hingegen war sehr schmächtig und hatte ganz hellblonde Haare, welche wie elektrisiert von seinem Kopf standen. Sie bewegten sind ständig ein wenig hin und her, als wären sie elektrisch aufgeladen. Sein Gesicht und sogar die Lippen waren übersät von Sommersprossen. Und er war sehr gesprächig, eigentlich redete er die ganze Zeit, was im Grunde Betti ja auch gerne tat.
So lehnte sich Mia zurück und hörte den beiden geduldig zu, so konnte sie zumindest sein Gesicht besser studieren. Das war eine schlechte Eigenschaft von Mia. Sie liebte es Gesichter und überhaupt Menschen lange anzuschauen. Manchmal bemerkte sie gar nicht, dass dies die Betroffenen merkten und sie komisch musterten. Es spielte keine Rolle, ob diese Personen den gängigen Schönheitsidealen entsprachen oder nicht.
Sie war gerade dabei die feinen weissen Härchen auf seinen linken Ohrläppchen genauer zu betrachten, als Betti sie anstiess. „Hörst du mir denn überhaupt zu? Jetzt sag schon, du kommst doch mit oder? Das wäre doch eine tolle Ablenkung und du könntest mal wieder auf andere Gedanken kommen. Das würde bestimmt Spass machen und Du hast ja sowieso noch so viel Urlaub übrig.“ Mia konnte und wollte sich nun wirklich nicht einen Skiurlaub mit zwei Frischverliebten vorstellen, zumindest nicht einen, wo sie als drittes Rad mit von der Partie war. „Betti, ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das nicht so in den Kram passt, ich wollte eigentlich mein Leben neu sortieren und irgendwie wieder mal einen normalen Ablauf in den Tag kriegen. Da ich im Moment recht motiviert bin, will ich die Zeit eigentlich nutzen und mein Programm, dass ich mir vorgenommen habe, durchziehen und eventuell die Ferien dazu nutzen, mir den Arbeitsmarkt genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich brauch dringend eine neue, interessantere Aufgabe in meinen Leben und das so schnell wie möglich. Ich hoffe du verstehst das.“ „Klar verstehe ich das, nur irgendwie schade.“

Betti und Mike verbrachten den restlichen Vormittag damit, sich ständig neue Kosenamen auszudenken und sich liebevoll die Oberschenkel zu tätscheln. Mia war mit den Gedanken ganz woanders. Leider mal wieder in einem Land, wo sie nicht sein sollten. Leise summte sie das Lied „Don’t cry for me Argentina“ und erschrak selber über ihre Sensibilität.
Aus, Schluss, sie bugsierte die zwei Turteltauben liebeswürdig nach draussen, schnappte sich die erstbesten Turnschuhe, die sie fand und ging Joggen. Gerade als sie um den ersten Block herum war und sie keiner mehr sehen konnte, machte sie halt und hielt sich die Brust. Sie kratzte sich am Kinn und wunderte sich auf welch seltsame Ideen sie immer kommt, wenn sie sich in einer - von ihr selbst definierten - aussichtslosen Situation befand. Wie kam sie denn nur auf Joggen. Sie blickte auf ihre Schuhe, erst nach dem zweiten Hinsehen fiel ihr das Preisschild auf, das immer noch dran baumelte. Sie atmete schwer, obwohl sie nicht mal 500 m gelaufen ist. Die kalte Luft schmerzte in ihren Lungen und sie hatte Seitenstechen. Sie verstand nicht, wie andere Leute Joggen als befreiend ansehen können. Wie kann man sich frei fühlen, wenn alles sticht und schmerzt. Sie betrachtete ihre Turnschuhe, sie konnte sich gar nicht mehr erinnern, sich diese jemals gekauft zu haben. Schade eigentlich, die würden auf jeden Fall nicht sehr oft Verwendung finden, zumindest nicht zum Joggen. Sie machte am Absatz kehrt und ging nach Hause. Sie holte ihre Aufgabenliste hervor und wollte den Punkt „jeden Morgen Joggen gehen“ streichen, wobei ihr auffiel, dass sie diesen Punkt ja durch „Sport treiben“ und danach durch „Wieder mal zum Yoga“ ersetzt hatte. Mia sank erleichtert auf die Couch, und war stolz darüber, dass sie sich nicht zuviel aufgebürgt hatte. Man musste doch nicht übertreiben. Mit einem Schmunzeln musste sie dann auch noch feststellen, dass ihre Joggingschuhe auch schon den Besitzer gewechselt hatten. Bongo nagte mit Genuss darauf herum.

5

Mia ging schon zum dritten Mal in nur einer Stunde auf die Toilette, ihr war kotzübel. Sie sah auf die Uhr, noch fünf Minuten. Der Warteraum schien sie zu erdrücken. Sie hasste nichts mehr als Vorstellungsgespräche. Aber es war an der Zeit, immerhin hatte sie nun über ein Monat damit verbracht zu Hause auf der Couch die Stellenanzeigen durchzugehen. Ohne Erfolg. Nun machte sie aber Nägel mit Köpfen, versuchte es zumindest. Eine durchtrainierte, topgestylte Lady im Trainingsanzug kam zur Tür herein und bat sie, mitzukommen. Sie gingen quer durch das Fitnessstudio um ganz am Ende in einem lichtdurchfluteten Raum Platz zu nehmen. In der Mitte stand ein gläserner Tisch mit zwei Designerstühlen, welche vis a vis von einander standen. Die Lady bat sie, sich hinzusetzen und sie selbst nahm gegenüber Platz. „Frau Miller, sie interessieren sich also für die Stelle als Rezeptionistin bei uns im Fit and Fun?“ „Mia. Bitte nennen Sie mich Mia.“ Mia versuchte mit ihrer ganzen Überzeugungskraft, der Lady, welche unpassenderweise Hildegard hiess, klar zu machen, wie sehr sie diesen Job haben möchte. Hildegard schien ziemlich überzeugt von Mia zu sein, da sie gespannt zuhörte und ihr vergewisserte, dass sie gute Chancen habe und sie morgen gleich in der Früh anrufen werde, um ihr bescheid zu geben, ob sie den Job bekommen wird.

Auf der Heimfahrt stand Mia im Stau, wie sie das hasste! Dabei hatte sie jedoch Zeit ihr Vorstellungsgespräch revue passieren zu lassen. Sie hatte die Stelle beim Yoga ausgeschrieben gesehen. Yoga scheint ja doch für was gut zu sein. Sie hatte sich einfach mal gedacht, dort anzurufen. Rezeptionistin in einem Fitnessstudio hört sich doch interessant an. Man ist unter sportlichen, gutaussehenden Menschen und wirkt selber sportlich und gutaussehend. Dass sie an zwei Vormittagen die Kinderbetreuung der Hausfrauen übernehmen müsste, welche an die Kurse kamen, störte sie nicht sonderlich. Ist vielleicht sogar noch eine gute Abwechslung. Ausserdem dürfte sie nach ihrem Dienst und auch an den freien Tagen das Fitnessstudio und die Kurse gratis besuchen. Obwohl sie auf diesen Benefit nicht wirklich heiss war, ist es vielleicht doch nicht schlecht, wenn man immerhin weiss, dass man könnte, wenn man wollte.

Sie kam nur im Schneckentempo voran, es kam noch hinzu, dass vor ihr eine Baustelle war, welche durch eine Ampel geregelt wurde. Sie wollte gerade noch Gas geben, aber die Ampel sprang schon wieder auf rot. „Mist! Wie ich das hasse!“ Ihr kam vor, dass die Ampel überhaupt nicht mehr auf grün umspringen wollte und trommelte mit den Fingern gegen das Lenkrad. Ihre Gedanken schweiften ab. Sie hatte gerade Hildegard vor ihrem geistigen Auge. Sie wunderte sich, wie es Menschen schafften, in Sportkleidung so sexy auszusehen. Sie wirkte im Jogginganzug immer plump und verschlafen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie in ihrem Jogginganzug nichts anderes macht als plump und verschlafen vorm Fernseher zu hängen. Naja egal, wenn sie den Job kriegt, wird sie vielleicht dann auch mal sportlich und sexy aussehen. Auf einmal war heftiges Hupen zu hören, Mia trat unvermittelt aufs Gas. Wie konnte sie nur übersehen, dass die Ampel wieder grün war?

Der Heimweg zog sich in die Länge. Dabei philosophierte sie über die Tatsache, dass es oft vorkam, wenn man sich etwas herbeisehnt, es übersieht, wenn es dann wirklich da bzw. eingetreten ist. Wie vorhin die Ampel. Man lässt sich einfach zu schnell und leicht durch anderes ablenken.

Mia sass daheim vor ihrem PC und surfte im Internet. Sie sehnte sich Max herbei, ganz schrecklich und fest. Würde sie ihn nicht bemerken, wenn er plötzlich wieder da wäre? Unmöglich. Könnte sie sich durch irgendwas ablenken lassen, dass sie ihn nicht bemerken würde? Unmöglich. Sie klickte die Internetseite „Nie mehr wieder Single“ weg. Wie konnte sie nur daran denken, einen neuen Mann in ihr Leben zu lassen. Nein, dafür war sie noch nicht bereit. Und übers Internet war wahrscheinlich eh keine gute Idee. Ihr Profil würde sie jedoch mal stehen lassen und noch nicht löschen, fürs erste. Sie müsste auf die Anfragen ja nicht antworten. Oder eben nur vereinzelt, oder halt nur auf die mit Bild.

Mia machte gerade Kaffee für ihren Chef als sie von weitem ihren Handyklingelton hörte. „Scheisse,“ murmelte sie „das ist bestimmt Hildegard.“ Sie liess alles stehen und liegen und hastete zu ihrem Schreibtisch. Völlig ausser Atem meldete Mia sich mit „Hallo, hier spricht Mia Miller.“ Am anderen Ende war Hildegard zu hören. Was sich die wohl dachte, immerhin war Mia völlig ausser Atem und das nur nach ca. 15 Meter - dafür Vollsprint. „Hallo Mia, stör ich dich gerade?“ „Nein, nein, ich bin grad an meinem täglichen Fitnessprogramm und deshalb ein wenig ausser Atem.“ O Gott warum musste sie lügen? Nachdem Hildegard ihr verkündete, dass sie den Job hatte, konnte Mia einen kurzen Freudenschrei nur schwer unterdrücken und dachte, dass diese Lüge vielleicht sogar noch die letzten Zweifel seitens Hildegard weggewischt hatte. Voll beschwingt überbrachte sie ihrem Chef den Kaffee samt Kündigung. Er war völlig aus dem Häuschen. Ihr war es so was von egal, sie hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen. Die einmonatige Kündigungsfrist würde sie natürlich einhalten. Sie hatte ja noch 2 Wochen Ferien zu Gute, somit musste sie noch 2 Wochen hier absitzen. Dann hatte sie sogar noch eine Woche frei bevor sie ihren neuen Job antreten musste.

Mia suchte ihre Trainingsschuhe, toll, jetzt würden sie wenigstens doch noch zum Einsatz kommen. Sie hatte heute schlecht geschlafen und ist deshalb schon früh wach gewesen, nun hatte sie wenigstens Zeit sich mental auf den 1. Arbeitstag vorzubereiten. Sie frühstückte ausgiebig, was sie aber danach gleich wieder bereute, da sich ihr Bauch leicht über die Trainingshose wölbte. „Verdammte Ballaststoffe, blähen einen doch nur….“ murmelte sie vor sich hin – immer noch auf der Suche nach ihren Trainingsschuhen. Auf einmal fiel es ihr ein! Bongo hatte diese ja zuletzt gehabt. Ihr schwante übles. „Bongo, sofort hierher!“ Bongo spitzte nur kurz die Ohren und legte sich wieder auf seine Vorderpfoten zum Schlafen. Wäre ja auch was Neues gewesen, wenn er ihr gehorcht hätte. Sie durchwühlte seine Spielsachen, die teilweise klebrig und ausgefranst waren, hauptsächlich irgendwelche alten Plüschtiere von Mia. Mittendrin fand sie ihren Turnschuh, aber eben nur einen, er sah ziemlich zerbeult aus, ein Schuhband war abgerissen. Sie verzichtete darauf den zweiten Schuh zu suchen und überlegte was sie nun anziehen sollte. Sie nahm ihre Birkenstock hervor und eilte zum Auto.

Hildegard stellte ihr ihre neuen Arbeitskollegen vor, sie wurde in ihren Tagesablauf eingeführt und wurde unterrichtet, dass sie bereits morgen die Rezeption alleine führen musste. Man musste Mia ihr Unbehagen angesehen haben, denn Kevin, ein muskelbepacktes Etwas mit halslosen Eierschädel, bot seine Hilfe an. „Mia, mach dir keine Sorgen, wenn du Fragen hast und Hilfe brauchst, in welchen Zusammenhang auch immer, ich bin immer zur Stelle.“ Er zwinkerte ihr neckisch zu und ein Lachen, welches wie ein Grunzen klang, entkam seinen schwülstigen Lippen. Mia hatte das Gefühl ihren Apfel, den sie kurz zuvor gegessen hatte, ein zweites Mal hinunter schlucken zu müssen.
Kevin war einer von 3 Fitnesstrainern, die im Fit and Fun arbeiteten. Die beiden anderen waren gerade beschäftigt die Kundschaft zu bedienen, Kevin jedoch schwänzelte schon die ganze Zeit hinter Mia her. Das kann ja was werden, dachte Mia, während sie auf dem Weg in Hildegards Büro war, um sich nach dem ersten Arbeitstag zu verabschieden. „Gut, dass du noch bei mir vorbeischaust, Mia. Ich habe da noch ein paar Sachen für dich.“ Hildegard überreichte ihr zwei Trainingsanzüge und zwei T-Shirts, welche auf dem Rücken das Logo des Fitnessclubs bedruckt hatten, ebenso bekam sie ein paar Trainingsschuhe und ein Käppi und ein paar Werbeartikel, wie einen Schirm, einen Kugelschreiber und eine Tragtasche. „Und bevor ich es vergesse,“ Hildegard lächelte verschmitzt „ ich habe dich für den Stadtlauf Anfang April angemeldet.“ Mia schluckte schwer. „Bei uns im Team im Fit and Fun ist es sozusagen schon Tradition, daran teilzunehmen und ich dachte, ich mach dir damit bestimmt eine Freude. Ach ja, dieses Jahr haben sie den Lauf leider ein wenig gekürzt, auf 20 km, mhm schade, ich hoffe, das ist dir nicht zu lasch und du wirst trotzdem Spass daran haben. Wenn wir danach noch nicht genug haben, können wir ja sonst noch eine Extrarunde drehen.“ Hildegard lachte laut und Mia fiel mit ein, wobei ihr Lachen eher hysterisch klang.


6

Betti war froh, dass es Mia spürbar besser ging und sie heute abend endlich mal wieder zusammen um die Häuser ziehen würden. Es war auch für Betti schon lange her, dass sie mal wieder nur einen Frauenabend vor sich hatte. Mit Mike lief ja alles bestens, sie war ja so verliebt.
Mia erzählte Betti die aktuellen News bis ins Detail und stellte ziemlich erschrocken fest, dass sie ja wirklich lange nicht mehr mit ihr gesprochen hatte. Zumindest Mia nicht mit Betti. Betti hatte schon des öfteren mal angerufen und ihr von ihrem Schatz vorgeschwärmt, wobei Mia nie wirklich zu Wort kam, wieso auch, sie hatte bis auf ihren neuen Job nicht wirklich Prinkelndes zu erzählen gehabt. Aber seit dem Stadtlauf war alles anders.

Es begann damit, dass Mia am Vorabend des Stadtlaufs Proteinshakes dem Abendessen vorzog, ein Tipp von Kevin, den sie sich zu Herzen nahm. Sie musste wirklich jede Unterstützung und Ratschlag hinsichtlich des Stadtlaufs annehmen, denn sie wusste nicht, wie sie die 20 km überstehen sollte. Und vielleicht gings ja mit Proteinshakes besser. Sie war nervös und konnte nicht einschlafen. Da ihr aber zu Herzen gelegt wurde, früh ins Bett zu gehen, damit sie auch richtig ausgeschlafen zum Lauf erscheinen kann, durchwühlte sie in ihrer Verzweiflung, ihre Heimapotheke nach Beruhigungs- oder Schlaftabletten. Sie wurde fündig, sie warf sich grad zwei ein um auf Nummer sicher zu gehen um auch wirklich einschlafen zu können. Als in der Früh der Wecker läutete, fühlte sie sich schlecht, sehr schlecht. Ihr Kopf brummte, als hätte sie einen Hangover. Genau das, was sie nun wirklich gar nicht gebrauchen konnte. Vielleicht waren die Schlaftabletten doch nicht so eine gute Idee gewesen. Sie stand auf, nahm einen erneuten Proteinshake, diesmal mit Vanillegeschmack, und spülte 2 Aspirin mit einer grossen Tasse schwarzen Kaffee runter. Sie sah auf die Uhr, bereits halb zehn, sie musste sich beeilen. Sie schlüpfte in ihr gesponserte Fit and Fun Outfit und fuhr zum vereinbarten Treffpunkt, wo sie ihre anderen Arbeitskollegen antraf.

Hildegard strahlte über das ganze Gesicht als sie Mia um die Ecke bogen sah. „Perfekt, du bist ja auch schon da, nun sind wir vollzählig. Komm wir gehen schon mal zum Start rüber, in 5 min geht es los!“ Mia war nervös, sie trottete hinter den anderen her und wollte einfach nur unsichtbar sein. Die 5 min vergingen wie im Flug und sie fand sich an der Startlinie wieder. Links und rechts war die Strasse mit einem gelb leuchtenden Band abgesperrt und markierte so den ganzen Weg des Laufes. Na wenigstens konnte sie sich nicht verlaufen, dachte Mia und lies ihren Blick über die Zuschauer, die eng an das Band gedrängt standen, schweifen.

Dann sah sie ihn. Ein Blitz liess ihren Körper erschaudern, aber auf eine ausgesprochen angenehm prickelnde Weise. Der Mann ihrer Träume, er sah ihr geradewegs in die Augen. Er hatte wundervolle warme dunkelbraune Augen und einen Wuschelkopf voller dunkler kurzer Locken. Sie war für Sekunden wie geblendet und merkte gar nicht, dass der Startschuss gefallen war, sie stand immer noch wie angewurzelt stehen und kehrte erst wieder in die Realität zurück als sie den Schmerz in ihrem linken Knie bemerkte. Sie lag auf den Boden, umgerempelt und überrannt von übereifrigen sportlichen Traumfrauenkörpern. Ihr Knie blutete heftig und irgendjemand zog sie auf die Seite. Als sie aufblickte sah sie in Kevins aufgeschwemmtes Gesicht. Ihr blick huschte durch die Zuschauer, wo war er? Sie konnte ihn nicht mehr ausmachen. Warum waren ihr schöne Augenblicke immer nur für Millisekunden vergönnt? Kevin versuchte sie hochzuziehen. „Hör auf Kevin!“ schrie sie wütender und lauter als beabsichtigt. Sie war einfach enttäuscht, sie wollte einfach aufstehen und nach ihm suchen. Kevin jedoch hielt sie ganz fest und redete beruhigend auf sie ein. „ Da müssen wir wohl in die Notaufnahme, dein Knie sieht gar nicht gut aus.“ „Papperlapapp, so ein Blödsinn, ich kann sehr wohl noch alleine stehen, dann kann es doch nicht so schlimm sein.“ Sie riess sich von ihm los und bemerkte erst jetzt, dass es doch recht eine grosse Wunde war. „Von mir aus“, gab sie zu „lass uns schnell ins Krankenhaus, vielleicht muss die Wunde ja genäht werden, ich will einfach schnell wieder hier sein.“ „Aber warum denn, du kannst auf keinen Fall mehr mitlaufen.“ „Das weiss ich selber.“ murmelte sie und dachte nur daran den Unbekannten zu finden, sie musste ihn kennenlernen, so eine Chance darf man nicht ungenützt verstreichen lassen. Sie hatte noch nie so ein intensives Gefühl verspürt. So definiert man wohl Liebe auf den ersten Blick.

In der Notaufnahme war die Hölle los, sie mussten sich erst mal gedulden und abwarten bis sie drankamen. Kevin tröstete sie und redete auf sie ein wie auf ein Kleinkind. Sie liess es einfach mit sich geschehen, eigentlich konnte sie es ja gar nicht leiden, wenn man sie so bemutterte, aber ihre Gedanken waren ganz woanders, sie hingen an diesem einen schönen kurzen Moment fest.

Zwei Stunden und fünf Stiche reicher, waren sie wieder zurück am Startplatz des Laufes, der zugleich auch das Ziel darstellte. Es war sehr viel los, alle Läufer waren schon eingetroffen. Mia plauderte kurz mit Hildegard, die ihr tiefstes Beileid ausdrückte und es enorm schade fand, dass sie wegen dieses blöden Sturzes nicht mitlaufen konnte. Mia jedoch sah es von der positiven Seite, somit hat sie sich wenigstens nicht vor ihren ganzen Arbeitskollegen blamieren müssen und hatte morgen keinen Muskelkater und heute kein Brennen in der Lunge. Ihr Knie schmerzte spürbar, nichtsdestotrotz kämpfte sie sich durch das Gedränge gleich nachdem sie sich von allen mit der Ausrede verabschiedet hatte, sich unbedingt zu Hause ein wenig hinzulegen. Ihre Augen hafteten sich auf alles, das dunkle Haare hatte und männlich war. Als sie schon aufgeben wollte, sah sie ihn. Gleich wieder verspürte sie dieses wohligwarme Gefühl in der Magengegend. Er war auf der anderen Seite der Strasse, in dem Moment als sie die Strasse überquerte, drehte er sich ab und ging in die gegengesetzte Richtung fort. „Nein, komm zu mir, nicht dort rüber, Scheisse!“ Mia versuchte so gut wie es mit ihrem verletzten Knie möglich war, mit ihm Schritt zu halten, verlor ihn jedoch schon wenige Minuten später in der Menge.

„Das ist ja eine Story! Das ist ja fast so schön wie bei mir und Mike! Aber zeig mal dein Knie, tut es noch weh?“ Betti war einerseits hingerissen von der Geschichte, die ihr Mia gerade erzählt hatte, machte sich dennoch ein wenig Sorgen, nicht wirklich um das Knie sondern eher um Mia’s Psyche. So hatte sie Mia noch nie erlebt, sie war wirklich voll hin und weg von dem Kerl, so sehr, dass sie sogar Max für kurze Zeit zu vergessen schien. Sie hoffte nur, dass sie sich da nicht in etwas hineinverirrt, dass keine Zukunft hat. Mia nahm Betti’s nachdenkliche Miene wahr, projezierte sie jedoch wirklich auf ihr Knie. Sie verdrehte die Augen „Betti, hier geht es um wichtigeres als um mein verletztes Knie. Verstehst du nicht? Ich muss ihn wiedersehen. Ich muss ihn unbedingt finden. Das ist meine Mission. Das Gefühl, es war so innig, das ist ein Zeichen.“ Betti musste lachen. „Mir sagt das Zeichen, dass du die Finger vom Sport lassen sollst, da du dich sonst noch mehr verletzt.“ Mia schüttelte den Kopf, Betti ist und bleibt wohl immer die Gleiche. „Ok, dann werde ich das wohl alleine in Angriff nehmen müssen.“ „Hör zu, Mia, ich helfe dir natürlich gerne, aber versteif dich nicht zu sehr darauf. Vielleicht wirst du ihn auch nie ausfindig machen können. Ich möchte nicht, dass du wieder enttäuscht wirst.“ Mia nickte. Plötzlich musste sie an Max denken. Es war nicht mehr so schmerzhaft wie noch vor kurzen. Ein leichter Nebel umhüllte seine Gestalt in ihren Gedanken, verpackte ihn in Watte. Es gab ihr das Gefühl, dass er weiter weg war als sonst, sie konnte durch den Nebel nur mehr schlecht zu ihm durchdringen. Auf eine seltsame Weise fühlte sie sich ein wenig losgelöster, die emotionale Verbindung zu ihm schien nun auch von ihrer Seite her ein wenig nachzulassen. Das spornte sie an, den Unbekannten zu finden. Und wenn es sinnlos war hatte es zumindest den schönen Nebeneffekt, dass sie nicht mehr so oft an Max dachte und ihn vielleicht irgendwann man vollständig loslassen kann.
„Komm Mia, gib mir mal ein paar Details über diesen Typen, schliesslich soll ich ihn ja auch erkennen, wenn ich ihm über den Weg laufe.“ Mia schmunzelte, sie besprachen alle wichtigen Details und Betti versprach ihr, dass sie die Augen offenhält und ihr sofort melden würde, falls sie einen Mann sieht, der auf die Beschreibung passen würde.

Mia bedankte sich bei Betti und schlenderte nach Hause. Einerseits war sie niedergeschlagen, dass sie ihn einfach so verloren hatte ohne irgendetwas über ihn zu wissen aber andererseits war sie voller Tatendrang, sie würde ihn finden! Es war ihre Mission.

Es roch verbrannt und aus dem Backofen quoll Rauch. Daniel riss den Backofen auf, lies jedoch gleich wieder los und baumelte nach hinten. Eine heisse Rauchwolke stach wie kleine Nadeln in seine Augen. „Scheisse!“ fluchte er und rieb sich die Augen. Er taumelte blind zum Waschbecken, drehte den Wasserhahn auf und wusch sich die Augen aus. Unterdessen fluchte er vor sich hin und rief nach seiner Mutter. Plötzlich fiel ihm von hinten jemand an und er spürte etwas Nasses in seinem Nacken. Überrascht wirbelte Daniel herum und stiess versehentlich den grossen Kochtopf vom Herd. Heisse Tomatensuppe ergoss sich über den Küchenboden und bespritzte Bongo’s Fell. „Verflucht, Bongo, was machst du denn hier?“ Daniel war verwirrt.
„O Gott, was ist denn hier passiert?“ Hildegard stand wie vom Donner gerührt im Türrahmen. „Mutter! Wo zum Teufel warst du?“ Daniel sah sie entgeistert an. Hildegard schluckte schwer und suchte nach Worten, ihr kamen jedoch keine über die Lippen. „Ich, ähm, es hat geläutet und Mia stand vor der Tür und sie hatte Bongo dabei und wir dachten da es so schön Wetter ist, gehen wir eine Runde spazieren, ich meine, Scheisse, ich hatte ganz vergessen, dass ich ja eigentlich am Kochen war.“
Mia stand nun neben Daniel und schaltete den Herd ab und versuchte das schlimmste Übel, dass die Tomatensuppe verursacht hat, zu beseitigen. „Wie konntest du das nur vergessen?“ Mia und Daniel sahen ihre Mutter verwirrt an. „Tja wahrscheinlich wird eure Mutter alt. Kommt lasst uns dieses Chaos beseitigen, wir können noch von Glück sprechen, dass das Haus nicht abgebrannt ist.“
Sie machten sich an die Arbeit. Nachdem der verkohlte Schweinsbraten in den Abfall gewandert war, schlug ihre Mutter vor, sich eine Pizza zu bestellen. „Mia, schau doch bitte mal am Küchentisch. Dort müsste ein Stapel mit Werbung liegen. Da habe ich gestern einen Flyer von einem neuen Pizzaservice gesehen. Da gibt’s wohl die 1. Pizza, die man bestellt, gratis.“ „Ja, wenn man mindestens fünf bestellt oder so.“ warf Daniel ein und regte sich darüber auf, welch Werbestrategien so manche Firmen verfolgten und dann diverse Hausmütterchen drauf reinfallen und danach erstaunt feststellen müssen, dass sie die 1. Pizza eben nicht gratis erhalten, weil sie ja nur eine bestellt haben.
Mia durchwühlte den Poststapel und hielt abrupt inne. Ihr Herz begann laut zu pochen und ihre Hände zitterten. Er blickte sie direkt an. Von einem Werbezettel für Kontaktlinsen strahlte er ihr entgegen. Sie stammelte etwas vor sich hin, schnappte sich den Zettel, rief nach Bongo und war schon am Auto, um die Wagentüre aufzureissen, als ihre Mutter ihr hinterrief. „Mia, wo willst du denn hin? Was ist denn los?“ „Jetzt nicht, Mutter!“ sagte sie schärfer als beabsichtigt. Sie stieg ins Auto ein und fuhr geradewegs nach Hause.

Als erstes rief sie Betti an. Betti durchwühlte sofort ihren Poststapel und hielt nun ebenso wie Mia den besagten Flyer in der Hand. „Er sieht verdammt gut aus, Mia!“ Mia hörte im Hintergrund Mike irgendwas sagen. Betti verstummte für kurze Zeit und Mia hörte eine Tür zuschlagen. „So“, meinte Betti „nun kann ich ungestört von diesen Unbekannten schwärmen, ohne dass ich mir von Mike anhören muss, warum wir Frauen denn immer dunkle Typen so toll finden müssen.“ Mia musste lachen und stellte sich das eingeschnappte leicht rötliche und sommersprossenübersähte Gesicht von Mike vor.
„Was willst du nun als nächstes unternehmen? Ich meine damit, was hast du nun vor mit diesem Flyer?“ Mia überlegte nur kurz. „Als erstes werde ich nun seinen Namen ausfindig machen und zwar heute noch. Ich ruf dich morgen an und werde seinen Namen wissen. Verlass dich drauf.“ Mia lächelte bei diesem Gedanken und legte auf. Betti wollte noch was erwidern aber die Leitung war schon tot. Sie ging zurück ins Wohnzimmer und sah Mike an. „Da hat es eine mächtig erwischt.“ Beide grinsten und Mike drückte Betti einen Kuss auf die Stirn.











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