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Far Worlds - Kapitel 01 - von Webmaster, 10.05.2004
Sargon, der grüne Planet, auf dem alles begann

An einem dieser schönen Sommertage auf Sargon, wie es hier viele im Jahr gab, wartete auf Lorc ein bedeutendes Abenteuer. Doch von all dem wusste er noch nichts und seinen Tag begann er, wie jeden anderen, mit dem Verkaufen von Okuta-Früchten. Lorc war einer der Händler, die jeden Morgen auf dem Marktplatz standen und ihre Waren den Einwohnern und den Stadtbesuchern anboten.
     Lorc sah für einen Sargonianer stattlich aus. Er maß einen Meter siebenundfünfzig und besaß eine schlanke Figur. Seine Augen glänzten dunkelbraun und ein verschmitztes Lächeln zierte häufig sein kleines Gesicht. Seine Kleidung war für die eines Kaufmanns auf Sargon typisch. Er hatte dunkelbraune Wildlederstiefel und trug einen farblich passenden Umhang um seine Schultern. Dazu ein dezent gelbes Hemd mit einer ebenfalls braunen Weste darüber. An seinem schwarzen Schlapphut wippte am Hutband eine große Feder. Wie bei allen Händlern baumelte seitlich an seinem breiten Hosengürtel ein dicker Beutel für sein Wechselgeld und die Tageseinnahmen.
     Die Händler von Sargon waren oft sehr lustig und redselig. Das mussten sie sein in ihrem Beruf. Lorc dagegen unterschied sich von seinen Kollegen. Er besaß zwar ebenfalls ein sehr humorvolles Wesen, doch er gehörte zu den ruhigen, in sich gekehrten Zeitgenossen. Lorc hatte in seinem Leben schon immer mehr als ein Händler sein wollen, war ehrgeizig und niemals zufrieden mit dem, was er besaß. Er träumte davon, in einer anderen Welt zu leben, in der es interessanter zuging als hier auf Sargon. Nicht, dass ihm sein Planet nicht gefiel, doch er wollte mehr erleben, als tagtäglich auf dem Markt zu stehen, und mit seinen Stammkunden zu plauschen.
     In seinem Kopf malte er sich große Abenteuer aus. Leider konnte er mit niemandem seine Träume teilen. Die anderen Sargonianer hätten ihn für einen Spinner oder einen Träumer gehalten und das wäre nicht gut für sein Geschäft gewesen. Also lebte Lorc weiter, wie man es von ihm verlangte, und er floh in seine Traumwelt, wann immer es ihm zeitlich möglich war. Nur so konnte er halbwegs glücklich sein.
     Auch heute kamen wie immer einige seiner Stammkunden und Stammkundinnen vorbei und interessierten sich für die leckeren Okuta-Früchte. Gerade die jüngeren Frauen kauften gerne bei Lorc. Er war überaus beliebt bei den Damen wegen seiner charmanten Art und seine bezaubernden, durchaus ernst gemeinten Komplimente entzückten sie.

So verging der halbe Vormittag, bis aus dem Stadttor zwei Wesen traten, die man bisher noch nie hier gesehen hatte. Es gab zwar viele Besucher in der Stadt, aber diese beiden, ein Mann und eine Frau, wirkten sofort fremdartig auf ihn. Sie liefen über den Marktplatz und es sah aus, als wenn sie etwas Besonderes suchten oder auf der Flucht waren, denn ständig drehte sich einer von ihnen um, als befürchteten sie verfolgt zu werden. Lorc beobachtete eine Weile dieses seltsame Pärchen und ihr merkwürdiges Verhalten, dann entschloss er sich, seinen Stand zu verlassen.
     Sie gingen über große Umwege zur Stadtbücherei von Kalondra und Lorc hatte Mühe, ihnen unauffällig zu folgen, aber da es seine Stadt war, besaß er den Vorteil, dass er sich hier besser auskannte als die beiden Fremden. Er kannte alle Winkel und Ecken und konnte sich auf diese Weise rechtzeitig verstecken, bevor sie ihn bemerkt hätten. Als sie an der Stadtbücherei ankamen, öffnete die Frau die Tür, während der Mann sich kurz umdrehte, bevor sie im Inneren des Gebäudes verschwanden. Lorc stand draußen zwei Häuser weiter und beobachtete sie, indem er vorsichtig mit einem Auge um die Ecke lugte. Der Mann hatte ihn nicht gesehen.
     Was die wohl aushecken?, dachte er. Irgendetwas ist da verdammt merkwürdig. Das ist kein normales Verhalten. Außerdem sehen die beiden nicht aus, als wären sie welche aus unserem Volk. Es soll zwar weit entfernt Sargonianer geben, die sich von unserem Aussehen unterscheiden, aber warum sollten sie, wenn es sie wirklich geben mag, so eine große Reise in Kauf nehmen und dann hier herumschleichen wie Diebe auf der Flucht? Doch auf all diese Fragen fand er keine passende Antwort. Daher entschied er sich, den beiden in die Bücherei zu folgen, um zu sehen, wie das Ganze weitergehen mochte und was die beiden Geheimnisvolles zu verbergen hatten.
     Er eilte auf die Tür der Bücherei zu, öffnete sie vorsichtig und schlenderte hinein. Als er im Foyer stand, drehte er sich unauffällig in alle Richtungen um und erblickte den Mann gerade noch, als er am anderen Ende der Eingangshalle durch eine weitere Tür verschwand. Lorc ging auf diese Tür zu, öffnete sie behutsam und schob zuerst seinen Kopf durch, um zu sehen, was sich dahinter befand. Er entdeckte eine Wendeltreppe, die hinabführte. Wahrscheinlich in die Kellergewölbe der alten Bücherei, dachte er sich und hörte, wie die beiden weiter unten die Stufen hinabhasteten. Dann schlich er ihnen hinterher. Je tiefer er kam, desto stärker vernahm er ein leises, monotones Summen. Ein Geräusch, das ihm unbekannt war. Er musste aufpassen, dass seine Neugier ihm nicht doch noch zum Verhängnis wurde. Er hörte ihre Stimmen. Aber was sie sagten, konnte er nicht verstehen. Dazu sprachen sie zu leise und dieser monotone Summton überdeckte ihre Worte. Als er an der letzten Stufe anlangte, hielt er inne, um vorsichtig um die Ecke zu spähen. Er staunte nicht schlecht über das, was er sah. Die beiden Fremden standen vor einem großen, hellblauen, leuchtenden Kreis, der nach oben in einen Lichtzylinder überging und bis kurz unter die Decke reichte.
     »Los, Julandra. Du gehst als Erste durch das Portal«, befahl der Mann der Frau. Sie nickte und schritt auf den leuchtenden Kreis zu. Der Mann folgte ihr dicht dahinter und Lorc sah, wie sie beide mit einem hellen Lichtblitz plötzlich im Kreis verschwanden.
     Mutig war Lorc schon immer gewesen, ein wenig verrückt auch und so rannte er, als der Lichtblitz erlosch, auf das Portal zu und schritt ebenfalls hindurch.

Das Portal beförderte ihn an einen anderen Ort. Wo er sich jetzt befand, konnte er nicht sagen, noch nicht einmal vermuten. Alles kam ihm auf den ersten Blick fremd vor. Er bemerkte, dass das Portal sich hinter ihm schloss und im Nichts verschwand. Dann schaute er sich neugierig in der Gegend um. Sie wirkte fremdartig auf ihn, doch er spürte, er steckte mitten in einem Abenteuer.
     Endlich, dachte er. Nur, was wird mich hier erwarten? Komme ich jemals wieder nach Hause? Wo bin ich eigentlich? Wo sind die Fremden, die vor mir durch dieses komische Ding hindurchgeschritten sind? Und erneut konnte er sich auf all seine Fragen keine Antworten geben, doch nun war er hier und es gab kein Zurück mehr.
     Lorc stand mitten auf einem schmalen, gepflasterten Weg, der durch eine weite, grüne Grasfläche mit künstlich angelegten Büschen führte. In den entfernt stehenden Bäumen hörte er Vogelgezwitscher. Aber keine Vögel, die er kannte, zwitscherten so schrill. Die Umgebung wirkte seltsam. Die Pflanzen kamen ihm nicht vertraut vor, selbst die Sonne sah hier anders aus. Sie erschien ihm größer als sonst. Er war schon herumgekommen auf Sargon, aber solch einen Ort hatte er noch nie gesehen. Vielleicht befand er sich nicht mehr auf Sargon, doch dieser Gedanke schien ihm zu diesem Zeitpunkt ziemlich abwegig zu sein, sodass er sich damit nicht anfreunden konnte und ihn sofort vergaß. Er beschloss, dem Weg zu folgen, denn in der Ferne sah er eine große Stadt. Das musste er sich ansehen.
     »Vielleicht erhalte ich dort ein paar Antworten auf meine Fragen?«, murmelte er leise in seinen Bart, während er über das staunte, was seine Augen dort in der Ferne erblickten.
     Auf dem Weg in die Stadt schaute er über die Wiesen und erschrak, als er plötzlich über sich ein surrendes Geräusch in der Luft vernahm. Von oben sah er etwas metallisch Glitzerndes auf sich zukommen. Es wirkte unwahrscheinlich schnell. Lorc rannte los, aber bis auf ein paar niedere Büsche gab es hier nichts, um sich zu verstecken. Mit einem kühnen Sprung hechtete er in den nächsten Busch hinein und drückte seinen Oberkörper fest auf den Boden. Dann hob er seinen Kopf, um dieses Ding über sich aufmerksam zu beobachten. Es schien ein großer Raubvogel zu sein, der auf Beutejagd war und es auf ihn abgesehen hatte. Lorc beobachtete aus seinem Versteck heraus den Raumgleiter noch einen kurzen Augenblick, bis er eine sichere Distanz zu ihm erreichte. Dann kroch er zwischen den Ästen hervor, stand auf, klopfte sich den Dreck von Knien und Ellenbogen, wischte mit der Hand über sein Gesicht und lief weiter auf die Stadt zu. Von jetzt an drehte er sich einmal mehr als vorher um, damit ihn nicht wieder so ein Ding erschrecken konnte.

***



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